Agranulozytose – wenn die Abwehrzellen fehlen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Agranulozytose ist eine schwere, aber seltene Erkrankung des Blutes. Dabei hat der Körper zu wenige bestimmte weiße Blutkörperchen, die Granulozyten. Diese Zellen helfen normalerweise, Bakterien zu bekämpfen. Ohne genügend davon ist man sehr anfällig für Infektionen. Eine Agranulozytose kann sehr ernst sein, ist aber gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird.
Wichtige Fakten
- Die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen (Granulozyten) ist stark gesunken.
- Das größte Risiko ist eine schwere Infektion, die schnell behandelt werden muss.
- Eine Agranulozytose kann zum Beispiel durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden.
Nein, Agranulozytose ist selten. Sie kommt bei schätzungsweise 1 bis 5 von 1.000.000 Menschen pro Jahr vor.
Sie kann jede Altersgruppe betreffen, tritt aber häufiger bei Erwachsenen über 50 Jahren auf. Auch Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen, haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Hohes Fieber über 39 °C, das nicht sinkt
- Atemnot
- Verwirrtheit oder starke Benommenheit
- Sehr niedriger Blutdruck oder Ohnmacht
- Krampfanfälle
- Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis) wie schneller Herzschlag und kalte Haut
- ⚠Fieber oder Schüttelfrost
- ⚠Halsschmerzen oder Schluckbeschwerden
- ⚠Geschwüre im Mund
- ⚠Schmerzen beim Wasserlassen oder Durchfall
- ⚠Allgemeines Krankheitsgefühl
Häufige Symptome
- Plötzliches Fieber
- Schüttelfrost
- Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
- Allgemeines Schwächegefühl
- Geschwüre im Mund oder Rachen
- Häufige oder ungewöhnliche Infektionen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ähneln die Symptome denen von Erwachsenen. Achten Sie besonders auf anhaltendes Fieber, Abgeschlagenheit und Infektionszeichen wie Halsschmerzen oder Ohrenschmerzen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Zeichen einer Infektion auch untypisch sein. Zum Beispiel Verwirrtheit, Schwäche oder ein Abfall des Blutdrucks. Fieber kann auch fehlen.
Ursachen
Hauptursachen
- Bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente, die die Blutbildung beeinflussen können
- Infektionen mit Viren oder Bakterien
- Eine Störung des Immunsystems (Autoimmunreaktion)
- Erkrankungen des Knochenmarks, zum Beispiel bei Blutkrebs
Risikofaktoren
- Einnahme von Medikamenten, die bekanntermaßen das Immunsystem beeinflussen können
- Vorerkrankungen wie Autoimmunerkrankungen
- Eine Chemotherapie oder Strahlentherapie
- Hohes Alter
- Geschwächtes Immunsystem
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Fieber bekommen, während Sie ein Medikament einnehmen, das die Blutbildung beeinflussen kann.
- Wenn Sie Anzeichen einer Infektion wie Halsschmerzen oder Mundgeschwüre bemerken.
- Wenn Sie sich plötzlich sehr krank fühlen, mit Schüttelfrost oder starkem Schwitzen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Fragen zu Ihren Blutwerten haben.
- Wenn Sie ein Medikament einnehmen und wissen möchten, ob dabei das Blut kontrolliert werden sollte.
- Wenn Sie sich wochenlang unerklärt müde oder abgeschlagen fühlen.
Diagnose
Die Diagnose wird über eine Blutuntersuchung gestellt. Dabei wird die Anzahl der weißen Blutkörperchen bestimmt. Bei einer Agranulozytose ist die Zahl der Granulozyten besonders niedrig.
