Keratokonus: Formveränderung der Hornhaut
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Keratokonus ist eine Augenerkrankung, bei der die Hornhaut – die durchsichtige Wölbung vor der Pupille – dünner wird und sich kegelförmig nach vorne wölbt. Die Hornhaut verliert ihre normale runde Form, dadurch wird das Sehen verzerrt und unscharf.
Wichtige Fakten
- Die Erkrankung betrifft meist beide Augen, aber oft unterschiedlich stark.
- Der Verlauf ist über Jahre veränderlich: Phasen der Stabilität wechseln sich mit Phasen des Fortschreitens ab.
- Mit frühzeitiger Diagnose und passender Behandlung lassen sich Sehverschlechterungen meist gut ausgleichen.
Keratokonus ist eine seltenere Augenerkrankung. Schätzungsweise 1 bis 2 von 1000 Menschen sind betroffen.
Die Erkrankung beginnt oft im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter, meist zwischen 15 und 30 Jahren. Sie tritt bei allen Geschlechtern auf und kann in Familien gehäuft vorkommen.
Symptome
- Plötzlicher, massiver Sehverlust auf einem Auge
- Starke, anhaltende Schmerzen im Auge
- Blitze, dunkle Schatten oder ein Vorhang im Gesichtsfeld
- ⚠Wenn das Sehen innerhalb von ein bis zwei Tagen deutlich schlechter wird
- ⚠Anhaltende Rötung, Schmerz oder Lichtempfindlichkeit in Verbindung mit Kontaktlinsen
Häufige Symptome
- Das Sehen wird zunehmend unscharf oder verzerrt – gerade Linien wirken wellig
- Lichtempfindlichkeit und Blendung, besonders bei Nacht
- Halos oder Ringe um Lichtquellen
- Geisterbilder neben Konturen oder Buchstaben
- Häufiger Wechsel der Brillenstärke, weil die Sehkraft sich schnell ändert
Symptome bei Kindern
- Häufiges Augenreiben oder Blinzeln
- Schielen oder Einkniffen der Augen
- Schwierigkeiten beim Lesen oder in der Schule, die nicht mit Lernproblemen erklärt werden können
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen verläuft Keratokonus oft stabil, kann aber durch altersbedingte Veränderungen wie einen Grauen Star zusätzlich einseitig unscharf werden
- Eine bestehende Sehhilfe wirkt plötzlich nicht mehr zuverlässig
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt.
- Man geht von einer angeborenen Schwäche der Hornhautfasern aus, wodurch die Hornhaut an Stabilität verliert.
- Ständiges, kräftiges Reiben der Augen kann die Hornhaut zusätzlich schädigen und den Prozess beschleunigen.
Risikofaktoren
- Häufiges und intensives Augenreiben, zum Beispiel bei Allergien
- Asthma oder andere allergische Erkrankungen
- Familiäre Vorbelastung – wenn Verwandte bereits Keratokonus haben
- Manche Bindegewebserkrankungen wie das Down-Syndrom oder das Marfan-Syndrom
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich eine starke Sehverschlechterung bemerken
- Wenn Ihr Auge stark schmerzt, rot wird oder sich die Sehkraft innerhalb weniger Tage rasant ändert
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie trotz neuer Brille weiterhin unscharf oder verzerrt sehen
- Wenn Sie eine familiäre Veranlagung haben und Veränderungen der Sehkraft bemerken
- Wenn Ihr Augenarzt oder Ihre Augenärztin regelmäßige Kontrollen empfiehlt
Diagnose
Keratokonus wird in der Regel durch eine augenärztliche Untersuchung festgestellt. Dabei wird die Hornhaut mithilfe verschiedener Geräte vermessen. Die Untersuchung schmerzt nicht und gehört zur augenärztlichen Diagnostik, die sich an den aktuellen medizinischen Leitlinien der AWMF orientiert.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest mit unterschiedlichen Sehzeichen
- Spaltlampenuntersuchung, bei der die Hornhaut stark vergrößert betrachtet wird
- Hornhauttopographie (Vermessung der Hornhautkrümmung)
- Hornhautdickenmessung (Pachymetrie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei der Untersuchung sitzen Sie an einem Gerät, das einer großen Kamera ähnelt. Sie schauen in verschiedene Richtungen, während die Vermessung durchgeführt wird. Sie sollten vorher keine Kontaktlinsen tragen, da diese die Form der Hornhaut vorübergehend verändern können. Ihr Augenarzt oder Ihre Augenärztin bespricht danach die Ergebnisse mit Ihnen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung und dem Lebensalter. Ziel ist es, das Fortschreiten zu stoppen oder zu verlangsamen und eine möglichst gute Sehkraft zu erhalten. Die Entscheidung wird individuell mit dem Augenteam besprochen.
