Schubförmig remittierende Multiple Sklerose (RRMS) einfach erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Bei der schubförmig remittierenden Form (RRMS) kommt es zu Entzündungen, die die schützende Hülle der Nervenfasern angreifen. Dadurch werden Nachrichten im Körper gestört. Typisch sind Schübe: Die Beschwerden treten plötzlich auf und bilden sich danach oft teilweise oder ganz zurück.
Wichtige Fakten
- RRMS ist die häufigste Verlaufsform der Multiplen Sklerose.
- Die Krankheit verläuft in Schüben mit wechselnden Beschwerden und Erholungsphasen.
- Mit heutigen Therapien lässt sich die Zahl der Schübe meist deutlich verringern.
Multiple Sklerose ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen. In Deutschland leben schätzungsweise 250.000 Menschen mit MS. Etwa 85 % davon haben zu Beginn die schubförmig remittierende Form.
RRMS beginnt meist im jungen Erwachsenenalter, also zwischen 20 und 40 Jahren. Frauen sind etwa zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Männer.
Symptome
- Plötzliche schwere Lähmung eines Arms oder Beins
- Akuter Sehverlust auf einem Auge
- Starke Atemnot oder Schluckbeschwerden
- Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung
- ⚠Neu aufgetretene oder zunehmende neurologische Beschwerden (z.B. Kribbeln, Taubheit, Gleichgewichtsstörungen), die über Stunden oder Tage anhalten
- ⚠Fieber oder Harnverhalt (Unfähigkeit, Wasser zu lassen)
Häufige Symptome
- Sehstörungen wie Doppelbilder oder verschwommenes Sehen
- Kribbeln, Taubheitsgefühl oder andere Missempfindungen in Armen oder Beinen
- Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen
- Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
- Erschöpfung (Fatigue), die auch nach Erholung nicht nachlässt
- Blasen- und Darmstörungen
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern können ähnliche Symptome auftreten wie bei Erwachsenen.
- Zusätzlich sind Lern- und Verhaltensänderungen manchmal erste Zeichen.
- Schübe bei Kindern werden oft erst später erkannt, weil Beschwerden wechselhaft sein können.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schübe können seltener werden, aber die Beschwerden bleiben manchmal stärker bestehen.
- Häufiger sind Gangunsicherheit, Blasenprobleme und kognitive Veränderungen.
- Manche Symptome sind schwer von anderen Alterserkrankungen zu unterscheiden.
Ursachen
Hauptursachen
- Bei RRMS greift das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinschicht an, die die Nervenfasern umhüllt.
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt.
- Fachleute gehen von einem Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren aus, zum Beispiel Epstein-Barr-Virus-Infektion, Vitamin-D-Mangel und Rauchen.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Alter zwischen 20 und 40 Jahren
- Familiäre Vorbelastung mit Multipler Sklerose
- Rauchen
- Vitamin-D-Mangel
- Wohnort in gemäßigten Zonen wie Deutschland
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe, wenn neue neurologische Beschwerden auftreten, die nicht innerhalb von wenigen Stunden vergehen.
- Wenn Sie bereits eine MS-Diagnose haben und Anzeichen eines Schubs bemerken, kontaktieren Sie Ihre neurologische Praxis oder den ärztlichen Notdienst.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Vereinbaren Sie einen Termin zur Abklärung, wenn Sie wiederholt Symptome wie Kribbeln, Sehstörungen oder Gleichgewichtsprobleme bemerken.
- Zur regelmäßigen Verlaufskontrolle, auch wenn Sie sich gerade gut fühlen.
- Wenn Sie Fragen zur Therapie oder zu neuen wissenschaftlichen Entwicklungen haben.
Diagnose
Die Diagnose von RRMS wird von Fachärzten für Neurologie gestellt. Sie stützen sich auf Ihre Krankengeschichte, die körperliche Untersuchung und ergänzende Tests. Für die Diagnose gelten die Empfehlungen der AWMF-Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches ärztliches Gespräch und neurologische Untersuchung
- Magnetresonanztomographie (MRT) von Gehirn und Rückenmark (zeigt Entzündungsherde)
- Lumbalpunktion (Entnahme von Nervenwasser aus dem Wirbelkanal) zur Untersuchung auf Entzündungszeichen
- Elektrophysiologische Tests (zum Beispiel evozierte Potenziale), die die Nervenleitung messen
- Bluttests, um andere Ursachen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern in der Regel einige Wochen. Nach der Diagnose bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen die Behandlungsmöglichkeiten. Es ist normal, anfangs verunsichert zu sein – gute Beratung und Unterstützung helfen, mit der Erkrankung umzugehen.
