Anenzephalie: Informationen für Eltern
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Anenzephalie ist eine schwere angeborene Fehlbildung. Dabei fehlen große Teile des Gehirns und des Schädeldachs. Das Kind ist oft nicht lebensfähig. Diese Fehlbildung entsteht in der frühen Schwangerschaft, wenn sich das Neuralrohr nicht richtig schließt.
Wichtige Fakten
- Anenzephalie entsteht in den ersten vier Wochen der Schwangerschaft, oft bevor die Frau weiß, dass sie schwanger ist.
- Die Krankheit ist nicht heilbar. Die meisten Kinder mit Anenzephalie sterben vor der Geburt oder kurz nach der Geburt.
- Die Einnahme von Folsäure vor und in der frühen Schwangerschaft kann das Risiko für Neuralrohrdefekte senken.
Anenzephalie ist selten. In Deutschland kommen etwa 1 bis 2 von 10.000 Geburten mit Anenzephalie vor.
Die Erkrankung betrifft ungeborene Babys im Mutterleib. Sie betrifft Jungen und Mädchen gleichermaßen.
Symptome
- Wenn das Neugeborene aufhört zu atmen
- Wenn das Neugeborene Krampfanfälle hat
- Wenn bei der Schwangeren starke Blutungen oder starke Bauchschmerzen auftreten
- ⚠Wenn das Baby Probleme beim Trinken oder Schlucken hat
- ⚠Wenn die Mutter Anzeichen einer Infektion hat, wie Fieber
- ⚠Wenn Sie als Eltern überfordert sind und sofortige Unterstützung brauchen
Häufige Symptome
- Bei der Vorsorgeuntersuchung per Ultraschall fehlende Schädelknochen und fehlendes Großhirn sichtbar
- Viel Fruchtwasser in der Gebärmutter (Polyhydramnion)
- Bei manchen Babys sind Augen und Ohren verändert
- Fehlgeburt oder Totgeburt
Symptome bei Kindern
- Ein Kind mit Anenzephalie ist in der Regel bewusstlos, kann nicht sehen, hören oder Schmerzen fühlen.
- Das Baby kann oft atmen, hat aber einen fehlenden Schluckreflex.
- Der Kopf wirkt klein und der Schädel ist oben offen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nicht zutreffend. Anenzephalie ist eine angeborene Fehlbildung, die nur ungeborene Babys betrifft.
Ursachen
Hauptursachen
- Anenzephalie entsteht, wenn sich das Neuralrohr – die spätere Wirbelsäule und das Gehirn – in den ersten Wochen der Schwangerschaft nicht vollständig schließt.
- Die genaue Ursache ist unbekannt. Es spielen Erbfaktoren, Umwelteinflüsse und der Folsäurestatus der Mutter eine Rolle.
Risikofaktoren
- Mangel an Folsäure vor und in der frühen Schwangerschaft
- Diabetes mellitus der Mutter mit schlecht eingestelltem Blutzucker
- Übergewicht (Adipositas) der Schwangeren
- Einige Medikamente, die epileptische Krampfanfälle behandeln
- Bereits ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt geboren
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Schmerzen, Blutungen oder einen Blasenriss bemerken
- Wenn Sie sich sehr ängstlich oder verzweifelt fühlen und nicht weiterwissen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei jeder Vorsorgeuntersuchung wird die Entwicklung des Babys beurteilt
- Wenn Sie Fragen zur Diagnose oder zum Verlauf der Schwangerschaft haben
- Wenn Sie eine weitere Schwangerschaft planen und eine Beratung möchten
Diagnose
Die Anenzephalie wird meist bei der Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft festgestellt. Häufig geschieht das zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall (Fetalultraschall) – Dabei können fehlende Schädelknochen und fehlendes Hirngewebe sichtbar gemacht werden
- Bluttest der Mutter – Er kann erhöhtes Alpha-Fetoprotein zeigen, ein Hinweis auf einen Neuralrohrdefekt
- Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) – Kann das Vorliegen bestätigen
- Magnetresonanztomographie (MRT) – Kann in besonderen Fällen das Gehirn des Kindes genauer darstellen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist oft ein Schock. Lassen Sie sich Zeit, stellen Sie Fragen und lassen Sie sich alles in Ruhe erklären. Ihr medizinisches Team wird mit Ihnen über die Möglichkeiten und den weiteren Verlauf sprechen. Nach den Empfehlungen der medizinischen Leitlinien in Deutschland (AWMF) sollen Eltern umfassend beraten und einfühlsam begleitet werden. Es gibt keine Eile bei schweren Entscheidungen.
