Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei Ösophagusvarizen sind die Venen in der Speiseröhre krankhaft erweitert. Sie entstehen, wenn das Blut aus dem Bauchraum nicht mehr normal durch die Leber fließt. Dann staut sich das Blut und sucht sich Umwege über feine Venen in der Speiseröhre. Diese Venen können reißen und stark bluten.
Wichtige Fakten
- Sie verursachen oft lange Zeit keine Beschwerden.
- Die häufigste Ursache ist eine fortgeschrittene Lebererkrankung, besonders die Leberzirrhose.
- Eine geplatzte Varize ist ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss.
In der Allgemeinbevölkerung sind Ösophagusvarizen selten. Bei Menschen mit einer Leberzirrhose sind sie dagegen häufig: Etwa die Hälfte der Betroffenen entwickelt im Laufe der Zeit solche erweiterten Venen.
Betroffen sind vor allem Erwachsene mit chronischen Lebererkrankungen, häufig im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Kinder können betroffen sein, wenn eine angeborene Lebererkrankung vorliegt.
Symptome
- Erbrechen von hellrotem Blut oder großen Blutmengen – sofort Notruf 112 wählen.
- Schwarzer, teeriger Stuhl oder Blut im Stuhl mit Kreislaufschwäche – sofort Notruf 112 wählen.
- Bewusstlosigkeit, Ohnmacht oder schwere Benommenheit – sofort Notruf 112 wählen.
- ⚠Wiederholtes Erbrechen kleinerer Blutmengen – noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
- ⚠Zunehmende Schwäche, Schwindel oder blasse Haut – ärztlich abklären lassen.
- ⚠Plötzliche Verwirrtheit, besonders bei bekannter Lebererkrankung – sofort ärztliche Hilfe.
Häufige Symptome
- Meist treten keine Beschwerden auf.
- Manchmal ein Druck- oder Völlegefühl hinter dem Brustbein.
- Bei einer Blutung: Erbrechen von Blut, oft kaffeesatzartig.
- Bei einer Blutung: schwarzer, teeriger Stuhlgang.
- Bei starkem Blutverlust: Schwindel, Schwäche, blasse Haut.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind die Anzeichen ähnlich wie bei Erwachsenen.
- Achten Sie auf Erbrechen von Blut oder dunklen Stuhl, besonders wenn eine Lebererkrankung bekannt ist.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen können eine Blutung zunächst als allgemeine Schwäche oder Schwindel bemerken.
- Blut im Erbrochenen oder im Stuhl ist immer ein Warnzeichen, das sofort abgeklärt werden muss.
Ursachen
Hauptursachen
- Erhöhter Druck im Blutgefäßsystem der Leber (portale Hypertension): Das Blut staut sich, weil die Leber den Blutfluss behindert.
- Leberzirrhose: Narbengewebe ersetzt gesundes Lebergewebe und stört den Blutfluss. Das ist die häufigste Ursache.
- Seltener: Blutgerinnungsstörungen oder angeborene Gefäßfehlbildungen.
Risikofaktoren
- Alkoholbedingte Leberschädigung
- Chronische Virushepatitis (zum Beispiel Hepatitis B oder C)
- Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung
- Fortgeschrittene Leberzirrhose
- Frühere Blutungen aus Ösophagusvarizen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei jedem Anzeichen einer Blutung – Erbrechen von Blut, Schwarzstuhl oder Kreislaufproblemen – sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei bekannter Lebererkrankung und neuen Beschwerden wie Schwäche oder Schwindel noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine chronische Lebererkrankung haben, sollten Sie regelmäßig Kontrolltermine wahrnehmen.
- Bei unklaren Beschwerden im oberen Bauchraum, die länger als ein paar Tage anhalten.
- Vor einer Magenspiegelung: alle Medikamente und Vorerkrankungen mit dem Arzt besprechen.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine Magenspiegelung (Endoskopie) gesichert. Dabei wird ein dünner Schlauch mit einer Kamera durch den Mund in die Speiseröhre geführt. Die erweiterten Venen sind dann direkt sichtbar.
Mögliche Untersuchungen
- Magenspiegelung (Ösophagogastroduodenoskopie) zur direkten Beurteilung der Speiseröhre
- Bauchultraschall, um die Leber und den Blutfluss zu beurteilen
- Blutuntersuchungen zur Leberfunktion und Blutgerinnung
- Bei Bedarf Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Magenspiegelung dauert meist nur wenige Minuten und wird häufig in einem kurzen Dämmerschlaf durchgeführt. Sie müssen davor nüchtern sein. Nach der Untersuchung können Sie noch müde sein und sollten sich für den Rest des Tages schonen. Die Ärztin oder der Arzt bespricht die Ergebnisse direkt mit Ihnen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich danach, ob bereits eine Blutung vorliegt oder ob die Varizen vorbeugend behandelt werden sollen. Das Ziel ist immer, Blutungen zu stoppen und neuen Blutungen vorzubeugen. Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Zentren und wird individuell geplant.
