Venenerkrankungen: Ursachen, Symptome, Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Venenerkrankungen betreffen die Venen – also die Blutgefäße, die das Blut zurück zum Herzen transportieren. Die häufigste Form sind Krampfadern. Zu den Venenerkrankungen zählt auch die chronisch-venöse Insuffizienz, das heißt eine dauerhafte Schwäche der Venenklappen. Dann fließt Blut in den Beinen nicht mehr richtig zurück und staut sich.
Wichtige Fakten
- Krampfadern sind erweiterte, geschlängelte Venen, die an den Beinen sichtbar werden.
- Eine Venenschwäche ist gut behandelbar – wichtig sind Bewegung und das Hochlegen der Beine.
- Unbehandelte Venenleiden können zu offenen Beinen und anderen Komplikationen führen.
Ja. Venenerkrankungen zählen zu den häufigsten Krankheitsbildern in Deutschland. Rund ein Drittel der Erwachsenen hat sichtbare Krampfadern, Frauen öfter als Männer.
Venenerkrankungen treten häufiger im höheren Alter auf. Frauen sind öfter betroffen als Männer. Besonders gefährdet sind Menschen, die viel stehen oder sitzen, Personen mit Übergewicht und solche mit familiärer Vorbelastung.
Symptome
- Plötzliche starke Schwellung und Schmerzen in einem Bein (mögliche tiefe Venenthrombose)
- Plötzliche Atemnot, Brustschmerz oder Husten mit Blut – das kann auf eine Lungenembolie hinweisen
- Blass oder bläulich verfärbtes, kaltes Bein mit starkem Schmerz
- ⚠Neu aufgetretene, einseitige Beinschwellung
- ⚠Offene Wunde am Unterschenkel
- ⚠Sich ausbreitende Rötung des Beins mit Fieber
- ⚠Starke Schmerzen, die auch durch Hochlagern nicht nachlassen
Häufige Symptome
- Sichtbare, bläuliche geschwollene Venen (Krampfadern)
- Schwere und müde Beine, besonders abends
- Geschwollene Beine, vor allem um die Knöchel
- Spannungsgefühl oder Juckreiz an den Beinen
- Wadenkrämpfe in der Nacht
Symptome bei Kindern
- Venenerkrankungen sind im Kindesalter sehr selten.
- Angeborene Gefäßerweiterungen oder Gefäßfehlbildungen können vorkommen und gehören in kinderärztliche Behandlung.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufig Wasseransammlungen (Ödeme) am Unterschenkel
- Braune Verfärbungen und Hautverhärtungen im Bereich der Knöchel
- Schlecht heilende Wunden, auch Beingeschwür genannt
- Nachlassende Beweglichkeit durch Schmerzen in den Beinen
Ursachen
Hauptursachen
- Die Venenklappen arbeiten nicht mehr richtig, sodass Blut in den Beinen zurückfließt (Venenklappenschwäche)
- Die Venenwand ist von Natur aus schwach und weitet sich
- Die Wadenmuskelpumpe ist zu wenig aktiv, zum Beispiel bei langem Sitzen
- Hormonumstellungen, etwa in der Schwangerschaft, machen die Venenwände dehnbarer
Risikofaktoren
- Übergewicht
- Überwiegend sitzende oder stehende Tätigkeit
- Rauchen
- Alter über 50 Jahre
- Schwangerschaft
- Familiäre Vorbelastung (Vererbung)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher, einseitiger Beinschwellung
- Bei offener Wunde am Bein
- Bei den oben genannten Zeichen einer Thrombose oder Lungenembolie rufen Sie sofort die 112
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei wiederkehrenden geschwollenen Beinen
- Bei sichtbaren Krampfadern
- Bei Hautveränderungen an den Knöcheln
- Zur Kontrolle und Beratung über Maßnahmen wie Kompressionsstrümpfe
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose meist anhand der Beschwerden, der körperlichen Untersuchung und einer Ultraschalluntersuchung. Dabei werden die Venen und ihr Blutfluss beurteilt. In Deutschland richten sich die Empfehlungen unter anderem nach den AWMF-Leitlinien.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch und Erheben der Krankengeschichte (Anamnese)
- Betrachten und Abtasten der Beine im Stehen und Liegen
- Ultraschalluntersuchung der Venen (Duplexsonografie)
- In besonderen Fällen weitere Funktionstests
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung tut nicht weh und erfordert keine besondere Vorbereitung. Sie liegen oder stehen dabei. Bitte ziehen Sie lockere Kleidung an, sodass die Beine frei sind. In der Regel bekommen Sie das Ergebnis direkt nach der Untersuchung und besprechen die nächsten Schritte.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten zu verhindern. Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. Als erste Maßnahme werden Bewegung, Hochlagern und Kompression empfohlen. Bei Krampfadern und fortgeschrittener Venenschwäche gibt es auch Verfahren, die die betroffenen Venen gezielt behandeln.
