Morbus Addison – Nebenniereninsuffizienz verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Morbus Addison ist eine seltene Erkrankung der Nebennieren. Die Nebennieren sind kleine Drüsen, die oben auf den Nieren sitzen. Sie produzieren wichtige Botenstoffe (Hormone), die den Kreislauf, den Blutzucker und den Salzhaushalt steuern. Bei Morbus Addison produziert der Körper zu wenig dieser Hormone. Medizinisch nennt man das auch Nebenniereninsuffizienz.
Wichtige Fakten
- Die Nebennieren produzieren lebenswichtige Hormone wie Kortisol und Aldosteron.
- Morbus Addison ist selten und betrifft Menschen jeden Alters.
- Die Erkrankung ist nicht ansteckend.
- Ohne Behandlung ist sie lebensbedrohlich, mit Behandlung aber gut zu bewältigen.
- Morbus Addison wird mit einer Hormonersatztherapie behandelt.
Nein. Morbus Addison ist selten. In Deutschland sind schätzungsweise 5 bis 10 von 100.000 Menschen betroffen.
Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten. Am häufigsten beginnt sie bei Erwachsenen zwischen 20 und 50 Jahren. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
Symptome
- Bei Verdacht auf eine Addison-Krise: sofort den Notruf 112 wählen
- Plötzliche starke Schmerzen im Bauch, Rücken oder in den Beinen
- Starkes Erbrechen und Durchfall
- Sehr niedriger Blutdruck bis zum Schock
- Ohnmacht oder starke Benommenheit
- Verwirrtheit und Desorientierung
- ⚠Hohes Fieber oder Schüttelfrost
- ⚠Starke Müdigkeit, die sich nicht bessert
- ⚠Neu aufgetretene Verwirrtheit
- ⚠Wiederholtes Erbrechen oder Durchfall
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Schwäche
- Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit
- Niedriger Blutdruck und Kreislaufprobleme
- Dunkle Verfärbung der Haut, besonders an Händen, Ellbogen oder im Mund
- Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen
- Verlangen nach Salzigem
- Muskel- oder Gelenkschmerzen
- Niedriger Blutzucker
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverzögerung
- Verspätete Pubertät
- Bauchschmerzen und Übelkeit
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Salzhunger
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit
- Stürze durch Schwindel
- Allgemeine Schwäche
- Fieber ohne erkennbare Infektion
- Blutdruckabfall
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift die Nebennieren an (häufigste Ursache)
- Infektionen der Nebennieren, zum Beispiel durch Tuberkulose
- Blutungen in die Nebennieren (selten)
- Absiedlungen von Tumoren in die Nebennieren (sehr selten)
Risikofaktoren
- Andere Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel Typ-1-Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen
- Langfristige Einnahme von Kortisonpräparaten (führt zu einer sekundären Nebenniereninsuffizienz)
- Erbliche Veranlagung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie über Wochen zunehmend schlapp und müde sind und der Blutdruck fällt
- Wenn Sie bereits eine Addison-Diagnose haben und Symptome einer Krise entwickeln
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie immer wieder Kreislaufprobleme haben und noch keinen Hausarzt aufgesucht haben
- Wenn Sie zusammen mit Gewichtsverlust und Übelkeit auch dunkle Hautstellen bemerken
Diagnose
Der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden, untersucht Sie und ordnet Blutuntersuchungen an. Ein spezieller Test, der ACTH-Kurztest, zeigt, ob die Nebennieren normal auf das Hormon ACTH reagieren. In Deutschland gibt es dazu eine AWMF-Leitlinie, die klare Schritte für die Diagnose empfiehlt.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung auf Cortisol und Kortikotropin (ACTH)
- Blutuntersuchung der Elektrolyte (Natrium und Kalium)
- ACTH-Kurztest (Stimulationstest)
- Bildgebung der Nebennieren, zum Beispiel Ultraschall oder Computertomografie
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Für den ACTH-Kurztest müssen Sie etwa eine Stunde einplanen. Dabei wird ein Zugang in die Armvene gelegt, eine Testsubstanz gegeben und danach Blut abgenommen. Das ist meist unangenehm, aber nicht gefährlich.
