Akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM) ist eine seltene Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks. Das Immunsystem – die Abwehr des Körpers – greift dabei fälschlicherweise die Nerven an und verursacht Entzündungen. Dadurch werden die schützenden Hüllen der Nerven geschädigt, ähnlich wie bei einem Kabel, dessen Isolierung beschädigt ist.
Wichtige Fakten
- ADEM entsteht oft nach einer Infektion, zum Beispiel einem grippalen Infekt.
- Die Erkrankung tritt meist bei Kindern auf, kann aber in jedem Alter vorkommen.
- Eine frühzeitige Behandlung kann die Symptome lindern und die Genesung unterstützen.
- Die meisten Menschen erholen sich vollständig, manche behalten leichte Folgen zurück.
Nein, ADEM ist sehr selten. In Deutschland erkranken etwa 1 bis 3 von 100.000 Menschen pro Jahr daran.
ADEM tritt am häufigsten bei Kindern und Jugendlichen auf, vor allem zwischen 5 und 10 Jahren. Aber auch Erwachsene können erkranken, oft nach einer Infektion.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf (112) bei: Plötzlich auftretende Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit, einseitige Lähmungen, Atemnot oder sehr starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag eine Arztpraxis oder eine Notaufnahme auf, wenn: Neu aufgetretene Schwäche, Verwirrtheit, Gleichgewichtsprobleme, anhaltendes hohes Fieber oder Sehstörungen innerhalb weniger Stunden auftreten.
Häufige Symptome
- Fieber
- Kopfschmerzen
- Schläfrigkeit oder Verwirrtheit
- Schwäche in Armen oder Beinen
- Sehstörungen
- Gleichgewichtsstörungen
- Übelkeit und Erbrechen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern kommen zusätzlich Reizbarkeit, Appetitlosigkeit und manchmal Krampfanfälle (Krämpfe) hinzu. Die Kinder wirken häufig müde und abwesend.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen kann ADEM mit starker Verwirrtheit, Gangunsicherheit oder Bewusstseinstrübungen einhergehen. Manchmal treten auch taube oder kribbelnde Körperstellen auf.
Ursachen
Hauptursachen
- ADEM wird in der Regel durch eine übermäßige Reaktion des Immunsystems auf eine vorangegangene Infektion ausgelöst, häufig eine Atemwegserkrankung.
- Auch eine Impfung kann in sehr seltenen Fällen eine solche Reaktion hervorrufen.
- Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig verstanden.
Risikofaktoren
- Ein Kindesalter und eine kurz zurückliegende Virusinfektion, zum Beispiel eine Erkältung oder Magen-Darm-Infektion, gehören zu den möglichen Risikofaktoren.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie oder Ihr Kind neurologische Symptome bemerken, wie Schwäche, Taubheit, Sehstörungen, Verwirrtheit oder Krampfanfälle, sollten Sie unverzüglich ärztliche Hilfe holen – am besten in einer Notaufnahme.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie nach einer Infektion länger anhaltende Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme haben, sollten Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt sprechen.
Diagnose
Die Diagnose wird im Krankenhaus gestellt, meist von Fachärztinnen und -ärzten für Nervenerkrankungen (Neurologie). Dabei werden die Krankheitszeichen, die Untersuchung der Nervenfunktionen und bestimmte bildgebende Verfahren kombiniert. Die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) geben dabei Empfehlungen.
Mögliche Untersuchungen
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes und des Rückenmarks – zeigt Entzündungsherde
- Untersuchung der Nervenwasserflüssigkeit (Liquorpunktion)
- Blutuntersuchungen zum Ausschluss anderer Erkrankungen
- Elektroenzephalographie (EEG) zur Messung der Gehirnströme
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern in der Regel einige Tage. Im Krankenhaus wird Ihr Zustand überwacht und die Diagnose in Ruhe mit Ihnen besprochen. Es kann sein, dass mehrere Fachpersonen beteiligt sind.
Behandlung
Bei einer ADEM ist eine schnelle Behandlung wichtig, um die Entzündung im Nervensystem einzudämmen. Sie findet meist im Krankenhaus statt und wird von Fachärztinnen und -ärzten geleitet.
Selbsthilfe zu Hause
- Bettruhe und ausreichend Schlaf
- Viel Flüssigkeit trinken, wenn keine medizinischen Gründe dagegensprechen
- Körperliche und geistige Schonung bis zur ärztlichen Freigabe
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung werden entzündungshemmende Medikamente eingesetzt, häufig in hoher Dosis als Infusion. In schweren Fällen kann eine Plasmapherese (ein Austauschverfahren des Blutplasmas) oder die Gabe von Immunglobulinen (Antikörper-Präparaten) notwendig sein. Die genaue Therapie hängt vom Krankheitsverlauf ab und wird individuell geplant.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei ADEM nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Die Erholung von einer ADEM kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Viele Betroffene erholen sich gut. Unterstützende Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie können bei der Wiedererlangung von Fähigkeiten helfen.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf und Erholung
- Stress vermeiden oder reduzieren
- Sich langsam wieder an den Alltag gewöhnen
- Infektionen vorbeugen, zum Beispiel durch Händewaschen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die Genesung. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist empfehlenswert, sobald es Ihre Kraft erlaubt. Besprechen Sie körperliche Aktivität immer mit Ihren behandelnden Personen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine plötzliche Erkrankung des Nervensystems kann psychisch sehr belastend sein. Angst, Traurigkeit oder Reizbarkeit sind normal. Scheuen Sie sich nicht, über Ihre Gefühle zu sprechen oder professionelle psychotherapeutische Unterstützung zu suchen. Wenn Sie in einer akuten psychischen Krise stecken, wenden Sie sich bitte umgehend an eine psychiatrische Notaufnahme oder den Notruf 112.
Vorbeugung
Eine ADEM lässt sich nicht gezielt verhindern, da sie meist als Folge einer Infektion auftritt. Eine gesunde Lebensweise und ein guter Impfschutz können jedoch das Risiko für Infektionen verringern.
Impfungen
Eine Impfung verursacht nur in sehr seltenen Fällen eine ADEM. Die allgemeinen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollten dennoch beachtet werden. Der Nutzen von Impfungen überwiegt das Risiko einer ADEM deutlich.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein Screening zur Früherkennung von ADEM, da die Erkrankung sehr selten ist und keine einfachen Vorstufen bekannt sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung kann eine ADEM zu bleibenden Nervenschäden führen.
- In schweren Fällen können anhaltende Krampfanfälle, Lähmungen oder eine Bewusstseinsstörung auftreten.
- Eine unbehandelte Entzündung kann lebensbedrohlich werden.
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit ADEM erholen sich vollständig oder fast vollständig. Eine frühzeitige Behandlung verbessert die Aussichten erheblich. Bei einigen Betroffenen können Restsymptome wie Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme bestehen bleiben, die sich aber oft bessern.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.