Sialadenitis: Wenn die Speicheldrüse anschwillt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Sialadenitis ist eine Entzündung einer Speicheldrüse. Speicheldrüsen sind kleine Organe im Mund- und Rachenbereich, die Speichel produzieren. Der Speichel hält den Mund feucht und hilft beim Schlucken und bei der Verdauung. Wenn eine Speicheldrüse anschwillt und schmerzt, nennt man das Sialadenitis. Oft ist ein Speichelstein oder eine Infektion die Ursache.
Wichtige Fakten
- Der Begriff Sialadenitis bedeutet Entzündung der Speicheldrüse.
- Häufig sind die Ohrspeicheldrüse, die Unterkieferspeicheldrüse oder die Unterzungenspeicheldrüse betroffen.
- Speichelsteine können den Speichelfluss blockieren und dadurch eine Entzündung auslösen.
- Die Behandlung ist meist unkompliziert und umfasst Wärme, Flüssigkeit und Anregung des Speichelflusses.
- Wenn die Entzündung durch Bakterien verursacht wird, kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin ein Antibiotikum verschreiben.
Sialadenitis ist nicht sehr häufig, aber auch nicht selten. Die meisten Menschen kennen das einseitige Anschwellen der Wange nach dem Essen. In der Arztpraxis ist es eine bekannte, meist gut behandelbare Erkrankung.
Sialadenitis kann in jedem Alter auftreten. Erwachsene sind häufiger betroffen als Kinder, besonders ältere Menschen mit geringerem Speichelfluss. Auch Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Atemnot oder das Gefühl, dass der Hals zuschwillt
- Sehr starke Schwellung, die das Öffnen des Mundes unmöglich macht
- Hohes Fieber mit Verwirrtheit oder starkem Krankheitsgefühl
- ⚠Schwellung, die innerhalb von Stunden stark zunimmt
- ⚠Zunehmende Schmerzen trotz Wärme und Schmerzlinderung
- ⚠Sie können nichts mehr schlucken oder trinken
- ⚠Es tritt Eiter in den Mund aus der Speicheldrüse aus
Häufige Symptome
- Schwellung an der Wange, unter dem Kiefer oder unter der Zunge
- Schmerzen an der geschwollenen Stelle, besonders beim Essen oder Kauen
- Rötung und Wärmegefühl über der Speicheldrüse
- Verminderter Speichelfluss oder Mundtrockenheit
- Geschmacksstörungen oder Mundgeruch
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern tritt Sialadenitis oft im Zusammenhang mit viralen Infektionen auf, zum Beispiel Mumps. Dank der Impfung ist Mumps heute seltener.
- Kinder können Ohrenschmerzen oder Schmerzen beim Kauen haben und berichten oft von einer dicken Backe.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen ist die Speicheldrüsenentzündung häufiger von Mundtrockenheit begleitet, oft als Folge von Medikamenten oder einer geringeren Trinkmenge.
- Die Schwellung kann weniger deutlich sein, aber es treten eher Schluckbeschwerden und vermehrter Speichel im Mund auf.
Ursachen
Hauptursachen
- Speichelsteine: Diese kleinen Steine können den Ausführungsgang einer Speicheldrüse verstopfen.
- Viren: Bekannt ist das Mumpsvirus, aber auch Grippe- oder Erkältungsviren können die Speicheldrüsen betreffen.
- Bakterien: Oft gelangen Bakterien aus dem Mundraum in die Speicheldrüse, wenn der Speichelfluss vermindert ist.
- Verminderter Speichelfluss: Zum Beispiel durch zu wenig Trinken, Medikamente oder eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich.
- Autoimmunerkrankungen: Bei manchen Menschen greift das Immunsystem die eigenen Speicheldrüsen an, etwa beim Sjögren-Syndrom.
Risikofaktoren
- Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder Austrocknung
- Mundtrockenheit durch Medikamente oder Alter
- Schlechte Mundhygiene
- Geschwächtes Immunsystem durch Erkrankung oder Behandlung
- Speichelsteine in der Vorgeschichte
- Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Schwellung plötzlich stark zunimmt
- Wenn Fieber auftritt oder anhält
- Wenn Sie nicht mehr normal essen, trinken oder schlucken können
- Wenn sich die Beschwerden nach zwei Tagen verschlimmern
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Schwellung länger als ein paar Tage anhält
- Wenn Sie immer wieder Schwellungen an derselben Stelle bemerken
- Wenn Sie eine bekannte Grunderkrankung wie Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem haben
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt untersucht zuerst den Hals-, Kiefer- und Ohrbereich. Sie tasten dabei die geschwollenen Speicheldrüsen ab und schauen auch in den Mund. Oft lässt sich die Diagnose schon allein durch diese Untersuchung stellen.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall der Speicheldrüsen, um Steine, Abszesse oder Entzündungen zu sehen
- Speichelprobe oder Abstrich, um den Erreger zu bestimmen
- In Einzelfällen eine Röntgenaufnahme oder eine Speicheldrüsenspiegelung (Sialendoskopie)
- Blutuntersuchungen, um Entzündungszeichen oder Grunderkrankungen festzustellen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und erfordert keine besondere Vorbereitung. Der Arzt oder die Ärztin wird Ihnen nach der Untersuchung erklären, ob bei Ihnen eine Sialadenitis vorliegt und welche Behandlungsoptionen es gibt. Bei Verdacht auf einen Speichelstein kann Sie die Praxis an eine Speicheldrüsen-Sprechstunde einer Klinik überweisen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Bei einer leichten Entzündung reichen oft einfache Maßnahmen, um den Speichelfluss anzuregen und die Entzündung zu lindern. Bei einer bakteriellen Infektion ist ein Antibiotikum notwendig, das Ihr Arzt oder Ihre Ärztin nach Diagnose verschreibt.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee, um den Speichel dünnflüssig zu halten.