Behandlung
Eine Heilung der Anenzephalie gibt es nicht. Die Behandlung zielt darauf ab, die Eltern zu unterstützen, das Kind würdevoll zu begleiten und mögliche Komplikationen zu lindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Sprechen Sie offen mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über Ihre Gefühle
- Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und lassen Sie sich helfen
- Nutzen Sie Unterstützungsangebote wie psychologische Beratung oder Seelsorge
- Machen Sie sich keine Vorwürfe – die Anenzephalie ist nicht durch Ihr Verhalten entstanden
Medizinische Behandlungen
Medikamente oder Eingriffe können die Fehlbildung nicht beheben. Sollte das Kind lebend geboren werden, wird es medizinisch begleitet. Dabei geht es darum, Atmung und Wärme zu unterstützen und eine sanfte Pflege zu ermöglichen. Es können Mittel gegen Schmerzen oder Atemnot gegeben werden – Ihr Behandlungsteam entscheidet das in enger Absprache mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Anenzephalie nicht möglich. Hirngewebe, das für lebenswichtige Funktionen fehlt, kann nicht ersetzt werden.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Ihr Baby lebend geboren wird, steht die palliative Versorgung im Mittelpunkt. Das heißt, Ihr Kind soll keine Schmerzen haben und so viel Zuwendung wie möglich bekommen. Sie können Ihr Kind halten, mit ihm sprechen und ihm eine vertraute Umgebung schaffen.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie die Geburt in einer Einrichtung, die auf palliative Versorgung von Neugeborenen spezialisiert ist
- Gestalten Sie die verbleibende Zeit bewusst – mit Fotos, Erinnerungsstücken oder Ritualen
- Sprechen Sie über Ihre Trauer und suchen Sie sich frühzeitig Unterstützung
Ernährung und Bewegung
Während der Schwangerschaft ist eine gesunde Ernährung wichtig. Eine ausgewogene Kost mit ausreichend Folsäure – zum Beispiel über grünes Gemüse und Hülsenfrüchte – ist empfehlenswert, sofern Ihr Arzt oder Ihre Ärztin nichts anderes sagt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Anenzephalie kann eine psychische Krise auslösen. Trauer, Schuldgefühle, Wut und Angst sind normale Reaktionen. Es ist wichtig, sich diese Gefühle zu erlauben und sie sich nicht allein zumuten zu müssen.
Vorbeugung
Eine vollständige Verhinderung ist nicht möglich, aber das Risiko kann deutlich gesenkt werden. Die wichtigste Maßnahme ist die ausreichende Versorgung mit Folsäure, idealerweise bereits vor der Schwangerschaft und in den ersten Schwangerschaftswochen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, welche Dosis für Sie geeignet ist.
Impfungen
Gegen Anenzephalie gibt es keine Impfung. Aber eine rechtzeitige Impfung gegen Röteln vor einer Schwangerschaft kann einige Fehlbildungen verhindern. Lassen Sie sich dazu in einer Beratung informieren.
Früherkennungsprogramme
Ja, die Fehlbildung wird häufig bei der Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft entdeckt. Es gibt zusätzlich Bluttests der Mutter, die einen Hinweis geben können.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Anenzephalie ist nicht behandelbar. Unbehandelt – das heißt ohne palliative Begleitung – kann das Neugeborene krampfen, Atemaussetzer haben oder unter Unterkühlung leiden.
- Bei der Schwangeren kann ein vermehrtes Fruchtwasser vorliegen, was das Risiko für einen vorzeitigen Blasensprung oder eine Fehlgeburt erhöht.
Langzeitprognose
Die Diagnose ist niederschmetternd. Es ist wichtig zu wissen, dass Sie als Eltern nicht schuld sind. In den meisten Fällen endet die Schwangerschaft als Fehl- oder Totgeburt. Manche Kinder werden lebend geboren und leben einige Stunden oder Tage. Diese Zeit können Sie als wertvolle, liebevolle Begegnung gestalten. Ihr medizinisches Team wird Sie dabei nicht allein lassen.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.