Rektumprolaps – Wenn der Enddarm sich nach außen stülpt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Rektumprolaps ist, wenn sich das untere Ende des Darms (der Mastdarm, auch Enddarm genannt) nach außen durch den After stülpt. Das kann wie ein roter Knoten oder eine Wulst vor dem After sichtbar werden. Es entsteht, wenn das Gewebe, das den Darm hält, zu schwach geworden ist.
Wichtige Fakten
- Der Mastdarm stülpt sich nach außen und ist als sichtbare Wulst am After zu erkennen.
- Die Ursache ist meist eine Schwäche des Beckenbodens – öfter durch starkes Pressen beim Toilettengang.
- Ein Rektumprolaps ist gut behandelbar, vor allem je früher man zum Arzt geht.
Ein Rektumprolaps ist nicht sehr häufig, aber auch kein sehr seltenes Problem. Die genaue Häufigkeit ist nicht bekannt, weil manche Betroffenen sich erst spät Hilfe suchen.
Betroffen sind häufiger ältere Menschen, besonders Frauen. Aber auch Kinder und jüngere Erwachsene können einen Rektumprolaps entwickeln, zum Beispiel nach lange bestehender Verstopfung mit starkem Pressen.
Symptome
- Wenn das herausgetretene Gewebe sich nicht zurückschieben lässt
- Wenn die Wulst dunkelrot, bläulich oder schwarz wird oder stark zu schmerzen beginnt
- Wenn Sie plötzlich starke Bauchschmerzen, Fieber, Übelkeit oder Erbrechen bekommen
- Wenn Sie keinen Stuhl mehr absetzen können und sich der Bauch aufbläht – das können Anzeichen einer Einklemmung sein. Wählen Sie sofort die 112.
- ⚠Wenn Sie Blut im Stuhl bemerken, auch wenn es nur wenig ist
- ⚠Wenn der Prolaps zunehmend schmerzt oder nicht mehr zurückgeht
- ⚠Wenn Sie Schmerzen beim Wasserlassen haben oder den Urin nicht halten können
Häufige Symptome
- Eine weiche, rötliche Wulst, die beim Stuhlgang oder beim Pressen aus dem After austritt
- Das Gefühl, als würde etwas aus dem After herausragen
- Schleim oder Blut am Stuhl oder am Toilettenpapier
- Das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung
- Schwierigkeiten, den Stuhl zurückzuhalten (Stuhlinkontinenz)
- Leichte Schmerzen oder Druckgefühl im Afterbereich
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist der Prolaps oft nur während oder direkt nach dem Stuhlgang zu sehen und bildet sich manchmal von selbst zurück.
- Das Kind kann Schmerzen beim Stuhlgang haben oder Angst vor dem Toilettengang zeigen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen ist der Austritt oft ausgeprägter und bleibt manchmal dauerhaft außen vor.
- Zusätzlich kann es zu unwillkürlichem Stuhlabgang (Stuhlinkontinenz) kommen, da der Schließmuskel mitgeschwächt ist.
Ursachen
Hauptursachen
- Chronische Verstopfung mit langem, starkem Pressen auf der Toilette
- Schwäche des Beckenbodens – zum Beispiel nach mehreren Schwangerschaften oder in höherem Alter
- Dauerhafter Husten oder starkes Pressen aus anderen Gründen
- Vorbestehende Bindegewebsschwäche
Risikofaktoren
- Zunehmendes Alter
- Weibliches Geschlecht, besonders nach mehreren Geburten
- Chronische Erkrankungen, die die Darmtätigkeit beeinflussen, wie eine Darmerkrankung oder eine Lungenerkrankung mit chronischem Husten
- Übergewicht
- Frühere Operationen im Beckenbereich
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Wulst nicht zurückgeschoben werden kann oder stark schmerzt – suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe oder rufen Sie die 112.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt eine Wölbung oder einen Knoten am After bemerken.
- Wenn Sie Schleim oder Blut im Stuhl entdecken.
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass der Stuhlgang nicht richtig entleert wird oder Sie den Stuhl nicht zurückhalten können.
Diagnose
Für die Diagnose ist meist eine körperliche Untersuchung nötig. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt schaut sich den Afterbereich an und tastet vorsichtig. Manchmal wird der Prolaps durch kurzes Pressen sichtbar gemacht.
Mögliche Untersuchungen
- Eine Spiegelung des Enddarms (Rektoskopie) oder des gesamten Darms (Koloskopie), um andere Ursachen wie Entzündungen oder Tumore auszuschließen.
- Eine spezielle Röntgenuntersuchung beim Stuhlgang (Defäkographie), wenn die Ursache unklar ist.
