Chronische Nierenerkrankung: Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die chronische Nierenerkrankung ist eine fortschreitende Erkrankung, bei der die Nieren über Monate oder Jahre immer weniger arbeiten. Die Nieren sind Organe, die Blut filtern, überschüssiges Wasser entfernen und Abfallstoffe mit dem Urin ausscheiden. Wenn die Nieren nachlassen, können sich Giftstoffe im Körper ansammeln.
Wichtige Fakten
- Die Nieren filtern täglich große Mengen Blut.
- Die Erkrankung beginnt oft schleichend und bleibt lange unbemerkt.
- Eine gesunde Lebensweise und gute Behandlung können den Verlauf verlangsamen.
Ja, die chronische Nierenerkrankung ist häufig. In Deutschland sind schätzungsweise 8 bis 10 Prozent der Erwachsenen betroffen, viele davon unerkannt.
Sie kann in jedem Alter auftreten, betrifft aber vor allem ältere Menschen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen oder einer familiären Vorbelastung.
Symptome
- Atemnot oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen
- Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Verwirrtheit oder starke Benommenheit
- Ganz ausbleibendes Wasserlassen über einen Tag
- Schwere Krampfanfälle
- ⚠Stark geschwollene Beine im Zusammenhang mit Atemnot
- ⚠Hoher Blutdruck mit Kopfschmerzen, Augenflimmern oder Übelkeit
- ⚠Wiederholtes Erbrechen oder blutiges Erbrechen
- ⚠Viel weniger Urin als sonst über mehrere Stunden
- ⚠Spürbares Herzrasen
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Geschwollene Knöchel, Füße oder Hände
- Kurzatmigkeit
- Häufiger Harndrang, vor allem nachts
- Juckende Haut
- Muskelkrämpfe
- Appetitlosigkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
Symptome bei Kindern
- Schlechtes Wachstum oder Gewichtsverlust
- Erbrechen oder Übelkeit
- Müdigkeit und Reizbarkeit
- Einnässen oder Bettnässen neuer Art
- Geschwollenes Gesicht oder geschwollene Augen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder verändertes Denken
- Starke Müdigkeit
- Reduzierte Urinmenge
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
- Schwellungen in den Beinen
- Juckreiz über den ganzen Körper
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Entzündung der Nierenfilter (Glomerulonephritis)
- Zystennieren (polyzystische Nierenerkrankung)
- Längerfristig verengte oder blockierte Harnwege
Risikofaktoren
- Diabetes
- Bluthochdruck
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Rauchen
- Übergewicht
- Alter über 60 Jahre
- Familiäre Vorgeschichte mit Nierenerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie eines der unter „Notfall“ genannten Symptome bemerken, rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn Sie über mehrere Tage deutlich weniger Urin ausscheiden, suchen Sie noch am selben Tag eine ärztliche Untersuchungsstelle auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Diabetes oder Bluthochdruck haben, lassen Sie mindestens einmal im Jahr Nierenwerte im Blut und Urin überprüfen.
- Wenn Sie neue anhaltende Schwellungen, Müdigkeit oder unerklärlichen Juckreiz bemerken, sprechen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt darauf an.
Diagnose
Die Diagnose beginnt mit einem Gespräch über Ihre Beschwerden, Ihre Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung. Anschließend werden Blut und Urin im Labor untersucht. Oft ist auch eine Ultraschalluntersuchung der Nieren sinnvoll.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest zur Bestimmung der eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) – zeigt, wie gut die Nieren filtern
- Urintest auf Albumin/Kreatinin-Quotient – zeigt, ob Eiweiß über die Nieren ausgeschieden wird
- Blutdruckmessung
- Ultraschall der Nieren
- Gegebenenfalls Röntgen oder Computertomographie bei besonderer Fragestellung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird die Ergebnisse mit Ihnen besprechen und einordnen. Die chronische Nierenerkrankung wird in fünf Stadien eingeteilt – je nachdem, wie stark die Nierenfunktion eingeschränkt ist. Sie erhalten einen Behandlungsplan und Informationen zu weiteren Untersuchungen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, Beschwerden zu lindern und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Eine vollständige Heilung ist in den meisten Fällen nicht möglich, aber ein langes und aktives Leben mit guter Lebensqualität ist sehr wohl möglich.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente regelmäßig ein, auch wenn Sie sich gesund fühlen.
