Susac-Syndrom – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Susac-Syndrom (auch SICRET-Syndrom) ist eine sehr seltene Autoimmunerkrankung. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise winzige Blutgefäße in drei Bereichen an: im Gehirn, in der Netzhaut des Auges und im Innenohr. Dadurch entstehen Durchblutungsstörungen, die zu Beschwerden wie Kopfschmerzen, Sehstörungen, Hörverlust und Denkproblemen führen können.
Wichtige Fakten
- Die Erkrankung betrifft gleichzeitig das Gehirn, die Augen und das Innenohr.
- Sie ist eine der seltensten Erkrankungen – etwa 1 von 1.000.000 Menschen ist betroffen.
- Eine frühe Behandlung verbessert die Aussichten deutlich.
Nein, das Susac-Syndrom ist eine sehr seltene Krankheit. Sie zählt zu den sogenannten Seltenen Erkrankungen (Orphan Diseases).
Das Syndrom tritt meist bei Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Sehr selten kann es auch bei Kindern oder älteren Menschen vorkommen.
Symptome
- Plötzliche schwere Sehverschlechterung oder Erblindung
- Bewusstlosigkeit oder ein Krampfanfall
- Plötzliche Schwäche einer Körperseite, Sprachstörungen oder Taubheitsgefühl – wie bei einem Schlaganfall
- ⚠Neu auftretende Verwirrtheit oder starke Kopfschmerzen über mehrere Tage
- ⚠Hörverlust, der sich innerhalb von Tagen entwickelt
- ⚠Sehstörungen, die nicht innerhalb einiger Stunden verschwinden
Häufige Symptome
- Anhaltende Kopfschmerzen, oft migräneartig
- Verwirrtheit, Konzentrations- oder Gedächtnisprobleme
- Sehstörungen: dunkle Flecken im Gesichtsfeld oder verschwommenes Sehen
- Ohrgeräusche (Tinnitus) oder Hörverlust, meist beginnend auf einem Ohr
- Schwindel und Unsicherheit beim Gehen
- Psychische Veränderungen wie Stimmungsschwankungen
Symptome bei Kindern
- Kopfschmerzen und Wesensänderungen (z. B. Reizbarkeit)
- Seh- oder Hörprobleme, die im Alltag auffallen
- Konzentrationsstörungen oder schlechtere schulische Leistungen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Leichte Verwirrtheit oder Vergesslichkeit
- Nachlassendes Sehen oder Hören, das leicht mit dem Alter verwechselt wird
- Gleichgewichtsstörungen mit erhöhter Sturzgefahr
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist unbekannt.
- Mediziner vermuten eine Autoimmunreaktion: Das Immunsystem richtet sich gegen die eigenen kleinen Blutgefäße.
- Eine Ansteckung oder Vererbung wurde nicht nachgewiesen.
Risikofaktoren
- Alter zwischen 20 und 40 Jahren
- Weibliches Geschlecht
- Begleitende Autoimmunerkrankungen (z. B. Schilddrüsenerkrankungen) – der Zusammenhang ist aber nicht vollständig geklärt.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Seh-, Hör- oder Gleichgewichtsstörungen
- Bei akuter Verwirrtheit ohne erkennbaren Grund
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über Wochen unter wiederkehrenden Kopfschmerzen, Ohrgeräuschen oder Konzentrationsproblemen leiden
- Bei wiederholten Schstörungen im Gesichtsfeld
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von Spezialistinnen und Spezialisten gestellt – einem Augenarzt, einem HNO-Arzt und einem Neurologen. Entscheidend ist das gleichzeitige Auftreten von Symptomen aus Gehirn, Auge und Ohr. Es gibt aber keinen einzelnen Test, der die Krankheit sicher nachweist, daher ist die Zusammenarbeit mehrerer Fachrichtungen wichtig.
