Glomerulonephritis – wenn die Nierenfilter entzündet sind
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Glomerulonephritis ist eine Entzündung in den Nieren. Die Nieren enthalten Millionen kleiner Filter, die das Blut reinigen. Diese Filter heißen Glomeruli. Wenn sie entzündet sind, gelangen zu viel Eiweiß und manchmal Blut in den Urin. Außerdem kann die Niere Giftstoffe schlechter ausscheiden.
Wichtige Fakten
- Glomerulonephritis ist kein einzelnes Leiden, sondern ein Sammelbegriff für mehrere entzündliche Nierenerkrankungen.
- Sie kann plötzlich auftreten oder über Jahre unbemerkt bleiben.
- Wichtig ist eine frühe Diagnose, um die Nieren so lange wie möglich zu schützen.
- Blut im Urin ist oft unsichtbar und fällt nur beim Urintest auf.
Die Glomerulonephritis ist selten. Sie zählt aber zu den häufigeren Ursachen für Nierenschwäche bei jüngeren Erwachsenen.
Sie kann alle Altersgruppen betreffen – vom Kind bis zu älteren Menschen. Manche Formen kommen bei Männern häufiger vor, andere treten bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen auf.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112 bei plötzlicher Atemnot oder dem Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Rufen Sie sofort die 112, wenn Sie über Stunden gar keinen Urin mehr lassen können
- Rufen Sie sofort die 112 bei schweren Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder Verwirrtheit
- Rufen Sie sofort die 112 bei Krampfanfällen
- ⚠Deutliches Blut im Urin
- ⚠Stark schäumender Urin
- ⚠Plötzliche starke Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen
- ⚠Sehr stark erhöhter Blutdruck
- ⚠Rasche Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
Häufige Symptome
- Blut im Urin – rötlich oder nur im Labor nachweisbar
- Schaum im Urin – ein mögliches Zeichen für Eiweiß im Urin
- Geschwollene Augenlider, Hände oder Knöchel
- Hoher Blutdruck
- Weniger Urin als gewöhnlich
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsstörungen
Symptome bei Kindern
- Rötlich-brauner Urin, oft ein bis zwei Wochen nach einem Infekt
- Geschwollenes Gesicht, besonders morgens
- Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen
- Weniger Wasserlassen als üblich
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schwellungen an den Beinen
- Unklare Schwäche und Antriebslosigkeit
- Blutdruck, der schwer einzustellen ist
- Veränderte Urinmenge
Ursachen
Hauptursachen
- Infektionen: zum Beispiel eine durch Streptokokken ausgelöste Mandelentzündung oder Hautinfektion
- Autoimmunerkrankungen: Das Immunsystem greift versehentlich die eigenen Nierenfilter an
- IgA-Nephritis: Eine Form, bei der sich Antikörper in den Nierenfiltern ablagern
- Manchmal findet sich keine genaue Ursache
Risikofaktoren
- Wiederkehrende oder nicht ausreichend behandelte Infektionen
- Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder Vaskulitis
- Bluthochdruck oder Diabetes
- Nierenbelastende Schmerzmittel in hohen Mengen
- Rauchen – es belastet die Gefäße und Nieren
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei sichtbarem Blut im Urin
- Bei stark schäumendem Urin
- Bei neuen Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen
- Bei deutlich weniger Urin als normal
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn über Wochen unklare Müdigkeit oder geschwollene Beine bestehen
- Wenn die Hausärztin oder der Hausarzt Eiweiß oder Blut im Urin festgestellt hat
- Wenn der Blutdruck auffällig oft erhöht ist
Diagnose
Zuerst erfragt die Ärztin oder der Arzt Ihre Beschwerden und untersucht Sie. Im nächsten Schritt werden Urin und Blut untersucht. Bei Verdacht auf eine Glomerulonephritis überweist sie Sie an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Nierenkrankheiten (Nephrologie). Die Versorgung folgt dabei aktuellen medizinischen Leitlinien (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Urintest: Teststreifen und Urinlabor auf Blut und Eiweiß
- Blutuntersuchung: Nierenwerte, Elektrolyte, Entzündungszeichen und Antikörper
- Ultraschall der Nieren: Größe, Form und Durchblutung prüfen
- Nierenbiopsie: Eine kleine Gewebeprobe mit einer dünnen Nadel wird entnommen und unter dem Mikroskop untersucht
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind für Sie kaum spürbar. Bei einer Nierenbiopsie wird die Haut örtlich betäubt. Sie müssen danach einige Stunden flach liegen und werden überwacht. In der Regel verbringen Sie dafür eine Nacht im Krankenhaus.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und Form der Entzündung. Ziel ist es, die Entzündung zu bremsen, den Blutdruck zu senken und die Nieren zu schützen. Die Nephrologin oder der Nephrologe erstellt einen individuellen Behandlungsplan.
