Parodontitis: Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnfleischs und des Zahnhalteapparats. Das ist das Gewebe, das die Zähne im Kiefer verankert. Durch die Entzündung können sich Zahnfleisch und Kieferknochen zurückbilden. Unbehandelt kann das zu Zahnverlust führen. Sie wird auch Parodontose genannt, aber der richtige medizinische Fachbegriff ist Parodontitis.
Wichtige Fakten
- Parodontitis wird durch Bakterien verursacht, die sich in Zahnbelag (Plaque) ansammeln.
- Sie verläuft oft lange unbemerkt, weil sie anfangs kaum Schmerzen macht.
- Mit guter Mundhygiene und regelmäßigen Zahnarztbesuchen lässt sie sich gut behandeln.
Ja, Parodontitis ist eine der häufigsten Erkrankungen weltweit. In Deutschland haben viele Erwachsene eine mehr oder weniger ausgeprägte Form dieser Erkrankung.
Sie betrifft vor allem Erwachsene ab etwa 30 Jahren, aber auch Jugendliche und Kinder können betroffen sein. Das Risiko steigt mit dem Alter. Auch Menschen mit Diabetes, Raucher und Personen mit bestimmten genetischen Veranlagungen sind häufiger betroffen.
Symptome
- Sehr starke, plötzlich auftretende Schwellungen im Gesicht oder am Hals, die mit Zahnproblemen zusammenhängen können.
- Atemnot oder Schluckbeschwerden bei gleichzeitiger Schwellung im Mund- und Rachenraum.
- In solchen Fällen: Notruf 112 wählen.
- ⚠Starke Zahn- oder Kieferschmerzen, die nicht nachlassen.
- ⚠Eitrige Absonderung am Zahnfleisch.
- ⚠Ein Zahn, der plötzlich sehr locker ist oder sich verschoben hat.
Häufige Symptome
- Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder bei Berührung
- Geschwollenes, rotes oder empfindliches Zahnfleisch
- Mundgeruch, der nicht verschwindet
- Zurückgehendes Zahnfleisch – die Zähne wirken länger
- Lockere Zähne oder Zahnlücken
- Schmerzen oder Druckgefühl im Kiefer
Symptome bei Kindern
- Parodontitis kommt bei Kindern seltener vor.
- Wenn sie auftritt, meist als Zahnfleischentzündung mit Blutungen.
- Bei anhaltenden Beschwerden sollte ein Kinderzahnarzt oder ein Zahnarzt für Parodontologie aufgesucht werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen verläuft die Erkrankung oft über viele Jahre.
- Zahnfleischrückgang und Zahnlockerung stehen im Vordergrund.
- Auch bestehende andere Erkrankungen wie Diabetes können die Parodontitis beeinflussen.
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien aus Zahnbelag (Plaque) – ein klebriger Film, der sich ständig auf den Zähnen bildet.
- Wenn der Belag nicht entfernt wird, bildet sich Zahnstein, auf dem Bakterien weiterwachsen.
- Durch die Bakterien und ihre giftigen Stoffe wehrt sich der Körper mit einer Entzündung. Diese Entzündung kann den Zahnhalteapparat schädigen.
Risikofaktoren
- Rauchen und Tabakkonsum
- Schlechte Mundhygiene
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Stress
- Bestimmte Medikamente, die das Zahnfleisch beeinflussen
- Vererbung / familiäres Vorkommen
- Häufiger Zuckerkonsum
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei akuten Schmerzen, Eiteransammlung oder plötzlich gelockerten Zähnen.
- Bei Gesichtsschwellungen oder Fieber im Zusammenhang mit Zahnproblemen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei Zahnfleischbluten, das länger als ein paar Tage auftritt.
- Bei dauerhaftem Mundgeruch.
- Zur regelmäßigen Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt.
- Schon bei ersten Anzeichen von zurückgehendem Zahnfleisch oder empfindlichen Zähnen.
Diagnose
Der Zahnarzt wird Sie zu Ihren Beschwerden und Gewohnheiten befragen. Danach untersucht er Ihr Zahnfleisch und die Zähne mit einer kleinen Sonde, um die Tiefe der Zahnfleischtaschen zu messen. Außerdem kann er eine Röntgenaufnahme machen, um den Zustand des Kieferknochens zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Klinische Untersuchung des Zahnfleischs
- Messung der Zahnfleischtaschen mit einer Parodontalsonde (eine feine Messlehre)
- Röntgenaufnahmen der Zähne und des Kiefers
- Gegebenenfalls mikrobiologischer Test zur Bestimmung der Bakterienarten
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Danach bespricht der Zahnarzt die Befunde mit Ihnen und erstellt einen Behandlungsplan. Möglicherweise überweist er Sie an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Parodontologie.
