Guillain-Barré-Syndrom: Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Guillain-Barré-Syndrom (kurz GBS) ist eine seltene Nervenerkrankung. Dabei greift das eigene Immunsystem die Nerven im Körper an. Das führt zu Entzündungen und Schäden an der Schutzhülle der Nerven. Dadurch können Gefühlsstörungen und Muskelschwäche entstehen, manchmal sogar Lähmungen. Die Beschwerden beginnen meist in den Beinen und können sich nach oben ausbreiten.
Wichtige Fakten
- Das Guillain-Barré-Syndrom ist selten und nicht ansteckend.
- Oft geht eine Infektion – zum Beispiel ein Magen-Darm- oder Atemwegsinfekt – voraus.
- Die meisten Menschen erholen sich wieder, auch wenn die Erholung Monate dauern kann.
Nein, das Guillain-Barré-Syndrom ist selten. In Deutschland erkranken schätzungsweise 1 bis 2 von 100.000 Menschen pro Jahr daran.
Es kann Menschen jeden Alters betreffen, kommt aber bei Erwachsenen und älteren Menschen etwas häufiger vor. Männer sind etwas öfter betroffen als Frauen.
Symptome
- Plötzlich auftretende Schwäche in beiden Beinen, die aufsteigt
- Atemnot oder Kurzatmigkeit
- Schluckstörungen oder undeutliche Sprache
- Lähmungserscheinungen, die auf Arme oder Gesicht übergreifen
- ⚠Zunehmendes Kribbeln oder Taubheitsgefühl
- ⚠Starke Schmerzen in Beinen oder Rücken
- ⚠Unsicherer Gang oder Stürze
- ⚠Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang
Häufige Symptome
- Kribbeln oder Ameisenlaufen in Händen und Füßen
- zunehmende Schwäche in den Beinen
- Schwierigkeiten beim Gehen oder Treppensteigen
- Schwäche in Armen, Gesicht oder anderen Muskeln
- Schmerzen, besonders im Rücken oder in den Beinen
- Taubheitsgefühle oder Empfindungsstörungen
- Doppelbilder oder Schluckbeschwerden
Symptome bei Kindern
- Kinder zeigen oft unspezifische Symptome wie Schmerzen oder unsicheres Gehen
- Sie können ungewöhnlich müde, reizbar oder weinerlich sein
- Die Diagnose wird bei Kindern manchmal später gestellt, weil die Beschwerden zunächst harmlos erscheinen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Schwäche kann schneller fortschreiten
- Bestehende Erkrankungen wie Diabetes oder Herzprobleme können die Erholung beeinflussen
- Das Risiko für Komplikationen wie Lungenentzündung oder Blutgerinnsel ist höher
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Man geht davon aus, dass das Immunsystem nach einer Infektion fälschlicherweise die eigenen Nerven angreift.
- Häufig geht ein Infekt mit Durchfall oder eine Atemwegsinfektion voraus – zum Beispiel ausgelöst durch Bakterien wie Campylobacter oder durch Viren.
- In sehr seltenen Fällen werden auch Operationen oder Impfungen als mögliche Auslöser diskutiert, der Zusammenhang ist aber nicht sicher geklärt.
Risikofaktoren
- Eine vorangegangene Infektion, insbesondere mit Campylobacter jejuni (häufiger Auslöser von Durchfallerkrankungen)
- Eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber) oder Zytomegalievirus
- Eine Operation oder ein Krankenhausaufenthalt können in seltenen Fällen vorausgehen
- Das Alter: Erwachsene und ältere Menschen sind häufiger betroffen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich eine Schwäche in den Beinen bemerken
- Wenn Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit zunehmen und sich ausbreiten
- Wenn Sie unsicher gehen, Treppen nicht mehr bewältigen oder Dinge nicht mehr festhalten können
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie neu auftretende, unerklärliche Beschwerden wie Kribbeln oder Muskelschwäche haben, die über ein paar Tage anhalten
Diagnose
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt – in der Regel eine Fachärztin oder ein Facharzt für Neurologie. Wichtig sind die Krankengeschichte und eine gründliche körperliche Untersuchung. Zusätzlich werden die Nervenleitung und das Nervenwasser untersucht.
Mögliche Untersuchungen
- Nervenleitgeschwindigkeitstest (Elektroneurographie) – misst, wie schnell Nervenimpulse weitergeleitet werden
- Elektromyographie (EMG) – untersucht die Aktivität der Muskeln
- Lumbalpunktion – Entnahme von Nervenwasser aus dem Rückenmarkskanal
- Blutuntersuchungen – zum Ausschluss anderer Erkrankungen
- Manchmal bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen finden meist im Krankenhaus statt. Da das Guillain-Barré-Syndrom schnell fortschreiten kann, wird man zur Beobachtung und Sicherheit oft stationär aufgenommen. Das klingt beunruhigend, aber die enge medizinische Überwachung ist wichtig und gibt Sicherheit.
