Testosteronmangel beim Mann (Hypogonadismus) – Ursachen, Symptome und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon. Es wird in den Hoden gebildet und ist wichtig für Muskelkraft, Knochen, Stimmung und Lust. Bei einem Hypogonadismus (Testosteronmangel) stellt der Körper zu wenig Testosteron her. Das passiert, wenn die Hoden selbst oder die Steuerzentren im Gehirn (Hirnanhangsdrüse) nicht richtig arbeiten.
Wichtige Fakten
- Der Testosteronspiegel kann mit dem Alter langsam sinken – das ist zum Teil normal.
- Ein krankhafter Testosteronmangel ist eine behandelbare Störung, die nicht einfach zum Älterwerden dazugehört.
- Die Diagnose wird durch Blutuntersuchungen gesichert – meist sind zwei Messungen nötig.
Ja, leichte Abnahmen des Testosterons bei älteren Männern sind häufig. Ein ausgeprägter Testosteronmangel kommt seltener vor, betrifft aber auch jüngere Männer – zum Beispiel bei bestimmten Grunderkrankungen.
Betroffen sind vor allem Männer. Das Risiko steigt mit dem Alter. Auch Männer mit starkem Übergewicht, Diabetes, chronischen Nierenerkrankungen, Hodenverletzungen oder angeborenen Störungen wie dem Klinefelter-Syndrom können einen Testosteronmangel entwickeln.
Symptome
- Plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen – das kann auf ein akutes Problem an der Hirnanhangsdrüse hindeuten.
- Akute, sehr starke Schmerzen im Hoden – Warnzeichen für eine Hodentorsion (Verdrehung des Samenstrangs), die sofort behandelt werden muss.
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht.
- ⚠Neu auftretende Doppelbilder, Sehfeldausfälle oder starke Kopfschmerzen, die über Stunden anhalten.
- ⚠Gedanken an Verletzung oder Selbsttötung – wenden Sie sich bitte sofort an die psychiatrische Notaufnahme (Notruf 112) oder ärztliche Hilfe.
- ⚠Wenn Sie bereits eine Testosteronbehandlung erhalten: Bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerz oder Schwellung eines Beins müssen Sie noch am selben Tag ärztlich untersucht werden.
Häufige Symptome
- Verminderte Lust auf Sex (Libidoverlust)
- Erektionsstörungen
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder depressive Verstimmung
- Nachlassende Muskelkraft und Muskelmasse
- Vermehrung von Bauchfett
- Schlafstörungen
- Hitzewallungen und vermehrtes Schwitzen
- Nachlassende Körperbehaarung
Symptome bei Kindern
- Bei Jungen vor der Pubertät kann ein Testosteronmangel das Wachstum und die Pubertätsentwicklung verzögern.
- Der Stimmbruch bleibt aus, die Muskulatur bleibt unterentwickelt, es bilden sich nur wenig Schamhaare.
- Auch eine verzögerte oder ausbleibende Entwicklung der Hoden ist möglich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Männern überschneiden sich die Symptome oft mit allgemeinen Alterungserscheinungen.
- Typisch sind Muskelschwäche, nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit, Gedächtnisprobleme und eine höhere Brüchigkeit der Knochen.
- Stimmungstiefs und sozialer Rückzug kommen ebenfalls häufig vor.
Ursachen
Hauptursachen
- Alter: Der Testosteronspiegel sinkt ab etwa 30 bis 40 Jahren allmählich.
- Erkrankungen oder Schäden der Hoden – zum Beispiel durch Verletzungen, Verdrehung, Infektionen (etwa Mumps im Erwachsenenalter), Bestrahlung oder Chemotherapie.
- Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), z.B. ein gutartiger Tumor, der die Steuersignale an die Hoden stört.
- Genetische Ursachen wie das Klinefelter-Syndrom (angeborene Chromosomenbesonderheit, die die Hodenfunktion beeinträchtigt).
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes, starkes Übergewicht, Nieren- oder Lebererkrankungen.
- Bestimmte Medikamente, zum Beispiel starke Schmerzmittel (Opioide) oder Kortisonpräparate.
Risikofaktoren
- Alter über 60 Jahre
- Starkes Übergewicht (Body-Mass-Index über 30)
- Diabetes mellitus
- Alkohol- oder Drogenkonsum
- Rauchen
- Mumps-Infektion im Erwachsenenalter
- Unbehandelter Hodenhochstand in der Kindheit
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Erektionsstörungen oder Lustverlust Sie stark belasten.
- Wenn bei einer Testosteronbehandlung Beinschwellung, Brustschmerz oder Atemnot auftreten – suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
- Wenn Sie unter schweren depressiven Verstimmungen oder Gedanken an Selbsttötung leiden.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Wochen unerklärliche Müdigkeit und Antriebslosigkeit bemerken.
- Wenn Ihre Muskelkraft und Kondition spürbar nachlassen oder Sie zunehmend Bauchfett aufbauen.
- Wenn Sie über länger Zeit Schlafstörungen oder Stimmungstiefs haben, die nicht durch Stress oder äußere Ereignisse erklärbar sind.
