Burning-Mouth-Syndrom: Wenn der Mund brennt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Burning-Mouth-Syndrom (BMS) ist ein anhaltendes Brennen im Mund, für das keine körperliche Ursache wie Entzündung oder Infektion gefunden werden kann. Die Zunge, die Lippen oder der gesamte Mund fühlen sich an wie verbrüht. Die Beschwerden sind real und können den Alltag sehr belasten – auch wenn die Schleimhaut normal aussieht.
Wichtige Fakten
- Das Brennen tritt meist beidseitig auf, häufig dauert es über mehrere Monate an.
- Die Beschwerden werden oft mit dem Begriff „Zungenbrennen“ beschrieben, können aber den ganzen Mund betreffen.
- Unterstützung durch Gespräche und Entspannungsverfahren kann die Lebensqualität deutlich verbessern.
Burning-Mouth-Syndrom ist nicht selten. Schätzungen zufolge sind etwa 1 bis 5 von 100 Menschen betroffen. In Deutschland wird die Häufigkeit auf rund 1 bis 3 % geschätzt.
Das Syndrom tritt deutlich häufiger bei Frauen und älteren Erwachsenen auf, besonders nach den Wechseljahren. Auch Menschen mit Stress, Ängsten oder Depressionen sind öfter betroffen.
Symptome
- Plötzliche Schwellung von Mund, Zunge oder Gesicht
- Atemnot oder das Gefühl, nicht schlucken zu können
- Heftige, plötzliche Schmerzen im Mund mit Fieber: Rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- ⚠Bläschen oder Ausschlag im Mund, der immer schlimmer wird
- ⚠Weiße, nicht abwischbare Beläge
- ⚠Schmerzen beim Essen oder Trinken, die zu einer Austrocknung führen
- ⚠Blutungen im Mundraum ohne klare Ursache
Häufige Symptome
- Brennen auf der Zunge, besonders an der Zungenspitze
- Heiß oder verbrüht fühlender Gaumen oder Lippen
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Mund
- Bitterer oder metallischer Geschmack
- Trockenheitsgefühl im Mund
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist das Burning-Mouth-Syndrom sehr selten. Ein Brennen im Mund hat dann meist eine andere Ursache, zum Beispiel ein Mangel oder eine Mundschleimhautentzündung.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen sind verminderte Speichelproduktion, Zahnersatz und veränderte Nährstoffaufnahme häufig begünstigende Faktoren. Die Beschwerden bestehen oft chronisch über Jahre.
Ursachen
Hauptursachen
- Primäres Burning-Mouth-Syndrom: Die Ursache ist unbekannt. Man vermutet eine Fehlregulation der Nerven, die für Geschmack und Schmerz im Mund zuständig sind.
- Sekundäres Burning-Mouth-Syndrom: Auslöser können sein: Nährstoffmangel (z. B. Eisen, B-Vitamine, Zink), Mundtrockenheit durch Medikamente, Allergien, Magensäure, bestimmte Zahnmaterialien oder eine Pilzinfektion (Mundsoor).
- Begleiterkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenstörungen oder rheumatische Erkrankungen können ebenfalls mit Brennen im Mund einhergehen.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht und hormonelle Umstellung (z. B. Wechseljahre)
- Fortgeschrittenes Alter
- Stress, Angststörungen oder Depressionen
- Zahnersatz oder Allergie auf Zahnmaterialien
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Brennen plötzlich beginnt und gleichzeitig Atemnot oder Gesichtsschwellungen auftreten, rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn Sie täglich Schmerzen haben und nicht mehr normal essen oder trinken können, suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Brennen länger als zwei Wochen anhält, buchen Sie einen Termin beim Hausarzt.
- Auch wenn sich der Geschmack verändert oder Sie Schmerzen beim Sprechen haben, sollten Sie das ärztlich abklären lassen.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin wird zuerst ausführlich nach Ihren Beschwerden fragen, den Mund untersuchen und auf sichtbare Veränderungen achten. Nach der Leitlinie der AWMF werden mögliche Ursachen Schritt für Schritt ausgeschlossen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung auf Eisen, Vitamine (besonders B12 und Folsäure), Zink und Blutzucker
- Kulturtest der Mundschleimhaut auf Pilze (Mundsoor)
- Allergietest auf Zahnmaterialien oder Nahrungsmittel, wenn ein Allergieverdacht besteht
- Manchmal eine Speichelmessung oder eine kleine Nervenuntersuchung (Elektroneurographie) zur Abklärung anderer Erkrankungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose braucht manchmal mehrere Schritte. Nicht bei jedem bleiben die Beschwerden dauerhaft. Sie können jederzeit eine zweite ärztliche Meinung einholen, wenn etwas unklar ist.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die Lebensqualität zu verbessern und eventuelle begünstigende Faktoren zu beheben. Wenn eine körperliche Ursache gefunden wird, wird diese behandelt. Liegt keine Ursache vor, geht es darum, das Brennen zu lindern und Stress abzubauen.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie regelmäßig kaltes Wasser – es beruhigt die Schleimhaut.
