Makuladegeneration: Den zentralen Sehverlust verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Makuladegeneration ist eine Erkrankung der Netzhaut, genauer gesagt des gelben Flecks (Makula) in der Mitte der Netzhaut. Diese Stelle ist für das scharfe, zentrale Sehen verantwortlich – zum Beispiel beim Lesen, Gesichter erkennen oder Autofahren. Bei einer Makuladedegeneration sterben nach und nach Sehzellen ab, sodass das zentrale Sehfeld verschwimmt oder ausfällt. Das seitliche (periphere) Sehen bleibt meist erhalten.
Wichtige Fakten
- Die Makula ist die Stelle des schärfsten Sehens in der Netzhaut.
- Es gibt eine trockene und eine feuchte (nasse) Form der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD).
- Eine Früherkennung durch regelmäßige Augenuntersuchungen kann helfen, den Verlauf zu verlangsamen.
- Das seitliche Sehen bleibt bei Makuladegeneration in der Regel erhalten.
Ja, die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für Sehverlust im Alter in Deutschland. Etwa jeder vierte Mensch über 60 hat erste Anzeichen, aber nicht alle entwickeln eine schwere Sehbeeinträchtigung.
Sie betrifft vor allem Menschen über 60 Jahre. Das Risiko steigt mit dem Alter. Auch Menschen mit familiärer Vorbelastung, Raucherinnen und Raucher sowie Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind häufiger betroffen.
Symptome
- Plötzlicher, schwerer Sehverlust auf einem oder beiden Augen
- Wahrnehmung eines dunklen Vorhangs im Sichtfeld
- Plötzliche Doppelbilder oder massive Sehverschlechterung – rufen Sie sofort die 112 oder suchen Sie die nächste Notaufnahme auf
- ⚠Neue Verformungen oder wellige Linien beim Anblick eines karierten Musters oder einer Türkante
- ⚠Ein plötzlich auftretender neuer dunkler Fleck im zentralen Sehbereich
- ⚠Deutliche Verschlechterung der Sehschärfe innerhalb weniger Tage – noch am selben Tag eine Augenarztpraxis aufsuchen
Häufige Symptome
- Verschwommenes oder verzerrtes Sehen in der Mitte des Blickfelds
- Ein grauer Fleck oder dunkler Schatten in der Mitte des Sehens
- Schwierigkeiten, kleine Buchstaben zu lesen oder feine Details zu erkennen
- Farben wirken blasser oder verblasst
- Gerade Linien erscheinen wellig oder verbogen
Symptome bei Kindern
- Makuladegeneration bei Kindern ist sehr selten. Wenn sie auftritt, handelt es sich meist um eine erbliche Form (z. B. Morbus Stargardt). Zeichen sind zum Beispiel: schlechtes Sehen in der Schule, Probleme beim Lesen der Tafel, auffälliges Stolpern oder das Erkennen von Gesichtern erst aus großer Nähe.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Schwierigkeiten beim Lesen, auch mit Brille
- Gesichter von Menschen erst spät erkennen
- Verzerrtes Sehen: Gerade Kanten wirken gebogen
- Heller Fleck in der Gesichtsfeldmitte, der stört
- Nachlassen der Sehschärfe trotz neuer Brille
Ursachen
Hauptursachen
- Alterungsprozess der Netzhaut: Die Sehzellen in der Makula werden schwächer und sterben ab (trockene AMD).
- Bei der feuchten AMD wachsen krankhafte Blutgefäße unter der Netzhaut und lassen Flüssigkeit austreten, wodurch die Makula geschädigt wird.
Risikofaktoren
- Alter über 60 Jahre
- Rauchen
- Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Familiäre Veranlagung
- Helle Augen (helle Iris)
- Ungesunde Ernährung mit wenig Obst und Gemüse
- Langjährige intensive Sonnenlichtexposition ohne Augenschutz
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich einen dunklen Fleck in der Mitte des Sehens bemerken
- Wenn sich Ihr Sehen innerhalb von Tagen stark verschlechtert
- Wenn Sie neue Verzerrungen beim Betrachten von Linien oder Kanten bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über 60 sind und seit längerem merken, dass das Lesen schwerer fällt, auch mit Brille
- Wenn Sie zu einer Kontrolle gehen möchten, weil Sie Risikofaktoren wie Rauchen oder familiäre Vorbelastung haben
- Lassen Sie Ihre Augen regelmäßig beim Augenarzt untersuchen – auch ohne Beschwerden alle zwei Jahre
Diagnose
Die Diagnose stellt in der Regel eine Augenärztin oder ein Augenarzt. Sie oder er schaut sich die Netzhaut mit einer speziellen Lampe an und macht einen Sehtest. Zusätzlich kann eine Untersuchung des Augenhintergrunds erfolgen, bei der die Makula vergrößert betrachtet wird.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest mit Augentafel (Visusbestimmung)
- Untersuchung des Augenhintergrunds mit der Spaltlampe
- Amsler-Gitter-Test: Sie schauen auf ein Karomuster und achten auf Verzerrungen oder fehlende Felder
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Ein schmerzfreier Scan, der Schichten der Netzhaut sichtbar macht
- Manchmal eine Fluoreszenzangiographie: Dabei wird ein Kontrastmittel gespritzt, um krankhafte Blutgefäße zu erkennen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei. Bei der Augenuntersuchung kann es sein, dass Augentropfen zum Weitmachen der Pupille gegeben werden; danach sehen Sie für ein paar Stunden verschwommen und sind nicht sicher Auto zu fahren. Bringen Sie sich also idealerweise jemanden als Begleitung oder nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel.
