Hämochromatose: Wenn der Körper zu viel Eisen speichert
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hämochromatose (auch Eisenüberladung genannt) ist eine Krankheit, bei der der Körper zu viel Eisen aus der Nahrung aufnimmt. Das überschüssige Eisen lagert sich in Organen wie Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse und Gelenken ab. Mit der Zeit kann es diese Organe schädigen. Es gibt eine erbliche Form und eine erworbene Form.
Wichtige Fakten
- Hämochromatose ist meist erblich bedingt.
- Sie wird oft erst im mittleren Lebensalter entdeckt.
- Ohne Behandlung kann sie zu Leber-, Herz- und Gelenkschäden führen.
- Mit regelmäßiger Behandlung – meist durch Aderlass – ist die Krankheit gut kontrollierbar.
Etwa eine von 200 bis 300 Personen in Europa hat die genetische Veranlagung. Aber nicht alle entwickeln tatsächlich eine Eisenüberladung. Die erbliche Hämochromatose ist eine der häufigsten Erbkrankheiten in Deutschland.
Männer sind häufiger betroffen als Frauen und erkranken meist früher, oft zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Frauen erkranken meist erst nach den Wechseljahren, weil sie über die Monatsblutung regelmäßig Eisen verlieren. Die Kinder-Form (juvenile Hämochromatose) ist sehr selten.
Symptome
- Starke, plötzliche Schmerzen im Brustkorb
- Gelbfärbung der Haut oder der Augen, starke Übelkeit oder Verwirrtheit (Anzeichen einer schweren Leberschädigung)
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle
- ⚠Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut oder Augenhaut)
- ⚠Ungewöhnlich starker Durst und häufiges Wasserlassen – Zeichen eines Diabetes
- ⚠Herzklopfen, Herzstolpern oder Atemnot
- ⚠Starke, zunehmende Bauchschmerzen
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung ohne klaren Grund
- Gelenkschmerzen, besonders an Fingern, Knien oder Hüften
- Dunkler werdende Haut (auch „Bronzehaut“ genannt)
- Bauchschmerzen
- Verminderte Libido oder Impotenz bei Männern
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), die neu auftritt
- Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Vererbte Veränderung (Mutation) im HFE-Gen – sie führt dazu, dass zu viel Eisen aus dem Darm aufgenommen wird.
- Erworbene Formen: häufige Bluttransfusionen, manche Blutkrankheiten oder sehr hoch dosierte Eisenpräparate.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung (Eltern oder Geschwister mit Hämochromatose)
- Männliches Geschlecht
- Europäische Vorfahren (besonders aus Nord- und Mitteleuropa)
- Alkoholkonsum
- Einnahme von Eisenpräparaten ohne medizinische Notwendigkeit
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Beschwerden wie Gelbsucht, starken Bauchschmerzen, Brustschmerzen oder Herzrasen – rufen Sie die 112 oder gehen Sie zum nächsten Notdienst.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über Wochen müde sind, Gelenkschmerzen haben oder Ihr Blutzucker auffällig ist.
- Wenn in Ihrer Familie Hämochromatose bekannt ist – auch ohne Beschwerden ist eine Vorsorgeuntersuchung sinnvoll.
Diagnose
Hämochromatose wird meist über eine Blutuntersuchung entdeckt. Der Arzt oder die Ärztin misst den Eisenspiegel und die Eisen-Sättigung im Blut. Bei auffälligen Werten wird ein genetischer Test angeboten, um die erbliche Form zu bestätigen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: Transferrin-Sättigung und Ferritin (Eisenspeicher)
- Genetischer Test – er zeigt, ob die typische Genveränderung vorliegt
- Leber-MRT (Magnetresonanztomographie) ohne Strahlung, um Eisenablagerungen zu messen
- Gegebenenfalls eine Leberbiopsie (Gewebeprobe) – sie ist heute aber seltener nötig.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin wird Ihnen Blut abnehmen. Bei auffälligen Werten überweist er Sie an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenterologie) oder innere Medizin. Die Untersuchungen sind schmerzarm und gut planbar.
