Bikuspide Aortenklappe (zweizipflige Aortenklappe) – eine häufige angeborene Herzklappenveränderung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Aortenklappe ist eine Art Ventil im Herzen. Normalerweise hat sie drei feine Klappensegel. Bei einer bikuspiden Aortenklappe sind nur zwei Segel vorhanden. Das ist keine Krankheit, die man spürt, sondern eine angeborene Besonderheit. Sie kann im Laufe des Lebens dazu führen, dass die Klappe schwerer arbeitet, sich verengt oder undicht wird. Wichtig ist: Die meisten Menschen mit einer bikuspiden Aortenklappe können lange gut und beschwerdefrei leben.
Wichtige Fakten
- Es ist eine angeborene Herzklappenfehlbildung, bei der die Aortenklappe zwei statt drei Segel hat.
- Oft wird sie erst bei einer Herz-Ultraschalluntersuchung zufällig entdeckt.
- Regelmäßige Kontrollen helfen, Probleme früh zu erkennen und zu behandeln.
- Nur ein kleiner Teil der Betroffenen braucht irgendwann eine Operation – oft erst im Erwachsenenalter.
Es ist die häufigste angeborene Herzklappenanomalie. Etwa 1 bis 2 von 100 Menschen haben eine bikuspidale Aortenklappe.
Sie ist bei der Geburt angelegt und betrifft etwas häufiger Männer als Frauen. Viele Menschen wissen lange nicht davon, weil sie keine Beschwerden macht. Manchmal wird sie erst im Jugend- oder Erwachsenenalter entdeckt, etwa weil bei einer Untersuchung ein Herzgeräusch auffällt.
Symptome
- Starke Schmerzen oder ein beengendes Gefühl im Brustkorb
- Akute Atemnot, die nicht weggeht
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht ohne Vorwarnung
- Schwere Herzrhythmusstörungen mit Schwindel und Kollaps
- Rufen Sie in solchen Fällen sofort die 112 (Notruf).
- ⚠Neu auftretendes oder zunehmendes Herzrasen
- ⚠Fieber in Verbindung mit einer Herzerkrankung – dies kann ein Zeichen einer Herzklappeninfektion sein
- ⚠Plötzliche Verschlechterung der Belastbarkeit
- ⚠Neue Wassereinlagerungen in Beinen oder Lunge
Häufige Symptome
- Häufig keine Beschwerden, besonders in jungen Jahren
- Herzgeräusch – der Arzt hört mit dem Stethoskop ein Strömungsgeräusch
- Bei einer undichten oder verengten Klappe: Atemnot bei Belastung
- Müdigkeit und eingeschränkte Leistungsfähigkeit
- Herzklopfen oder Herzstolpern
- Schwindel oder kurzes Einknicken der Knie
Symptome bei Kindern
- Meist keine Symptome
- Bei ausgeprägter Verengung: schnelle Ermüdung, Blässe, schwaches Trinken oder Gedeihensprobleme bei Säuglingen
- Selten Brustschmerzen oder Ohnmacht bei starker körperlicher Anstrengung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit zunehmendem Alter kann die Klappe verkalken – dadurch wird sie eng oder undicht
- Atemnot bei Treppensteigen oder leichter Anstrengung
- Druckgefühl oder Schmerzen in der Brust bei Belastung
- Schwindel oder Ohnmachtsanfälle bei Belastung
- Wassereinlagerungen in den Beinen oder Knöcheln
Ursachen
Hauptursachen
- Die Veranlagung ist angeboren, d.h. die Herzanlage bildet sich schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft mit nur zwei Segeln.
- Bei manchen Menschen liegt eine familiäre Häufung vor, es gibt also eine erbliche Komponente.
- Die genaue Ursache ist nicht immer bekannt, und in vielen Fällen tritt sie ohne erkennbaren Grund auf.
