Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine seltene, aber ernste Erkrankung. Sie entsteht häufig nach einer Infektion mit bestimmten Bakterien (EHEC). Dabei werden kleine Blutgefäße verletzt, rote Blutkörperchen zerstört und die Nieren überlastet. Der Körper verliert dadurch wichtige Blutplättchen und die Nieren können nicht mehr richtig arbeiten.
Wichtige Fakten
- HUS tritt oft nach einer Magen-Darm-Infektion mit EHEC-Bakterien auf.
- Es kann zu Nierenschäden und Blutarmut kommen.
- Eine schnelle Behandlung im Krankenhaus ist sehr wichtig.
HUS ist selten. In Deutschland gibt es pro Jahr nur wenige hundert Fälle, die meisten davon bei Kindern.
HUS betrifft vor allem Kinder unter fünf Jahren. Aber auch ältere Menschen oder Personen mit geschwächtem Abwehrsystem können daran erkranken.
Symptome
- Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit
- Atemnot
- Seit 12 Stunden oder länger kein Urin
- Sichtbares Blut im Stuhl oder Erbrechen
- Plötzliche Sprach- oder Sehstörungen als mögliches Zeichen eines Schlaganfalls
- ⚠Durchfall, der nicht aufhört oder zunehmend wässrig ist
- ⚠Zusätzlicher blutiger Durchfall
- ⚠Anhaltende Bauchkrämpfe
- ⚠Anzeichen von Flüssigkeitsmangel: trockener Mund, eingesunkene Augen
- ⚠Fieber, das über 39 °C steigt
Häufige Symptome
- Durchfall, oft blutig
- Erbrechen und Übelkeit
- Bauchschmerzen
- Fieber
- Müdigkeit und Schwäche
- Spürbar weniger Urin
- Blasse Haut, kleine blaue Flecken
- Geschwollene Beine oder Augenlider
- Verwirrtheit oder Unruhe
Symptome bei Kindern
- Anhaltender Durchfall
- Weinen oder Quengeln wegen Bauchschmerzen
- Müde und teilnahmslos
- Weniger nasse Windeln als üblich
- Blass sein
- Blut im Stuhl
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit
- Deutlich weniger Urin
- Geschwollene Beine oder Knöchel
- Kurzatmigkeit
- Sehr hoher Blutdruck
- Allgemeine Schwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Infektion mit EHEC-Bakterien (enterohämorrhagische E. coli)
- Andere Darminfektionen
- In seltenen Fällen bestimmte Medikamente
- Schwangerschaft oder Immunerkrankungen
Risikofaktoren
- Kindesalter (unter 5 Jahren)
- Kontakt zu Wiederkäuern oder Bauernhöfen
- Verzehr von rohem oder nicht durchgegartem Fleisch, besonders Rindfleisch
- Unpasteurisierte Milch
- Geschwächtes Immunsystem
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie oder Ihr Kind blutigen Durchfall haben
- Wenn Durchfall länger als drei Tage anhält
- Bei starken Bauchschmerzen
- Wenn die Urinmenge deutlich abnimmt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltender Müdigkeit, blasser Haut oder Schwellungen
- Nach einer Darminfektion, wenn Sie sich Sorgen machen
Diagnose
Der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und einer möglichen Infektion. Er wird eine Blut- und Stuhlprobe sowie eine Urinprobe anordnen, um die Nierenfunktion und Anzeichen von Blutgerinnungsstörungen zu prüfen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest mit Nierenwerten, Blutbild und Blutplättchen
- Stuhlprobe auf EHEC-Bakterien
- Urinuntersuchung
- Blutdruckmessung
- Ultraschall der Nieren, falls nötig
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert etwas. Wenn der Verdacht auf HUS besteht, wird meist sofort eine Krankenhauseinweisung veranlasst. Im Krankenhaus können Spezialistinnen und Spezialisten die Behandlung in Ruhe planen. Die aktuellen Empfehlungen in Deutschland richten sich nach der AWMF-Leitlinie.
Behandlung
Ein HUS wird fast immer im Krankenhaus behandelt – häufig auf der Intensivstation. Dort wird die Nierenfunktion überwacht und der Körper mit Infusionen unterstützt. Ziel ist es, die Nieren zu entlasten und Komplikationen zu verhindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie sich an die Anweisungen des Behandlungsteams
- Ruhen Sie sich aus und vermeiden Sie Stress
- Trinken Sie nur so viel Flüssigkeit, wie im Krankenhaus vorgegeben ist
- Beobachten Sie Veränderungen und melden Sie diese sofort
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sie umfasst Infusionen, ein genaues Beobachten der Nierenwerte und bei Bedarf eine Bluttransfusion. Wenn die Nieren versagen, kann eine Dialyse (Blutwäsche) vorübergehend die Nierenarbeit unterstützen. In bestimmten Formen von HUS wird ein spezielles Blutreinigungsverfahren (Plasmapherese) eingesetzt. Welche Behandlung im Einzelfall richtig ist, entscheidet das Ärzteteam – eine Therapie wird immer engmaschig kontrolliert.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer HUS-Erkrankung brauchen Körper und Nieren Zeit, sich zu erholen. Viele Menschen fühlen sich noch Wochen später müde. Wichtig sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Facharzt, damit die Nierenfunktion langfristig gesund bleibt.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf
- Halten Sie Kontrolltermine ein
- Achten Sie auf Warnzeichen wie Müdigkeit oder Schwellungen
- Nehmen Sie Unterstützung von Familie und Freunden an
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit genügend Flüssigkeit – abgestimmt mit Ihrem Arzt – unterstützt die Nieren. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist gut, solange Sie sich nicht überanstrengen. Die genauen Empfehlungen hängen davon ab, wie gut Ihre Nieren bereits arbeiten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine schwere Erkrankung wie HUS macht oft große Angst. Es ist völlig normal, wenn Sie sich anschließend niedergeschlagen oder überfordert fühlen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Hausarzt darüber zu sprechen. Auch eine psychologische Beratung kann helfen.
Vorbeugung
HUS lässt sich nicht in jedem Fall vermeiden, aber Sie können das Risiko einer EHEC-Infektion deutlich senken.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen EHEC oder HUS.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine allgemeine Vorsorgeuntersuchung für HUS. Bei bestimmten Anzeichen kann der Arzt gezielt Blut- und Stuhlproben anordnen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Akutes Nierenversagen
- Langfristige Nierenschädigung bis zur Dialysepflicht
- Hoher Blutdruck
- Nervensystem-Schäden, z. B. Verwirrtheit oder Lähmungserscheinungen
- Blutgerinnungsstörungen
Langzeitprognose
Mit einer raschen und spezialisierten Behandlung erholen sich die meisten Kinder vollständig. Bei Erwachsenen dauert die Erholung oft länger, und manche benötigen weiterhin eine ärztliche Kontrolle der Nieren. Auch schwere Verläufe können sich mit guter Betreuung zurückbilden. Wichtig ist, nicht aufzugeben und dem Behandlungsteam zu vertrauen.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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