Anämie bei chronischen Erkrankungen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Anämie bei chronischen Erkrankungen – auch Entzündungsanämie genannt – hat der Körper zu wenige rote Blutkörperchen oder zu wenig Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff. Grund ist eine dauerhafte Entzündung im Körper. Dadurch wird das Eisen nicht richtig genutzt, obwohl genug davon vorhanden sein kann. Die Blutarmut ist also keine eigenständige Krankheit, sondern eine Begleiterscheinung einer anderen, chronischen Erkrankung.
Wichtige Fakten
- Die Blutarmut entsteht als Folge einer chronischen Entzündung, nicht durch einen einfachen Eisenmangel.
- Sie tritt häufig bei Menschen mit chronischen Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Krebs oder Nierenschwäche auf.
- Die Behandlung richtet sich in erster Linie gegen die Grunderkrankung, nicht nur gegen die Anämie.
Ja, sie ist eine der häufigsten Formen von Blutarmut. Besonders oft tritt sie bei Menschen auf, die wegen einer chronischen Krankheit im Krankenhaus behandelt werden.
Sie betrifft vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Nierenschwäche, rheumatoider Arthritis, chronischen Entzündungen, Krebs oder einer HIV-Infektion. Ältere Menschen sind häufiger betroffen, da chronische Krankheiten im Alter zunehmen.
Symptome
- Starke Brustschmerzen oder Engegefühl
- Schwere Atemnot in Ruhe
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Schneller, unregelmäßiger Herzschlag
- ⚠Starke, plötzliche Schwäche, die den Alltag unmöglich macht
- ⚠Sehr blasse Haut und starkes Frieren
- ⚠Herzklopfen ohne Anstrengung
- ⚠Bewusstseinsveränderungen wie starke Verwirrung
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Blässe der Haut und Schleimhäute
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Schwindel oder Kopfschmerzen
- Kalte Hände und Füße
- Konzentrationsprobleme
Symptome bei Kindern
- Auffällige Blässe und Schwäche
- Verminderter Appetit
- Wachstumsverzögerung oder Entwicklungsverzögerung
- Häufige Infekte
- Reizbarkeit und geringe Belastbarkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verstärkte Verwirrtheit
- Apathie oder Teilnahmslosigkeit
- Geringere körperliche Aktivität
- Verschlechterung bestehender Herz- oder Lungenerkrankungen
- Stürze durch Schwindel
Ursachen
Hauptursachen
- Chronische Entzündung durch Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Krebs
- Dauerhaft erhöhte Entzündungsbotenstoffe, die die Blutbildung im Knochenmark hemmen
- Eingeschränkte Nierenfunktion, wodurch zu wenig Erythropoetin – ein Blutbildungs-Hormon – produziert wird
- Verkürzte Lebensdauer der roten Blutkörperchen durch die Entzündung
Risikofaktoren
- Chronische Erkrankungen wie Nierenversagen, rheumatoide Arthritis oder Morbus Crohn
- Chronische Infektionen wie Tuberkulose oder HIV
- Bösartige Tumore, vor allem im fortgeschrittenen Stadium
- Hohes Lebensalter und Mangelernährung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Atemnot, Schwindel oder Brustschmerzen – dann sofort den Notruf 112 wählen
- Sehr starke Erschöpfung, die plötzlich auftritt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Anhaltende Müdigkeit ohne erkennbaren Grund
- Blasse Haut, Leistungsabfall oder Herzklopfen
- Wenn Sie bereits eine chronische Krankheit haben und neue Symptome auftreten
Diagnose
Der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und Ihren bekannten Erkrankungen. Danach folgt eine Blutuntersuchung. Wichtig ist, die Anämie von einem einfachen Eisenmangel abzugrenzen. Dafür werden bestimmte Blutwerte gemessen. Die Ärztinnen und Ärzte orientieren sich dabei unter anderem an medizinischen Leitlinien der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Kleines Blutbild – zeigt Anzahl und Größe der roten Blutkörperchen
- Hämoglobin-Wert – der rote Blutfarbstoff
- Ferritin und Transferrin – Eisen-Speicher und Eisentransport
- Entzündungswerte wie das C-reaktive Protein (CRP)
- Bei Bedarf: Nierenwerte und weitere Zusatztests
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutabnahme dauert nur wenige Minuten. Es sind keine schmerzhaften Untersuchungen nötig. Ihr Arzt erklärt Ihnen die Ergebnisse und bespricht die nächsten Schritte. Meist sind ein bis zwei weitere Blutabnahmen nötig, um die Ursache sicher zu klären.
