Aortendissektion: Ein Riss in der Hauptschlagader
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Aortendissektion ist ein Notfall, bei dem die innerste Schicht der Hauptschlagader (Aorta) einreißt. Die Aorta ist die große Schlagader, die das Blut vom Herzen in den Körper führt. Durch den Riss fließt Blut zwischen die Wandschichten und trennt sie voneinander. Dadurch kann die Gefäßwand einreißen oder die Blutversorgung lebenswichtiger Organe unterbrochen werden.
Wichtige Fakten
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen in Brust oder Rücken sind das häufigste Zeichen.
- Sie ist ein lebensbedrohlicher Notfall: Rufen Sie bei Verdacht sofort die 112 an.
- Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor.
- Bei schneller Behandlung überleben viele Menschen und können sich gut erholen.
Eine Aortendissektion ist selten. Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 3 bis 4 von 100.000 Menschen. Trotz der Seltenheit ist sie ein sehr ernster Notfall.
Sie tritt am häufigsten bei Männern über 60 auf, besonders wenn ein zu hoher Blutdruck über Jahre nicht behandelt wurde. Seltener betrifft sie jüngere Menschen mit angeborenen Bindegewebserkrankungen, wie zum Beispiel dem Marfan-Syndrom.
Symptome
- Sehr plötzlich einsetzende, stärkste Schmerzen in Brust, Rücken oder Bauch.
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht ohne bekannte Ursache.
- Zeichen eines Schlaganfalls, wie Lähmung, Sprachstörung oder ein herabhängender Mundwinkel.
- Starker Blutdruckabfall, kalter Schweiß und ein Gefühl zu sterben.
- Fehlender oder schwacher Puls in einem Arm oder Bein – besonders bei gleichzeitigen Brust- oder Rückenschmerzen.
- ⚠Starke Schmerzen im Brust- oder Rückenbereich, die nicht binnen Minuten verschwinden – auch wenn Sie sich noch nach Hause gehen können, sollten Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 anrufen oder sofort eine Notaufnahme aufsuchen.
- ⚠Neu aufgetretene Beschwerden wie Kribbeln, Lähmungen oder eine bläulich verfärbte Haut an einem Arm oder Bein.
- ⚠Unkontrollierter Bluthochdruck mit Kopfschmerzen, Schwindel oder Sehstörungen.
Häufige Symptome
- Plötzlicher, stechender oder reißender Schmerz in der Brust, im Rücken oder im Bauch – oft als schlimmster Schmerz des Lebens beschrieben.
- Der Schmerz kann wandern, zum Beispiel vom Brustkorb in den Rücken oder in den Bauch.
- Atemnot, Schwächegefühl, blasse und kalte Haut, Schweißausbruch.
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit.
- Kribbeln, Schmerzen oder fehlender Puls in Armen oder Beinen.
Ursachen
Hauptursachen
- Ein zu hoher Blutdruck über viele Jahre schwächt die Gefäßwand und kann zu einem Einriss der inneren Wandschicht führen.
- Angeborene Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom oder das Ehlers-Danlos-Syndrom.
- Verletzungen der Brust, zum Beispiel durch einen schweren Unfall.
- Verhärtungen und Entzündungen der Gefäßwand (Arteriosklerose).
Risikofaktoren
- Bluthochdruck – der wichtigste Risikofaktor.
- Alter und Geschlecht: Männer über 60 haben das höchste Risiko.
- Rauchen.
- Konsum von Stimulanzien, zum Beispiel Kokain.
- Bestehende Aneurysmen (Ausbuchtungen der Aorta).
- Eine Familie mit Fällen von Aortenerkrankungen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, sehr starken Schmerzen in der Brust oder im Rücken rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- Treten gleichzeitig Atemnot, Ohnmacht, Lähmungen oder ein Gefühl von Kälte und Schweiß auf, zögern Sie nicht.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Bluthochdruck haben, lassen Sie ihn regelmäßig ärztlich kontrollieren und behandeln.
- Wenn in Ihrer Familie eine Aortenerkrankung aufgetreten ist, sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt über mögliche Vorsorgeuntersuchungen.
Diagnose
Im Krankenhaus fragt die Ärztin oder der Arzt nach den Beschwerden und der Krankengeschichte. Dann folgen Untersuchungen, um die Aorta sichtbar zu machen. Bei Verdacht läuft das sehr schnell, weil jede Minute zählt.
Mögliche Untersuchungen
- Eine Computertomographie (CT) ist das wichtigste Verfahren: Sie zeigt den Riss und die Ausdehnung.
- Auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann die Aorta genau darstellen.
- Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und der Brustaorta (Echokardiographie) liefert erste Hinweise.
- Blutuntersuchungen können Hinweise auf Schäden an Organen geben.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
In der Notaufnahme werden Sie schnell untersucht. Es werden Blutdruck, Puls und Sauerstoff gemessen. Manchmal werden mehrere Bildgebungen nötig. Sie erhalten eine genaue Erklärung der Ergebnisse und – wenn nötig – sofort eine Behandlung. Wenn Sie möchten, darf eine Vertrauensperson dabei sein.