Behandlung
Das Ziel der Behandlung ist es, die Entzündung zu stoppen und den Zahnhalteapparat zu erhalten. Die Behandlung folgt den aktuellen Leitlinien der wissenschaftlichen Zahnmedizin (AWMF). Sie beginnt immer mit einer gründlichen Reinigung der Zahnfleischtaschen durch geschultes Fachpersonal. Bei fortgeschrittener Erkrankung sind weitere Maßnahmen möglich, zum Beispiel eine antibakterielle Spülung oder in schweren Fällen ein kleiner chirurgischer Eingriff. Die Behandlung wird individuell angepasst.
Selbsthilfe zu Hause
- Gründliches Zähneputzen zweimal täglich mit einer weichen Zahnbürste.
- Zahnseide oder Interdentalbürsten täglich benutzen, um auch die Zahnzwischenräume zu erreichen.
- Auf Tabak verzichten – Rauchen verschlechtert die Prognose deutlich.
- Zahnarzttermine zur Kontrolle und professionellen Zahnreinigung einhalten.
Medizinische Behandlungen
In der Zahnarztpraxis wird zuerst Zahnbelag und Zahnstein entfernt, auch unter dem Zahnfleischrand. Je nach Schweregrad kann eine lokale Behandlung mit antibakteriellen Gelen oder Spülungen erfolgen. Der Zahnarzt kann auch Medikamente verordnen, die die Entzündung hemmen – bitte erfragen Sie dies im Gespräch. Bei hartnäckigen Fällen kann eine Antibiotika-Therapie notwendig sein, die aber immer in Absprache mit den behandelnden Ärzten erfolgt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Zahnfleischtaschen sehr tief sind und der Knochen bereits geschädigt ist, kann eine Operation sinnvoll sein. Dabei wird das Zahnfleisch vorsichtig geöffnet, die Bakterien werden entfernt und der Knochenzustand verbessert. Auch eine Behandlung von Knochendefekten mit speziellen Materialien ist möglich. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung.
Leben mit der Erkrankung
Parodontitis ist eine chronische Erkrankung. Nach der Behandlung müssen Sie besonders gut auf Ihre Zahnpflege achten und regelmäßig Kontrolltermine wahrnehmen. Sonst kann die Entzündung zurückkommen.
Tipps für den Alltag
- Zweimal täglich gründlich die Zähne putzen, mindestens zwei Minuten.
- Täglich Zahnzwischenräume reinigen – am besten abends.
- Ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, wenig Zucker.
- Auf Rauchen und übermäßigen Alkohol verzichten.
- Stress reduzieren, zum Beispiel durch Entspannungsübungen oder ausreichend Schlaf.
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung unterstützt das Immunsystem und hilft, Entzündungen zu verringern. Besonders wichtig sind Vitamin C (aus Obst und Gemüse) und Omega-3-Fettsäuren (z.B. aus fettem Fisch). Sport und Bewegung stärken das Immunsystem und können sich positiv auf die Zahnfleischgesundheit auswirken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine dauerhafte Zahnfleischerkrankung kann belastend sein. Manche Menschen schämen sich wegen Mundgeruch oder Lücken zwischen den Zähnen. Das kann das Selbstbewusstsein beeinträchtigen. Es ist wichtig, mit einer Vertrauensperson oder einem Arzt über diese Gefühle zu sprechen. Hilfe zur Selbsthilfe und psychologische Unterstützung können zusätzlich entlasten.
Vorbeugung
Ja, in den meisten Fällen kann einer Parodontitis vorgebeugt werden. Die wichtigsten Maßnahmen sind gute Mundhygiene, regelmäßige Zahnarztbesuche, eine gesunde Lebensweise und der Verzicht auf Rauchen. Menschen mit erhöhten Risikofaktoren wie Diabetes sollten auf eine gute Stoffwechseleinstellung achten.
Impfungen
Für Parodontitis gibt es keine vorbeugende Impfung. Im Vordergrund stehen die tägliche Zahnpflege und die regelmäßige professionelle Kontrolle.
Früherkennungsprogramme
Die Zahnvorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt dient auch der Früherkennung. Der Zahnarzt misst dabei den Zustand des Zahnfleischs. Dadurch lassen sich frühe Anzeichen erkennen und behandeln, bevor größere Schäden entstehen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zahnverlust durch Lockerung und Knochenabbau
- Chronische Entzündung kann den gesamten Körper belasten
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann bestehen
- Bei Diabetes verschlechtert sich die Blutzuckereinstellung
- Beschwerden wie Schmerzen und Mundgeruch können die Lebensqualität deutlich mindern
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Behandlung und regelmäßigen Nachsorge lässt sich eine Parodontitis in den meisten Fällen gut aufhalten. Die Zähne können oft ein Leben lang erhalten werden. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto einfacher und erfolgreicher ist die Behandlung. Das ist ein guter Grund, den Zahnarztbesuch nicht aufzuschieben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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