Selbsthilfe zu Hause
- Verzichten Sie vollständig auf Alkohol, um die Leber zu entlasten.
- Nehmen Sie keine Medikamente – auch keine Schmerzmittel – ohne ärztliche Rücksprache, wenn Sie eine Lebererkrankung haben.
- Vermeiden Sie starkes Pressen zum Beispiel bei Verstopfung oder schwerem Heben, da dies den Druck im Bauch erhöht.
- Sorgen Sie für einen weichen Stuhlgang durch ausreichend Flüssigkeit und Ballaststoffe – das reduziert das Pressen.
Medizinische Behandlungen
Bei einer akuten Blutung wird die Blutung meist im Rahmen einer Magenspiegelung gestillt, zum Beispiel durch Abbinden der erweiterten Venen mit Gummibändern (Bandligatur) oder durch Verödung. Zusätzlich können Medikamente gegeben werden, die den Druck im Pfortadersystem senken, und Infusionen helfen, den Kreislauf zu stabilisieren. Zur Vorbeugung von Blutungen wird die Bandligatur regelmäßig wiederholt, bis die Venen verschlossen sind.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig. Wenn Blutungen mit der Magenspiegelung nicht gestillt werden können, kann zum Beispiel ein künstlicher Umgehungskanal in der Leber (TIPS) gelegt werden. Bei schwerem Leberversagen kann eine Lebertransplantation die letzte Behandlungsmöglichkeit sein. Diese Entscheidungen werden in spezialisierten Leberzentren getroffen.
Leben mit der Erkrankung
Mit Ösophagusvarizen zu leben bedeutet vor allem, die Grunderkrankung der Leber konsequent zu behandeln und regelmäßig zu Kontrollen zu gehen. Viele Menschen führen mit dieser Erkrankung ein weitgehend normales Leben, wenn sie die empfohlenen Vorsorgemaßnahmen einhalten.
Tipps für den Alltag
- Alkohol vollständig meiden
- Nicht rauchen
- Auf gesundes Körpergewicht achten, aber keine radikalen Diäten
- Regelmäßig bewegen, aber keine extremen Kraftsportarten
- Engmaschige ärztliche Kontrollen wahrnehmen
Ernährung und Bewegung
Empfohlen wird eine ausgewogene, vollwertige Ernährung mit viel Gemüse und Ballaststoffen. Achten Sie auf eine gute Flüssigkeitszufuhr, wenn Ihre Ärztin nichts anderes sagt. Bei Flüssigkeitsansammlungen im Bauch kann eine salzarme Kost sinnvoll sein. Bewegung – wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen – ist in der Regel gut geeignet. Starkes Pressen oder schweres Gewichtheben sollten Sie vermeiden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose kann Angst auslösen, besonders weil eine Blutung lebensbedrohlich sein kann. Diese Sorge ist verständlich. Es kann helfen, mit Vertrauten zu sprechen oder psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Wenn Sie sich in einer akuten Krise fühlen oder Gedanken haben, sich selbst zu verletzen, suchen Sie sofort Hilfe – zum Beispiel bei Ihrer Hausarztpraxis, der nächsten psychiatrischen Notaufnahme oder über den Notruf 112.
Vorbeugung
Eine bestehende Leberzirrhose lässt sich nicht rückgängig machen, aber mit der richtigen Behandlung lässt sich das Fortschreiten oft verlangsamen. Damit sinkt auch das Risiko, dass sich Ösophagusvarizen bilden oder bluten.
Impfungen
Eine Impfung gegen Hepatitis B wird Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko empfohlen, zum Beispiel bei chronischer Lebererkrankung. Ob auch eine Impfung gegen Hepatitis A sinnvoll ist, klären Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Menschen mit fortgeschrittener Leberzirrhose sollten regelmäßig eine Magenspiegelung bekommen, um Ösophagusvarizen frühzeitig zu erkennen. Die empfohlenen Abstände richten sich nach dem Befund und den Leitlinien – auch den AWMF-Leitlinien. Ihr Behandlungsteam informiert Sie darüber.
Komplikationen
Unbehandelt
- Riss einer Varize mit starker, lebensbedrohlicher Blutung
- Kreislaufschock durch Blutverlust
- Verschlechterung der Leberfunktion bis hin zum Leberversagen
- Wiederauftreten von Blutungen nach der Erstbehandlung
Langzeitprognose
Mit modernen Behandlungsverfahren lassen sich Blutungen in den meisten Fällen gut stoppen. Wie gut die Prognose ist, hängt vor allem von der Grunderkrankung und dem Stadium ab. Viele Menschen bleiben mit regelmäßigen Kontrollen und einer angepassten Lebensweise über viele Jahre stabil. Ösophagusvarizen sind ernst, aber sie sind kein Grund zu verzweifeln – es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten und viel Unterstützung.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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