Diagnose
Der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden, untersucht Sie körperlich und veranlasst Blutuntersuchungen. Der Testosteronwert wird morgens gemessen, weil er im Tagesverlauf schwankt. Die Diagnose eines echten Testosteronmangels wird nach der deutschen AWMF-Leitlinie nur gestellt, wenn typische Beschwerden UND wiederholt niedrige Laborwerte vorliegen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Gesamttestosteron, morgens und nüchtern
- Kontroll-Blutentnahme an einem zweiten Tag zur Bestätigung
- Messung von LH und FSH – das sind Hormone der Hirnanhangsdrüse, die die Hoden steuern. Damit lässt sich unterscheiden, ob der Mangel an den Hoden oder an der Steuerung liegt.
- Messung von Prolaktin – ein erhöhter Wert kann auf eine Hirnanhangsdrüsenerkrankung hinweisen.
- Großes Blutbild und je nach Situation weitere Untersuchungen wie PSA (Prostataspezifisches Antigen).
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutentnahme ist einfach und dauert nur wenige Minuten. Danach bespricht der Arzt mit Ihnen die Ergebnisse und erklärt, ob weitere Untersuchungen nötig sind. Bei einem Verdacht auf eine ursächliche Erkrankung überweist er Sie an einen Spezialisten – zum Beispiel an einen Endokrinologen, Urologen oder Andrologen (Experten für Hormone und Männergesundheit).
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und Ihren Beschwerden. Zuerst werden behandelbare Auslöser wie starkes Übergewicht, eine unentdeckte Diabeteserkrankung oder die Einnahme ungünstiger Medikamente angegangen. Ist ein echter Testosteronmangel bestätigt, kann eine Testosteron-Ersatztherapie infrage kommen. Diese Therapie muss regelmäßig ärztlich überwacht werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und einen festen Tagesrhythmus.
- Reduzieren Sie Stress, wo es möglich ist.
- Verzichten Sie auf Rauchen und starken Alkoholkonsum.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – idealerweise eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining.
- Streben Sie ein gesundes Körpergewicht an: Schon 5–10 % Gewichtsabnahme können den Hormonhaushalt günstig beeinflussen.
Medizinische Behandlungen
Bei einem nachgewiesenen Testosteronmangel gibt es verschiedene Ersatzpräparate – zum Beispiel als Gel, Lösung, Pflaster, Injektion oder als unter die Haut eingesetztes Kügelchen. Welche Form geeignet ist, hängt von Ihrer Lebenssituation und Ihren Vorlieben ab. Wichtig: Die Behandlung darf nur ein Arzt verordnen und kontrollieren, die Dosis wird individuell angepasst. Bei Kinderwunsch können andere Hormonpräparate (Gonadotropine) eingesetzt werden – das gehört in die Hand eines spezialisierten Arztes.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig – zum Beispiel, wenn die Ursache ein Tumor der Hirnanhangsdrüse oder ein Hodentumor ist. Die meisten Formen des Testosteronmangels werden nicht operiert, sondern mit Hormonen behandelt.
Leben mit der Erkrankung
Nehmen Sie Ihre Therapie so ein, wie es verordnet wurde. Regelmäßige Kontrolltermine sind wichtig, um den Hormonspiegel und mögliche Nebenwirkungen zu überwachen. Mit einer gut eingestellten Behandlung bessern sich meist Energie, Stimmung, Muskelmasse und sexuelle Funktion.
Tipps für den Alltag
- Bleiben Sie körperlich aktiv – planen Sie feste Bewegungstermine in der Woche ein.
- Pflegen Sie soziale Kontakte und sprechen Sie offen mit Ihrem Partner oder mit Freunden.
- Halten Sie einen regelmäßigen Schlafrhythmus ein.
- Meiden Sie extreme Diäten – setzen Sie auf eine ausgewogene Ernährung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, gesunden Fetten (etwa aus Nüssen oder Olivenöl) und magerem Eiweiß unterstützt den Hormonhaushalt. Krafttraining zwei bis drei Mal pro Woche plus zügiges Ausdauertraining wie Schwimmen oder Radfahren kann das Wohlbefinden fördern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Testosteronmangel kann zu Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit und einem erhöhten Risiko für Depressionen führen. Eine behandlungsbedürftige Depression ist keine Schwäche, sondern eine Erkrankung. Wichtig: Bei anhaltenden Stimmungstiefs oder Gedanken an Selbsttötung suchen Sie sofort professionelle Hilfe – zum Beispiel über den Notruf 112 oder die psychiatrische Notaufnahme.
Vorbeugung
Ein altersbedingter Rückgang des Testosterons lässt sich nicht verhindern. Sie können aber das Risiko eines krankhaften Testosteronmangels senken: durch ein gesundes Körpergewicht, regelmäßige Bewegung, Rauchverzicht und maßvollen Umgang mit Alkohol. Auch eine gut eingestellte Behandlung chronischer Erkrankungen wie Diabetes ist wichtig.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verstärkter Verlust von Muskelmasse und Zunahme von Bauchfett
- Osteoporose (Knochenschwund) mit erhöhtem Knochenbruchrisiko
- Anhaltende Erschöpfung, Antriebslosigkeit und depressive Verstimmung
- Sexuelle Funktionseinschränkungen und verminderte Lebensqualität
- Eingeschränkte Fruchtbarkeit (verminderte Spermienproduktion)
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Diagnose und einer angepassten Behandlung können sich die meisten Beschwerden deutlich bessern – oft schon innerhalb weniger Monate. Auch wenn nicht jeder Mann eine Hormontherapie benötigt, haben Betroffene bei sorgfältiger ärztlicher Führung gute Chancen, wieder mehr Energie, Kraft und Lebensqualität zu gewinnen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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