Kardiomyopathie: Wenn der Herzmuskel schwächer wird
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Kardiomyopathie bedeutet „Erkrankung des Herzmuskels“. Dabei ist der Herzmuskel in seiner Struktur verändert, sodass das Herz schlechter pumpen oder sich nicht mehr richtig entspannen kann. Das Herz ist ein Muskel, der Blut durch den Körper pumpt. Bei einer Kardiomyopathie ist dieser Muskel geschwächt oder versteift, wodurch der Körper unter Umständen zu wenig Blut und Sauerstoff erhält.
Wichtige Fakten
- Der Begriff umfasst verschiedene Formen, z. B. eine vergrößerte (dilatative) oder eine verdickte (hypertrophe) Herzmuskelwand.
- Manche Formen sind erblich bedingt, andere entstehen durch Infekte oder andere Erkrankungen.
- Mit einer guten Behandlung und regelmäßigen Kontrollen lässt sich oft eine Verschlechterung vermeiden.
Kardiomyopathie ist eine seltene Erkrankung. Man schätzt, dass etwa 1 bis 2 von 1.000 Menschen betroffen sind. Da manche Formen lange keine Beschwerden machen, gibt es wahrscheinlich mehr Fälle, die nicht entdeckt werden.
Sie kann in jedem Alter auftreten – auch bei Kindern und jungen Erwachsenen. Manche Formen sind erblich und kommen in Familien gehäuft vor. Andere Formen treten eher bei Menschen mit Bluthochdruck, nach einem Herzinfarkt oder nach bestimmten Infektionen auf.
Symptome
- Starke Schmerzen oder Engegefühl in der Brust, die länger als einige Minuten anhalten – rufen Sie sofort die Notrufnummer 112.
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht ohne erkennbaren Grund – rufen Sie sofort die Notrufnummer 112.
- Schwere Atemnot, die auch in Ruhe nicht nachlässt – rufen Sie sofort die Notrufnummer 112.
- Pulsrasen mit Schwindel oder Kollaps – rufen Sie sofort die Notrufnummer 112.
- ⚠Neue oder schnell stärker werdende Beschwerden wie Atemnot, Herzrasen oder starke Müdigkeit
- ⚠Wiederkehrende Ohnmachtsanfälle
- ⚠Schwellungen der Beine, die innerhalb weniger Tage zunehmen
Häufige Symptome
- Atemnot, vor allem bei Belastung oder im Liegen
- Schnelle Ermüdung und Schwäche
- Herzklopfen oder Herzstolpern
- Druck oder Schmerzen im Brustbereich
- Geschwollene Knöchel oder Beine
Symptome bei Kindern
- Trinkschwäche und schnelles Erschöpfen beim Stillen
- Geringe Gewichtszunahme (Gedeihstörung)
- Auffällige Blässe und Schwitzen
- Ohnmachtsanfälle (Synkopen) – selten, aber ernst
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Atemnot bei Alltagsaktivitäten
- Wassereinlagerung in Beinen und Knöcheln
- Verwirrtheit oder Konzentrationsstörungen – auch durch Minderdurchblutung
- Rückgang der körperlichen Belastbarkeit, der fälschlich als „Altersschwäche“ abgetan wird
Ursachen
Hauptursachen
- Erbliche (genetische) Veränderungen des Herzmuskels
- Herzmuskelentzündung nach einer Virusinfektion
- Langjähriger Bluthochdruck, der das Herz überlastet
- Schäden durch übermäßigen Alkohol- oder Drogenkonsum
- Herzklappenfehler oder frühere Herzinfarkte
- In seltenen Fällen auch eine Herzmuskelschwäche im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft
Risikofaktoren
- Kardiomyopathie in der Familie
- Bluthochdruck
- Früherer Herzinfarkt oder Herzmuskelentzündung
- Starker Alkoholkonsum
- Bestimmte Krebsbehandlungen (zum Beispiel Chemotherapie) – sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie ohnmächtig werden oder fast ohnmächtig werden
- Wenn Ihr Herz wiederholt in Ruhe stark klopft oder stolpert
- Wenn Sie plötzlich weniger belastbar sind und bei leichten Tätigkeiten Luftnot bekommen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über Wochen müde, schlapp oder kurzatmig sind
- Wenn Sie Herzklopfen oder ein Druckgefühl im Brustkorb verspüren
- Wenn in Ihrer Familie bereits eine Kardiomyopathie bekannt ist
Diagnose
Ihr Hausarzt spricht zuerst mit Ihnen über Ihre Beschwerden und Ihre Familiengeschichte. Er hört Ihr Herz ab und lässt Ruhe- und Belastungs-EKG durchführen. Wenn der Verdacht besteht, überweist er Sie an eine Kardiologie (Fachpraxis für Herzmedizin).
