Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Nierenbeckenentzündung, auch Pyelonephritis genannt, ist eine Infektion im Nierenbecken. Das ist der trichterförmige Teil der Niere, in dem der Urin gesammelt wird. Meist sind auch die Nieren selbst betroffen. Die Infektion wird fast immer durch Bakterien verursacht, die aus der Blase über die Harnleiter in die Niere aufsteigen.
Wichtige Fakten
- Die Krankheit ist gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird.
- Ohne Behandlung kann sie zu schweren Komplikationen führen.
- Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.
- Wichtig sind ausreichend Flüssigkeit und ärztliche Behandlung.
Eine Nierenbeckenentzündung ist nicht ganz selten. Jedes Jahr erkranken viele Menschen in Deutschland daran, Frauen deutlich häufiger als Männer.
Sie kann in jedem Alter auftreten. Häufiger betroffen sind Frauen, ältere Menschen, Schwangere und Personen mit Harnwegsproblemen wie Nierensteinen oder einer vergrößerten Prostata.
Symptome
- Sehr hohes Fieber über 39 °C mit starkem Krankheitsgefühl
- Schüttelfrost, der nicht aufhört
- Starke Schmerzen im Rücken oder Bauch
- Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung
- Schneller Herzschlag, kalte und fahle Haut – das können Anzeichen einer Blutvergiftung sein.
- ⚠Fieber zusammen mit Schmerzen im Rücken oder Bauch
- ⚠Blut im Urin
- ⚠Übelkeit, die zu starkem Flüssigkeitsverlust führt
- ⚠Sie fühlen sich so krank, dass Sie nicht mehr am Alltag teilnehmen können.
Häufige Symptome
- Fieber und Schüttelfrost
- Schmerzen in der Flanke – das ist der seitliche Rückenbereich
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Häufiger Harndrang
- Trüber oder übelriechender Urin
- Übelkeit und Erbrechen
- Allgemeines Krankheitsgefühl und Abgeschlagenheit
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigt sich eine Nierenbeckenentzündung oft durch Fieber, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Appetitlosigkeit.
- Ältere Kinder können auch Schmerzen beim Wasserlassen oder im Rücken angeben.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen treten typische Symptome wie Fieber oft nicht auf.
- Stattdessen können Verwirrtheit, Unruhe, Appetitlosigkeit oder ein plötzlicher körperlicher Verfall Warnzeichen sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien aus dem Darm – meist E. coli – gelangen über die Harnröhre in die Blase und steigen dann in die Niere auf.
- Selten gelangen Bakterien über das Blut in die Nieren, zum Beispiel bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Risikofaktoren
- Weibliche Anatomie: Die Harnröhre ist kürzer, daher können Bakterien leichter aufsteigen.
- Schwangerschaft
- Harnstau durch Nierensteine oder eine vergrößerte Prostata
- Ein Blasenkatheter
- Ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel bei Diabetes
- Wiederholte Harnwegsinfekte in der Vorgeschichte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie haben Fieber und Rückenschmerzen gleichzeitig.
- Sie spüren starke Schmerzen oder fühlen sich sehr krank.
- Ihr Urin ist blutig oder trüb und riecht unangenehm.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Die ersten Anzeichen eines Harnwegsinfekts bessern sich nicht nach ein bis zwei Tagen.
- Sie hatten schon öfter Harnwegsinfekte und möchten jetzt eine erneute Behandlung und Beratung.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt befragt Sie zu Ihren Beschwerden und tastet Ihren Rücken und Bauch ab. Anschließend wird eine Urinprobe untersucht. Diese zeigt, ob Bakterien und Entzündungszellen im Urin sind. Ihre Behandlung folgt den aktuellen medizinischen Leitlinien, auch den AWMF-Leitlinien.
Mögliche Untersuchungen
- Urinuntersuchung: Zuerst ein Urinstreifen, danach wird manchmal eine Urinkultur angelegt, um die Bakterien genau zu bestimmen.
- Blutuntersuchung: Sie zeigt, wie stark die Entzündung im Körper ist.
- Ultraschall der Nieren und Harnwege: Damit lassen sich Harnstau oder Nierensteine erkennen.
- In unklaren oder komplizierten Fällen: eine Computertomographie (CT).
