Piospermie: Weiße Blutkörperchen im Sperma verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Piospermie bedeutet, dass sich im Sperma (Ejakulat) mehr weiße Blutkörperchen befinden als normal. Diese Zellen gehören zum Immunsystem und sind ein Zeichen dafür, dass es im Bereich der männlichen Geschlechtsorgane eine Entzündung geben kann. Im Alltag wird auch manchmal von „Eiter im Sperma“ gesprochen, aber sichtbarer Eiter ist selten – meist ist die Veränderung nur unter dem Mikroskop zu erkennen.
Wichtige Fakten
- Piospermie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Laborbefund.
- Häufig steckt eine Entzündung der Prostata oder der Samenbläschen dahinter.
- Viele Männer mit Piospermie haben keinerlei Beschwerden.
- Bei unerfülltem Kinderwunsch kann Piospermie ein Hinweis auf eine beeinträchtigte Fruchtbarkeit sein.
Eine genaue Häufigkeit ist nicht bekannt. Bei Fruchtbarkeitsuntersuchungen findet sich jedoch bei einem Teil der Männer eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen im Sperma.
Betroffen sind vor allem Männer im fortpflanzungsfähigen Alter. Grundsätzlich kann Piospermie aber bei jedem Mann auftreten, bei dem eine Entzündung der Geschlechtsorgane vorliegt – auch bei älteren Männern.
Symptome
- Plötzlich auftretende, starke Schmerzen im Hoden- oder Unterleibsbereich
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost
- Starke Blutungen aus der Harnröhre oder großflächig blutiger Urin
- Unfähigkeit, Wasser zu lassen, mit starkem Druckgefühl
- ⚠Fieber über 38,5 Grad Celsius
- ⚠Starke Schmerzen beim Wasserlassen oder im Samenerguss
- ⚠Schwellung oder Rötung der Hoden
- ⚠Beschwerden, die nach 2 Tagen nicht besser werden
Häufige Symptome
- Häufig keine Beschwerden, der Befund wird zufällig entdeckt
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Trüber oder veränderter Geruch des Spermas
- Schmerzen im Bereich zwischen Hoden und After (Dammregion)
- Unangenehmes Druckgefühl im Unterleib
- Schmerzen beim Samenerguss
Symptome bei Kindern
- Piospermie tritt bei Kindern praktisch nicht auf. Sollte ein Kind auffälligen Urin oder Schmerzen beim Wasserlassen haben, ist das ein Fall für die Kinderarztpraxis.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Männern kommen zusätzlich Blasenentleerungsstörungen und ein Druckgefühl im Unterbauch häufiger vor.
- Auch eine vergrößerte Prostata kann Entzündungen begünstigen und ähnliche Beschwerden verursachen.
Ursachen
Hauptursachen
- Entzündung der Prostata (Prostatitis)
- Entzündung der Nebenhoden oder Hoden (Epididymitis, Orchitis)
- Entzündung der Samenbläschen (Spermatocystitis)
- Eine Harnwegsinfektion
- Durch Geschlechtsverkehr übertragene Erreger, zum Beispiel Chlamydien, Tripper oder andere Bakterien
Risikofaktoren
- Wiederkehrende Harnwegsinfektionen
- Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern
- Eingriffe an den Harnwegen, zum Beispiel eine Blasenspiegelung oder ein Katheter
- Starkes Unterkühlen im Beckenbereich
- Ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch Diabetes oder andere Grunderkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder starke Schmerzen haben
- Wenn Sie Schwellungen an den Hoden oder im Unterleib bemerken
- Wenn Sie akut nicht mehr Wasser lassen können
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn bei einer Fruchtbarkeitsuntersuchung Piospermie festgestellt wurde
- Wenn Sie wiederkehrende Beschwerden beim Wasserlassen bemerken
- Wenn Sie sich krank fühlen und keine Ursache kennen
- Wenn Sie einen unerfüllten Kinderwunsch haben und eine Abklärung wünschen
Diagnose
Der Arzt wird zuerst ausführlich nach Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und Lebensgewohnheiten fragen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der auch die Prostata über den Enddarm abgetastet wird. Anschließend wird eine Spermaprobe untersucht und nach Blutkörperchen im Sperma gesucht. Die Diagnose wird in Anlehnung an die medizinischen Leitlinien, zum Beispiel der AWMF, gestellt.