Risikofaktoren
- Familienmitglieder mit einer bikuspiden Aortenklappe oder angeborenen Herzfehlern
- Männliches Geschlecht
- Vorhandensein anderer angeborener Herz- oder Gefäßanomalien, z. B. eine erweiterte Hauptschlagader
- Bluthochdruck, der die Klappe zusätzlich belastet
- Rauchen und Fettstoffwechselstörungen – sie fördern Kalkablagerungen auf der Klappe
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie neu Atemnot bei leichter Belastung bekommen
- Wenn plötzlich starkes Herzrasen oder Herzstolpern auftritt
- Wenn Sie ohnmächtig werden oder fast ohnmächtig werden
- Wenn Sie Fieber haben und gleichzeitig herzklappenbedingte Beschwerden auftreten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn ein Arzt ein Herzgeräusch hört, sollte eine Herz-Ultraschalluntersuchung gemacht werden.
- Wenn ein enger Verwandter eine bikuspidale Aortenklappe hat, kann eine vorsorgliche Untersuchung sinnvoll sein.
- Besteht bereits eine bekannte bikuspidale Aortenklappe, sind regelmäßige Kontrollen empfohlen – meist alle 1 bis 2 Jahre.
- Neue Beschwerden wie Schwindel, Brustschmerzen oder auffällige Müdigkeit sollten immer abgeklärt werden.
Diagnose
Die bikuspidale Aortenklappe wird am zuverlässigsten mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) erkannt. Dabei sieht der Arzt die Form und Bewegung der Klappe. Zusätzlich wird beurteilt, ob die Klappe verengt ist oder undicht wird und wie gut die Hauptschlagader aussieht.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Abhören des Herzens (Herzgeräusch)
- Echokardiographie – Herz-Ultraschall von außen oder auch von innen über die Speiseröhre
- EKG (Elektrokardiogramm) zur Beurteilung des Herzrhythmus
- Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) – falls genauerer Blick auf die Aortenwurzel nötig ist
- Belastungstest (z. B. Fahrradergometrie), wenn es um die körperliche Belastbarkeit geht
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern meist nicht lange. Beim Herz-Ultraschall liegen Sie auf einer Liege, ein Gel wird auf die Brust aufgetragen und der Arzt bewegt eine Sonde über die Haut. Sie können dabei normal atmen und sich danach sofort wieder normal bewegen.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, ob die Klappe noch normal funktioniert oder bereits verengt bzw. undicht ist. Bei den meisten Menschen reicht eine regelmäßige Überwachung aus. Entscheidend ist, Blutdruck und Blutfette in einem guten Bereich zu halten, damit die Klappe nicht zusätzlich belastet wird.
Selbsthilfe zu Hause
- Kontrolltermine beim Kardiologen wahrnehmen, auch wenn Sie keine Beschwerden haben
- Schwellungen an Knöcheln oder Atemnot ernst nehmen und ärztlich abklären lassen
- Auf guten Zahnschutz und den Besuch beim Zahnarzt achten – Entzündungen im Mund können sich auf die Herzklappe auswirken
- Beim Auftreten von Fieber oder Infektionszeichen ärztlichen Rat einholen
- Informieren Sie Ihre Ärzte darüber, dass Sie eine bikuspidale Aortenklappe haben, auch bei Eingriffen wie Zahnbehandlungen, Magenspiegelungen oder kleinen Operationen
Medizinische Behandlungen
Es gibt kein Medikament, das die Fehlbildung der Klappe rückgängig macht. Aber Medikamente können helfen, die Arbeit des Herzens zu erleichtern – zum Beispiel Mittel gegen Bluthochdruck. Bei einer verengten und verkalkten Klappe wird manchmal auch ein Statin in Betracht gezogen, um das Fortschreiten der Verkalkung zu bremsen; dies entscheidet der Arzt individuell. Wichtig: Eine Operation oder ein Eingriff wird nur bei bestimmten Veränderungen nötig, nicht allein wegen der Diagnose.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist dann empfohlen, wenn die Klappe stark verengt oder undicht ist und Beschwerden auftreten, oder wenn die Hauptschlagader erweitert ist. Dann kann die Klappe repariert oder durch eine neue biologische oder mechanische Klappe ersetzt werden. In einigen Fällen ist auch ein Katheterverfahren möglich, bei dem eine künstliche Klappe über einen Schlauch bis zum Herzen geführt wird. Die Entscheidung trifft das Herzteam gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer bikuspiden Aortenklappe können Sie in der Regel ein normales Alltagsleben führen. Wichtig sind eine herzgesunde Lebensweise und regelmäßige ärztliche Kontrollen. Bei Sportarten, die sehr anstrengend sind oder mit Wettkämpfen verbunden sind, sollten Sie mit Ihrem Kardiologen besprechen, welche Belastung für Sie geeignet ist. Alltagsbewegung und moderater Sport sind in den meisten Fällen ausdrücklich erlaubt und sogar empfehlenswert.
