ADHS – unaufmerksamer Typ
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Beim unaufmerksamen Typ stehen Probleme mit der Aufmerksamkeit und Konzentration im Vordergrund. Betroffene sind oft verträumt, leicht ablenkbar und wirken, als würden sie nicht richtig zuhören. Anders als beim hyperaktiven Typ sind sie aber nicht zappelig oder unruhig. Stattdessen verlieren sie häufig Dinge, vergessen Termine und haben Schwierigkeiten, Aufgaben abzuschließen.
Wichtige Fakten
- Es handelt sich um eine anerkannte Störung der Gehirnentwicklung, keine Folge von schlechter Erziehung.
- Der unaufmerksame Typ wird auch als „ADS“ (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) bezeichnet, da keine nennenswerte Hyperaktivität besteht.
- Sie beginnt oft schon im Kindesalter, bleibt aber häufig lange unerkannt, weil die Betroffenen nicht stören.
- Mit Unterstützung, Therapie und klaren Alltagsstrategien können die Schwierigkeiten deutlich gelindert werden.
Ja. ADHS ist eine der häufigsten Entwicklungsstörungen. Der unaufmerksame Typ ist häufiger, als die meisten vermuten – er betrifft viele Kinder und auch Erwachsene, wird aber oft übersehen.
Der unaufmerksame Typ wird bei Jungen und Mädchen beobachtet, wobei er bei Mädchen und Frauen häufiger vorkommt als der hyperaktive Typ. Bei Erwachsenen kann er sich anders äußern als bei Kindern, zum Beispiel durch innere Unruhe oder Schwierigkeiten, Dinge anzupacken.
Symptome
- Wenn eine Person plötzlich verwirrt ist, das Bewusstsein verliert oder starke neurologische Ausfälle zeigt (zum Beispiel Sprach- oder Sehstörungen), wählen Sie sofort die 112.
- Wenn Sie oder eine andere Person akute Gedanken haben, sich selbst etwas anzutun, und sich in unmittelbarer Gefahr befinden, rufen Sie die 112 an.
- ⚠Wenn Sie oder Ihr Kind sich wegen der Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr oder bei gefährlichen Arbeiten unsicher verhalten, sollten Sie noch am selben Tag eine ärztliche Praxis kontaktieren.
- ⚠Wenn die Symptome so stark zunehmen, dass Sie Ihrer Arbeit oder Ihrem Schulalltag nicht mehr nachgehen können, suchen Sie die Hausarztpraxis auf.
Häufige Symptome
- Schnelle Ablenkung durch Geräusche oder den eigenen Gedankenfluss
- Vergessen von Alltagsgegenständen, Terminen oder Aufgaben
- Probleme beim Planen, Organisieren und Priorisieren
- Begonnene Aufgaben werden oft nicht zu Ende gebracht
- Auf andere Menschen wirken Betroffene, als würden sie nicht zuhören
- Meiden von Aufgaben, die längere Konzentration erfordern
- Verlieren häufig Dinge wie Schlüssel, Brille oder Unterlagen
Symptome bei Kindern
- In der Schule werden Kinder mit dem unaufmerksamen Typ oft übersehen, da sie nicht stören. Sie machen viele Flüchtigkeitsfehler, verlieren Schulmaterial und vergessen Hausaufgaben.
- Wirken im Unterricht häufig abwesend oder mit ihren Gedanken ganz woanders.
- Sie brauchen beim Befolgen von Anweisungen länger und wirken bei längeren Arbeitsphasen schnell erschöpft.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann sich die Unaufmerksamkeit als zunehmende Desorganisation zeigen – Rechnungen werden nicht bezahlt, Termine doppelt gebucht.
- Betroffene beschreiben manchmal ein Gefühl von „Nebel im Kopf“, auch wenn keine Demenz vorliegt.