- Vermeiden Sie rezeptfreie Schmerzmittel ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.
- Achten Sie auf Ihren Blutdruck und messen Sie ihn regelmäßig, wenn Ihr Arzt das empfiehlt.
- Rauchen Sie nicht und schränken Sie Alkohol ein.
- Sprechen Sie vor jeder neuen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Ihrem medizinischen Team.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Stadium. Dazu gehören Stoffwechselkontrollen, Blutdruckmedikamente, entwässernde Mittel, Medikamente gegen Nierenanämie (Blutarmut) und bei Bedarf Phosphatbinder. Wichtig ist eine gute Blutzucker- und Blutdruckeinstellung. Bei fortgeschrittener Nierenschwäche kommen Dialyseverfahren (Blutwäsche) oder eine Nierentransplantation infrage.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Nierentransplantation ist eine Operation, bei der eine gesunde Spenderniere eingesetzt wird. Sie ist für viele Menschen mit Endstadium der Nierenerkrankung die beste Möglichkeit, wird aber immer individuell vom Nierenteam entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Ihren Alltag mit festen Arztterminen und ruhigen Pausen. Beobachten Sie Veränderungen bei Ihrem Körper. Viele Menschen führen mit dieser Diagnose ein ganz normales Leben, besonders wenn sie frühzeitig behandelt werden.
Tipps für den Alltag
- Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen für 30 Minuten an den meisten Tagen – sofern Ihr Arzt zustimmt
- Gestaffelte moderate Bewegung statt körperlicher Überlastung
- Achten Sie auf Ihr Gewicht und halten Sie ein gesundes Körpergewicht
- Vermeiden Sie Rauchen
- Planen Sie Entspannungszeiten ein, zum Beispiel Atemübungen oder Meditation
Ernährung und Bewegung
Eine nierengesunde Ernährung bedeutet meist: Salz reduzieren, Eiweiß in Maßen konsumieren und bei fortgeschrittener Erkrankung Kalium und Phosphat begrenzen. Lassen Sie sich von einer Ernährungsfachperson beraten – keine pauschale Diät passt für alle. Bewegung ist wichtig, aber meiden Sie starke Belastung ohne Absprache.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Diagnose kann Ängste, Trauer und Überforderung auslösen. Das ist völlig normal. Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam. Bei anhaltenden depressiven Stimmungen oder Gedanken an Verzweiflung stehen Ihnen Krisenangebote zur Seite – etwa der sozialpsychiatrische Dienst Ihrer Stadt oder die Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Eine chronische Nierenerkrankung ist nicht immer verhinderbar, aber ein gesunder Lebensstil und die gute Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes verringern das Risiko erheblich und verlangsamen den Verlauf.
Impfungen
Lassen Sie sich zu Impfungen beraten – zum Beispiel gegen Grippe, Pneumokokken oder COVID-19. Bei eingeschränkter Nierenfunktion sind einige Impfungen besonders sinnvoll, andere können angepasst werden. Sprechen Sie mit Ihrem medizinischen Team.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören – etwa wegen Diabetes, Bluthochdruck oder Nierenerkrankungen in der Familie – lassen Sie Ihre Nierenwerte regelmäßig, mindestens einmal im Jahr, überprüfen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreiten bis zur Niereninsuffizienz, die Dialyse oder Transplantation nötig macht
- Bluthochdruck, der zu Schlaganfall, Herzinfarkt und Herzschwäche führen kann
- Blutarmut (Anämie) mit ausgeprägter Müdigkeit
- Knochenstoffwechselstörungen und erhöhte Knochenbruchgefahr
- Flüssigkeitsansammlungen in Lunge und Beinen
- Häufige Infektionen, etwa der Harnwege
Langzeitprognose
Mit frühzeitiger Erkennung und guter Therapie lässt sich das Fortschreiten in vielen Fällen verlangsamen. Viele Menschen mit chronischer Nierenerkrankung bleiben jahrzehntelang stabil. Auch bei fortgeschrittener Nierenschwäche erlauben Dialyse oder Transplantation weiterhin ein erfülltes Leben. Sie sind nicht allein – medizinische und soziale Unterstützung ist verfügbar.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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