Behandlung
RRMS ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Das Ziel ist es, Schübe zu lindern, das Fortschreiten zu verlangsamen und Ihre Lebensqualität zu erhalten. Die Behandlung wird individuell geplant und kann sich im Laufe der Zeit ändern.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Bewegung, so wie es Ihr Körper zulässt
- Physiotherapie und Ergotherapie, um Kraft und Alltagsfähigkeiten zu erhalten
- Entspannungsübungen und Stressbewältigung
- Ausreichend Schlaf und Pausen im Alltag
- Rauchen aufgeben, falls Sie rauchen
- Mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Impfungen sprechen
Medizinische Behandlungen
Die schubhemmende Behandlung umfasst verschiedene Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen (sogenannte krankheitsmodifizierende Therapien). Sie werden als Spritze, Tablette oder Infusion verabreicht. Welches Medikament für Sie geeignet ist, hängt von der Aktivität der Krankheit, Ihrem Lebensstil und Ihrer persönlichen Situation ab. Bei einem akuten Schub werden in der Regel entzündungshemmende Medikamente (Kortison-Präparate) eingesetzt. Zusätzlich gibt es Medikamente gegen einzelne Symptome wie Blasenstörungen oder Fatigue. Ihr Neurologe oder Ihre Neurologin wird Sie ausführlich beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist zur Behandlung der RRMS in der Regel nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit RRMS ist herausfordernd, aber die meisten Menschen kommen mit der Krankheit gut zurecht. Es ist wichtig, den eigenen Takt zu finden und auf Signale des Körpers zu hören. Eine gute Planung hilft, den Alltag zu bewältigen, auch an schlechteren Tagen.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie regelmäßigen Kontakt zu Freunden und Familie
- Planen Sie Pausen am Tag ein
- Reduzieren Sie Stress, zum Beispiel durch Achtsamkeit oder leichte Bewegung
- Vermeiden Sie übermäßige Wärme, da diese die Symptome verstärken kann
- Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung nach den Regeln der Gesundheitsküche ist empfehlenswert; es gibt keine spezielle MS-Diät. Achten Sie auf ausreichend Vitamin D – sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine sinnvolle Einnahme. Regelmäßige moderate Bewegung, wie Schwimmen, Radfahren oder Spazierengehen, kann Müdigkeit lindern und die Muskulatur stärken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose RRMS kann Gefühle von Angst, Traurigkeit oder Unsicherheit auslösen. Auch Fatigue und depressive Verstimmungen sind bei MS häufiger. Es ist wichtig, diese ernst zu nehmen und sich frühzeitig Hilfe zu holen, zum Beispiel durch Psychotherapie oder psychologische Beratung. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann ebenfalls entlasten.
Vorbeugung
RRMS lässt sich bislang nicht sicher verhindern, da die genaue Ursache unbekannt ist. Allerdings können Sie ein gesundes Leben führen, zum Beispiel nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen und auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung achten. Eine bestehende Erkrankung lässt sich durch die richtige Behandlung oft in ihrem Verlauf abmildern.
Impfungen
Gegen Multiple Sklerose selbst gibt es keine Impfung. Impfungen gegen andere Krankheiten sind in der Regel möglich und auch empfehlenswert. Besprechen Sie den Impfplan immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, insbesondere falls eine immunmodulierende Therapie geplant ist.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine allgemeine Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von MS. Wenn in Ihrer Familie MS vorkommt oder Sie wiederkehrende Symptome bemerken, suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat.
Komplikationen
Unbehandelt
- Häufigere und stärkere Schübe, die sich immer weniger zurückbilden
- Zunehmende körperliche Beeinträchtigungen wie Gangstörungen oder Lähmungen
- Kognitive Probleme wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Blasen- und Darmstörungen, die den Alltag belasten
- Chronische Erschöpfung (Fatigue) und depressive Verstimmungen
Langzeitprognose
Die Aussichten bei RRMS sind heute viel besser als früher. Mit modernen Therapien lassen sich die Zahl der Schübe und das Fortschreiten der Erkrankung oft deutlich reduzieren. Viele Betroffene bleiben über viele Jahre mobil und können Beruf und Alltag erfolgreich gestalten. Eine offene Kommunikation mit Ihrem Behandlungsteam und ein guter Umgang mit der Krankheit sind der beste Weg in eine stabile Zukunft.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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