Vaginalkrebs – verstehen, handeln, Halt finden
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Vaginalkrebs ist eine sehr seltene Krebserkrankung, die von der Schleimhaut der Scheide (Vagina) ausgeht. Wie andere Krebsarten entsteht auch dieser Tumor, wenn sich Zellen unkontrolliert teilen und verändern. Wird die Erkrankung früh erkannt, sind die Behandlungsaussichten meist gut. In Deutschland gibt es dafür spezielle Behandlungszentren und Leitlinien (AWMF-Leitlinien), an denen sich die Ärzte und Ärztinnen orientieren.
Wichtige Fakten
- Vaginalkrebs ist eine der seltensten Krebserkrankungen der Frau – weniger als 1 von 100 Krebserkrankungen im weiblichen Genitalbereich betrifft die Scheide.
- Häufigster Auslöser ist eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV). Es gibt eine Impfung dagegen.
- Bei früh erkanntem Vaginalkrebs ist die Prognose gut: Der Tumor kann operativ entfernt oder bestrahlt werden.
Nein, Vaginalkrebs ist sehr selten. Die meisten Gynäkologinnen und Gynäkologen sehen nur sehr wenige Fälle im Jahr. Genaue Zahlen nennen die Krebsregister, zum Beispiel das Robert Koch-Institut.
Vaginalkrebs tritt vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren auf, also meist im Alter über 60. Besonders betroffen sind Frauen mit einer HPV-Infektion, mit einer früheren Krebserkrankung der Gebärmutter oder nach einer Bestrahlung des Beckens.
Symptome
- Sehr starke Blutung aus der Scheide, die nicht aufhört – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Plötzliche, heftige Schmerzen im Unterleib oder im Becken – den Notruf 112 wählen.
- Ohnmachtsgefühl, Schwindel oder Kreislaufzusammenbruch in Verbindung mit Blutungen – sofort den Notruf 112 anrufen.
- ⚠Jede neue Blutung nach den Wechseljahren – suchen Sie noch heute oder innerhalb von 24 Stunden ärztliche Hilfe.
- ⚠Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr – lassen Sie sich zeitnah untersuchen.
- ⚠Übelriechender Ausfluss oder unbehandelt wirkende Scheideninfektionen – am selben Tag ärztlich klären lassen.
Häufige Symptome
- Ungewöhnliche Blutungen, zum Beispiel nach den Wechseljahren, zwischen den Regeln oder nach dem Geschlechtsverkehr
- Wässriger, blutiger oder übelriechender Ausfluss
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide
- Juckreiz oder Brennen im Bereich der Scheide
- Eine sichtbare oder tastbare Verhärtung, ein Knötchen oder eine wunde Stelle
Symptome bei Kindern
- Bei Mädchen vor der Pubertät ist Vaginalkrebs extrem selten.
- Sollten dennoch ungewöhnliche Blutungen oder Ausfluss auftreten, ist eine kinderärztliche oder gynäkologische Vorstellung dringend nötig.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Blutungen nach den Wechseljahren – auch Schmierblutungen – sind das wichtigste Warnzeichen.
- Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen können ebenfalls auf eine Veränderung hindeuten.
Ursachen
Hauptursachen
- Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) – bestimmte sogenannte Hochrisiko-Typen können Zellveränderungen in der Scheide auslösen.
- Nicht behandelte Zellveränderungen der Scheide (vaginale intraepitheliale Neoplasie, VAIN) – diese Vorstufen können sich über Jahre zu Krebs entwickeln.
- Eine frühere Krebserkrankung im Bereich von Gebärmutterhals oder Gebärmutter sowie eine Strahlentherapie im Becken.
Risikofaktoren
- Rauchen – Tabakrauch kann Schleimhautzellen schädigen und das Krebsrisiko erhöhen.
- Mehrere Sexualpartner oder früher Beginn sexueller Aktivität – beides erhöht das Risiko für HPV-Infektionen.
- Ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch Medikamente oder HIV-Infektion.
- Chronische Scheidenreizung oder eine unzureichend behandelte Scheidenentzündung.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie nach den Wechseljahren Blutungen oder Schmierblutungen bemerken.
- Wenn Sie nach dem Geschlechtsverkehr erneut Blutungen haben.
- Wenn Sie einen ungewöhnlichen, besonders übelriechenden Ausfluss bemerken.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Nehmen Sie regelmäßig an der Krebsfrüherkennung teil, auch wenn Sie keine Beschwerden haben. In der Regel einmal pro Jahr.
Diagnose
Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Danach erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Scheide und die äußeren Geschlechtsorgane betrachtet und getastet werden. Bei einem auffälligen Befund wird eine Gewebeprobe entnommen, die im Labor untersucht wird.
Mögliche Untersuchungen
- Abstrich der Scheide (Zytologie): Sie werden mit einem kleinen Spatel oder Bürstchen Zellen aus der Scheide entnommen und gefärbt.
- Kolposkopie: Die Scheide wird mit einem beleuchteten Vergrößerungsinstrument betrachtet. Vorher wird die Schleimhaut mit Essigsäure benetzt, so werden veränderte Stellen sichtbar.
- Biopsie: Unter Sicht wird ein kleines Gewebestück mit einer feinen Zange entnommen. Nur die Gewebeuntersuchung kann sicher klären, ob Krebs vorliegt.