Mögliche Untersuchungen
- Spermiogramm: Untersuchung des Spermas unter dem Mikroskop, dabei wird die Zahl der weißen Blutkörperchen bestimmt
- Urinuntersuchung: Prüfung auf Entzündungszeichen und Bakterien im Urin
- Abstrich der Harnröhre oder erste Urinprobe, um bestimmte Erreger zu finden
- Ultraschalluntersuchung von Prostata, Hoden und Nebenhoden
- Blutuntersuchung auf Entzündungszeichen
- Test auf sexuell übertragbare Erreger, falls ein Risiko bestand
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist nicht schmerzhaft, aber die Tastuntersuchung der Prostata kann kurz unangenehm sein. Die Spermaprobe wird durch Masturbation in einem dafür vorgesehenen Becher gewonnen. Für ein aussagekräftiges Ergebnis sollten Sie 2 bis 5 Tage vorher keinen Samenerguss haben. Ihr Arzt wird Sie genau anleiten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Steckt eine Bakterieninfektion dahinter, verschreibt der Arzt meist ein Antibiotikum. Auch entzündungshemmende Mittel können zum Einsatz kommen. Wichtig ist, die Medikamente genau nach Anweisung einzunehmen und die Behandlung zu beenden, auch wenn die Beschwerden nachlassen.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken, am besten Wasser oder ungesüßten Tee
- Warme Sitzbäder oder eine Wärmflasche im Unterleib können wohltuend sein
- Auf Alkohol, scharfes Essen und starken Kaffee verzichten, um die Harnwege nicht zu reizen
- Regelmäßig Wasser lassen, den Urin nicht länger zurückhalten
- Den Intimbereich sauber und trocken halten
- Bis zur ärztlichen Freigabe auf Geschlechtsverkehr verzichten
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen Antibiotika oder entzündungshemmende Medikamente infrage. Der Arzt wählt das passende Medikament aus und bestimmt die Behandlungsdauer. Nehmen Sie niemals Medikamente auf eigene Faust ein – auch nicht von Familienmitgliedern oder aus dem Internet.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Piospermie nur in sehr seltenen Fällen nötig, zum Beispiel wenn sich ein Abszess gebildet hat oder eine starke Verengung der Harnwege vorliegt. Das bespricht der behandelnde Arzt dann in Ruhe mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
In den meisten Fällen verschwindet die Piospermie, sobald die zugrunde liegende Entzündung behandelt ist. Bis dahin können Sie Ihren Alltag mit kleinen Veränderungen entlasten und die Heilung unterstützen.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie lockere Unterwäsche aus Baumwolle
- Schützen Sie den Unterleib vor Kälte und Nässe
- Nehmen Sie sich ausreichend Ruhe, besonders bei Fieber oder starken Beschwerden
- Achten Sie auf eine gute Hygiene im Intimbereich
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Eiweiß unterstützt die Abwehrkräfte. Bei akuten Entzündungen sollten Sie intensiven Sport vermeiden; leichte Bewegung wie Spazierengehen ist dagegen unbedenklich. Trinken Sie ausreichend, am besten 2 bis 3 Liter pro Tag, um die Harnwege durchzuspülen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein auffälliger Befund im Sperma kann verunsichern – besonders, wenn ein Kinderwunsch besteht. Diese Sorge ist verständlich. Sprechen Sie offen mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner und suchen Sie ärztlichen Rat. Viele Ursachen sind gut behandelbar, und es gibt heute viele Unterstützungsmöglichkeiten.
Vorbeugung
Eine Piospermie lässt sich nicht in allen Fällen verhindern, da auch harmlose Entzündungen auftreten können. Sie können das Risiko jedoch senken, indem Sie bei sexuellen Kontakten Kondome verwenden, Harnwegsinfektionen früh behandeln lassen und den Intimbereich sauber und trocken halten.
Impfungen
Gegen bestimmte Erreger, die Infektionen auslösen können, gibt es Schutzimpfungen. Ob diese für Sie persönlich sinnvoll sind, können Sie mit Ihrem Arzt besprechen.
Früherkennungsprogramme
Ein regelmäßiges Screening auf Piospermie gibt es nicht. Bei Beschwerden oder unerfülltem Kinderwunsch ist eine gezielte Untersuchung des Spermas im Rahmen der Diagnostik sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Länger bestehende Entzündungen können das Gewebe der Samenwege verändern
- Die Beweglichkeit der Spermien kann eingeschränkt werden, was eine Schwangerschaft erschwert
- In seltenen Fällen kann sich ein Abszess (abgekapselte Eiteransammlung) bilden
- Die Entzündung kann sich auf benachbarte Organe wie Blase oder Harnleiter ausbreiten
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen ärztlichen Abklärung und Behandlung ist die Aussicht sehr gut. Die meisten Entzündungen heilen folgenlos aus. Sollte eine Fruchtbarkeitsstörung bestehen, gibt es heute viele moderne Möglichkeiten der Unterstützung, damit Ihr Wunsch nach einem Kind erfüllt werden kann.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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