Posturales Tachykardiesyndrom (POTS)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
POTS ist eine Störung des autonomen Nervensystems, das unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzschlag und Blutdruck steuert. Beim Aufrichten fällt das Blut in die Beine und das Herz schlägt plötzlich sehr schnell, ohne dass der Blutdruck stark abfällt. Typisch sind Schwindel, Herzklopfen und Erschöpfung, besonders im Stehen oder bei Belastung.
Wichtige Fakten
- Die Herzfrequenz steigt beim Aufstehen deutlich an, zum Beispiel um mehr als 30 Schläge pro Minute.
- Eine genaue Ursache ist oft nicht bekannt, aber häufig geht POTS mit Infektionen, Schwangerschaft oder Traumata einher.
- Mit der richtigen Behandlung und Unterstützung können die meisten Menschen gut mit POTS leben.
POTS ist keine Seltenheit. Schätzungen zufolge sind etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung betroffen, auch wenn die Erkrankung oft nicht sofort erkannt wird.
POTS kommt besonders häufig bei jungen Frauen vor, meist beginnt es zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr. Aber auch Männer, Jugendliche und ältere Menschen können ein POTS entwickeln.
Symptome
- Bewusstlosigkeit, die länger als eine Minute anhält
- Schmerzen in der Brust oder ein starkes Engegefühl
- Schwere Atemnot
- Anzeichen eines Schlaganfalls, etwa einseitige Lähmung oder Sprachprobleme
- Wiederholte Ohnmacht mit Verletzung
- ⚠Neue oder ungewöhnlich starke Kopfschmerzen
- ⚠Sehstörungen oder verschwommenes Sehen
- ⚠Starke Dehydrierung oder nicht ausreichende Trinkmenge
- ⚠Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall
- ⚠Zunehmende Ohnmachtsanfälle im Stehen oder bei Belastung
Häufige Symptome
- Schwindel oder Benommenheit beim Aufstehen und Stehen
- Starkes Herzklopfen oder rasender Puls
- Erschöpfung und Müdigkeit
- Kopfschmerzen oder Benommenheit im Kopf (Brain Fog)
- Übelkeit oder Bauchbeschwerden
- Schwächegefühl oder Ohnmachtsnähe
- Kribbeln, kalte Hände oder Füße
- Verschlechterung von Symptomen in warmen Räumen
Symptome bei Kindern
- Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
- Konzentrationsprobleme in der Schule
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Bauchschmerzen oder Übelkeit ohne klare Ursache
- Blasse Haut und kalte Hände
- Ohnmachtsanfälle beim schnellen Aufstehen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schwächegefühl und Gangunsicherheit
- Stürze durch Benommenheit beim Aufstehen
- Deutliche Erschöpfung bei Alltagsaktivitäten
- Verstärkte Beschwerden mit dem Alter
- Herzrasen oder Palpitationen ohne Atemnot
Ursachen
Hauptursachen
- Schädigung oder Fehlfunktion des autonomen Nervensystems
- Kreislaufregulationsstörung mit Blutansammlung in den Beinen
- Autoimmunreaktionen nach Infektionen, wie zum Beispiel EBV oder COVID-19
- Schwangerschaft, Operationen oder Trauma als Auslöser
- Häufig auch ohne fassbare Ursache
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Alter zwischen 15 und 45 Jahren
- Familiäre Häufung
- Vorerkrankungen wie Diabetes, Bindegewebserkrankungen oder Autoimmunerkrankungen
- Lange Bettruhe oder Immobilisation
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie wiederholt ohnmächtig werden oder beinahe umkippen
- Wenn Sie vor einer Ohnmacht starke Schmerzen oder Palpitationen haben
- Wenn Sie wegen der Beschwerden kaum noch Flüssigkeit zu sich nehmen können
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie häufig schwindelig oder benommen sind
- Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Herz schlägt zu schnell
- Wenn die Symptome Ihren Alltag und Ihre Lebensqualität einschränken
- Wenn Sie nach einer Infektion neu auftretende Kreislaufprobleme bemerken
Diagnose
Die Diagnose wird meist durch die typische Befragung (Anamnese), die körperliche Untersuchung und einen einfachen Steh-Test gestellt. Dabei werden Blutdruck und Puls im Liegen und nach dem Aufstehen gemessen. Auch eine Kipptisch-Untersuchung kann durchgeführt werden.
