Herzkrebs: Eine seltene Erkrankung – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Herzkrebs ist eine bösartige (bösartige = gefährliche, sich unkontrolliert ausbreitende) Tumorerkrankung am Herzen. Man unterscheidet zwei Formen: primäre Herzkrebserkrankungen, die direkt im Herzen entstehen, und sekundäre, bei denen Krebszellen von einem anderen Organ (zum Beispiel der Lunge oder Brust) ins Herz wandern. Wichtig zu wissen: Die meisten Tumore am Herzen sind gutartig, also nicht bösartig. Echter Herzkrebs ist extrem selten.
Wichtige Fakten
- Primärer Herzkrebs, also Krebs, der direkt im Herzen entsteht, ist äußerst selten.
- Die überwiegende Zahl der Herztumore ist gutartig (nicht bösartig).
- Sekundärer Herzkrebs entsteht durch Metastasen (Ableger) eines anderen Krebses.
- Die Symptome ähneln oft anderen Herzerkrankungen, etwa Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen.
- Es gibt Behandlungen – unter anderem Operationen, Bestrahlung und andere Krebstherapien – die die Krankheit aufhalten oder lindern können.
Nein. Herzkrebs ist eine der seltensten Krebserkrankungen überhaupt. Primärer Herzkrebs macht weniger als 0,1 % aller Krebserkrankungen aus. Gutartige Herztumore kommen etwas häufiger vor, sind aber meist heilbar.
Herzkrebs kann grundsätzlich jeden Menschen betreffen – vom Säugling bis ins hohe Alter. Primärer Herzkrebs tritt etwas häufiger bei Erwachsenen auf, während sekundärer Herzkrebs Menschen betrifft, die bereits an einer anderen Krebserkrankung leiden oder gelitten haben.
Symptome
- Plötzliche, starke Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust, das länger als 5 Minuten anhält
- Akute, schwere Atemnot oder das Gefühl zu ersticken
- Plötzliche Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Zeichen eines Schlaganfalls: plötzliche Lähmung, Sprachstörungen, hängender Mundwinkel
- ⚠Neu auftretende Herzrhythmusstörungen oder sehr schneller Puls
- ⚠Blut im Auswurf oder Bluthusten
- ⚠Anhaltende Brustschmerzen, die nicht verschwinden
- ⚠Schwellung eines Beins mit Schmerzen – mögliches Zeichen für ein Blutgerinnsel
Häufige Symptome
- Atemnot, besonders bei Belastung oder im Liegen
- Brustschmerzen oder Druckgefühl in der Brust
- Herzklopfen, Herzstolpern oder unregelmäßiger Puls
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Wassereinlagerungen (geschwollene Knöchel, Beine oder Bauch)
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Fieber ohne erkennbare Infektion oder Nachtschweiß
Symptome bei Kindern
- Ungewöhnliche Blässe
- Mattheit und verminderte Spielfreude
- Trinkfaulheit und Gedeihstörungen im Säuglingsalter
- Atemnot oder schnelle Atmung ohne Anstrengung
- Herzrasen oder auffälliges Schwitzen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Atemnot bei Alltagsaktivitäten
- Geschwollene Beine oder Knöchel
- Starke Erschöpfung, Verwirrtheit oder Konzentrationsprobleme
- Herzrhythmusstörungen, die als unangenehmes Herzstolpern spürbar sind
Ursachen
Hauptursachen
- Primärer Herzkrebs: Die genaue Ursache ist unbekannt. Es entstehen bösartige Zellen aus dem Herzmuskel oder dem Bindegewebe des Herzens.
- Sekundärer Herzkrebs: Tumore von anderen Krebserkrankungen (z. B. Lunge, Brust, Haut) streuen über die Blutbahn und erreichen das Herz.
- Gutartige Herztumore (wie Myxome) haben andere Ursachen und sind kein Krebs – sie können aber dennoch Probleme machen und sollten behandelt werden.
