Lungenkollaps (Pneumothorax) – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Pneumothorax – umgangssprachlich auch Lungenkollaps genannt – entsteht, wenn sich Luft im Brustkorb zwischen Lunge und Brustwand ansammelt. Diese Luft drückt von außen auf die Lunge und verhindert, dass sie sich beim Einatmen richtig ausdehnen kann. Die Lunge fällt dann teilweise oder ganz zusammen. Das kann plötzlich passieren und ist oft mit starken Schmerzen verbunden.
Wichtige Fakten
- Luft im Brustkorb drückt die Lunge zusammen, sodass sie nicht mehr vollständig belüftet wird.
- Es gibt verschiedene Formen: den spontanen Pneumothorax (ohne erkennbare Ursache), den traumatischen (nach Verletzung) und den sekundären (bei bestehender Lungenerkrankung).
- Ein kleiner Pneumothorax heilt manchmal von selbst, ein großer muss behandelt werden, damit die Lunge sich wieder entfalten kann.
- Nach einer Behandlung erholt sich die Lunge meist vollständig, aber ein Rückfall ist möglich.
Ein Pneumothorax ist nicht sehr häufig, kommt aber immer wieder vor. In Deutschland erkranken etwa 10 bis 12 von 100.000 Menschen pro Jahr an einem spontanen Pneumothorax.
Besonders betroffen sind junge, schlanke, große Männer. Auch Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD oder Raucher haben ein erhöhtes Risiko. Ein Pneumothorax kann aber jeden treffen.
Symptome
- Plötzliche starke Atemnot, bei der man kaum noch Luft bekommt
- Sehr heftige Brustschmerzen, die nicht nachlassen
- Blaufärbung von Lippen oder Gesicht (Sauerstoffmangel)
- Bewusstlosigkeit oder Kreislaufzusammenbruch
- Das Gefühl, dass die Luft im Brustkorb immer mehr wird und das Herz bedrängt wird (Spannungspneumothorax)
- ⚠Zunehmende Atemnot, die nicht verschwindet
- ⚠Neu auftretende Brustschmerzen bei bekannter Lungenerkrankung
- ⚠Nach einem Unfall oder einer Verletzung am Brustkorb: Atemnot oder Schmerzen
Häufige Symptome
- Plötzlich auftretender stechender Schmerz auf einer Seite der Brust
- Atemnot, die je nach Größe des Pneumothorax unterschiedlich stark ist
- Verschlechterung der Atmung bei körperlicher Anstrengung
- Trockener Husten, der keine Besserung bringt
- Müdigkeit und ein allgemeines Schwächegefühl
Symptome bei Kindern
- Kinder klagen oft unspezifisch über Bauchschmerzen oder Übelkeit statt über Brustschmerzen
- Sie können auch unruhig wirken oder weinen, ohne es erklären zu können
- Schnelles Atmen oder eine bläuliche Verfärbung der Lippen sind Warnzeichen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Beschwerden häufig weniger deutlich
- Es kann nur eine leichte Atemnot oder Verwirrtheit auftreten, besonders wenn bereits eine Lungenerkrankung besteht
- Ein plötzlicher Blutdruckabfall oder eine erhöhte Atemfrequenz können Hinweise sein
Ursachen
Hauptursachen
- Spontaner Pneumothorax: Ohne äußere Einwirkung platzt ein winziges Bläschen (sogenannte Bullae) an der Lungenoberfläche, und Luft tritt in den Brustkorb aus
- Traumatischer Pneumothorax: Durch einen Unfall, einen Sturz oder einen Stich in die Brust wird die Lunge oder die Brustwand verletzt
- Sekundärer Pneumothorax: Als Folge einer Lungenerkrankung wie COPD, Asthma, Lungenentzündung oder Tumoren
- Iatrogener Pneumothorax: Nach einem medizinischen Eingriff, zum Beispiel einer Punktion oder einer Biopsie
Risikofaktoren
- Rauchen erhöht das Risiko deutlich
- Große, schlanke Körperform (besonders bei jungen Männern)
- Chronische Lungenerkrankungen (COPD, Mukoviszidose, Lungenfibrose)
- Bindegewebserkrankungen, zum Beispiel das Marfan-Syndrom
- Früherer Pneumothorax – das Rückfallrisiko ist erhöht
- Druckveränderungen, zum Beispiel beim Tauchen oder Fliegen in großer Höhe
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich auftretender Atemnot oder starken Brustschmerzen immer sofort notärztliche Hilfe über die 112 rufen
- Wenn bekannt ist, dass ein Pneumothorax vorliegt, und die Beschwerden plötzlich schlimmer werden
- Wenn nach einem Unfall oder einer Verletzung Atemnot auftritt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn nach leichten Beschwerden wie einem Druckgefühl im Brustkorb Unsicherheit besteht, sollte am selben Tag eine Praxis aufgesucht werden
- Bestehende Symptome, die nicht schlimmer werden, aber auch nicht weggehen, innerhalb von ein bis zwei Tagen abklären lassen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach den Beschwerden und der Vorgeschichte, hört die Lunge ab und tastet den Brustkorb ab. Entscheidend ist eine bildgebende Untersuchung, mit der sich die Luft im Brustkorb nachweisen lässt.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenbild des Brustkorbs: Damit lässt sich die Luftblase in der Regel gut erkennen
- Ultraschall (Sonografie): Wird häufig in der Notaufnahme eingesetzt, besonders bei Kindern oder Schwangeren
- Computertomografie (CT): Bei unklaren Befunden oder wenn der Pneumothorax klein ist, aber trotzdem Beschwerden macht
- Blutgasanalyse: Eine Blutuntersuchung zeigt, ob genügend Sauerstoff im Blut ankommt