- Eine Messung des Schließmuskeldrucks (Manometrie), wenn auch eine Stuhlinkontinenz vorliegt.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel nicht schmerzhaft, kann aber ein wenig unangenehm sein. Sie sollten vor der Darmspiegelung mit dem Behandlungs-Team besprechen, ob Sie den Darm vorbereiten müssen. Bringen Sie eventuell eine Liste Ihrer Medikamente und Vorerkrankungen mit.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich danach, wie stark der Rektumprolaps ist, wie alt Sie sind und welche Beschwerden er macht. Nicht jeder Prolaps muss sofort operiert werden. In leichten Fällen können gezielte Maßnahmen helfen, die Symptome zu lindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Beckenbodenübungen: Stärken Sie die Muskulatur, die den Darm hält – eine Physiotherapeutin kann Ihnen dabei helfen.
- Vermeiden Sie starkes Pressen auf der Toilette.
- Drücken Sie eine herausgetretene Wulst mit sauberem Toilettenpapier oder einem feuchten Tuch vorsichtig zurück – am besten im Liegen.
- Trinken Sie ausreichend und achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, damit der Stuhl weich bleibt.
- Nehmen Sie sich Zeit beim Toilettengang und unterdrücken Sie den Stuhldrang nicht dauerhaft.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Ihnen Mittel empfehlen, die den Stuhl weich machen oder die Darmentleerung erleichtern. Diese müssen gut auf Sie abgestimmt sein. Auch Beckenbodentraining unter physiotherapeutischer Anleitung gehört zu den konservativen Behandlungen. Bei ausgeprägten Beschwerden kommen operative Verfahren in Frage – das besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird dann in Betracht gezogen, wenn der Prolaps häufig auftritt, sich nicht mehr zurückschieben lässt, starke Beschwerden verursacht oder wenn eine Einklemmung droht. Es gibt verschiedene Operationsmethoden – einige greifen von außen, andere durch den Bauch oder die Scheide. Welche Methode für Sie in Frage kommt, hängt von Ihrer Situation ab. Ihr ärztliches Team wird die Vor- und Nachteile mit Ihnen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einem Rektumprolaps ist ein normales Leben sehr gut möglich. Wichtig ist, dass Sie auf Ihren Körper achten und die Anzeichen ernst nehmen. Kommunizieren Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt – das ist der erste und wichtigste Schritt, um Sicherheit zu gewinnen.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie ein gesundes Körpergewicht.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, auch um einer Verstopfung vorzubeugen.
- Vermeiden Sie schweres Heben.
- Behandeln Sie eine chronische Verstopfung konsequent, etwa durch Ernährungsumstellung und genügend Flüssigkeit.
- Nehmen Sie sich Zeit für Entspannung – Stress kann den Stuhlgang negativ beeinflussen.
Ernährung und Bewegung
Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Flüssigkeit ist das A und O. Essen Sie zum Beispiel Vollkornbrot, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse. Beginnen Sie mit einer moderaten Steigerung der Ballaststoffe, damit der Darm sich daran gewöhnt. Bewegung wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren fördert die Darmtätigkeit und stärkt den Beckenboden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sich mit einem Rektumprolaps zu zeigen, ist für viele Menschen mit Scham verbunden. Das ist verständlich. Aber eine Verschleppung kann die Beschwerden verschlimmern. Sprechen Sie mit vertrauten Personen oder einer psychologischen Beratung, wenn Sie sich belastet fühlen. Je offener Sie mit dem Thema umgehen, desto leichter fällt es Ihnen, die richtige Behandlung zu finden.
Vorbeugung
Nicht jeder Rektumprolaps lässt sich verhindern. Aber Sie können das Risiko senken, indem Sie chronische Verstopfung vermeiden, nicht zu stark pressen, ausreichend trinken, sich bewegen und auf gesundem Körpergewicht bleiben. Beckenbodentraining – auch schon in jüngeren Jahren – ist eine gute Vorsorge.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Rektumprolaps. Die üblichen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollten aber gerade im Alter eingehalten werden, um Infektionen zu vermeiden.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Früherkennungs-Untersuchung für Rektumprolaps. Im Rahmen der allgemeinen Darmkrebs-Früherkennung ab einem bestimmten Alter kann eine Darmspiegelung Hinweise auf Schwächen oder andere Veränderungen im Darm geben – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über sinnvolle Vorsorge.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Prolaps kann sich einklemmen, das Gewebe wird nicht mehr ausreichend durchblutet und kann absterben – dann ist eine Notoperation nötig.
- Dauerhafte Stuhlinkontinenz durch Überdehnung des Schließmuskels.
- Geschwüre oder Wunden an der Schleimhaut des vorfallenden Gewebes mit Blutungen und Infektionen.
- Zunehmende Weitung und Schwächung des Enddarms, was die Behandlung schwieriger macht.
Langzeitprognose
Ein Rektumprolaps ist in den meisten Fällen gut behandelbar. Je früher Sie sich Hilfe holen, desto einfacher ist die Behandlung und desto besser die Aussicht, dass Ihre Beschwerden verschwinden. Viele Menschen können nach der Behandlung wieder ganz normal am Alltag teilnehmen – mit guter Unterstützung ist das ein sehr lösbares Problem.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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