Risikofaktoren
- Eine frühere Krebserkrankung mit Tochtergeschwulsten (Metastasen)
- Vorherige Strahlentherapie (Bestrahlung) im Brustbereich
- Bestimmte, sehr seltene erbliche Erkrankungen, die die Entstehung von Tumoren begünstigen
- Ein geschwächtes Immunsystem, z. B. nach Organtransplantation oder bei bestimmten Virusinfektionen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Schmerzen in der Brust haben oder das Gefühl, das Herz schlägt unregelmäßig oder zu schnell.
- Wenn Sie unerklärlich kurzatmig werden oder sich Wasser in den Beinen ansammelt.
- Wenn Sie ohne Grund Fieber, Nachtschweiß oder starken Gewichtsverlust bemerken.
- Bei Krebserkrankung in der Vorgeschichte: Neue Herzsymptome sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltender Müdigkeit oder Leistungsabfall über mehrere Wochen lohnt ein Termin bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
- Wenn Sie bereits wegen einer anderen Krebserkrankung behandelt werden oder wurden, sprechen Sie jede Herzsymptomatik bei der nächsten Kontrolluntersuchung an.
Diagnose
Um Herzkrebs zu erkennen, hört die Ärztin oder der Arzt zuerst das Herz ab und fragt nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Danach sind vor allem bildgebende Untersuchungen wichtig – also Verfahren, die das Herz sichtbar machen. Die Diagnose wird durch eine Gewebeprobe (Biopsie) gesichert, bei der winzige Zellproben entnommen und unter dem Mikroskop untersucht werden.
Mögliche Untersuchungen
- Herzultraschall (Echokardiographie): zeigt die Struktur des Herzens und kann Tumore darstellen
- Elektrokardiogramm (EKG): misst die Herzströme und zeigt Rhythmusstörungen
- Herz-MRT (Magnetresonanztomographie): erzeugt sehr genaue Bilder des Herzens
- Computertomographie (CT): kann Tumore im Brustkorb und mögliche Absiedlungen entdecken
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur eindeutigen Bestimmung, ob der Tumor gutartig oder bösartig ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und können ambulant oder im Krankenhaus durchgeführt werden. Beim Herzultraschall wird ein Gel auf Ihre Brust aufgetragen und ein Schallkopf sanft über die Haut bewegt. Beim MRT oder CT liegen Sie in einer Röhre – Sie bekommen mitgeteilt, ob Sie dafür eine Kontrastmittelspritze erhalten. Nach der Biopsie müssen Sie möglicherweise kurz zur Beobachtung bleiben. Bis zur endgültigen Diagnose kann einige Zeit vergehen – das ist normal. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen jeden Schritt.
Behandlung
Die Behandlung von Herzkrebs hängt von der Art des Tumors, seiner Größe, Lage und Ausbreitung ab. Gutartige Herztumore werden meist operativ entfernt und sind dann in den meisten Fällen dauerhaft geheilt. Bei bösartigen Tumoren arbeiten verschiedene Fachleute zusammen – zum Beispiel Kardiologie, Onkologie und Chirurgie – und erstellen einen persönlichen Behandlungsplan.
Selbsthilfe zu Hause
- Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam über alle Beschwerden – Sie müssen nichts alleine aushalten.
- Gönnen Sie sich bei Erschöpfung ausreichend Ruhepausen, bleiben Sie aber so aktiv, wie es Ihnen guttut.
- Sorgen Sie für eine fürsorgliche Begleitung: Vertraute Menschen oder eine psychologische Unterstützung können sehr helfen.
- Halten Sie alle Kontrolltermine ein und notieren Sie neue Symptome für das nächste Gespräch.
