Rippenfellkrebs (Pleuramesotheliom)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Pleuramesotheliom (meist Rippenfellkrebs genannt) ist ein seltener, bösartiger Tumor, der von der dünnen Haut ausgeht, die die Lunge umgibt – dem sogenannten Rippenfell oder Brustfell. Dieser Tumor wächst langsam, kann aber Flüssigkeit im Brustkorb verursachen und auf andere Organe übergreifen. Er steht sehr häufig mit einer früheren Belastung durch Asbest in Verbindung.
Wichtige Fakten
- Es ist eine seltene Krebserkrankung, die meist viele Jahre nach einer Asbestbelastung auftritt.
- Typische Beschwerden sind anhaltender Husten, Atemnot und Brustschmerzen.
- Die Behandlung hängt vom Stadium ab und umfasst oft Operation, Bestrahlung und Chemotherapie – manchmal auch Immuntherapie.
Nein, diese Erkrankung ist selten. In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise nur etwa 1 bis 2 von 100.000 Menschen daran. Sie macht weniger als ein Prozent aller Krebserkrankungen aus.
Betroffen sind vor allem Menschen, die früher beruflich mit Asbest gearbeitet haben – zum Beispiel im Baugewerbe, in der Schifffahrt oder in der Isolierstoffindustrie. Die Erkrankung tritt überwiegend bei Männern über 60 Jahren auf, weil die Zeit zwischen Asbestkontakt und Ausbruch meist 30 bis 50 Jahre beträgt.
Symptome
- Plötzlich auftretende schwere Atemnot, die in Ruhe nicht besser wird
- Sehr starke, stechende Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Bluthusten (Husten mit frisch rotem Blut)
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- ⚠Fieber mit zunehmender Atemnot
- ⚠Schnell zunehmende Schwellung des Gesichts oder Halses
- ⚠Starke, neu aufgetretene Schmerzen im Rücken oder in der Brust
- ⚠Anhaltende Übelkeit und Erbrechen
Häufige Symptome
- Atemnot, besonders bei Belastung
- Schmerzen im Brustkorb oder in der Brustwand
- Anhaltender Husten
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Flüssigkeitsansammlung im Brustkorb (Pleuraerguss), die zunehmende Atemnot verursacht
Ursachen
Hauptursachen
- Einatmen von Asbestfasern, meist lange Zeit zurückliegend
- Selten: eine erbliche Veranlagung
- In sehr seltenen Fällen: frühere Strahlentherapie im Brustbereich
Risikofaktoren
- Berufliche Asbestexposition (z. B. Bau, Schiffbau, Isolation, Kfz-Teile)
- Lange Dauer der Asbestexposition
- Rauchen (erhöht das Risiko für andere Lungenkrankheiten, trägt aber nicht direkt zum Mesotheliom bei)
- Wohnen in älteren Gebäuden mit asbesthaltigen Bauteilen (bei unsachgemäßer Sanierung)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie neu oder zunehmend Atemnot bekommen
- Wenn Brustschmerzen nicht nachlassen
- Wenn Sie blutigen Auswurf bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über Wochen husten, ohne Anzeichen einer Erkältung
- Wenn Sie ungewollt abnehmen oder starke Müdigkeit verspüren
- Wenn Sie in der Vergangenheit mit Asbest zu tun hatten und irgendwelche Beschwerden auftreten
Diagnose
Der Weg beginnt meist beim Hausarzt mit einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Bei Verdacht überweist er Sie an eine Lungenfachklinik oder ein Krebszentrum. Dort werden bildgebende Verfahren und Gewebeproben eingesetzt, um die Diagnose zu sichern – denn nur so kann man einen Tumor sicher feststellen und andere Erkrankungen ausschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenuntersuchung des Brustkorbs
- Computertomographie (CT), manchmal mit Kontrastmittel
- Magnetresonanztomographie (MRT), um die Ausdehnung zu beurteilen
- Ultraschall zur Erkennung von Flüssigkeit im Brustkorb
- Gewebeentnahme (Biopsie) – meist mit einer dünnen Nadel oder durch eine kleine Operation, damit das Gewebe unter dem Mikroskop untersucht werden kann
- Lungenfunktionstest, um zu prüfen, wie gut die Lunge arbeitet
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei der Diagnose werden mehrere Untersuchungen an verschiedenen Tagen nötig sein. Sie haben viele Gespräche mit Ärzten, die alle Befunde erklären. Wenn Sie möchten, können Sie eine Vertrauensperson mitnehmen. Die Arztpraxis und das Krankenhausteam begleiten Sie Schritt für Schritt und beantworten Ihre Fragen.
Behandlung
Die Behandlung hängt vom Stadium des Tumors, Ihrem Allgemeinzustand und Ihren Wünschen ab. In einem Tumorboard, einem Team aus mehreren Fachärzten, wird ein individueller Plan erstellt. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern, das Tumorwachstum aufzuhalten und die bestmögliche Lebensqualität zu erhalten.