Behandlung
Die Behandlung ersetzt die fehlenden Hormone. Sie müssen die Medikamente ein Leben lang täglich einnehmen. Die Dosis wird individuell angepasst – zum Beispiel bei Stress, Infektionen oder besonderen Lebenssituationen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt schult Sie, wie Sie die Dosis bei Bedarf verändern.
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen Sie immer einen Notfallausweis und eine Medikamentenliste bei sich
- Informieren Sie Ihr Umfeld über Ihre Erkrankung
- Lernen Sie, wie Sie sich in Stresssituationen verhalten, zum Beispiel bei Fieber oder Operationen
- Nehmen Sie Ihre Medikamente zuverlässig und regelmäßig ein
Medizinische Behandlungen
Das Hormon Kortisol wird durch ein verschreibungspflichtiges Medikament aus der Gruppe der Glukokortikoide ersetzt. Auch das Hormon Aldosteron wird ersetzt, meist durch ein Medikament aus der Gruppe der Mineralkortikoide. Diese Medikamente gibt es als Tabletten und als Injektionen für Notfälle. Die genaue Dosis bestimmt ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen notwendig, zum Beispiel wenn eine Blutung in die Nebennieren die Ursache ist. Meist wird Morbus Addison ausschließlich mit Medikamenten behandelt.
Leben mit der Erkrankung
Mit Morbus Addison können Sie ein weitgehend normales Leben führen. Wichtig sind die regelmäßige Einnahme der Medikamente, ein Notfallplan und der regelmäßige Kontakt zu einer Endokrinologin oder einem Endokrinologen, also einer Fachärztin oder einem Facharzt für Hormonerkrankungen. Sie lernen, Ihren Körper gut zu beobachten.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie große körperliche oder seelische Belastung ohne ausreichende Erholung
- Tragen Sie auf Reisen immer genügend Medikamente mit
- Bei Fieber oder Infekt frühzeitig ärztliche Hilfe suchen, nur nach ärztlicher Anweisung die Dosis erhöhen
- Sprechen Sie mit Familie und Freunden über die Erkrankung, damit sie im Notfall helfen können
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig. Achten Sie auf ausreichend Salz – besonders nach dem Schwitzen. Sport und Bewegung tun gut, aber steigern Sie sich langsam. Bei extremer Hitze oder starker Anstrengung sollten Sie Flüssigkeit und Salz ausgleichen, zum Beispiel mit salzigen Speisen oder einer Salz- und Zuckermischung nach Rücksprache mit Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Erkrankung kann psychisch belastend sein. Angst vor einer Krise oder anhaltende Erschöpfung sind verständlich. Scheuen Sie sich nicht, mit Ärztinnen und Ärzten oder einer psychologischen Beratungsstelle zu sprechen. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Morbus Addison lässt sich nicht verhindern, da es sich meist um eine Autoimmunerkrankung handelt. Sie können aber einer Addison-Krise vorbeugen: Lernen Sie Warnzeichen zu erkennen und suchen Sie bei Fieber oder Stress frühzeitig ärztliche Hilfe.
Impfungen
Ein vollständiger Impfschutz – insbesondere gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken – wird empfohlen, weil schwere Infektionen die Nebennieren stark belasten können. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem Hausarzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Eine bestimmte Vorsorge für gesunde Menschen gibt es nicht. Wenn Sie bereits eine andere Autoimmunerkrankung haben, kann eine hormonelle Untersuchung sinnvoll sein. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Erschöpfung und Muskelschwäche
- Störungen des Salzhaushalts im Blut, die gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen können
- Addison-Krise – ein lebensbedrohlicher Notfall mit Schock und Bewusstlosigkeit
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung ist die Lebenserwartung bei Morbus Addison normal. Die meisten Menschen können Beruf, Familie und Freizeit gut bewältigen. Es erfordert Disziplin und eine gute ärztliche Begleitung, aber viele Betroffene berichten von einem stabilen und erfüllten Alltag.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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