Behandlung
Die Aortendissektion wird im Krankenhaus behandelt – meist auf einer Überwachungs- oder Intensivstation. Das Ziel ist: Die Schmerzen lindern, den Blutdruck senken, den Riss verschließen und lebenswichtige Organe weiter mit Blut versorgen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie nach der Entlassung alle verordneten Medikamente genau wie besprochen ein.
- Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck zu Hause, wenn die Ärztin oder der Arzt Sie dazu angeleitet hat.
- Vermeiden Sie schweres Heben und starkes Pressen – zumindest in der ersten Zeit.
- Auch bei späteren Beschwerden gilt: Trauen Sie Ihrem Bauchgefühl und suchen Sie bei neuen starken Schmerzen sofort Hilfe.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung richtet sich nach der Stelle des Risses und dem Allgemeinzustand. In vielen Fällen werden Medikamente eingesetzt, um den Blutdruck zu senken und die Belastung auf die Aorta zu verringern. Zusätzlich können Schmerzmittel und beruhigende Mittel gegeben werden. Je nach Situation kommen auch Verfahren zum Einsatz, bei denen ein Schlauch (Stent) eingesetzt wird, um den Riss abzudichten. Die ausführliche Planung übernimmt ein Fachteam aus Herz-, Gefäß- und Notfallmedizin.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei einer Dissektion vom Typ A (an der aufsteigenden Aorta) ist meist sofort eine Operation nötig. Bei Typ B (absteigende Aorta) kann oft zunächst mit Medikamenten behandelt werden, manchmal später auch mit einem Katheterverfahren.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Akutbehandlung brauchen Sie Zeit, um sich zu erholen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kardiologen (Herzspezialisten) sind wichtig, um den Zustand der Aorta zu überwachen. Sie erlernen, wie Sie Ihren Blutdruck selbst messen und auf Warnzeichen achten.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen – Rauchen schädigt die Gefäße.
- Stress abbauen, zum Beispiel mit Atemübungen oder leichter Bewegung nach Absprache.
- Salzreich essen vermeiden, um den Blutdruck stabil zu halten.
- Alkohol nur in Maßen trinken.
- Heißes Duschen, Krafttraining und Pressen vermeiden, wenn der Arzt es empfiehlt.
Ernährung und Bewegung
Günstig ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkorn und wenig Salz. Leichte Ausdaueraktivitäten wie Spazierengehen oder sanftes Radfahren fördern die Erholung. Wann Sie welchen Sport treiben dürfen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Grundsätzlich gilt: nicht über Ihre Belastungsgrenze gehen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein solches Ereignis ist auch seelisch belastend. Angst, Unsicherheit oder Schlafprobleme sind normal. Sie sind damit nicht allein. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen oder suchen Sie professionelle Unterstützung. Für akute seelische Krisen gibt es zum Beispiel den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) – Sie können dort auch auf Psychotherapie-Wartezeiten hingewiesen werden.
Vorbeugung
Eine Aortendissektion lässt sich nicht immer vermeiden. Gut einstellen lassen sich aber die wichtigsten Risikofaktoren: ein gesunder Blutdruck, ein rauchfreies Leben und eine stabile Gefäßgesundheit. Menschen mit einer bekannten Bindegewebserkrankung sollten sich regelmäßig betreuen lassen.
Impfungen
Gegen eine Aortendissektion selbst gibt es keine Impfung. Ein Impfschutz gegen Grippe und Lungenentzündung kann hingegen Atemwegsinfekte verhindern, die das Herz-Kreislauf-System belasten. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Wenn in Ihrer Familie bereits eine Aortenerkrankung aufgetreten ist oder eine Bindegewebserkrankung bekannt ist, kann eine Ultraschall- oder CT-Untersuchung sinnvoll sein. Ob und in welchen Abständen Sie vorsorgen sollten, klären Sie mit einem Gefäß- oder Herzspezialisten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ein Durchreißen (Ruptur) der Aorta führt zu massiven inneren Blutungen – ein lebensbedrohlicher Notfall.
- Die Blutversorgung von Organen wie Herz, Gehirn, Darm oder Nieren kann unterbrochen werden und zu dauerhaften Schäden führen.
- Die Dissektion kann Herzklappen oder Herzkranzgefäße verändern und einen Herzinfarkt auslösen.
- In Armen und Beinen kann die Durchblutung abbrechen; auch das Blut kann in den Brustkorb oder Bauchraum einbluten.
Langzeitprognose
Mit einer schnellen und modernen Behandlung überleben heute viele Betroffene – auch wenn der Verlauf zunächst kritisch war. Nach der Rehabilitation können viele Menschen wieder ein erfülltes Leben führen. Wichtig sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen und ein gesundheitsbewusster Lebensstil. Jeder Fortschritt zählt, und die Versorgung ist in spezialisierten Zentren sehr gut.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.