- Meiden Sie scharfe Gewürze, säurehaltige Lebensmittel und starken Alkohol.
- Kauen Sie zuckerfreie Kaugummis oder lutschen Sie Eiswürfel, um die Speichelbildung anzuregen.
- Lassen Sie sich in der Apotheke zu einem Speichelersatz-Gel beraten, wenn Ihr Mund sehr trocken ist.
- Reduzieren Sie Kaffee und Schwarztee, wenn sie den Mund austrocknen.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache: Bei Nährstoffmangel werden die fehlenden Substanzen in Absprache mit dem Arzt ergänzt. Pilzinfektionen werden mit sogenannten Antimykotika behandelt – Mitteln gegen Pilze, die der Arzt oder die Ärztin verschreibt. Wenn keine körperliche Ursache vorliegt, können kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungsverfahren oder eine angepasste Schmerztherapie helfen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Ihnen einen auf Sie zugeschnittenen Plan vorschlagen. Besprechen Sie immer genau, was für Sie geeignet ist, und ändern Sie keine Therapie ohne ärztliche Rücksprache.
Leben mit der Erkrankung
Ein trockener Mund und das Brennen können sehr belastend sein. Planen Sie Ihren Tag so, dass Sie immer Wasser griffbereit haben. Stress vermeiden Sie besser durch regelmäßige Auszeiten. Viele Menschen finden Entspannungsübungen oder Achtsamkeits-Yoga hilfreich.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, moderate Bewegung wirkt stressreduzierend und verbessert die Durchblutung im Mund.
- Ausreichend Schlaf und feste Essens- und Trinkzeiten entlasten den Körper.
- Vermeiden Sie Mundspülungen mit Alkohol, da sie die Schleimhaut reizen.
- Besuchen Sie regelmäßig Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt, um die Mundgesundheit zu prüfen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn liefert wichtige Nährstoffe. Meiden Sie sehr scharfe oder heiße Speisen, die den Mund zusätzlich reizen. Sport, Spaziergänge und Bewegung an der frischen Luft helfen, Stress abzubauen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende Schmerzen können die Seele mit der Zeit stark belasten. Manche Menschen entwickeln eine depressive Verstimmung, Ängste oder ziehen sich sozial zurück. Es ist wichtig zu wissen: Diese Beschwerden sind nicht erdacht, sondern real. Ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten kann helfen, besser mit den Beschwerden umzugehen. Wenn Sie unter anhaltender Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit leiden, suchen Sie sich bitte ärztliche Hilfe. In akuten psychischen Krisen wenden Sie sich an den örtlichen psychiatrischen Notdienst oder, wenn Sie in Gefahr sind, an den Notruf 112.
Vorbeugung
Ein Burning-Mouth-Syndrom lässt sich nicht immer verhindern, da die genaue Ursache unbekannt sein kann. Sie können jedoch einiges tun, um das Risiko zu senken: eine ausgewogene Ernährung, gründliche Zahnpflege, Stressbewältigung sowie den Verzicht auf Zigaretten und übermäßigen Alkohol.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn die zugrunde liegende Ursache nicht erkannt wird, können chronische Schmerzen zu Schlafstörungen, Ängsten und Depressionen führen.
- Unbehandelter Nährstoffmangel kann zu Blutarmut und weiteren Nervenfunktionsstörungen führen.
- Der Verlust des Geschmackssinns und ständige Schmerzen können die Ernährungs- und Sozialsituation deutlich verschlechtern.
Langzeitprognose
Die Beschwerden können viele Monate und teils Jahre andauern, sind jedoch keine lebensbedrohliche Erkrankung. Sehr häufig gelingt es, durch eine Kombination aus Ursachentherapie und seelischer Unterstützung das Brennen deutlich zu lindern. Auch wenn keine vollständige Heilung gelingt, kann die Lebensqualität mit einem guten Behandlungsteam spürbar verbessert werden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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