Behandlung
Ziel ist es, den Eisenspiegel im Körper auf normale Werte zu senken und so Organschäden zu verhindern oder zu stoppen. Die häufigste Behandlung ist der Aderlass – dabei wird regelmäßig Blut entnommen, ähnlich wie bei einer Blutspende. Dadurch verliert der Körper Eisen. In manchen Fällen werden auch Medikamente eingesetzt, die überschüssiges Eisen binden und über den Urin ausscheiden. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und den Begleiterkrankungen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie keine Eisenpräparate ein, außer Ihr Arzt oder Ihre Ärztin hat ausdrücklich dazu geraten.
- Meiden Sie hoch dosiertes Vitamin C zu den Mahlzeiten, weil es die Eisenaufnahme fördert.
- Trinken Sie bei den Mahlzeiten Tee oder Kaffee – das verringert die Eisenaufnahme.
- Reduzieren Sie alkoholische Getränke oder verzichten Sie ganz darauf.
- Essen Sie keine rohen Meeresfrüchte (z. B. Austern), weil das das Infektionsrisiko erhöht.
- Lassen Sie sich gegen Hepatitis A und B impfen, um die Leber zu schützen.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt in der Regel durch regelmäßigen Aderlass (Blutentnahme) in Ihrer Arztpraxis, bis die Eisenwerte im Normbereich sind. Danach sind meist weniger Aderlässe nötig. Wenn ein Aderlass nicht möglich ist (z. B. bei Blutarmut oder Venenproblemen), gibt es Medikamente, die das Eisen binden und den Körper verlassen lassen – diese werden als Tablette eingenommen oder gespritzt. Welche Behandlung für Sie am besten ist, entscheidet Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt. Die Behandlung folgt der aktuellen Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Hämochromatose in der Regel nicht notwendig.
Leben mit der Erkrankung
Lassen Sie Ihre Eisenwerte regelmäßig kontrollieren und halten Sie die vereinbarten Aderlass-Termine ein. Viele Menschen fühlen sich nach der Behandlung deutlich besser. Achten Sie auf ein stabiles Essverhalten und nehmen Sie Ihre Vorsorgeuntersuchungen wahr.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig – das unterstützt Gelenke und Herz.
- Schützen Sie Ihre Leber durch eine Impfung gegen Hepatitis A und B.
- Vermeiden Sie Alkohol und übermäßige eisenhaltige Nahrungsergänzung.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Stressabbau.
Ernährung und Bewegung
Sie müssen nicht auf alle eisenhaltigen Lebensmittel verzichten. Eine gemischte, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst ist gut. Sie können die Eisenaufnahme vermindern, indem Sie zu Hauptmahlzeiten Tee oder Kaffee trinken und auf Vitamin-C-reiche Säfte zum Essen verzichten. Bei Gelenkschmerzen können Bewegung und Physiotherapie helfen – sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung kann belasten. Es ist normal, sich manchmal Sorgen zu machen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre Gefühle. Wenn Sie sich sehr niedergeschlagen fühlen oder gedanklich in einer Krise stecken, suchen Sie sich schnell Hilfe – zum Beispiel über die Telefonseelsorge oder in einer psychologischen Beratungsstelle. In akuten Notfällen rufen Sie die 112 oder gehen Sie zum nächsten Notdienst.
Vorbeugung
Die erbliche Form der Hämochromatose kann nicht verhindert werden. Man kann aber verhindern, dass es zu schweren Organschäden kommt, indem man die Krankheit früh erkennt und behandelt.
Impfungen
Eine Schutzimpfung gegen Hepatitis A und B ist ratsam, da diese die Leber schwächen können. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Wenn jemand in Ihrer Familie Hämochromatose hat, können ein Bluttest auf Eisenwerte und eine genetische Beratung sinnvoll sein – auch ohne Beschwerden. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Leberzirrhose (Vernarbung der Leber) und erhöhtes Risiko für Leberkrebs
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen
- Gelenkschäden und Knochenschwund
- Hormonstörungen, zum Beispiel Ausfall der Geschlechtsfunktion
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitig begonnenen Behandlung können schwere Organschäden meist verhindert werden. Die Lebenserwartung ist bei guter Behandlung nahezu normal. Die Beschwerden wie Müdigkeit und Gelenkschmerzen bessern sich bei den meisten Menschen deutlich. Auch wenn bereits Schäden entstanden sind, können weitere Verschlechterungen gestoppt werden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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