Mögliche Untersuchungen
- Blutbild mit Differenzialblutbild
- Körperliche Untersuchung
- Eine Untersuchung des Knochenmarks, falls die Ursache unklar ist
- Weitere Bluttests, um andere Erkrankungen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie bekommen zuerst eine Blutprobe abgenommen. Meist wird das Blut im Labor untersucht. Wenn die Werte auffällig sind, werden Sie möglicherweise an einen Spezialisten überwiesen, zum Beispiel an eine hämatologische Abteilung (Fachbereich für Bluterkrankungen). Es kann sein, dass Sie für einige Untersuchungen ambulant bleiben können. Falls eine schwere Infektion vorliegt, ist eine Behandlung im Krankenhaus notwendig.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach den aktuellen medizinischen Leitlinien, unter anderem der AWMF, und wird individuell abgestimmt. Bei einer Agranulozytose ist die wichtigste Maßnahme, die Ursache zu finden. Wenn ein Medikament die Ursache ist, wird es abgesetzt. Zusätzlich müssen Infektionen konsequent behandelt werden. In vielen Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt nötig, um die Patienten zu überwachen und zu schützen. Die Heilungschancen sind gut, wenn die Therapie früh beginnt.
Selbsthilfe zu Hause
- Täglich Fieber messen und beobachten.
- Hände gründlich und regelmäßig waschen.
- Menschenmengen während der akuten Phase meiden.
- Auf rohes Fleisch und nicht gewaschenes Obst oder Gemüse verzichten, um Infektionen zu vermeiden.
- Sich ausreichend ausruhen und viel trinken.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung hängt von der Ursache und dem Schweregrad ab. Dazu gehören: das Absetzen des auslösenden Medikaments, Antibiotika gegen bakterielle Infektionen, Medikamente, die die Bildung der weißen Blutkörperchen anregen, und in schweren Fällen die Behandlung im Krankenhaus. In sehr seltenen Fällen kann auch eine Stammzelltransplantation nötig sein. Ihr behandelndes Team wird den für Sie passenden Plan besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Agranulozytose ist es wichtig, auf den Körper zu hören. Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Temperatur und melden Sie sich bei Ihrem Arzt, wenn etwas ungewöhnlich ist. Nehmen Sie die verschriebenen Medikamente genau wie besprochen ein und halten Sie Termine zur Blutkontrolle ein.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend schlafen und Stress vermeiden.
- Auf gute Mundhygiene achten (weiche Zahnbürste, keine Verletzungen).
- Mit rauchenden oder kranken Menschen den direkten Kontakt meiden.
- Bei Fieber oder Infektzeichen sofort den ärztlichen Notdienst informieren.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Kost mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt den Körper. In der akuten Phase sollte man sich schonen. Nach der Genesung ist leichte Bewegung wie Spazierengehen gut, solange man sich dabei wohlfühlt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine schwere Erkrankung kann Ängste und Unsicherheit auslösen. Besonders die Sorge vor Infektionen ist belastend. Es ist wichtig, über diese Gefühle zu sprechen. Bitten Sie Ihre Angehörigen um Unterstützung oder wenden Sie sich an eine psychologische Beratung, wenn Sie das Gefühl haben, dass die Belastung zu groß wird.
Vorbeugung
Manchmal lässt sich eine Agranulozytose nicht verhindern. Wenn Sie ein Medikament einnehmen, das diese Erkrankung auslösen kann, wird Ihr Arzt die Blutwerte regelmäßig kontrollieren. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, auch über rezeptfreie Präparate. Sobald Sie Symptome bemerken, ist schnelles Handeln wichtig, um schwere Verläufe zu vermeiden.
Impfungen
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über empfohlene Impfungen, insbesondere gegen Grippe und Lungenentzündung. Während einer akuten Immunschwäche sollten Sie jedoch keine Lebendimpfungen ohne Rücksprache mit dem Arzt erhalten.
Früherkennungsprogramme
Bei Menschen, die bestimmte Medikamente langfristig einnehmen, wird der Arzt regelmäßig Blutbildkontrollen durchführen, um Veränderungen früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere bakterielle Infektionen, zum Beispiel Lungenentzündung
- Blutvergiftung (Sepsis)
- Geschwüre und Infektionen im Mund und Rachen
- In schweren Fällen lebensbedrohliche Komplikationen
Langzeitprognose
Mit einer schnellen Behandlung erholen sich die meisten Menschen vollständig. Die Prognose hängt davon ab, warum die Agranulozytose entstanden ist. Sobald die Ursache behandelt ist, erholt sich das Knochenmark meist in ein bis zwei Wochen. Es ist wichtig, in der Genesungsphase gut auf sich zu achten und ärztliche Kontrollen wahrzunehmen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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