Mögliche Untersuchungen
- Augenspiegelung mit Darstellung der Netzhautgefäße (Funduskopie)
- Hörtest (Audiometrie) und Gleichgewichtsprüfung
- Kernspintomographie (MRT) des Gehirns
- Untersuchung der Nervenflüssigkeit (Liquorpunktion / Lumbalpunktion)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Manche dieser Untersuchungen, insbesondere die Nervenwasserprobe, sind unangenehm. Sie sind aber wichtig, um andere Erkrankungen auszuschließen. Die Diagnose kann einige Zeit dauern und wird in einer spezialisierten Klinik (oft einem Zentrum für seltene Erkrankungen) gestellt.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die entzündliche Reaktion der Blutgefäße zu stoppen. Je früher sie beginnt, desto besser können bleibende Schäden verhindert werden. Die Therapie wird von einem Team aus Neurologie, Augenheilkunde und HNO-Heilkunde geplant.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf Veränderungen und suchen Sie bei neuen Symptomen frühzeitig ärztlichen Rat.
- Planen Sie Erholungsphasen ein – das hilft besonders bei kognitiven Beschwerden.
- Nutzen Sie Hilfsmittel wie Hörgeräte oder Sehhilfen, um den Alltag zu erleichtern.
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung werden Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem dämpfen. Zuerst kommen in der Regel hochdosierte Kortisonpräparate zum Einsatz, später möglicherweise andere Immunsuppressiva. Auch eine Behandlung mit Antikörpern oder eine Blutwäsche (Plasmapherese) kann in schweren Fällen erwogen werden. Welche Therapie für Sie geeignet ist, entscheidet das Behandlungsteam individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist beim Susac-Syndrom in der Regel nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit einer seltenen Erkrankung kann herausfordernd sein. Viele Betroffene benötigen Zeit, um sich an Einschränkungen wie Hörverlust oder kognitive Probleme anzupassen. Eine enge medizinische Betreuung und regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um Schübe früh zu erkennen.
Tipps für den Alltag
- Suchen Sie sich ein festes Netzwerk aus Fachärzten – idealerweise in einem Zentrum für seltene Erkrankungen.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch – das erleichtert das Gespräch mit dem Arzt.
- Nutzen Sie Rehabilitationsangebote wie Ergotherapie, Hörtraining oder Gedächtnistraining.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige, moderat dosierte Bewegung können Ihr allgemeines Wohlbefinden fördern. Fragen Sie Ihren Arzt, welche Art von Bewegung für Sie im aktuellen Krankheitszustand geeignet ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine solche Diagnose kann Angst, Traurigkeit und Unsicherheit auslösen. Das ist verständlich. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit der Situation umzugehen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen entlastet.
Vorbeugung
Ein sicheres Vorbeugen ist nicht möglich, da die genaue Ursache unbekannt ist.
Impfungen
Impfen ist grundsätzlich wichtig. Wenn Sie Medikamente erhalten, die das Immunsystem dämpfen, sollten Sie den Impfstatus und den richtigen Impfzeitpunkt mit Ihrem Arzt besprechen, da nicht alle Impfstoffe während einer solchen Therapie gegeben werden sollten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine Vorsorgeuntersuchung, die das Susac-Syndrom bei gesunden Menschen aufspürt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bleibende Hörschäden bis hin zur Taubheit
- Sehverlust durch anhaltende Durchblutungsstörungen der Netzhaut
- Längerfristige kognitive Einschränkungen (Denk-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen)
Langzeitprognose
Die Prognose ist unterschiedlich. Viele Menschen erholen sich mit einer frühzeitigen Therapie gut. Schübe können wiederkommen, bilden sich aber unter Behandlung oft zurück. Auch wenn manche Folgen, wie ein Hörverlust, nicht vollständig verschwinden, gibt es gute Hilfsmittel und Strategien, um mit ihnen zu leben. Viele Betroffene führen langfristig ein selbstbestimmtes Leben.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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