Periphere Neuropathie
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer peripheren Neuropathie sind die Nerven geschädigt, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegen. Diese Nerven leiten Gefühle und Befehle an Muskeln und Organe weiter. Eine Schädigung kann zu Taubheit, Kribbeln, Schmerzen oder Schwäche führen – besonders in Händen und Füßen.
Wichtige Fakten
- Sie betrifft häufig Füße und Hände.
- Es gibt viele mögliche Ursachen, zum Beispiel Diabetes, Vitaminmangel oder Alkohol.
- Wenn die Ursache behandelt wird, können sich die Beschwerden oft bessern.
Ja, eine periphere Neuropathie ist nicht selten. Schätzungsweise ist etwa einer von zehn erwachsenen Menschen betroffen, vor allem ältere Menschen.
Sie kann in jedem Alter auftreten, ist aber häufiger bei älteren Menschen, bei Menschen mit Diabetes, mit Nierenerkrankungen oder mit Alkoholabhängigkeit.
Symptome
- Plötzliche Schwäche oder Lähmung in einem oder beiden Beinen oder Armen
- Atemnot oder Atembeschwerden
- Schwierigkeiten beim Sprechen oder Schlucken
- Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm
- ⚠Neue oder schnell zunehmende Beschwerden innerhalb weniger Tage
- ⚠Zeichen einer Infektion an den Füßen, wie Rötung, Schwellung, Wärme oder Fieber
- ⚠Starke Schmerzen, die plötzlich beginnen
- ⚠Ein Fuß, der nicht mehr belastet werden kann
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Ameisenlaufen in Füßen oder Händen
- Taubheitsgefühl, zum Beispiel beim Laufen
- Brennende oder stechende Schmerzen, häufig nachts
- Überempfindlichkeit gegen Berührung
- Schwäche oder Unsicherheit beim Greifen oder Gehen
- Gleichgewichtsstörungen und Stürze
Symptome bei Kindern
- Kinder fühlen oft ein komisches Gefühl in den Beinen oder Armen
- Sie stolpern häufiger oder sind ungeschickt
- Sie klagen über Schmerzen, die nicht weggehen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Viele ältere Menschen spüren ihre Füße nicht mehr gut, was das Gehen erschwert
- Das Sturzrisiko ist erhöht
- Auch die Hände können betroffen sein, sodass das Zuknöpfen oder Festhalten schwerfällt
- Wunden an den Füßen bleiben wegen Gefühllosigkeit oft unbemerkt
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus – die häufigste Ursache
- Vitamin-B12-Mangel
- Alkoholmissbrauch über viele Jahre
- Nierenerkrankungen
- Schilddrüsenunterfunktion
- Autoimmunerkrankungen, wie ein Guillain-Barré-Syndrom
- Nervenkompression durch Druck, zum Beispiel ein Karpaltunnelsyndrom
- Infektionen wie Gürtelrose oder Borreliose
- Einige Medikamente, insbesondere in der Krebstherapie
Risikofaktoren
- Zunehmendes Alter
- Diabetes, der nicht gut eingestellt ist
- Bluthochdruck und Übergewicht
- Rauchen
- Starker Alkoholkonsum
- Erblich bedingte Nervenerkrankungen in der Familie
- Bestimmte berufliche oder umweltbedingte Belastungen mit Schadstoffen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Beschwerden plötzlich auftreten oder sich schnell verschlimmern
- Wenn Sie zusätzlich Fieber haben
- Wenn Sie eine Wunde an einem gefühllosen Fuß bemerken
- Wenn Sie Schwierigkeiten beim Gehen oder Stehen haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Wochen ein Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schmerzen in Händen oder Füßen bemerken
- Wenn Sie Diabetes haben und regelmäßig eine Kontrolle wünschen
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Muskeln schwächer werden
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt erfragt die Krankengeschichte, untersucht die Nervenfunktion und lässt oft Blut- und Nerventests durchführen. Die Diagnose wird gemeinsam mit Ihnen erstellt. Ärztinnen und Ärzte orientieren sich dabei an den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Bluttests, um Diabetes, Vitaminmangel oder Nierenprobleme zu finden
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): bei dieser Untersuchung wird gemessen, wie schnell Signale durch die Nerven fließen
- Elektromyographie (EMG): dabei wird die elektrische Aktivität der Muskeln gemessen
- Ultraschall- oder Kernspin-Untersuchungen, um Nerveneinengungen zu erkennen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzarm und werden ambulant durchgeführt. Manchmal ist eine Überweisung an eine neurologische Spezialpraxis oder eine neurologische Klinik nötig. Sie bekommen in der Regel nach einigen Tagen Bescheid über die Ergebnisse.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und den Beschwerden. Ziel ist es, die Nerven zu schützen, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Eine enge Zusammenarbeit mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ist wichtig.