Selbsthilfe zu Hause
- Verordnete Medikamente regelmäßig und genau nach Anweisung einnehmen
- Blutdruck zu Hause messen, wenn es die Ärztin oder der Arzt empfiehlt
- Keine rezeptfreien Schmerzmittel ohne ärztliche Rücksprache
- Nicht rauchen und Alkohol nur in Maßen
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die den Blutdruck senken und die Eiweißausscheidung über die Nieren verringern. Bei bestimmten entzündlichen Formen kommen Heilverfahren zum Einsatz, die das Immunsystem beruhigen. Manche Menschen brauchen entwässernde Medikamente (Diuretika), um Schwellungen zu reduzieren. Welche Kombination für Sie passt, entscheidet allein die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Glomerulonephritis nur selten nötig. Wenn die Nierenfunktion stark abnimmt, kann später eine Blutwäsche (Dialyse) oder eine Nierentransplantation infrage kommen. Das wird rechtzeitig gemeinsam mit Ihnen besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Eine Glomerulonephritis bedeutet meist eine längere Begleitung durch die Medizin. Regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Urin und Nierenwerten sind das A und O. So bleiben Veränderungen früh sichtbar.
Tipps für den Alltag
- Sanfte Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen – am besten in Absprache mit Ihrem Behandlungsteam
- Ausreichend Schlaf und Pausen einplanen
- Stress abbauen durch Atemübungen, Musik oder Gespräche
- Mit dem Rauchen aufhören, falls Sie rauchen – Unterstützung gibt es bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
Ernährung und Bewegung
Eine nicht zu salzige, ausgewogene Ernährung entlastet die Nieren. Wie viel Eiweiß, Kalium oder Flüssigkeit für Sie persönlich richtig ist, hängt von Ihrer Nierenfunktion ab. Besprechen Sie das mit Ihrer Nephrologin oder Ihrem Nephrologen – und bewegen Sie sich so viel, wie es Ihnen guttut.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose kann verunsichern und belasten. Das ist verständlich. Es hilft, mit Angehörigen oder einer psychologischen Beratung darüber zu sprechen. Wenn Sie sich in einer seelischen Krise fühlen, suchen Sie sofort ärztliche Hilfe oder rufen Sie die 112.
Vorbeugung
Eine Glomerulonephritis lässt sich nicht immer verhindern. Sie können die Nieren aber entlasten, indem Sie Infektionen konsequent behandeln lassen, auf Ihren Blutdruck achten und Schmerzmittel nicht unkritisch einnehmen.
Impfungen
Lassen Sie sich zu empfohlenen Impfungen beraten, zum Beispiel gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken. Impfungen können Infektionen vermeiden, die den Körper und die Nieren belasten.
Früherkennungsprogramme
Ein einfacher Urintest beim Hausarzt kann früh Hinweise auf eine Nierenerkrankung geben. Lassen Sie Blutdruck und Urin regelmäßig kontrollieren, besonders wenn in Ihrer Familie Nierenerkrankungen bekannt sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende Nierenschwäche bis zum Nierenversagen
- Anhaltend hoher Blutdruck mit Folgen für Herz, Gefäße und Augen
- Nephrotisches Syndrom: sehr viel Eiweiß im Urin mit starken Schwellungen
- Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen bei bestimmten entzündlichen Formen
Langzeitprognose
Viele Menschen mit Glomerulonephritis können heute lange stabil bleiben. Bei einem Teil heilt die Entzündung sogar aus. Wenn die Nierenfunktion nachlässt, gibt es wirksame Behandlungen, um das Fortschreiten zu verlangsamen. Und auch Dialyse oder Transplantation bieten gute Möglichkeiten, mit der Erkrankung zu leben.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Fragen Sie in Ihrer nephrologischen Praxis oder im Klinikum nach Patientenschulungen und regionalen Selbsthilfegruppen für Nierenerkrankungen. · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.