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und dauern nicht lange. In der Hausarztpraxis steht zuerst die Urinprobe im Mittelpunkt. Je nach Befund werden Sie möglicherweise an ein Krankenhaus oder an eine Facharztpraxis überwiesen.
Behandlung
Eine Nierenbeckenentzündung gehört in ärztliche Behandlung. Sie wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Zusätzlich sind Ruhe und viel Trinken wichtig. Bei schweren Verläufen oder während einer Schwangerschaft kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie viel Wasser oder ungesüßten Tee, damit die Nieren gut durchspült werden.
- Bleiben Sie zu Hause und schonen Sie sich.
- Eine Wärmflasche im Rücken oder Bauchbereich kann die Schmerzen lindern.
- Verzichten Sie auf Alkohol und fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie Schmerzmittel auf eigene Faust einnehmen.
Medizinische Behandlungen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt verschreibt Ihnen ein Antibiotikum, das gegen die häufigsten Bakterien bei Harnwegsinfektionen wirkt. Es ist wichtig, dieses Medikament genau nach Anweisung einzunehmen – auch dann, wenn es Ihnen schon besser geht. Bei schwerer Erkrankung wird das Antibiotikum im Krankenhaus über eine Infusion gegeben.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig, zum Beispiel wenn sich ein Abszess – also eine Eiteransammlung – in der Niere gebildet hat oder ein Nierenstein den Urinabfluss dauerhaft blockiert. Dann kann ein Eingriff den Stein entfernen oder den Abszess entlasten.
Leben mit der Erkrankung
Nehmen Sie sich Zeit zum Gesundwerden. Ruhen Sie sich aus, trinken Sie regelmäßig und gehen Sie zu den Kontrollterminen. Manche Menschen fühlen sich noch einige Tage schlapp – das ist normal. Planen Sie Ihren Alltag daher nicht zu voll.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßte Tees.
- Halten Sie die Nieren warm, zum Beispiel mit wärmender Kleidung oder einer Wärmflasche.
- Wischen Sie nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten.
- Entleeren Sie Ihre Blase regelmäßig und vollständig.
- Nach dem Geschlechtsverkehr sollten Sie Wasserlassen, um Bakterien auszuspülen.
Ernährung und Bewegung
Bevorzugen Sie leichte, ausgewogene Kost. Manche Menschen trinken zusätzlich Kräutertees wie Brennnessel- oder Blasentee – das ist als Getränk in Ordnung, ersetzt aber keine ärztliche Behandlung. Vermeiden Sie stark gewürzte Speisen und Alkohol. Führen Sie erst nach dem Abklingen der Beschwerden wieder vorsichtig Bewegung ein.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Nierenbeckenentzündung kann Ihnen zusetzen. Sie fühlen sich schwach und vielleicht auch ängstlich. Das ist verständlich. Sprechen Sie mit Angehörigen oder Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mit der richtigen Behandlung geht es fast allen wieder vollständig gut.
Vorbeugung
Ja, Sie können das Risiko einer Nierenbeckenentzündung senken. Wichtig sind ausreichend Flüssigkeit, regelmäßiges Wasserlassen, gute Hygiene und die Vermeidung von Kälte im Unterleib. Bei wiederholten Harnwegsinfekten kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt individuelle Empfehlungen geben.
Impfungen
Spezielle Impfungen gegen Harnwegsinfektionen gibt es in Deutschland nicht. Achten Sie aber auf Ihre allgemeinen Impfungen, zum Beispiel gegen Grippe oder Pneumokokken, damit Infekte Ihren Körper weniger belasten.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening ohne Beschwerden ist nicht üblich. Wenn Sie wiederkehrende Harnwegsinfektionen haben, kann die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen besprechen, ob eine weitergehende Untersuchung sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Infektion kann sich im Nierengewebe ausbreiten.
- Es kann sich ein Nierenabszess bilden – also eine Eiteransammlung.
- Es kann zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.
- Die Niere kann dauerhaft geschädigt werden.
- Harnwegsinfekte können immer wieder auftreten.
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen, richtig durchgeführten Behandlung heilt eine Nierenbeckenentzündung bei den meisten Menschen vollständig aus. Die Beschwerden bessern sich oft schon nach einigen Tagen. Fast alle Betroffenen können danach ein normales, gesundes Leben führen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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