- Bildgebung: Bei gesichertem oder vermutetem Tumor werden MRT oder CT angefertigt, um die Ausdehnung zu bestimmen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die gynäkologische Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Sie kann ein wenig unangenehm sein, tut aber nicht weh. Nach der Biopsie kann kurz etwas bluten. In den folgenden Tagen sollte man bei starken Blutungen oder Fieber ärztliche Hilfe suchen. Das Ergebnis der Biopsie liegt nach einigen Tagen vor. Nehmen Sie sich Zeit für das Gespräch mit Ihrem Behandlungsteam.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium des Tumors, also nach Größe, Tiefe und Ausbreitung, sowie nach Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand. Eine interdisziplinäre Tumor-Konferenz (ein Team aus Fachärzten und -ärztinnen) stimmt die Therapie auf Sie ab. Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten sind Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und Immuntherapie. Nach der Leitlinie der AWMF sollen Sie in einem zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrum behandelt werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Stärken Sie Ihr Immunsystem durch ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und Bewegung – in Absprache mit Ihrem Behandlungsteam.
- Sprechen Sie über Ängste und Sorgen – mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, in einer Beratungsstelle oder im Familienkreis.
- Vermeiden Sie Rauchen und Alkohol in dieser Zeit.
- Richten Sie sich nach Ihrer Belastungsgrenze und planen Sie Pausen.
Medizinische Behandlungen
Zu den medikamentösen Therapien gehören Chemotherapie, Immuntherapie und zielgerichtete Arzneimittel. Sie werden in der Regel dann eingesetzt, wenn der Tumor fortgeschritten ist oder nach einer Operation noch ein Rückfallrisiko besteht. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht mit Ihnen, welche Therapie in Ihrer Situation sinnvoll ist. Auch eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie wird häufig eingesetzt. Entscheidungen besprechen Sie ausführlich mit Ihrem Behandlungsteam – Sie haben ein Anrecht auf eine zweite ärztliche Meinung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei lokal begrenzten Tumoren ist oft eine Operation möglich. Der Tumor wird mit etwas Sicherheitsabstand entfernt. Das kann die Scheide betreffen. Bei größeren Tumoren werden auch angrenzende Strukturen bzw. die Gebärmutter (Hysterektomie) und eventuell die Lymphknoten entfernt. Bei sehr kleinen Tumoren reicht eine Lasertherapie.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Behandlung ist eine regelmäßige Nachsorge wichtig. Ihr Behandlungsteam wird Sie anleiten, auf Veränderungen zu achten. Mögliche Folgen der Therapie, wie eine Verkürzung oder Trockenheit der Scheide, können behandelt werden. Viele Frauen gewöhnen sich gut an die neuen Umstände und führen ein erfülltes Leben.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie, wenn möglich, ein Tabakvermeidung als Ziel – Rauchen begünstigt Rückfälle.
- Bewegung im Alltag, zum Beispiel Spazierengehen oder Schwimmen, hält Sie kräftig.
- Pflegen Sie sich selbst – gönnen Sie sich kleine Auszeiten und Dinge, die Ihnen Freude bereiten.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie abwechslungsreich: viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und mildes Milch- und Fleisch oder pflanzliche Eiweiß. Trinken Sie ausreichend Wasser. Sport oder Yoga in moderatem Umfang unterstützen Ihre Kondition und Ihr seelisches Gleichgewicht.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Krebsdiagnose versetzt viele Menschen in Angst und Schock. Das ist völlig normal. Sie müssen diese Gefühle nicht mit sich allein tragen. Psychoonkologische Angebote im Krankenhaus oder bei Beratungsstellen unterstützen Sie und Ihre Angehörigen. In einer akuten seelischen Krise, wenn Sie sich nicht mehr sicher oder gar mutlos fühlen, wenden Sie sich umgehend an eine Notaufnahme oder rufen Sie den Notruf 112. Um Hilfe zu bitten ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.
Vorbeugung
Ein vollständiger Schutz ist nicht möglich, aber das Risiko lässt sich deutlich senken: durch eine HPV-Impfung, durch die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung, durch sexuelle Gesundheit (zum Beispiel Kondome) und durch einen gesunden Lebensstil ohne Rauchen.
Impfungen
Die HPV-Impfung schützt gegen die häufigsten Hochrisiko-Virustypen, die zum Teil Scheidenkrebs verursachen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für alle Kinder und Jugendlichen ab 9 Jahren. Auch Frauen höheren Alters können die Impfung nach Rücksprache erhalten, wenn sie noch keine HPV-Infektion hatten – sprechen Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt darauf an.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein eigenes Screening für Vaginalkrebs. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder der Frauenärztin umfassen auch eine Besichtigung der Scheide. Wenn Sie zu Veränderungen neigen, zum Beispiel Zellveränderungen am Gebärmutterhals, wird die Scheide detaillierter mituntersucht.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Tumor kann in Nachbarorgane wie Harnblase, Harnleiter oder Darm einwachsen.
- Es können Fisteln (krankhafte Verbindungen) zur Blase oder zum Darm entstehen.
- Durch Verdrängung der Harnleiter droht ein Nierenstau bis zum Nierenversagen.
- Im fortgeschrittenen Stadium sind starke Blutungen und Schmerzen möglich.
Langzeitprognose
Die Prognose ist bei früh erkanntem Vaginalkrebs gut: Viele Frauen werden durch eine Operation dauerhaft geheilt. Je nach Stadium und Allgemeinzustand sind auch bei fortgeschrittener Erkrankung Behandlungen möglich, die den Verlauf günstig beeinflussen und das Leben verlängern. Jede Frau ist anders – Ihr Behandlungsteam bespricht die realistischen Aussichten mit Ihnen persönlich und ehrlich.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Krebshilfe ↗ · Deutschland
- Krebsinformationsdienst ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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