Niedrige Libido – wenn das Verlangen nachlässt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Unter Libido versteht man das sexuelle Verlangen – also die Lust auf sexuelle Aktivität. Wenn dieses Verlangen über einen längeren Zeitraum deutlich nachlässt oder ganz fehlt, sprechen Fachleute von einer niedrigen Libido. Nicht jeder Rückgang ist krankhaft. Erst wenn Sie darunter leiden oder sich dadurch Ihr Leben negativ verändert, ist es sinnvoll, ärztliche Hilfe zu suchen.
Wichtige Fakten
- Eine niedrige Libido ist sehr häufig – viele Menschen erleben sie vorübergehend oder dauerhaft.
- Ursachen sind oft eine Mischung aus körperlichen, seelischen und Partnerschafts-Faktoren.
- Sie ist keine eigene Krankheit, sondern ein Symptom, das viele Gründe haben kann.
- Offene Gespräche mit Ärztinnen oder Ärzten helfen, die Ursache zu finden.
Ja. Eine niedrige Libido ist eine der häufigsten Gründe für einen Besuch in der sexualmedizinischen Sprechstunde. Man schätzt, dass etwa ein Drittel aller Frauen und etwa ein Fünftel aller Männer in Deutschland zeitweise einen belastenden Rückgang des Verlangens erlebt.
Jeden Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder sexueller Orientierung. Sie kann in allen Lebensphasen auftreten – häufiger in Zeiten von Stress, nach Geburten, in den Wechseljahren und bei bestimmten körperlichen Erkrankungen.
Symptome
- Bei einer akuten Suizidgefahr oder wenn Sie sich selbst oder anderen schweren Schaden zufügen wollen, wählen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn die niedrige Libido von Brustschmerzen oder Atemnot begleitet wird, rufen Sie ebenfalls den Notruf 112.
- ⚠Bei plötzlich auftretender sexueller Unfähigkeit zusammen mit starken Schmerzen in Unterleib oder Genitalbereich – wenden Sie sich noch am selben Tag an eine ärztliche Notdienstpraxis.
- ⚠Wenn Sie unter einer akuten Belastungssituation oder Gewalt in der Partnerschaft stehen – suchen Sie noch am selben Tag Unterstützung, zum Beispiel bei einem Hilfetelefon.
Häufige Symptome
- Wenig oder kein Interesse an sexueller Aktivität
- Keine oder seltene sexuelle Gedanken und Fantasien
- Vermeidung von Situationen, die zu Sex führen könnten
- Ein Gefühl des Verlusts oder der Schuld
- Unzufriedenheit mit dem eigenen Sexualleben
- Belastung in der Partnerschaft
Ursachen
Hauptursachen
- Psychische Belastungen wie Stress, Depressionen, Angststörungen oder Erschöpfung
- Beziehungskonflikte, mangelnde Kommunikation oder unverarbeitete Kränkungen
- Hormonelle Veränderungen, zum Beispiel in den Wechseljahren, nach einer Schwangerschaft oder bei einem Mangel an Testosteron
- Körperliche Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronische Schmerzen
- Einnahme von Medikamenten – zum Beispiel bestimmte Blutdruckmittel, Antidepressiva oder Hormonpräparate
- Müdigkeit, Schlafmangel und ein hoher Alltagsdruck
- Negative sexuelle Erfahrungen, Traumata oder ein tabubehaftetes Umfeld
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht – Frauen sind häufiger betroffen
- Zunehmendes Alter
- Bestehende psychische Erkrankungen
- Chronische Erkrankungen
- Einnahme bestimmter Medikamente
- Probleme in der Partnerschaft
- Alkohol- und Drogenkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn neben der niedrigen Libido auch Schmerzen, Blutungen oder andere körperliche Symptome auftreten
- Wenn Sie unter einer Depression leiden oder Gedanken an Selbstverletzung haben
- Wenn eine plötzliche und vollständige Unfähigkeit, sexuell zu reagieren, auftritt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn der fehlende Wunsch Sie über Wochen oder Monate belastet
- Wenn Sie Veränderungen in Ihrer Stimmung, Schlaf oder Energie bemerken
- Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Medikament schuld ist – besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt führt zuerst ein ausführliches Gespräch. Sie fragt nach Ihren Beschwerden, Ihrer Lebenssituation, Ihrer Krankengeschichte, möglichen Medikamenten und Ihren Beziehungen. Auf Wunsch kann auch die Partnerin oder der Partner teilnehmen. Wichtig ist, dass Sie sich nicht rechtfertigen müssen. Das Gespräch unterliegt der Schweigepflicht.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung auf Hormone (z.B. Testosteron, Östradiol, Prolaktin), Schilddrüsenwerte und Blutzucker
- Standardisierte Fragebögen zu sexuellem Verlangen und Zufriedenheit
- Körperliche Untersuchung, je nach Ursache auch gynäkologisch oder urologisch