- Alltägliche Verrichtungen wie Einkaufen oder die Einnahme von Medikamenten können durcheinander geraten.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genauen Ursachen sind nicht vollständig bekannt. Eine wichtige Rolle spielen erbliche Faktoren – ADHS tritt in Familien häufig auf.
- Es gibt Unterschiede in der Gehirnentwicklung und im Zusammenwirken von Botenstoffen wie Dopamin, die für Motivation und Aufmerksamkeit wichtig sind.
- Einflussfaktoren während der Schwangerschaft, etwa Rauchen oder Alkohol, können das Risiko erhöhen.
- Ungünstige Umweltbedingungen in der Kindheit, wie starke mangelnde Zuwendung oder sehr strenge Erziehung, können die Symptome verstärken.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung: Wenn Eltern oder Geschwister ADHS haben, ist das Risiko erhöht.
- Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht.
- Rauchen, Alkohol oder Drogen während der Schwangerschaft.
- Schädel-Hirn-Verletzungen in der Kindheit.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn eine plötzliche Verschlechterung der Konzentration auftritt oder Sie sich im Alltag nicht mehr sicher fühlen, zum Beispiel beim Autofahren, sollten Sie noch am selben Tag ärztlichen Rat suchen.
- Wenn unaufmerksames Verhalten zu einer gefährlichen Situation geführt hat, klären Sie dies zeitnah mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie oder Ihr Kind über mehrere Monate in mehreren Lebensbereichen (Schule, Beruf, Familie) Schwierigkeiten mit Konzentration und Organisation haben und darunter leiden, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
- Auch bei Lehrern oder Erziehern Auffälligkeiten ansprechen: „Unaufmerksam“ heißt nicht automatisch ADHS – eine Abklärung ist sinnvoll.
Diagnose
Die Diagnose wird von einer Fachärztin oder einem Facharzt gestellt – meist aus der Psychiatrie, Psychotherapie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Auch die Hausarztpraxis kann Sie überweisen. Die Ärztin oder der Arzt orientiert sich an den aktuellen Leitlinien (zum Beispiel der AWMF) und bezieht die Entwicklung seit dem Kindesalter ein.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Anamnesegespräch: Sie schildern Ihre Beschwerden, Ihre Lebenssituation und Ihre Entwicklung.
- Fragebögen für Betroffene und Angehörige, die die Aufmerksamkeitssymptome einschätzen.
- Aufmerksamkeitstests, oft am Computer, um Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Impulskontrolle zu untersuchen.
- Ausschluss anderer Ursachen, zum Beispiel Schilddrüsenstörungen, Schlafprobleme oder Depressionen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Eine ADHS-Abklärung braucht Zeit – meist sind mehrere Termine nötig. Es werden auch Informationen aus der Schule oder von Angehörigen eingeholt. Die Untersuchung verläuft in einer vertrauensvollen Atmosphäre. Am Ende erhalten Sie eine verständliche Erklärung der Ergebnisse und Empfehlungen für das weitere Vorgehen.
Behandlung
Eine gute Behandlung besteht aus mehreren Bausteinen, die individuell zusammengesetzt werden: Aufklärung über ADHS, Psychotherapie, Coaching im Alltag und bei Bedarf eine medikamentöse Unterstützung. Das Behandlungsteam entscheidet gemeinsam mit Ihnen, welcher Weg am besten passt.
Selbsthilfe zu Hause
- Feste Plätze für Schlüssel, Geldbeutel und Handy – zum Beispiel ein Ablagekorb direkt an der Haustür.
- Täglich nur die drei wichtigsten Ziele notieren, statt einer langen To-do-Liste.
- Große Aufgaben in kleine Schritte zerlegen und jeden Schritt sichtbar abhaken.
- Während der Arbeit Ablenkungen reduzieren, zum Beispiel Telefon und Benachrichtigungen lautlos stellen.
- Regelmäßige kurze Pausen einplanen, gerade bei Aufgaben, die viel Konzentration erfordern.