- Kauen Sie zuckerfreien Kaugummi oder lutschen Sie Bonbons – am besten sauer, das regt den Speichelfluss an.
- Legen Sie warme, feuchte Umschläge oder erwärmte Kirschkernkissen auf die geschwollene Stelle.
- Massieren Sie die Speicheldrüse vorsichtig von hinten nach vorne in Richtung Mund, wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin das empfiehlt.
- Achten Sie auf eine gründliche Mundhygiene, um eine Verschlimmerung zu vermeiden.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen verschiedene Behandlungen infrage. Bei einer bakteriellen Infektion werden Antibiotika eingesetzt, die nur gegen Bakterien wirken. Gegen die Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel, die Sie in der Apotheke rezeptfrei erhalten können – sprechen Sie aber vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, besonders wenn Sie andere Medikamente einnehmen. Wenn ein Speichelstein den Gang verstopft, kann man in der Praxis den Gang manchmal erweitern oder mit Hilfe einer Speicheldrüsenspiegelung den Stein entfernen.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen ist ein Eingriff nötig, etwa wenn sich ein Abszess gebildet hat. Ein Abszess ist eine Eiteransammlung, die aufgeschnitten und entleert werden muss. Auch wenn ein großer Speichelstein trotz konservativer Behandlung nicht abgeht, kann eine Operation die Speicheldrüse retten. Solche Eingriffe werden normalerweise von Spezialisten im Krankenhaus durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag sollten Sie auf ausreichend Flüssigkeit achten und den Speichelfluss regelmäßig anregen, zum Beispiel durch Kaugummi oder das Kauen von zuckerfreiem Zuckerwerk. Vermeiden Sie es, die geschwollene Speicheldrüse zusätzlich zu reizen. Tragen Sie warme Kleidung im Halsbereich bei kalter Witterung, das wird oft als angenehm empfunden.
Tipps für den Alltag
- Zielen Sie auf 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag, zum Beispiel Wasser oder ungesüßten Tee.
- Reduzieren Sie Kaffee, schwarzen Tee und Alkohol, da diese den Körper austrocknen können.
- Verzichten Sie am besten auf das Rauchen, da es die Speichelproduktion verringert.
- Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf und Ruhe, wenn der Körper eine Entzündung abwehren muss.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie weiche, leicht zu kauende Speisen, solange die Schwellung schmerzt. Saure Lebensmittel wie Zitrone, Sauerkraut oder Gürkchen sind gut, weil sie den Speichel anregen. Bewegung ist bei einer akuten Entzündung eher nicht zu empfehlen. Sobald die Beschwerden abklingen, können Sie wieder normal aktiv werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine schmerzhafte Schwellung im Gesicht kann verunsichern und im Alltag einschränken. Es ist normal, sich dabei unwohl zu fühlen. Wenn die Beschwerden über längere Zeit bestehen oder Sie sich große Sorgen machen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Er oder sie kann Sie zu einem Spezialisten überweisen, wenn das nötig ist.
Vorbeugung
Eine Sialadenitis lässt sich nicht immer verhindern, aber Sie können das Risiko senken. Wichtig sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine gute Mundhygiene und die regelmäßige Anregung des Speichelflusses. Wenn Sie bereits einen Speichelstein hatten, hilft es, besonders auf Anzeichen wie Schwellungen beim Essen zu achten.
Impfungen
Eine Impfung schützt vor Mumps, die früher eine häufige Ursache für Speicheldrüsenentzündungen war. Die Mumps-Impfung ist Teil der Standardimpfungen bei Kindern. Auch Erwachsene sollten ihren Impfstatus überprüfen lassen, insbesondere wenn Nachholimpfungen empfohlen werden. Fragen Sie hierzu Ihre Hausarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Screening für Sialadenitis. Bei Beschwerden ist der Gang zur Hausarztpraxis der richtige Weg. Menschen mit einem erhöhten Risiko, etwa durch Medikamente, die Speichelfluss hemmen, können regelmäßige Mundhygiene-Kontrollen nutzen, um Probleme früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ein Abszess kann entstehen, das heißt eine eitrige Ansammlung in der Speicheldrüse, die operativ behandelt werden muss.
- Die Entzündung kann sich auf benachbarte Gewebe oder den Körper ausbreiten und zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.
- Wiederholte Entzündungen können die Speicheldrüse dauerhaft schädigen und die Speichelproduktion verringern.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in den meisten Fällen sehr gut. Mit den richtigen Maßnahmen und einer rechtzeitigen Behandlung heilt die Entzündung meist innerhalb weniger Tage ab. Auch Speichelsteine lassen sich heute schonend behandeln. Selbst wenn eine Speicheldrüse teilweise geschädigt ist, übernehmen die übrigen Speicheldrüsen ihre Funktion meist problemlos mit.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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