Nierensteine: Ursachen, Symptome und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nierensteine sind feste Ablagerungen, die sich in den Nieren bilden, wenn der Urin zu viele bestimmte Stoffe enthält und nicht genug Flüssigkeit zum Ausspülen vorhanden ist. Die Steine können so klein wie Sandkörner oder so groß wie ein Tischtennisball sein. Sie verursachen vor allem dann starke Schmerzen, wenn sie durch die Harnwege wandern.
Wichtige Fakten
- Nierensteine entstehen aus Stoffen im Urin, die sich zu harten Kristallen verbinden.
- Die meisten Steine sind kleiner als 5 Millimeter und gehen von allein ab.
- Viel Trinken ist die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung.
- Nicht jeder Stein verursacht Schmerzen – manche werden zufällig beim Ultraschall entdeckt.
- Es gibt wirksame Behandlungen, um Steine zu entfernen oder ihre Entstehung zu verhindern.
Nierensteine sind weit verbreitet. In Deutschland bekommt etwa jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal einen Nierenstein.
Nierensteine betreffen häufiger Männer als Frauen, besonders zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Auch Menschen mit einer familiären Vorbelastung, Übergewicht oder bestimmten Grunderkrankungen haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Fieber oder Schüttelfrost, weil dies auf eine Infektion hinweisen kann
- Starke Schmerzen, die trotz Schmerzmitteln nicht nachlassen
- Übelkeit mit Erbrechen, sodass Sie nichts bei sich behalten können
- Sie können keinen Urin lassen (Harnverhalt)
- Rufen Sie bei diesen Zeichen sofort die Notrufnummer 112 an.
- ⚠Blut im Urin, besonders wenn es schmerzhaft ist
- ⚠Anhaltende Schmerzen über mehrere Stunden oder immer wiederkehrende Schmerzattacken
- ⚠Anzeichen eines Harnwegsinfekts wie Brennen, starker Harndrang oder trüber Urin
- ⚠Wenn Sie bereits einen Nierenstein haben und Fieber bekommen – suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe auf.
Häufige Symptome
- Starke, krampfartige Schmerzen im unteren Rücken oder an der Flanke, die in den Unterbauch oder die Leiste ausstrahlen können
- Schmerzen, die in Wellen kommen und gehen
- Blut im Urin – der Urin kann rötlich oder bräunlich aussehen
- Übelkeit und Erbrechen
- Häufiger Harndrang oder Brennen beim Wasserlassen
Ursachen
Hauptursachen
- Zu wenig Flüssigkeitszufuhr, sodass der Urin zu konzentriert wird
- Eine Ernährung mit sehr viel Salz, Zucker oder Oxalat – Oxalat steckt zum Beispiel in Spinat, Rhabarber, Nüssen und Schokolade
- Stoffwechselstörungen wie Gicht oder erhöhte Kalziumwerte im Urin
- Harnwegsinfekte, die die Steinentstehung fördern können
- Einige Medikamente können das Risiko erhöhen – sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes oder entzündliche Darmerkrankungen
- Harnwegsfehlbildungen oder frühere Operationen an den Harnwegen
- Zunehmendes Alter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei akuten starken Schmerzen in der Flanke oder im Bauch
- Wenn Sie Blut im Urin bemerken
- Bei Fieber, Schüttelfrost oder Übelkeit mit Erbrechen
- Wenn Sie nicht urinieren können
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederkehrende Beschwerden beim Wasserlassen bemerken
- Wenn Sie bereits einmal einen Nierenstein hatten und eine erneute Abklärung wünschen
- Bei Unsicherheit über Ihre Trinkmenge oder Ernährungsgewohnheiten
Diagnose
Der Arzt fragt zunächst nach Ihren Beschwerden und untersucht Sie körperlich. Um die Diagnose zu sichern, werden bildgebende Verfahren eingesetzt, meist eine Computertomographie (CT) oder ein Ultraschall. Eine Urin- und Blutuntersuchung kann Entzündungen oder die Nierenfunktion prüfen. Die AWMF-Leitlinie gibt Empfehlungen für eine sichere und gezielte Diagnostik.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall (Sonographie) – schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung
- Computertomographie (CT) – zeigt auch kleinste Steine
- Urintest und Blutuntersuchung
- Analyse eines abgegangenen Steins, falls Sie ihn auffangen können
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