- Besprechung Ihrer Medikamentenliste und eventueller anderer Erkrankungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Termin dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten. Überlegen Sie vorab, welche Situationen für Sie besonders belastend sind. Wenn Sie möchten, können Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner mitbringen. Das ärztliche Gespräch ist vertraulich – niemand wertet Sie ab.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Oft genügt bereits eine Aufklärung darüber, dass die Libido schwanken darf. Dann ist Psychotherapie hilfreich, um Stress und innere Konflikte zu bearbeiten. Bei körperlichen Ursachen kann die Behandlung der Grunderkrankung auch das Verlangen wiederherstellen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Erholung und Schlaf
- Reduzieren Sie Alltagsstress durch Entspannungsverfahren wie Yoga oder progressive Muskelentspannung
- Sprechen Sie in der Partnerschaft über Wünsche, Ängste und Bedürfnisse
- Planen Sie Zeit zu zweit ein, die nicht auf Sex ausgerichtet sein muss – Nähe und Zärtlichkeit stärken das Verlangen
- Vermeiden Sie exzessiven Alkoholkonsum, Rauchen und übermäßigen Medienkonsum
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache stehen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: Eine Psychotherapie kann bei Depressionen und Ängsten helfen. Bei ausgeprägtem Hormonmangel – zum Beispiel nach den Wechseljahren oder bei Testosteronmangel – werden in Fachzentren Hormonpräparate eingesetzt. Auch die Umstellung von Medikamenten, die die Libido dämpfen, ist möglich. Jede medikamentöse Behandlung muss von einer Fachärztin oder einem Facharzt angeordnet und überwacht werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen notwendig, etwa wenn eine Gefäßverengung oder ein Tumor die sexuelle Funktion beeinträchtigt. Sie kommt erst nach einer gründlichen Untersuchung und nur in spezialisierten Zentren infrage.
Leben mit der Erkrankung
Versuchen Sie, das Thema nicht als Makel zu sehen. Es ist ein Zustand, der sich verändern kann. Kommunizieren Sie offen mit Ihren Mitmenschen und Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner. Ein erfülltes Sexualleben bedeutet mehr als Leistung – es geht um Nähe, Berührung und Vertrauen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung – mindestens 30 Minuten an den meisten Tagen
- Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen
- Genügend Schlaf und feste Ruhezeiten
- Achtsamkeitsübungen, um den eigenen Körper wahrzunehmen
- Zeit für Hobbys und soziale Kontakte, die nichts mit Leistung zu tun haben
Ernährung und Bewegung
Sport setzt Glückshormone frei und verbessert die Durchblutung – beides kann sich positiv auf das Lustempfinden auswirken. Ernähren Sie sich ausgewogen mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und gesunden Fetten. Vermeiden Sie stark zuckerhaltige Getränke und übertriebene Diäten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine niedrige Libido kann Scham auslösen und das Selbstwertgefühl senken. Das ist verständlich. Trotzdem gilt: Ihr Wert als Mensch ist unabhängig von der Lust auf Sex. Wenn Sie spüren, dass der Rückzug oder die Traurigkeit zunimmt, suchen Sie sich Unterstützung – ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten ist genauso normal wie ein Arztbesuch bei Rückenschmerzen.
Vorbeugung
Eine niedrige Libido ist nicht in allen Fällen vermeidbar. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, Bewegung und Stressreduktion kann aber dazu beitragen, das sexuelle Verlangen zu erhalten. Ebenso wichtig ist ein offener Austausch in der Partnerschaft, bevor sich Probleme verfestigen.
Impfungen
Für eine niedrige Libido gibt es keine Impfung. Halten Sie jedoch Ihre Standardimpfungen aktuell – so vermeiden Sie Infektionen, die den Körper schwächen können, was allenfalls indirekt die Lust beeinträchtigen könnte.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening für eine niedrige Libido. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Verlangen stark und dauerhaft nachgelassen hat, sprechen Sie es bei Ihrem nächsten Gesundheits-Check-up an – auch wenn Sie unsicher sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltende Unzufriedenheit und Frustration mit dem eigenen Körper
- Entfremdung und Konflikte in der Partnerschaft
- Meidung von Nähe und Zärtlichkeit, was die Bindung schwächt
- Mögliche Entwicklung oder Verstärkung einer Depression
Langzeitprognose
Die Chancen auf Besserung sind gut. Die meisten Ursachen lassen sich behandeln, und viele Menschen erleben nach der Behandlung wieder ein erfülltes Sexualleben. Auch wenn es Geduld braucht: Sexuelle Lust ist selten ein für immer verlorenes Gefühl. Mit ärztlicher Begleitung und Offenheit ist ein positiver Ausgang wahrscheinlich.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.