Selbsthilfe zu Hause
- Beine so oft wie möglich hochlegen, zum Beispiel auf einen Hocker oder ein Kissen
- Regelmäßige Bewegung wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen
- Viel trinken und eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung
- Kompressionsstrümpfe tragen, sofern sie ärztlich empfohlen wurden
- Wechselduschen und kalte Wassergüsse an den Beinen
Medizinische Behandlungen
Medikamente werden unterstützend eingesetzt, ersetzen aber keine Basismaßnahmen wie Bewegung und Kompression. Es gibt Salben, Gele oder Tabletten mit pflanzlichen oder anderen Wirkstoffen, die das Schweregefühl lindern können. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Zur Entfernung von Krampfadern stehen Verfahren wie Verödung (Sklerosierung) oder Lasertherapie zur Verfügung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Krampfadern sehr ausgeprägt sind, wiederkehren oder Beingeschwüre entstehen, kann eine Operation oder ein schonendes Katheterverfahren erwogen werden. Der Eingriff wird in der Regel ambulant oder mit kurzem Krankenhausaufenthalt durchgeführt. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen die Vor- und Nachteile.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag können Sie schon mit einfachen Gewohnheiten Ihren Venen helfen. Vermeiden Sie langes, unbewegtes Stehen oder Sitzen. Unterbrechen Sie diese Zeiten immer wieder durch Gehen oder Fußübungen. Legen Sie bei jeder Gelegenheit die Beine hoch.
Tipps für den Alltag
- Ein gesundes Körpergewicht anstreben und halten
- Rauchen vermeiden – Rauchen belastet die Gefäße
- Bequeme Schuhe statt einschnürender Stiefel
- Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Auto Kompressionsstrümpfe erwägen und regelmäßig aufstehen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten wirkt einer Verstopfung entgegen, die den Druck in den Bauchvenen erhöht. Ideal sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Nordic Walking, Radfahren und Wandern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Sichtbare Krampfadern oder geschwollene Beine können das Selbstbewusstsein beeinträchtigen. Es ist völlig in Ordnung, sich dafür Unterstützung zu suchen. Ein offenes Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt hilft, Unsicherheiten abzubauen. Bei seelischer Belastung können Sie auch eine psychologische Beratung aufsuchen.
Vorbeugung
Viele Venenleiden lassen sich nicht völlig verhindern, besonders wenn eine Vererbung vorliegt. Sie können aber das Risiko deutlich senken, indem Sie sich ausreichend bewegen, Ihr Gewicht normal halten und lange Phasen im Stehen oder Sitzen vermeiden.
Früherkennungsprogramme
Es gibt in Deutschland kein gesetzliches Früherkennungsprogramm für Venenerkrankungen. Eine Gefäßuntersuchung ist bei Beschwerden oder familiärer Vorbelastung sinnvoll – sprechen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt darauf an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Tiefe Venenthrombose – ein Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene
- Lungenembolie – wenn sich das Gerinnsel löst und in die Lunge gelangt
- Offenes Bein (chronisches Beingeschwür) – eine schlecht heilende Wunde am Unterschenkel
- Entzündung der oberflächlichen Venen (Phlebitis)
- Starke Blutungen aus geplatzten Krampfadern
Langzeitprognose
Die meisten Venenerkrankungen lassen sich heute sehr gut behandeln. Je früher Sie reagieren, desto besser sind die Aussichten. Mit den geeigneten Maßnahmen bleiben Beschwerden meist gering und Komplikationen können vermieden werden. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie und passt die Behandlung an Ihren Verlauf an.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.