Tipps für den Alltag
- Rauchen vermeiden – Rauchen belastet die Gefäße und fördert Kalkablagerungen
- Bluthochdruck regelmäßig messen und behandeln lassen
- Auf gutes Zahnfleisch und Zahnpflege achten – Zahnbürste und Zahnseide benutzen
- Übermäßigen Alkohol vermeiden und ein gesundes Körpergewicht anstreben
- Stress reduzieren und für ausreichend Schlaf und Erholung sorgen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und wenig Salz hält den Blutdruck niedrig. Koffein in hohen Mengen kann Herzklopfen verstärken – beobachten Sie, ob Sie darauf empfindlich reagieren. Bewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen ist meist gut geeignet. Schwere Gewichte oder extremes Krafttraining sollten mit dem Herzteam besprochen werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose kann zunächst Sorgen auslösen. Vielleicht fragen Sie sich, ob Sie sich zu viel zumuten dürfen oder ob die Klappe plötzlich versagen könnte. Diese Gedanken sind verständlich. Viele Betroffene erleben, dass die Beschwerden ausbleiben und die Kontrollen zur Routine werden. Wenn die Angst den Alltag belastet, zögern Sie nicht, mit Ihrem Hausarzt oder einer psychologischen Beratungsstelle zu sprechen.
Vorbeugung
Die bikuspidale Aortenklappe selbst kann nicht verhindert werden, da sie angeboren ist. Aber Sie können viel tun, um spätere Komplikationen wie Verkalkung, Verengung oder Undichtigkeit hinauszuzögern: ein gesunder Lebensstil, normale Blutdruckwerte, kein Rauchen und regelmäßige ärztliche Kontrollen sind die wichtigsten Bausteine.
Impfungen
Lassen Sie Ihren Impfschutz überprüfen. Gerade eine Grippeimpfung und eine Impfung gegen Lungenentzündung (Pneumokokken) werden bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft empfohlen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind – für Impfungen gibt es keine spezielle Altersgrenze.
Früherkennungsprogramme
Wenn in Ihrer Familie bereits eine bikuspidale Aortenklappe bekannt ist, kann schon im Kindes- oder Jugendalter eine Ultraschalluntersuchung des Herzens sinnvoll sein. Das ist eine einfache, schmerzfreie Untersuchung. Auch bei einem Zufallsbefund eines Herzgeräusches ist eine Echokardiographie das Mittel der Wahl.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn eine starke Verengung nicht in den Griff bekommen wird, kann das Herz mit der Zeit überlasten.
- Eine stark undichte Aortenklappe kann zu Herzschwäche führen.
- Es kann sich die Hauptschlagader erweitern – ein sogenanntes Aneurysma. Das erhöht das Risiko eines Risses, wenn es nicht kontrolliert wird.
- Bakterielle Entzündung der Herzklappe (Endokarditis) kommt selten vor, ist aber ernst zu nehmen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute sehr gut. Die meisten Menschen mit bikuspidaler Aortenklappe altern ohne große Probleme und Verzicht. Wenn einmal ein Eingriff nötig wird, sind die Verfahren ausgereift und die Erfolgsaussichten hoch. Moderne Medizin bietet viele Möglichkeiten, die Klappe zu reparieren oder zu ersetzen. Mit regelmäßigen Kontrollen, gesundem Lebensstil und vertrauensvollem Kontakt zu Ihrem Arzt können Sie sehr gut mit dieser Besonderheit leben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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