Medizinische Behandlungen
Behandelt wird Herzkrebs je nach Einzelfall mit einer Operation zur Entfernung des Tumors, mit Strahlentherapie (Bestrahlung) oder mit systemischen Tumortherapien – also Medikamenten, die Krebszellen bekämpfen oder deren Wachstum hemmen. Diese Therapien werden oft kombiniert. Welche Behandlung möglich und sinnvoll ist, entscheidet Ihr Behandlungsteam auf Grundlage der aktuellen medizinischen Leitlinien, z. B. der AWMF-Leitlinien. Lassen Sie sich ausführlich beraten, welche Optionen in Ihrer Situation bestehen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt in Frage, wenn der Tumor gutartig ist oder wenn ein bösartiger Tumor noch nicht gestreut hat und sich am Herzen vollständig entfernen lässt. Entscheidend sind Größe, Lage und Ausbreitung. Ihr Herzteam prüft sehr genau, ob eine Operation für Sie sicher ist.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit Herzkrebs bedeutet für viele Menschen, den Alltag an die eigene Belastbarkeit anzupassen. Sie können weiterhin einem geregelten Tagesablauf nachgehen, sollten aber Pausen ernst nehmen. Viele Betroffene profitieren von einer Herzrehabilitation, in der Sie lernen, mit der Erkrankung umzugehen und langsam wieder Kraft aufzubauen.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen – das entlastet Herz und Gefäße.
- Alkohol nur in Maßen oder ganz vermeiden.
- Auf ein gesundes Körpergewicht achten.
- Stress reduzieren, z. B. durch Entspannungsübungen, leichtes Yoga oder Spaziergänge.
- Ausreichend schlafen und den Körper nicht überfordern.
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine ausgewogene, herzgesunde Ernährung: viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, wenig Salz und wenig gesättigte Fette. Bewegung ist wichtig, aber bitte angepasst an Ihre Leistungsfähigkeit – sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, welche Bewegung für Sie sicher ist. Oft sind Spaziergänge, leichtes Radfahren oder Schwimmen gut geeignet. Vermeiden Sie starke körperliche Erschöpfung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Herzkrebs ist eine enorme seelische Belastung. Angst, Trauer und Unsicherheit sind normale Reaktionen. Es ist wichtig, diese Gefühle nicht zu verdrängen. Professionelle Unterstützung durch psychologische Beratung oder eine Krebsberatungsstelle kann sehr entlastend wirken. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen – Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Echten Herzkrebs kann man nicht gezielt verhindern, weil die Ursachen weitgehend unbekannt sind. Eine gesunde Lebensweise senkt aber das Risiko für Herzerkrankungen allgemein und unterstützt Ihren Körper bei der Abwehr von Krebserkrankungen. Wenn Sie bereits eine Krebserkrankung hatten, sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig, um Metastasen möglichst früh zu erkennen.
Impfungen
Gegen Herzkrebs selbst gibt es keinen Impfstoff. Lassen Sie sich aber gegen Infektionskrankheiten wie Grippe oder COVID-19 impfen, wenn Ihr Behandlungsteam es empfiehlt – das schützt Ihr Herz vor zusätzlichen Belastungen.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening für Herzkrebs gibt es nicht. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko, z. B. nach bestimmten Krebserkrankungen oder bei bekannten Herzrhythmusstörungen, kann die Ärztin gezielt eine Herzuntersuchung veranlassen. Sprechen Sie dies an, wenn Sie Bedenken haben.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzschwäche: Der Tumor kann den Herzmuskel schwächen, sodass das Herz das Blut nicht mehr ausreichend pumpt.
- Herzrhythmusstörungen: Tumore können die elektrischen Impulse des Herzens stören, was zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen kann.
- Blutgerinnsel: Teile des Tumors oder Blutpfropfen können sich lösen, verstopfen Gefäße und lösen Schlaganfälle oder Lungenembolien aus.
- Risse im Herzmuskel: Sehr selten kann ein Tumor das Herzmuskelgewebe so schwächen, dass es reißt – dies ist ein Notfall.
Langzeitprognose
Auch wenn Herzkrebs eine ernste Diagnose ist, gibt es heute viele Behandlungsmöglichkeiten. Gutartige Tumore sind fast immer heilbar. Bei bösartigen Tumoren hängt die Prognose stark von der Art und dem Zeitpunkt der Diagnose ab. Moderne Therapien können das Wachstum stoppen, Symptome lindern und die Lebenszeit verlängern. Viele Menschen leben mit der Erkrankung gut – mit passender Behandlung und guter Unterstützung. Es gibt immer Grund, Hoffnung zu haben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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