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzlos, nur die Blutentnahme ist kurz spürbar. Für das Röntgenbild muss der Oberkörper frei gemacht werden. Das Ergebnis liegt meist sofort vor, und die Ärztin oder der Arzt erklärt die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Größe des Pneumothorax, der Ursache und den Beschwerden ab. Kleine Pneumothorax, die keine starken Symptome machen, können unter Beobachtung von selbst ausheilen. Größere oder belastende Pneumothorax erfordern eine Entlastung, bei der die Luft aus dem Brustkorb abgeleitet wird. Die Diagnostik und Therapie folgt in Deutschland der S3-Leitlinie der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Körperlich ruhig verhalten; schwere Belastung und Sport vermeiden, bis die Lunge vollständig entfaltet ist
- Nicht rauchen, solange die Lunge in Heilung ist
- Schmerzmittel nur in Absprache mit dem Arzt – bitte keine Selbstmedikation ohne Rücksprache
- Auf Veränderungen der Atmung achten und bei Verschlechterung sofort Kontakt aufnehmen
Medizinische Behandlungen
Bei einem größeren Pneumothorax wird über ein kleines Röhrchen (Drainage) Luft aus dem Brustkorb abgelassen. Das Röhrchen kann einige Tage liegen bleiben, bis die Lunge wieder an der Brustwand anliegt. Alternativ kann die Luft mit einer Nadel abgesaugt werden (Punktion), wenn der Pneumothorax klein ist. In bestimmten Situationen ist eine Behandlung mit zusätzlichem Sauerstoff sinnvoll – das entscheidet allein das medizinische Team.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Lunge nach der Entlastung nicht wieder anwächst, wenn es bereits ein zweites Mal passiert ist oder wenn bestimmte Risikofaktoren bestehen, kann eine Operation empfohlen werden. Dabei werden geplatzte Bläschen entfernt und die Lungenoberfläche mit der Brustwand verklebt (Pleurodese), um Rückfälle zu verhindern. Dies geschieht meist in Schlüssellochtechnik (Video-assistierte Thorakoskopie).
Leben mit der Erkrankung
Nach der Behandlung sollten Sie es einige Wochen ruhig angehen lassen. Die Lunge braucht Zeit, um sich vollständig zu erholen. In den ersten Wochen fühlt sich der Brustkorb oft noch anders an, und es können leichte Schmerzen oder ein Spannungsgefühl auftreten. Der Körper hat ein großes Erholungspotenzial; die meisten Menschen spüren nach ein paar Monaten keine Einschränkung mehr.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufgeben – das halbiert das Rückfallrisiko deutlich
- Fliegen und Tauchen meiden, bis die Ärztin oder der Arzt ausdrücklich grünes Licht gibt
- Starke Druckveränderungen vermeiden, zum Beispiel beim Bergsteigen oder in Höhlen
- Sport und körperliche Arbeit erst nach Freigabe wieder aufnehmen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt die Heilung. Ausreichend trinken hält die Schleimhäute feucht. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist nach einigen Tagen meist erlaubt; intensive Belastung und Krafttraining erst nach ärztlicher Freigabe, in der Regel nach vier bis sechs Wochen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Pneumothorax ist ein beängstigendes Erlebnis. Viele Betroffene haben Angst vor einem Rückfall oder davor, sich wieder anzustrengen. Diese Sorgen sind verständlich. Wenn die Angst den Alltag belastet oder anhaltende Niedergeschlagenheit auftritt, kann ein Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt helfen. Auch psychotherapeutische Unterstützung ist eine gute Möglichkeit, um Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen.
Vorbeugung
Ein spontaner Pneumothorax lässt sich nicht sicher verhindern. Das wichtigste Gegenmittel ist das Beenden des Rauchens, weil Rauchen das Rückfallrisiko deutlich senkt. Auch die Vermeidung extremer Druckschwankungen (Tauchen, Höhenfliege) verringert das Risiko, solange die Lunge vorgeschädigt ist.
Impfungen
Gegen den Pneumothorax selbst gibt es keine Impfung. Empfohlen werden jedoch die üblichen Schutzimpfungen, insbesondere gegen Grippe und Pneumokokken, um Atemwegsinfektionen zu vermeiden, die die Lunge zusätzlich belasten könnten. Bitte lassen Sie sich hierzu individuell von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein Routine-Screening für Pneumothorax. Bei Menschen mit wiederholten Pneumothorax wird ärztlich abgeklärt, ob eine Bindegewebserkrankung oder eine andere Grunderkrankung vorliegt, die behandelt werden sollte.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ein Spannungspneumothorax kann entstehen: Die Luft nimmt immer weiter zu und drückt Herz und große Gefäße ab – das ist ein lebensbedrohlicher Notfall
- Die Lunge kann sich nicht wieder entfalten und die Atmung bleibt dauerhaft eingeschränkt
- Ein Rückfall tritt bei einem unbehandelten Pneumothorax häufiger auf
- Nach einem Trauma kann zusätzlich Blut in den Brustkorb gelangen (Hämatothorax)
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt sehr gut. Die meisten Menschen erholen sich vollständig und können ihren Alltag wieder normal aufnehmen. Die Lunge heilt meist ohne bleibende Schäden. Die größte Sorge ist der Rückfall – dieser lässt sich jedoch durch eine Operation bei Bedarf deutlich verringern. Auch wenn der Moment beängstigend ist: Sie sind nicht allein, und die moderne Medizin hat sehr gute Möglichkeiten, die Lunge wieder zu entfalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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