Behandlung
Das Guillain-Barré-Syndrom wird in der Regel im Krankenhaus behandelt. Es gibt keine Tablette, die die Krankheit sofort stoppt. Ziel der Behandlung ist es, die fehlgeleitete Immunreaktion abzuschwächen und Komplikationen zu vermeiden. Parallel hilft eine intensive Rehabilitation, Kraft und Beweglichkeit wiederzugewinnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Unterstützung für den Alltag an – das ist kein Zeichen von Schwäche
- Bewegen Sie sich nur so, wie es Ihr Behandlungsteam Ihnen erlaubt
- Achten Sie auf ausreichend Ruhe und Schlaf
- Sprechen Sie offen über Ihre Ängste und Sorgen – bei Angehörigen oder im Gesundheitsteam
Medizinische Behandlungen
Es gibt zwei Behandlungsansätze, die im Krankenhaus angewendet werden: die Gabe von Immunglobulinen (Antikörper) über eine Infusion und die Plasmapherese (eine Art Blutwäsche). Beide sollen die fehlgeleitete Immunreaktion abschwächen. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheidet das medizinische Team individuell. Zusätzlich kommen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie zum Einsatz, um Muskeln zu stärken, den Alltag zu trainieren und Sprach- oder Schluckproblemen entgegenzuwirken.
Leben mit der Erkrankung
Die Erholung nach einem Guillain-Barré-Syndrom dauert oft Monate. In der ersten Zeit sind viele Menschen auf Hilfe angewiesen. Mit Fortschritten in der Physiotherapie kehren Kraft und Beweglichkeit nach und nach zurück. Planen Sie Pausen ein und setzen Sie sich realistische Ziele – jeder Schritt zählt.
Tipps für den Alltag
- Haben Sie Geduld – der Körper braucht Zeit, sich zu erholen
- Bleiben Sie in Bewegung, aber vermeiden Sie Überanstrengung
- Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt über Rehabilitationsmaßnahmen
- Halten Sie soziale Kontakte aufrecht, auch wenn Sie sich eingeschränkt fühlen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Nerven und Muskeln. Wenn das Schlucken schwerfällt, kann eine Ernährungsberatung helfen. Bewegung und Physiotherapie sind zentral: Nach Absprache mit Ihrem Behandlungsteam können Sie sanfte Übungen in den Alltag einbauen – am besten mit professioneller Anleitung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine plötzliche Lähmung ist seelisch sehr belastend. Angst, Unsicherheit und depressive Verstimmungen sind häufig. Scheuen Sie sich nicht, psychologische Unterstützung zu suchen. Auch Gespräche mit Angehörigen und der Austausch mit anderen Betroffenen können helfen. Bei akuter seelischer Krise wenden Sie sich an eine psychosoziale Beratungsstelle oder die Telefonseelsorge in Ihrer Nähe.
Vorbeugung
Das Guillain-Barré-Syndrom lässt sich nicht sicher verhindern, da die auslösenden Faktoren nicht vollständig geklärt sind. Eine allgemein gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung unterstützt das Immunsystem. Ein spezifischer Schutz besteht jedoch nicht.
Impfungen
Die Rolle von Impfungen wird in der Wissenschaft diskutiert, und sehr seltene Fälle nach einer Impfung sind beschrieben worden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) wägt Nutzen und Risiken von Impfungen sorgfältig ab. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie Fragen zu Impfungen haben.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung können die Lähmungen weiter aufsteigen und die Atemmuskulatur beeinträchtigen – das kann lebensbedrohlich sein
- Es können Schluckstörungen auftreten, die zu Lungenentzündung führen können
- Blutdruck- oder Herzrhythmusstörungen sind möglich
- Eine längere Bettlägerigkeit erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und Muskelschwund
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit Guillain-Barré-Syndrom erholen sich, auch wenn die Erholung Monate dauern kann. Etwa 80 von 100 Betroffenen können nach einem Jahr wieder weitgehend selbstständig leben. Manche haben anhaltende Beschwerden wie Müdigkeit, Kribbeln oder eine gewisse Schwäche. Eine gute medizinische Betreuung und eine konsequente Rehabilitation verbessern die Aussichten deutlich. Es gibt keinen Grund, den Mut zu verlieren.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.