Behandlung
Bei der Behandlung stehen zwei Dinge im Vordergrund: Zum einen muss die zugrunde liegende Entzündung oder Krankheit behandelt werden, zum anderen können die Symptome der Blutarmut gezielt gelindert werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Auf ausreichende Ruhe und Pausen achten
- Den Alltag an das Energieniveau anpassen, nicht überfordern
- Auf eine ausgewogene Ernährung achten
- Regelmäßige, leichte Bewegung wie Gehen oder Radfahren, wenn möglich
- Auf Alkohol und Rauchen verzichten – sie belasten den Körper zusätzlich
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach der Ursache. Zum Einsatz kommen zum Beispiel Medikamente, die das Immunsystem beruhigen, Antibiotika bei Infektionen oder Mittel, die die Blutbildung anregen. In schweren Fällen kann eine Bluttransfusion nötig sein. Auch die Gabe von Eisenpräparaten ist manchmal sinnvoll – allerdings nur, wenn ein echter Eisenmangel vorliegt. Was für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Es gibt keine pauschale Empfehlung, die für alle passt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nicht direkt zur Behandlung der Anämie nötig. Wenn die Grunderkrankung operiert werden muss – zum Beispiel ein Tumor – kann sich dadurch auch die Blutarmut bessern.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Ihren Tag realistisch. Hören Sie auf Ihren Körper und gönnen Sie sich Pausen. Wichtig ist, dass Sie lernen, mit der Müdigkeit zu leben, ohne sich ständig darüber zu ärgern. Manche Menschen nutzen ein Energietagebuch, um herauszufinden, wann sie sich am besten fühlen.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf einen geregelten Schlaf
- Planen Sie leichte Aktivitäten in den Tagesablauf ein
- Gehen Sie regelmäßig an die frische Luft, wenn möglich
- Nehmen Sie sich Zeit zum Entspannen
- Sprechen Sie mit Freunden oder Familie über Ihre Belastung
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Eisen, Vitaminen und Eiweiß ist wichtig. Eisen kommt zum Beispiel in Fleisch, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und grünem Gemüse vor. Weil der Körper bei dieser Anämie Eisen nicht richtig verwerten kann, ist eine zusätzliche Eisenzufuhr nur dann sinnvoll, wenn ein Mangel nachgewiesen wurde. Bewegung in Maßen kann die Stimmung verbessern und die Energie fördern. Übertreiben Sie es aber nicht – hören Sie auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Krankheit mit begleitender Blutarmut kann psychisch belastend sein. Die ständige Müdigkeit kann zu Frustration, Reizbarkeit oder Niedergeschlagenheit führen. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Bei Bedarf kann ein Gespräch mit einem Psychologen oder einer Psychotherapeutin helfen.
Vorbeugung
Eine Anämie bei chronischer Erkrankung lässt sich nicht immer verhindern, weil sie eine Folge der Grunderkrankung ist. Wer seine chronische Krankheit aber regelmäßig behandeln und kontrollieren lässt, kann das Risiko einer Blutarmut verringern. Auch eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf und ausgewogener Kost ist sinnvoll.
Impfungen
Impfungen können helfen, zusätzliche Infekte zu vermeiden, die eine Entzündung verstärken könnten. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind – zum Beispiel gegen Grippe oder Pneumokokken.
Früherkennungsprogramme
Bei chronischen Erkrankungen wird im Rahmen von Kontrolluntersuchungen oft auch das Blutbild geprüft. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob regelmäßige Blutbildkontrollen für Sie sinnvoll sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme wie Herzschwäche
- Verstärkung anderer Beschwerden der Grunderkrankung
- Höhere Infektanfälligkeit
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung der Grunderkrankung und einer angepassten Unterstützung kann sich die Blutarmut oft deutlich bessern. Die Lebensqualität lässt sich aufrechterhalten, auch wenn die Anämie nicht immer vollständig verschwindet. Offene Gespräche mit Ihrem Behandlungsteam und eine gute Selbstfürsorge geben Ihnen die besten Chancen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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