Mögliche Untersuchungen
- Anamnese: gezielte Fragen zu Beschwerden und Auslösern
- Körperliche Untersuchung mit Blutdruck- und Pulsmessung
- Aktiver Steh-Test (Schellong-Test): Messung im Liegen, nach 1, 3 und 5 Minuten Stehen
- Kipptisch-Test (Tilt-Table-Test) in spezialisierten Zentren
- EKG, Langzeit-EKG und Blutuntersuchungen zum Ausschluss anderer Ursachen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird zunächst andere Herzerkrankungen oder Schilddrüsenprobleme ausschließen. Sie erhalten Anleitungen für den Steh-Test und müssen keine Angst vor schmerzhaften Untersuchungen haben. Die Diagnose ist oft ein erleichternder Schritt, weil erklärt wird, warum Sie sich so fühlen.
Behandlung
Es gibt keine Spezialbehandlung, die POTS heilt, aber die Symptome lassen sich meist gut lindern. Die Behandlung wird individuell zusammengestellt und kann einfache Maßnahmen, Bewegung und bei Bedarf Medikamente umfassen. Ein erfahrenes Team aus Hausarzt, Kardiologen und Fachleuten der Inneren Medizin unterstützt Sie.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie viel Wasser – etwa 2 bis 3 Liter täglich, sofern Ihr Arzt nichts anderes empfiehlt
- Essen Sie regelmäßig kleine Mahlzeiten, um Blutzuckerschwankungen zu vermeiden
- Stehen Sie langsam und in Etappen auf
- Verwenden Sie Kompressionsstrümpfe, um den Blutrückfluss zum Herzen zu unterstützen
- Vermeiden Sie langes Stehen und heiße Umgebungen, wie Saunen oder heiße Bäder
Medizinische Behandlungen
Manche Menschen benötigen zusätzlich Medikamente, die den Kreislauf stabilisieren, den Blutdruck erhöhen oder die Herzfrequenz ausgleichen. Welche Substanz infrage kommt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab und wird immer ärztlich verordnet. Auch Physiotherapie und spezielle Trainingsprogramme können helfen. Besprechen Sie alle Schritte mit Ihrem Behandlungsteam.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei POTS ist in der Regel keine Operation erforderlich. Nur wenn eine andere behandelbare Ursache wie eine Herz- oder Gefäßveränderung vorliegt, könnte ein Eingriff erwogen werden. Dies ist jedoch außergewöhnlich.
Leben mit der Erkrankung
POTS kann den Alltag stark beeinflussen. Planen Sie deshalb bewusste Ruhephasen ein und gestalten Sie Tagesabläufe mit kurzen Aktivitätsintervallen. Hören Sie auf Ihren Körper und lernen Sie Warnzeichen zu deuten. Viele Menschen profitieren von einem Kreislauftagebuch, um Auslöser zu erkennen.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt
- Stehen Sie morgens langsam auf und setzen Sie sich erst kurz auf die Bettkante
- Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper, etwa durch ein zusätzliches Kissen
- Planen Sie Aktivitäten in kühleren Morgenstunden
- Vermeiden Sie Alkohol und zu viel Koffein
Ernährung und Bewegung
Eine salzreiche Kost kann bei POTS manchmal die Symptome verbessern, aber nur in Absprache mit Ihrem Arzt, insbesondere wenn Sie zu Bluthochdruck neigen. Bewegung ist wichtig, aber starten Sie lieber mit Übungen im Sitzen oder Liegen, zum Beispiel Schwimmen oder Radfahren im Liegen. Steigern Sie die Belastung langsam und kontrolliert.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Mit einer chronischen Erkrankung zu leben kann emotional belastend sein. Angst, Depression und Erschöpfung sind nicht ungewöhnlich. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Psychologische Unterstützung, Selbsthilfegruppen und Gespräche mit Vertrauten können sehr entlastend wirken.
Vorbeugung
POTS lässt sich nicht sicher vorbeugen, da die Auslöser häufig unbekannt sind. Wer bereits Herzrasen und Schwindel beim Aufstehen bemerkt, kann durch rechtzeitige Arztvorstellung und Anpassung der Lebensgewohnheiten die Beschwerden oft mildern und einen schweren Verlauf verhindern.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Stürze und Verletzungen durch Ohnmachtsanfälle
- Einschränkung der Beweglichkeit und körperliche Entkräftigung
- Verminderte Lebensqualität durch ständige Müdigkeit und Konzentrationsstörungen
- Entstehung von Angst und Depression bei anhaltenden Beschwerden
Langzeitprognose
Die Prognose ist in vielen Fällen positiv. Häufig bessern sich die Symptome im Laufe der Zeit, manchmal sogar vollständig. Mit einer individuell abgestimmten Behandlung und Unterstützung können die meisten Menschen ihren Alltag wieder aktiv gestalten. Die Erkrankung verläuft nicht gefährlich – sie bedeutet aber Anpassung und Geduld.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.