In der Hausarztpraxis stehen meist kein CT und keine spezielle Ultraschalluntersuchung zur Verfügung. Sie erhalten dort eine Überweisung für eine geeignete Einrichtung, zum Beispiel eine Röntgenpraxis oder ein Krankenhaus. Bis zum Termin sollten Sie ausreichend trinken und Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von Größe, Lage und Beschwerden ab. Viele Steine gehen mit viel Flüssigkeit und Bewegung von allein ab. Der Arzt kann Medikamente verordnen, die das Abgehen erleichtern und Schmerzen lindern. Bei größeren Steinen kommen Verfahren wie Stoßwellen oder eine Spiegelung der Harnwege infrage.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie mindestens 2 bis 3 Liter Wasser über den Tag verteilt – am besten ohne Kohlensäure
- Bewegen Sie sich regelmäßig, um den Steinabgang zu unterstützen
- Wärme auf der schmerzenden Stelle kann die Muskulatur entspannen
- Nehmen Sie Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker ein
- Fangen Sie Ihren Urin in einem feinen Sieb auf, falls Sie einen Stein bemerken – die Analyse des Steins hilft, die Ursache zu finden
Medizinische Behandlungen
Es gibt mehrere etablierte Behandlungsverfahren, die je nach Steingröße eingesetzt werden. Dazu gehören die Stoßwellentherapie, bei der der Stein von außen zertrümmert wird, und minimal-invasive Eingriffe, bei denen der Stein über ein dünnes Endoskop entfernt wird. Auch Medikamente kommen zum Einsatz, zum Beispiel solche, die die Harnwege erweitern oder die Steinbildung beeinflussen. Ihr Arzt wird das passende Vorgehen mit Ihnen besprechen – ganz nach den Empfehlungen der aktuellen AWMF-Leitlinie.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nötig, wenn der Stein zu groß ist, nicht von allein abgeht oder die Nierenfunktion gefährdet. Auch bei anhaltenden Schmerzen oder einer Infektion kann ein Eingriff erforderlich sein. Meist handelt es sich um endoskopische Verfahren oder die Zertrümmerung des Steins mit Stoßwellen. Ihr Arzt wird Sie ausführlich über die Möglichkeiten und Risiken aufklären.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Nierenstein ist es wichtig, auf die eigenen Signale des Körpers zu achten. Trinken Sie regelmäßig, auch wenn Sie Durst nicht immer spüren. Ein Urin, der hell und klar ist, ist ein gutes Zeichen. Bei Schmerzen oder Auffälligkeiten zögern Sie nicht, ärztlichen Rat einzuholen.
Tipps für den Alltag
- Über den Tag verteilt ausreichend trinken (mindestens 2 Liter)
- Salz- und zuckerreiche Lebensmittel meiden
- Übergewicht abbauen und sich regelmäßig bewegen
- Auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse achten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst ist sinnvoll. Reduzieren Sie Salz und tierisches Eiweiß. Oxalatreiche Lebensmittel wie Rhabarber, Spinat oder Schokolade müssen Sie nicht ganz weglassen, aber genießen Sie sie in Maßen. Bewegung fördert die Durchblutung der Nieren und kann helfen, neue Steine zu verhindern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederkehrende Nierensteine und starke Schmerzen können belastend sein. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Gedanken kreisen nur noch darum, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen helfen, die Angst zu lindern und einen Plan für die Zukunft zu erstellen. Auch psychologische Unterstützung ist möglich.
Vorbeugung
Ja, in vielen Fällen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist der wichtigste Schutz. Auch eine ausgewogene Ernährung und Normalisierung des Gewichts senken das Risiko, erneut Nierensteine zu bekommen. Wer schon einmal einen Stein hatte, sollte mit dem Arzt besprechen, welche individuelle Vorsorge sinnvoll ist.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen Nierensteine.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Nierensteine wird nicht angeboten. Wenn Sie schon einmal einen Stein hatten, können regelmäßige Kontrolluntersuchungen in der Hausarztpraxis oder beim Urologen sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Verstopfung der Harnwege, die zu starken Schmerzen und Harnstau führt
- Nierenbeckenentzündung durch aufsteigende Bakterien
- Dauerhafte Nierenschädigung, wenn die Niere über längere Zeit nicht entlastet wird
- Wiederkehrende Nierensteine ohne Behandlung der Ursache
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung und Vorsorge ist die Prognose bei Nierensteinen sehr gut. Die meisten Menschen werden die Steine los und können durch ausreichendes Trinken und einen gesunden Lebensstil neue Steine vermeiden. Auch wenn ein Stein wiederkommt, gibt es heute viele wirksame Verfahren, um ihn zu entfernen und die Nieren zu schützen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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