Selbsthilfe zu Hause
- Vermeiden Sie es, Ihre Augen zu reiben – auch wenn sie jucken
- Lassen Sie Allergien oder Bindehautentzündungen behandeln, um das Reiben zu reduzieren
- Schützen Sie Ihre Augen vor Stößen und Verletzungen, zum Beispiel bei Sport oder handwerklichen Arbeiten
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene nicht-operative Verfahren. Bei mäßig ausgeprägtem Keratokonus helfen oft formstabile Kontaktlinsen, die die unregelmäßige Hornhautfläche ausgleichen. Diese Linsen werden individuell angepasst. Zusätzlich gibt es eine Behandlung zur Hornhautvernetzung (auch Crosslinking genannt), bei der die Hornhaut durch UV-Licht und ein Vitamin-B-Präparat gefestigt wird. So kann das Fortschreiten verlangsamt werden. Die Behandlung wird von spezialisierten Augenzentren angeboten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Sehhilfen und Vernetzung nicht ausreichen, kann eine Operation erwogen werden – zum Beispiel das Einsetzen eines künstlichen Hornhautrings oder in fortgeschrittenen Fällen eine Hornhauttransplantation. Die Entscheidung darüber wird immer gemeinsam mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt und einem spezialisierten Zentrum getroffen.
Leben mit der Erkrankung
Viele Betroffene führen mit optimal angepassten Kontaktlinsen einen fast normalen Alltag. Sie sollten regelmäßige Kontrolltermine einhalten, um den Zustand der Hornhaut zu überwachen und die Sehhilfe bei Bedarf anpassen zu lassen.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie bei starker Sonneneinstrahlung eine Sonnenbrille, um Blendung zu vermeiden
- Achten Sie auf Augenschutz bei sportlichen Aktivitäten
- Besprechen Sie mit Ihrem Augenarzt, ob und wie Sie Kontaktlinsen über längere Zeit tragen können
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung hält das Auge gesund, kann den Verlauf des Keratokonus aber nicht aufhalten. Sport und Alltagsaktivitäten sind meist möglich. Bei Kontaktsportarten sollten Sie über eine Schutzbrille nachdenken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Sehverschlechterung kann belastend sein – vor allem in jungen Jahren. Gefühle von Unsicherheit oder Ärger sind normal. Es kann helfen, sich zu informieren, den Austausch mit anderen Betroffenen zu suchen und bei anhaltender Belastung mit einer Vertrauensperson oder einer psychologischen Beratung zu sprechen.
Vorbeugung
Keratokonus lässt sich nicht grundsätzlich verhindern. Sie können jedoch das Fortschreiten verlangsamen, indem Sie Augenreihen konsequent vermeiden und allergische Beschwerden behandeln lassen.
Impfungen
Für Keratokonus selbst gibt es keine Impfung. Allgemeine Impfempfehlungen zur Gesunderhaltung sollten Sie wie üblich mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt besprechen.
Früherkennungsprogramme
Wenn in Ihrer Familie Keratokonus vorkommt, kann eine augenärztliche Untersuchung in jungen Jahren sinnvoll sein, um mögliche Veränderungen früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Sicht kann sich im Laufe der Zeit deutlich verschlechtern und mit einer Brille nicht mehr korrigierbar sein
- Eine akute Hornhauttrübung durch Flüssigkeitsansammlung (sogenannter Hornhauthydrops) kann auftreten und Schmerzen verursachen
- In fortgeschrittenen Fällen kann eine Hornhauttransplantation notwendig werden, wenn keine andere Sehhilfe mehr hilft
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit Keratokonus behalten eine gute Sehkraft. In vielen Fällen stoppt die Erkrankung mit zunehmendem Alter von selbst – und auch durch eine frühe Behandlung lässt sich der Verlauf oft günstig beeinflussen. Es gibt heute viele Möglichkeiten, den Alltag gut zu bewältigen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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