Unfruchtbarkeit – wenn es mit dem Schwangerwerden nicht klappt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Unfruchtbarkeit bedeutet, dass ein Paar nach einem Jahr regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht schwanger wird. Der medizinische Fachbegriff lautet Infertilität. Das heißt nicht, dass nie eine Schwangerschaft möglich ist – nur, dass es nicht sofort klappt.
Wichtige Fakten
- Unfruchtbarkeit betrifft etwa jedes sechste Paar im deutschsprachigen Raum.
- Die Ursache kann bei der Frau, beim Mann oder bei beiden liegen.
- Das Alter spielt eine große Rolle: Mit zunehmendem Alter sinkt die Fruchtbarkeit.
- Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten – von Beratung bis zu künstlicher Befruchtung.
Ja, ungewollte Kinderlosigkeit ist häufig. Etwa jedes sechste bis siebte Paar ist betroffen. Rund ein Zehntel aller Paare sucht ärztliche Hilfe.
Unfruchtbarkeit kann Frauen und Männer in jedem Alter betreffen. Die Fruchtbarkeit nimmt jedoch mit dem Alter ab – besonders bei Frauen nach dem 35. Lebensjahr und bei Männern nach dem 45. Lebensjahr.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112, wenn plötzlich starke Bauch- oder Beckenschmerzen auftreten, besonders mit Übelkeit, Erbrechen oder Ohnmacht.
- Bei sehr starken Blutungen außerhalb der normalen Regelblutung sollten Sie ebenfalls den Notruf 112 wählen.
- Wenn Sie schwanger sein könnten und starke Schmerzen oder Schwindel bekommen, ist das ein Notfall – rufen Sie 112.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe, wenn Sie starke Unterleibsschmerzen mit Fieber haben.
- ⚠Wenn Sie plötzlich ungewöhnlich starke oder unregelmäßige Blutungen bemerken, sprechen Sie noch am selben Tag mit einer Ärztin oder einem Arzt.
- ⚠Wenn Sie unter der emotionalen Belastung stark leiden oder Gedanken an Selbstverletzung haben, holen Sie sofort Unterstützung – etwa über die Telefonseelsorge oder eine ärztliche Bereitschaftspraxis.
Häufige Symptome
- Unfruchtbarkeit selbst verursacht keine Schmerzen oder andere Beschwerden.
- Unregelmäßige oder ganz ausbleibende Monatsblutung kann ein Hinweis sein.
- Schmerzhafte Regelblutung oder wiederholte Fehlgeburten können ein Zeichen sein.
- Beim Mann können Erektions- oder Ejakulationsstörungen ein Anzeichen sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Störungen des Eisprungs bei der Frau, zum Beispiel durch Hormonstörungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS).
- Verklebte oder verschlossene Eileiter, die die Eizelle nicht hindurchlassen.
- Endometriose – eine Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst.
- Probleme beim Mann mit der Menge, Form oder Beweglichkeit der Spermien.
- Störungen im Zusammenspiel von Immunsystem und Fortpflanzung.
- Altersbedingter Rückgang der Fruchtbarkeit.
- Bei manchen Paaren findet sich trotz aller Untersuchungen keine erkennbare Ursache.
Risikofaktoren
- Alter der Frau über 35 Jahre
- Alter des Mannes über 45 Jahre
- Übergewicht oder starkes Untergewicht
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Drogenkonsum, zum Beispiel Cannabis oder Anabolika
- Dauerhafter emotionaler Stress
- Infektionen im Genitalbereich, die unbehandelt die Eileiter oder Samenwege schädigen
- Kontakt mit Umweltgiften oder Schadstoffen am Arbeitsplatz
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, starken Schmerzen im Bauch oder Becken.
- Bei starken oder ungewöhnlichen Blutungen.
- Wenn Sie unter der seelischen Belastung sehr stark leiden – zögern Sie nicht, ärztliche Hilfe zu suchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie unter 35 Jahre alt sind und seit mindestens einem Jahr regelmäßig ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, ohne dass eine Schwangerschaft eintritt.
- Wenn Sie über 35 Jahre alt sind, sollten Sie bereits nach sechs Monaten ärztlichen Rat suchen.
- Wenn bei Ihnen oder Ihrem Partner bekannte Risiken bestehen, wie unregelmäßige Zyklen, frühere Operationen oder bekannte Erkrankungen.
- Wenn Sie wiederholt Fehlgeburten hatten.
Diagnose
Die Diagnose „Unfruchtbarkeit“ wird in der Regel dann gestellt, wenn ein Paar seit mindestens einem Jahr ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte, ohne schwanger zu werden. Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach der Krankengeschichte, den Lebensgewohnheiten und untersucht beide Partner körperlich. Die Untersuchung erfolgt meist ambulant und dauert einige Wochen.
Mögliche Untersuchungen
- Sorgfältiges Gespräch über die Krankengeschichte und bisherige Schwangerschaften
- Körperliche Untersuchung bei Frau und Mann
- Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter und der Eierstöcke
- Blutuntersuchung zur Bestimmung der Hormonwerte
- Samenanalyse beim Mann (Spermiogramm)
- Test zur Durchgängigkeit der Eileiter (z. B. Kontrastmittel-Ultraschall oder Bauchspiegelung)
- Gegebenenfalls weitere Tests, etwa genetische Untersuchungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die fruchtbarkeitsdiagnostischen Untersuchungen finden meist ambulant statt und erstrecken sich über einige Wochen. Dabei werden sowohl die Frau als auch der Mann untersucht. Das ist wichtig, weil die Ursache zu etwa gleichen Teilen bei beiden liegen kann. Ihr Ärzteteam wird jeden Schritt erklären und auf Ihre Fragen eingehen. Die aktuellen Empfehlungen der deutschen Fachgesellschaften (AWMF-Leitlinien) werden dabei berücksichtigt.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sie kann von einer ausführlichen Beratung über Medikamente, die den Eisprung fördern, bis hin zu operativen Eingriffen oder künstlicher Befruchtung reichen. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vom Alter, der Dauer des Kinderwunsches und den gefundenen Ursachen ab.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie ein gesundes Körpergewicht – weder starkes Übergewicht noch starkes Untergewicht.