Selbsthilfe zu Hause
- Fußpflege: Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich auf kleine Wunden oder Druckstellen.
- Tragen Sie gut sitzende, bequeme Schuhe.
- Vermeiden Sie Verletzungen, indem Sie vorsichtig mit heißen Gegenständen umgehen.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, um Kraft und Gleichgewicht zu trainieren.
- Stellen Sie in der Wohnung Stolperfallen wie Teppichkanten oder Kabel weg.
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte können Medikamente verschreiben, die speziell bei Nervenschmerzen wirken. Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Mittel gegen Krampfanfälle oder Antidepressiva – diese werden auch bei Schmerzen eingesetzt. Die Behandlung der Grunderkrankung ist wichtig, etwa eine gute Diabetes-Einstellung. Zusätzlich können Physiotherapie, Ergotherapie oder Verfahren zur Schmerzlinderung wie Nervenblockaden helfen. Welche Behandlung zu Ihnen passt, besprechen Sie mit Ihrem medizinischen Team.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt selten infrage – zum Beispiel bei einem eingeengten Nerv wie beim Karpaltunnelsyndrom. Die Entscheidung treffen Spezialistinnen und Spezialisten nach gründlicher Untersuchung.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie, mit Ihren Beschwerden umzugehen. Schützen Sie Ihre Füße, vermeiden Sie extreme Temperaturen und lassen Sie sich von einer Physiotherapie bei Gleichgewichtsproblemen unterstützen. Es kann helfen, den Alltag an das veränderte Gefühl anzupassen.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich so viel wie möglich, aber überfordern Sie sich nicht.
- Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin – beides kann Nerven schädigen.
- Achten Sie auf ein gesundes Gewicht.
- Gestalten Sie Ihre Wohnung sicher, zum Beispiel mit Haltegriffen im Bad.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten versorgt die Nerven mit wichtigen Vitaminen und Nährstoffen. Bei einem B12-Mangel sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Ein regelmäßiges Ausdauer- und Gleichgewichtstraining unterstützt die Nervenfunktion.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen oder Gehprobleme können belastend sein und zu Niedergeschlagenheit führen. Dies ist verständlich. Sprechen Sie offen mit Ihrem medizinischen Team. Eine psychologische Beratung kann helfen, mit der Situation umzugehen. In einer akuten Krise wenden Sie sich bitte an die Notrufnummer 112 oder an eine psychiatrische Notaufnahme. Auch ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen kann entlasten.
Vorbeugung
Sie können manche Ursachen vermeiden oder abschwächen: Sorgen Sie für einen gut eingestellten Blutzucker, reduzieren Sie Alkohol und Rauchen, und achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit ausreichend Vitaminen. Regelmäßige Fußpflege beugt Wunden vor, die unbemerkt bleiben.
Impfungen
Schutzimpfungen, die vor Infektionen wie Gürtelrose (Herpes Zoster) schützen, können dazu beitragen, Nervenschäden durch diese Infektion zu verhindern.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie Diabetes haben, lassen Sie Ihre Füße mindestens einmal im Jahr ärztlich untersuchen. Auch bei anderen Vorerkrankungen können regelmäßige Kontrolluntersuchungen eine Neuropathie früh erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wunden an den Füßen heilen schlecht und können sich entzünden
- Fußgeschwüre oder Gangrän können zur Amputation führen
- Durch das Taubheitsgefühl kommt es leichter zu Stürzen und Knochenbrüchen
- Muskelschwund und dauerhafte körperliche Einschränkungen
Langzeitprognose
Eine periphere Neuropathie ist nicht immer heilbar, aber sie ist fast immer behandelbar. Wenn die Ursache erkannt und behandelt wird, können sich die Beschwerden bessern oder aufhalten lassen. Mit einer guten medizinischen Betreuung, Fußpflege und einem angepassten Lebensstil können Sie viel dazu beitragen, dass Sie weiterhin mobil und schmerzfrei bleiben. Viele Menschen führen mit einer Neuropathie ein aktives und selbstbestimmtes Leben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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