Harnsäuresteine: Ursachen, Symptome und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Harnsäuresteine sind feste Ablagerungen aus Harnsäure, die sich in den Nieren oder den Harnwegen bilden können. Sie entstehen, wenn der Urin zu viel Harnsäure enthält und zu sauer ist. Viele Steine sind klein und machen keine Beschwerden, andere können starke Schmerzen verursachen.
Wichtige Fakten
- Harnsäuresteine entstehen, wenn der Urin zu viel Harnsäure enthält und zu sauer ist.
- Sie verursachen oft kolikartige Schmerzen im Rücken oder Unterleib.
- Mit viel Trinken und einer angepassten Ernährung lassen sich neue Steine häufig vermeiden.
- Harnsäuresteine stehen oft mit Gicht, Übergewicht oder Diabetes in Zusammenhang.
Harnsäuresteine sind in Deutschland seltener als Kalziumsteine, aber sie sind die häufigste Art der „nicht-kalkhaltigen“ Harnsteine. Etwa 5 bis 10 Prozent aller Nierensteine bestehen aus Harnsäure.
Harnsäuresteine betreffen häufiger Männer als Frauen, vor allem im mittleren oder höheren Alter. Menschen mit Gicht, Diabetes, Übergewicht oder familiärer Vorbelastung haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Starke Schmerzen, die trotz Ruhe nicht aufhören und Sie kaum still sitzen lassen
- Fieber mit Schüttelfrost
- Sehr wenig oder kein Urin über mehrere Stunden
- Deutlich sichtbares Blut im Urin
- ⚠Anhaltende Schmerzen über mehrere Stunden oder immer wiederkehrende Koliken
- ⚠Übelkeit und Erbrechen, sodass Sie keine Flüssigkeit zu sich nehmen können
- ⚠Brennen beim Wasserlassen mit Fieber
- ⚠Wenn ein bereits bekannter Stein den Urinabfluss blockiert
Häufige Symptome
- Kolikartige Schmerzen in der Seite oder im Rücken
- Schmerzen im Unterleib oder in der Leiste
- Blut im Urin – der Urin ist dann rötlich oder bräunlich
- Häufiges Wasserlassen oder Brennen beim Wasserlassen
- Übelkeit und Erbrechen
- Trüber oder besonders dunkler Urin
Symptome bei Kindern
- Harnsteine sind bei Kindern insgesamt selten. Wenn sie auftreten, zeigen sich oft nur Bauchschmerzen ohne klare Ursache.
- Wiederholte Harnwegsinfektionen können bei Kindern ein Zeichen für Harnsteine sein.
- Blut im Urin kann auch beim Kind auf einen Stein hinweisen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen fehlen typische Schmerzen oft ganz.
- Stattdessen können Verwirrtheit, Abgeschlagenheit oder Fieber auftreten.
- Ein plötzlicher Rückgang der Urinmenge oder trüber Urin kann ein Hinweis sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Zu viel Harnsäure im Blut und im Urin – zum Beispiel bei Gicht oder anderen Stoffwechselstörungen
- Ein zu saurer Urin – das begünstigt, dass Harnsäure zu Kristallen wird
- Zu wenig Flüssigkeitsaufnahme – dann wird der Urin konzentriert und die Harnsäure reichert sich an
Risikofaktoren
- Ernährung mit viel Fleisch, Wurst, Innereien, Meeresfrüchten und Alkohol – besonders Bier
- Übergewicht und Diabetes
- Familiäre Veranlagung
- Medikamente, die den Harnsäurespiegel erhöhen können – zum Beispiel bestimmte Wassertabletten oder ein Teil der Schmerzmittel aus der Gruppe der Salicylate
- Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Starke Schmerzen, die länger als eine Stunde anhalten oder in Wellen wiederkommen
- Fieber oder Schüttelfrost
- Sichtbares Blut im Urin
- Wenn Sie nur noch wenig oder gar keinen Urin lassen können
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie schon einmal einen Harnstein hatten und erneut ähnliche Beschwerden auftreten
- Wenn Sie eine Nierenerkrankung oder Gicht haben und Veränderungen bemerken
- Wenn Sie ohne erkennbaren Grund trüben oder übel riechenden Urin haben
Diagnose
Ihr Hausarzt oder eine urologische Praxis wird zunächst ausführlich mit Ihnen über Ihre Beschwerden sprechen und den Bauch und die Nierengegend untersuchen. Danach helfen Urin- und Bluttests, die Ursache einzugrenzen.
Mögliche Untersuchungen
- Urintest: Hier wird nach Blut, Harnsäurekristallen und möglichen Infektionen gesucht.
- Bluttest: Er misst die Nierenwerte, den Harnsäurespiegel und Entzündungszeichen.
- Ultraschall (Sonographie): Er zeigt, ob ein Stein in Niere oder Harnleiter sitzt.
- Bei speziellen Fragen: Eine Computertomographie (CT) kann kleinste Steine sichtbar machen.