Selbsthilfe zu Hause
- Hören Sie auf zu rauchen – das verbessert Lungenfunktion und Behandlungserfolg.
- Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlerteam über Schmerzen und Atemnot, damit gezielte Hilfe möglich ist.
- Planen Sie Ruhepausen ein, aber bleiben Sie so aktiv, wie es Ihnen guttut.
- Ernähren Sie sich ausgewogen und trinken Sie ausreichend – bei Appetitmangel helfen kleine Mahlzeiten.
- Suchen Sie sich Unterstützung bei Familie, Freunden oder einer Selbsthilfegruppe.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ausbreitung kommen eine Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie oder eine Kombination davon infrage. Auch immuntherapeutische Ansätze können eingesetzt werden, um das Immunsystem gegen die Tumorzellen zu stärken. Die konkreten Medikamente und die Behandlungsdauer werden individuell festgelegt – sprechen Sie bitte mit Ihrem Onkologen über die für Sie geeignete Therapie.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist vor allem dann möglich, wenn der Tumor nur an einer Stelle liegt und der allgemeine Gesundheitszustand gut ist. Dabei wird entweder das befallene Gewebe oder in ausgewählten Fällen die gesamte Lungenhaut samt angrenzenden Strukturen entfernt. Ob eine Operation sinnvoll ist, entscheidet das Tumorboard im Einzelfall.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit Pleuramesotheliom bedeutet oft, sich an langsam verändernde Kräfte zu gewöhnen. Planen Sie Ihren Tag mit Pausen, nutzen Sie Gehhilfen, wenn Sie Atemnot haben, und scheuen Sie sich nicht, im Alltag Hilfe von Angehörigen oder Pflegediensten anzunehmen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, leichte Bewegung wie Spazierengehen kann das Wohlbefinden fördern und die Lungenfunktion stützen.
- Atemübungen und Entspannungstechniken können helfen, Luftnot und Ängste zu reduzieren.
- Vermeiden Sie zusätzliche Schadstoffe wie Zigarettenrauch, Staub und scharfe Reinigungsmittel.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine Atemtherapie oder Rehabilitationsmaßnahmen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Eiweiß und gesunden Fetten hilft, Kräfte zu erhalten. Bewegen Sie sich nach Ihrem eigenen Tempo – schon ein paar Minuten an der frischen Luft können die Stimmung heben. Bei Appetitmangel oder ungewolltem Gewichtsverlust kann eine Ernährungsberatung sinnvoll sein.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Krebsdiagnose löst oft Angst, Trauer und Unsicherheit aus. Das ist ganz normal. Sprechen Sie darüber – mit Ihren Angehörigen, Ihrem Arzt oder einer psychoonkologischen Beratung. Wenn Sie Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid haben, suchen Sie sofort Hilfe, zum Beispiel über die Telefonseelsorge (kostenlose Rufnummer) oder den Rettungsdienst 112. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Der wichtigste Schutz ist, Asbestkontakt zu vermeiden. In Deutschland ist Asbest seit 1993 weitgehend verboten. Wenn Sie in einem älteren Gebäude wohnen oder dort arbeiten, informieren Sie sich über mögliche Asbestvorkommen und überlassen Sie Entsorgung und Sanierung ausschließlich Fachfirmen. Frühere Asbestexposition lässt sich nicht rückgängig machen, aber eine frühe ärztliche Kontrolle kann helfen, Veränderungen früh zu erkennen.
Impfungen
Gegen Pleuramesotheliom gibt es keine vorbeugende Impfung. Allgemeine Impfungen wie gegen Grippe oder Lungenentzündung sind jedoch empfehlenswert, um zusätzliche Atemwegsinfekte zu vermeiden.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine allgemeine Früherkennungsuntersuchung für diese seltene Erkrankung. Menschen mit bekannter Asbestexposition können auf Wunsch regelmäßige ärztliche Kontrollen, zum Beispiel mit Röntgen oder CT, erhalten – sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Betriebsärztin darüber.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Flüssigkeitsansammlung im Brustkorb, die das Atmen erschwert
- Tumorwachstum in umliegendes Gewebe wie Zwerchfell, Herzbeutel oder Bauchfell
- Streuung (Metastasen) in andere Organe
- Schwere Lungenentzündung oder Blutungen im Brustkorb
- Ausgeprägte Schmerzen und allgemeine Körperschwäche
Langzeitprognose
Die Prognose hängt sehr stark vom Stadium und der Behandlung ab. Auch wenn das Mesotheliom eine ernste Erkrankung ist, gibt es Menschen, die mit einer Kombination aus Operation und Chemotherapie viele Jahre ein aktives Leben führen. Die Medizin entwickelt sich ständig weiter, und neue Therapieansätze geben Hoffnung. Ihr medizinisches Team wird Sie dabei unterstützen, die für Sie beste Behandlung zu finden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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