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) – misst die elektrische Herzaktivität
- Echokardiografie – Ultraschall des Herzens, zeigt Wanddicke und Pumpkraft
- Belastungstest (z. B. Fahrrad- oder Laufbandtest)
- Blutuntersuchung – zeigt Anzeichen einer Herzschwäche
- Herz-MRT (Magnetresonanztomographie) für genauere Bilder
- Genetischer Test – bei Verdacht auf erbliche Form
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und ambulant möglich. Sie dauern in der Regel 15 bis 60 Minuten. Ihr Hausarzt arbeitet dabei eng mit Kliniken und Schwerpunktpraxen zusammen. Die Behandlungsempfehlungen folgen aktuellen medizinischen Leitlinien, zum Beispiel der Leitlinien der AWMF.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Form und Schwere der Kardiomyopathie. Ziel ist es, das Herz zu entlasten, Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. In vielen Fällen lässt sich die Erkrankung damit gut in den Griff bekommen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung ein
- Meiden Sie Alkohol und Nikotin
- Trinken Sie ausreichend, aber nicht im Übermaß – Ihr Arzt sagt Ihnen, welche Menge für Sie passt
- Halten Sie sich an die Empfehlungen zu körperlicher Aktivität
- Kontrollieren Sie regelmäßig Blutdruck und Gewicht, wenn Ihr Arzt das empfiehlt
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die den Blutdruck senken, das Herz entlasten oder den Herzrhythmus stabilisieren. Welches Medikament für Sie geeignet ist, entscheidet Ihr Arzt – maßgeschneidert auf Ihre Situation. Nehmen Sie niemals Medikamente auf eigene Faust ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Herzschwäche trotz Medikamenten fortschreitet, kommen kleine Geräte wie ein Herzschrittmacher oder ein implantierbarer Defibrillator (ICD) infrage. Diese helfen, den Herzschlag zu überwachen und gefährliche Rhythmusstörungen zu behandeln. Bei manchen Formen ist auch eine Operation, zum Beispiel an der Herzklappe, denkbar. In sehr schweren Fällen, wenn alle anderen Maßnahmen nicht mehr ausreichen, kann auch eine Herztransplantation notwendig werden – das ist aber selten der Fall.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit Kardiomyopathie führen ein aktives Leben. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen, eine stabile Medikamenteneinnahme und ein achtsamer Umgang mit den eigenen Belastungsgrenzen. Lernen Sie, auf Ihren Körper zu hören: Bei Erschöpfung machen Sie Pausen.
Tipps für den Alltag
- Bewegungsformen wie Gehen, Radfahren oder leichtes Schwimmen – nach Absprache mit Ihrem Herzteam
- Salzarme, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten
- Stressreduktion durch Entspannungsübungen, Atemtechniken oder Yoga
- Sicheres Schlafumfeld: Lagern Sie bei Atemnot den Oberkörper höher
- Rauchen aufgeben und Alkohol vermeiden
Ernährung und Bewegung
Hören Sie auf Ihren Körper. Moderate Bewegung ist meist ausdrücklich erwünscht und stärkt den Herzmuskel langfristig. Vermeiden Sie extreme Anstrengung, zum Beispiel schnelle Sprintläufe oder schweres Krafttraining, wenn Ihr Arzt davon abrät. Sprechen Sie vor jedem neuen Sportprogramm mit Ihrem Behandlungsteam. Ihre Ernährung sollte möglichst wenig Salz und wenig gesättigte Fette enthalten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Herzerkrankung ist eine Belastung – für den Körper und die Seele. Ängste, Niedergeschlagenheit und Unsicherheit sind verständlich. Sie müssen damit nicht allein bleiben. Psychologische Beratung kann helfen, und auch der Austausch mit anderen Betroffenen entlastet. Wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen oder sich selbst zu verletzen, wenden Sie sich sofort an die Notrufnummer 112 oder suchen Sie eine psychiatrische Notaufnahme auf.
Vorbeugung
Eine erbliche Kardiomyopathie lässt sich nicht grundsätzlich verhindern. Aber Sie können das Risiko von Komplikationen deutlich senken: Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck, ernähren Sie sich herzgesund, bewegen Sie sich regelmäßig, meiden Sie Alkohol und Drogen und gehen Sie bei Infekten frühzeitig zum Arzt, wenn Sie sich ungewöhnlich schwach fühlen.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe (Influenza) und Pneumokokken impfen. Diese Impfungen schützen vor Infektionen, die das Herz zusätzlich belasten können. Fragen Sie Ihre Hausarztpraxis nach den aktuellen Empfehlungen.
Früherkennungsprogramme
Wenn in Ihrer Familie eine Kardiomyopathie bekannt ist, kann eine Untersuchung auch ohne Beschwerden sinnvoll sein. Lassen Sie sich dazu in einer herzmedizinischen Sprechstunde beraten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende Herzschwäche mit zunehmender Atemnot und Wassereinlagerung
- Herzrhythmusstörungen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen
- Bildung von Blutgerinnseln im Herzen, die einen Schlaganfall auslösen können
- Plötzlicher Herztod – selten, aber bei bestimmten Formen möglich
Langzeitprognose
Mit einer frühen Diagnose und einer konsequenten Behandlung ist die Aussicht heute gut. Viele Menschen mit Kardiomyopathie leben über viele Jahre stabil und können ihren Alltag weitgehend selbstständig gestalten. Durch neue Behandlungsmethoden verbessern sich die Chancen weiter. Ihr Arzt begleitet Sie bei jedem Schritt – scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.