- Verzichten Sie auf das Rauchen und trinken Sie nur wenig Alkohol.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber übertreiben Sie es nicht – zu intensiver Leistungssport kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
- Reduzieren Sie Stress, zum Beispiel durch Entspannungsübungen, Spaziergänge oder bewusste Auszeiten.
- Beobachten Sie Ihren Zyklus, um den Zeitpunkt des Eisprungs besser zu erkennen.
- Suchen Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin das Gespräch und setzen Sie sich nicht unter Druck.
Medizinische Behandlungen
Zu den medizinischen Behandlungen gehören hormonelle Therapien, um den Eisprung anzuregen, sowie Verfahren der künstlichen Befruchtung wie die Insemination (das Einbringen von Spermien in die Gebärmutter) oder die In-vitro-Fertilisation (IVF). Diese Verfahren werden in spezialisierten Kinderwunschzentren durchgeführt. Die Ärztinnen und Ärzte wirken nach den aktuellen Leitlinien und klären Sie ausführlich über Nutzen und Risiken auf. Welche Behandlung im Einzelfall infrage kommt, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem medizinischen Team besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn verklebte Eileiter die Ursache sind, wenn Endometriose-Herde entfernt werden sollen oder wenn beim Mann eine Verstopfung der Samenwege vorliegt. Auch gutartige Veränderungen wie Myome in der Gebärmutter können operativ behandelt werden. Ob ein Eingriff möglich ist, klärt die Fachärztin oder der Facharzt.
Leben mit der Erkrankung
In der Zeit der Kinderwunschbehandlung kann der Alltag sehr anstrengend sein. Sie müssen nicht immer über das Thema sprechen und dürfen dir Zeit nehmen, in der Sie Abstand gewinnen. Paare erleben diese Phase unterschiedlich. Gemeinsame Gespräche, Verständnis und das Einplanen schöner Aktivitäten können helfen.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Erholung.
- Pflegen Sie Hobbys und Freundschaften – auch außerhalb des Themas Kinderwunsch.
- Entspannungsverfahren wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können die seelische Belastung mindern.
- Halten Sie regelmäßige, moderate Bewegung in Ihren Alltag ein.
- Sprechen Sie offen mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über Gefühle und Ängste.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt die allgemeine Gesundheit. Auf Rauchen und Alkohol sollten Sie möglichst verzichten. Moderate Bewegung wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren ist ideal – sie baut Stress ab und hält den Körper fit, ohne die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ungewollte Kinderlosigkeit kann Gefühle wie Trauer, Schuld, Wut, Angst oder Neid hervorrufen. Das ist normal und verständlich. Scheuen Sie sich nicht, seelische Unterstützung zu suchen – zum Beispiel bei einer psychologischen Beratung oder in Selbsthilfegruppen. Wenn Sie das Gefühl haben, die Situation allein nicht mehr zu bewältigen, oder wenn Gedanken an Selbstverletzung auftauchen, suchen Sie bitte sofort Hilfe, etwa über die Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Nicht alle Ursachen von Unfruchtbarkeit lassen sich verhindern. Aber Sie können einige Risiken verringern: ein gesundes Körpergewicht, Verzicht auf Rauchen und Drogen, maßvoller Alkoholkonsum, Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen und ein bewusster Umgang mit Ihrem Kinderwunsch – je früher Sie ärztlichen Rat suchen, desto mehr Handlungsmöglichkeiten haben Sie.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Unfruchtbarkeit. Einige Impfungen können jedoch helfen, Infektionen zu vermeiden, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können – zum Beispiel Impfungen gegen Röteln oder Mumps. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Fruchtbarkeit gibt es nicht. Regelmäßige gynäkologische und urologische Vorsorgeuntersuchungen können jedoch Erkrankungen wie Endometriose, Infektionen oder Hormonstörungen frühzeitig erkennen. Wenn Sie über 35 sind oder einen länger aufgeschobenen Kinderwunsch haben, kann eine frühzeitige Beratung sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung bleibt der Kinderwunsch unter Umständen unerfüllt.
- Manche Ursachen wie Infektionen oder hormonelle Störungen können sich verschlimmern.
- Die seelische Belastung kann zunehmen und zu Partnerschaftskonflikten führen.
- Wenn Sie die Diagnose nicht abklären lassen, kann sich Ihre Unsicherheit verlängern – dabei gäbe es vielleicht einfache Lösungen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute besser als früher. Viele Paare erreichen mit Unterstützung eine Schwangerschaft – manchmal schon mit einfachen Anpassungen des Lebensstils, manchmal mit medizinischer Hilfe. Die Medizin bietet vielfältige Wege. Auch wenn es nicht zu einer Schwangerschaft kommt, gibt es erfüllte Lebenswege ohne Kinder – das ist eine sehr persönliche Entscheidung.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.