Behandlung
Eine Heilung gibt es bisher nicht, aber es gibt Behandlungen, die das Fortschreiten verlangsamen können. Die trockene Form wird meist unterstützend behandelt, die feuchte Form kann mit Injektionen in das Auge behandelt werden. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird den Plan individuell mit Ihnen besprechen.
Selbsthilfe zu Hause
- Legen Sie sich ein Amsler-Gitter zu Hause bereit und testen Sie regelmäßig jedes Auge einzeln.
- Achten Sie auf eine nährstoffreiche Ernährung mit viel buntem Gemüse, Obst und guten Fetten (z. B. aus Fisch).
- Verzichten Sie auf das Rauchen oder suchen Sie Unterstützung für den Rauchstopp.
- Tragen Sie eine Sonnenbrille mit UV-Schutz, wenn Sie sich lange im Freien aufhalten.
- Nutzen Sie Vergrößerungshilfen wie Lupen, Bildschirmlesegeräte oder spezielle Apps, um Ihren Alltag zu erleichtern.
Medizinische Behandlungen
Für die feuchte Form werden Medikamente-in das Auge gespritzt, die das Wachstum der krankhaften Blutgefäße hemmen. Diese Behandlung muss regelmäßig wiederholt werden. Auch eine Laserbehandlung kann in bestimmten Fällen eingesetzt werden. Für die trockene Form gibt es aktuell keine Medikamente, die die Erkrankung heilen. Ihr Augenarzt kann Ihnen Nahrungsergänzungsmittel mit bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen empfehlen – besprechen Sie das aber unbedingt vorher, da nicht jedes Mittel für jede Person sinnvoll ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur in sehr seltenen Fällen in Frage, zum Beispiel bei bestimmten Komplikationen der feuchten Makuladegeneration. Standardmäßig wird die Makuladegeneration nicht operiert. Eine Operation kann aber helfen, wenn gleichzeitig ein Grauer Star (Katarakt) das Sehen zusätzlich beeinträchtigt – entscheiden Sie das zusammen mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit Makuladegeneration erfordert Anpassungen, aber es bleibt vieles möglich. Mit Sehhilfen und geschulten Techniken können Sie weiter lesen, kochen oder sich mit Freunden austauschen. Es kann hilfreich sein, sich frühzeitig an eine Sehberatungsstelle zu wenden, um praktische Tipps für zu Hause zu bekommen.
Tipps für den Alltag
- Machen Sie regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit, um die Augen zu entlasten.
- Gutes Licht beim Lesen und Arbeiten hilft – zum Beispiel eine Tageslichtlampe.
- Organisieren Sie Ihren Haushalt mit Kontrasten (z. B. dunkle Teller auf hellem Tisch), damit Sie Dinge besser erkennen.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – das fördert die Durchblutung und das allgemeine Wohlbefinden.
- Sprechen Sie offen mit Familie und Freundinnen und Freunden über Ihre Sehbeeinträchtigung, damit sie Sie besser unterstützen können.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten (zum Beispiel aus Nüssen oder Fisch) ist empfehlenswert. Sport und Bewegung an der frischen Luft unterstützen den gesamten Körper und können sich positiv auf den Blutdruck auswirken. Vermeiden Sie starke körperliche Anstrengung direkt nach einer Augeninjektion – das bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Der Verlust der Sehkraft kann belastend sein und Gefühle von Trauer, Angst oder Unsicherheit auslösen. Das ist völlig normal. Scheuen Sie sich nicht, darüber zu sprechen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Belastung zu groß wird, wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt. Sie oder er kann Sie beraten und gegebenenfalls an psychologische Unterstützung vermitteln.
Vorbeugung
Eine Makuladegeneration lässt sich nicht vollständig verhindern. Aber Sie können Ihr Risiko senken, indem Sie nicht rauchen, sich gesund ernähren, Blutdruck und Blutzucker im Griff haben und Ihre Augen vor zu viel UV-Licht schützen. Regelmäßige Augenuntersuchungen helfen, Veränderungen früh zu erkennen.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen Makuladegeneration. Lassen Sie sich aber gegen Grippe, COVID-19 und andere Infektionen impfen, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es empfiehlt – Infektionen können den Körper schwächen und auch die Augen beeinträchtigen.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland wird im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung ab 65 Jahren unter anderem auf Augenerkrankungen geachtet. Für die Früherkennung der Makuladegeneration gibt es kein standardisiertes Screening, aber eine augenärztliche Untersuchung alle zwei Jahre wird ab 60 empfohlen, insbesondere bei Risikofaktoren.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung kann die feuchte Form schneller zu einem deutlichen Sehverlust in der Mitte des Gesichtsfelds führen.
- Die trockene Form kann sich über Jahre langsam verschlimmern und das Lesen und Erkennen von Gesichtern immer schwerer machen.
- Im Endstadium kann eine starke Sehbehinderung eintreten, die den Alltag erheblich einschränkt. Dies kann vermieden werden, wenn die Erkrankung früh erkannt und begleitet wird.
Langzeitprognose
Mit einer frühen Diagnose, regelmäßigen Kontrollen und passenden Behandlungen lässt sich der Verlauf häufig verlangsamen. Viele Menschen mit Makuladegeneration führen auch im Alter ein aktives und zufriedenes Leben. Es gibt immer mehr Hilfsmittel und Rehabilitationsangebote, die den Alltag erleichtern. Eine fortschreitende Sehbeeinträchtigung ist herausfordernd, aber Sie müssen damit nicht allein bleiben – Unterstützung ist vorhanden.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- International Agency for the Prevention of Blindness (IAPB)
Lokale Organisationen
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) · Deutschland
- Bundesverband Auge e.V. · Deutschland
- Selbsthilfegruppen vor Ort – über die Augenarztpraxis oder die örtliche Beratungsstelle erfragbar · regional
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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