Medizinische Behandlungen
Medikamente können die Konzentration und Aufmerksamkeit verbessern. Sie werden nur von Ärztinnen und Ärzten mit Erfahrung in der ADHS-Behandlung verschrieben. Dabei werden Nutzen, mögliche Nebenwirkungen und die richtige Anwendung sorgfältig besprochen. Medikamente sind aber nie alleinige Behandlung – sie werden immer mit Beratung und Psychotherapie kombiniert.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operative Eingriffe sind bei ADHS nicht relevant.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit unaufmerksamer ADHS braucht Struktur und Selbstmitgefühl. Es kann helfen, die eigenen Bedürfnisse offen zu kommunizieren – gegenüber Familie, Freunden und im Arbeitsumfeld. Viele Betroffene profitieren von einem wöchentlichen Plan, einem festen Tagesablauf und Erinnerungen im Handy. Nehmen Sie sich nicht jede Unaufmerksamkeit persönlich: Sie gehört zur Störung und nicht zu Ihrem Charakter.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf – Schlafmangel verstärkt Aufmerksamkeitsprobleme deutlich.
- Bewegung im Freien, zum Beispiel ein täglicher Spaziergang oder Radfahren, unterstützt die Konzentration.
- Strukturierte Umgebung schaffen: weniger Unordnung am Arbeitsplatz hilft dem Gehirn.
- Entspannungsübungen wie Atemtechniken oder progressive Muskelentspannung reduzieren Stress.
- Soziale Kontakte pflegen, die Verständnis haben und verbindliche Verabredungen ermöglichen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten wirkt unterstützend. Sie verhindert starke Blutzuckerschwankungen, die die Konzentration beeinträchtigen können. Auch ausreichend Trinken ist wichtig. Regelmäßige Bewegung verbessert die Durchblutung des Gehirns und hilft dabei, Stress abzubauen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Menschen mit unbehandelter unaufmerksamer ADHS leiden oft unter Selbstzweifeln, Ängsten oder depressiven Verstimmungen. Ein wertschätzender Umgang mit sich selbst und das Verständnis für die Störung sind wichtige Schritte. Wenn Sie akute Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid haben, suchen Sie sofort Hilfe: Telefonseelsorge (kostenlos, Tag und Nacht) oder im Notfall die 112.
Vorbeugung
ADHS ist eine angeborene Veranlagung – man kann sie also nicht direkt verhindern. Frühe Erkennung und Behandlung können jedoch verhindern, dass sich Folgeprobleme wie Schulversagen, Depressionen oder Suchterkrankungen entwickeln. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, Bewegung und ausgeglichener Ernährung unterstützt zusätzlich.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gibt es kein routinemäßiges Screening auf ADHS. Bei Kindern können die Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) Hinweise auf Entwicklungsauffälligkeiten aufdecken. Bei Erwachsenen kann die Hausarztpraxis eine erste Einschätzung geben und bei Bedarf an eine Fachpraxis überweisen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Sinkendes Selbstwertgefühl durch ständige Misserfolge in Schule und Beruf.
- Erhöhtes Risiko für Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen.
- Probleme in Partnerschaften und Freundschaften durch Vergesslichkeit und mangelnde Struktur.
- Erhöhtes Unfallrisiko durch Ablenkung im Straßenverkehr oder bei Arbeiten mit Maschinen.
Langzeitprognose
Mit einem stimmigen Behandlungsplan – bestehend aus Psychotherapie, Alltagsstrategien und bei Bedarf Medikamenten – sieht die Prognose sehr gut aus. Viele Betroffene entwickeln mit der Zeit sichere Methoden, um mit ihrer Aufmerksamkeit umzugehen. ADHS bringt oft auch Stärken mit sich, wie Kreativität, Begeisterungsfähigkeit und ein gutes Gespür für Details.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- ADHS Deutschland e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.