- Wenn ein Stein abgegangen ist, kann er im Labor analysiert werden, um die genaue Steinsorte zu bestimmen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und finden ambulant statt. Sie müssen keine Angst haben. Der Arzt erklärt jeden Schritt und beantwortet Ihre Fragen. Wenn der Stein nicht sofort behandlungsbedürftig ist, schlägt der Arzt eine individuelle Kontrolle vor.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, den Stein zu entfernen oder abgehen zu lassen und dafür zu sorgen, dass sich keine neuen Steine bilden. Die richtige Therapie hängt von Größe, Lage und Beschwerden ab. Bei kleineren Steinen reicht oft viel Trinken und eine Harnansäuerung zu vermeiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie über den Tag verteilt 2,5 bis 3 Liter, vor allem Wasser oder ungesüßte Kräutertees – immer in Rücksprache mit Ihrem Arzt, falls Sie eine Herz- oder Nierenschwäche haben.
- Bewegung und Wärme, zum Beispiel eine Wärmflasche auf der schmerzenden Stelle, können Spannungen lösen.
- Bei leichten Schmerzen können Sie mit Ihrem Arzt besprechen, welche Schmerzmittel für Sie geeignet sind — nehmen Sie keine Medikamente ohne Rücksprache.
- Lassen Sie sich nicht durch Schmerzen davon abhalten, auf die Toilette zu gehen – Trinken und Wasserlassen fördern den Steinaustritt.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann Medikamente verschreiben, die den Harnsäurespiegel im Blut senken oder dafür sorgen, dass der Urin weniger sauer wird. Diese Medikamente wirken nur, wenn sie regelmäßig und in der verordneten Dosis eingenommen werden. Auch eine begleitende Schmerztherapie ist möglich. Bei einem Harnwegsinfekt kann der Arzt zusätzlich ein Antibiotikum verordnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation oder ein Eingriff ist nötig, wenn der Stein sehr groß ist, den Harnleiter vollständig verschließt, wiederkehrende Infektionen verursacht oder starke Schmerzen trotz Behandlung nicht aufhören. Beispiele für solche Verfahren sind die Stoßwellenbehandlung (ESWL), der Eingriff mit einem dünnen Endoskop oder in seltenen Fällen eine kleine Operation durch die Haut.
Leben mit der Erkrankung
Trinken Sie gleichmäßig über den Tag, nicht nur einmal große Mengen. Nehmen Sie Ihre Medikamente genau so ein, wie es der Arzt verordnet hat. Führen Sie bei wiederkehrenden Steinen ein kleines Tagebuch über Ihre Trinkmenge und Ernährungsgewohnheiten – das hilft im Gespräch mit dem Arzt, Auslöser zu erkennen.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie täglich mindestens 2,5 bis 3 Liter – am besten Wasser, ungesüßten Tee oder dünne Saftschorlen.
- Essen Sie ausgewogen und verzichten Sie auf sehr große Fleischportionen, insbesondere Innereien und Meeresfrüchte.
- Alkohol – besonders Bier – nur in Maßen, denn er erhöht den Harnsäurespiegel.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren.
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, aber ohne extreme Diäten.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und ausreichend Milchprodukten ist empfehlenswert. Purinreiche Lebensmittel wie Innereien, Sardinen, Anchovis oder Wild sollten Sie nur gelegentlich essen. Regelmäßige Bewegung hilft, den Harnsäurespiegel zu senken und unterstützt ein stabiles Körpergewicht.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Immer wiederkehrende Harnsteine können sehr belastend sein und Angst vor Schmerzen machen. Das ist verständlich. Scheuen Sie sich nicht, darüber zu sprechen – mit Ihrem Hausarzt, einem Urologen oder einer Selbsthilfegruppe. Auch Familie und Freunde können eine wichtige Stütze sein.
Vorbeugung
Ja, einer Neubildung von Harnsäuresteinen können Sie aktiv vorbeugen. Wichtig sind vor allem viel Trinken, eine purinärmere Ernährung, ein gesundes Gewicht und – wenn Ihr Arzt es verordnet hat – die regelmäßige Einnahme eines Medikaments, das den Harnsäurespiegel senkt.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Harnsäuresteine.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie bereits einmal Harnsteine hatten, ist eine regelmäßige Kontrolle beim Hausarzt oder Urologen sinnvoll. Sie können selbst ein Auge auf Ihren Urin und Ihre Trinkmenge haben. Ein Routine-Screening für alle Menschen ist nicht nötig.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Nierenstauung, bei der der Urin nicht mehr richtig abfließen kann
- Dadurch langfristige Schädigung der Niere bis hin zu einer Nierenfunktionseinschränkung
- Wiederholte Harnwegsinfekte
- Entzündung des Nierenbeckens, wenn Bakterien aufsteigen
- Anhaltende, starke Schmerzattacken (Koliken)
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut. Mit der richtigen Behandlung, viel Flüssigkeit und einer angepassten Lebensweise bleiben die Nieren bei den meisten Menschen dauerhaft gesund. Auch wenn ein Stein operiert werden muss, erholen sich die meisten Betroffenen gut. Wichtig ist, die Empfehlungen Ihres Arztes zu befolgen und regelmäßig zur Kontrolle zu gehen.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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