Chemotherapie und das Herz: Was Sie über Kardiotoxizität wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Kardiotoxizität bedeutet, dass das Herz durch eine Chemotherapie geschädigt werden kann. Manche Krebsmedikamente können die Herzmuskelzellen schwächen oder den Herzrhythmus stören. Das Herz pumpt dann möglicherweise nicht mehr so gut wie vorher. Diese Nebenwirkung kann während der Behandlung auftreten, aber auch erst Monate oder Jahre später.
Wichtige Fakten
- Kardiotoxizität ist eine mögliche Nebenwirkung mancher Chemotherapien – nicht aller.
- Sie kann während der Behandlung oder erst später auftreten.
- Ärzte prüfen das Herz vor und während der Therapie, um Risiken früh zu erkennen.
- Viele Herzprobleme lassen sich gut behandeln, wenn man sie rechtzeitig bemerkt.
Kardiotoxizität ist nicht selten, aber sie betrifft nicht alle Patienten. Wie häufig sie auftritt, hängt von der Art der Chemotherapie, der Dosis und dem Gesundheitszustand des Herzens ab. Manche Medikamente belasten das Herz stärker als andere.
Kardiotoxizität kann Menschen jeden Alters betreffen. Häufiger sind ältere Erwachsene betroffen, Menschen mit bestehenden Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes sowie Personen, die bestimmte Chemotherapien in Kombination oder hoher Dosis erhalten.
Symptome
- Starke Schmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Schwere Atemnot, auch in Ruhe
- Ohnmacht oder das Gefühl, gleich zusammenzubrechen
- Sehr schneller oder stark unregelmäßiger Herzschlag, der länger anhält
- ⚠Neu aufgetretene oder zunehmende Schwellungen an Beinen oder Knöcheln
- ⚠Wiederholtes Herzklopfen oder Herzstolpern
- ⚠Neue oder schlimmer werdende Kurzatmigkeit
- ⚠Ungewöhnliche Erschöpfung oder Schwindel über mehrere Tage
Häufige Symptome
- Kurzatmigkeit bei alltäglichen Tätigkeiten
- Ungewöhnliche Müdigkeit oder Erschöpfung
- Geschwollene Beine, Knöchel oder Füße
- Herzklopfen oder spürbar unregelmäßiger Herzschlag
- Schwindelgefühl oder Benommenheit
- Schnelle Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
Symptome bei Kindern
- Die gleichen Anzeichen wie bei Erwachsenen, aber manchmal schwerer zu erkennen
- Auffällige Müdigkeit und verminderte Spiellust
- Bei Babys: Trink- oder Gedeihprobleme
- Kurzatmigkeit oder schnelles Ermüden beim Toben
- Blasse oder graue Hautfarbe
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Symptome können unscheinbar sein, zum Beispiel nur mehr Verwirrtheit
- Nachlassende körperliche Belastbarkeit im Alltag
- Atemnot schon beim Treppensteigen oder beim Anziehen
- Wassereinlagerungen in den Beinen werden leicht übersehen
Ursachen
Hauptursachen
- Bestimmte Chemotherapie-Medikamente können Herzmuskelzellen direkt schädigen
- Die Behandlung kann Entzündungsreaktionen im Herzen auslösen
- Eine Chemotherapie kann die Blutgefäße angreifen und so das Herz belasten
- Auch die Kombination mit einer Strahlentherapie im Brustbereich kann das Herz zusätzlich belasten
Risikofaktoren
- Bereits bestehende Herzerkrankungen, zum Beispiel Herzschwäche oder koronare Herzkrankheit
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Höheres Lebensalter
- Hohe Gesamtdosis der Chemotherapie
- Gleichzeitige Behandlung mit mehreren herzbelastenden Therapien
- Rauchen
- Übergewicht
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Zeichen eines Notfalls bemerken, rufen Sie sofort die 112
- Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe, wenn Atemnot oder Herzstolpern neu auftreten
- Lassen Sie eine plötzliche Verschlechterung von Müdigkeit, Schwindel oder Schwellungen umgehend abklären
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sprechen Sie bei Ihrem nächsten Termin mit Ihrem Onkologen oder Hausarzt, wenn Sie neue Symptome bemerken
- Lassen Sie regelmäßige Herzuntersuchungen zu Beginn und während der Chemotherapie durchführen
- Teilen Sie mit, wenn in Ihrer Familie Herzerkrankungen vorkommen
Diagnose
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, hört Ihr Herz ab und untersucht Sie. Danach helfen spezielle Untersuchungen, die Funktion des Herzens zu beurteilen und Schäden zu erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): misst die elektrischen Signale des Herzens und zeigt Herzrhythmusstörungen
- Echokardiografie: eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, um die Pumpleistung zu beurteilen
- Blutuntersuchungen: bestimmte Werte können auf eine Schädigung des Herzmuskels hinweisen
- Kardiale Magnetresonanztomografie (Herz-MRT): gibt ein sehr genaues Bild vom Herzmuskel, falls nötig
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Herzuntersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Sie werden vor der Chemotherapie durchgeführt, um den Ausgangszustand zu kennen, und während der Behandlung wiederholt, um Veränderungen früh zu erkennen. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen jeden Schritt.
Behandlung
Wenn eine Kardiotoxizität festgestellt wird, gibt es verschiedene Wege, damit umzugehen. Das Ziel ist immer, Ihr Herz zu schützen und gleichzeitig die Krebsbehandlung so gut wie möglich fortzuführen. Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Herzschädigung und Ihrem allgemeinen Zustand.
Selbsthilfe zu Hause
- Wiegen Sie sich regelmäßig – eine schnelle Gewichtszunahme kann auf Wassereinlagerungen hinweisen
- Reduzieren Sie Salz in Ihrer Ernährung, um den Kreislauf zu entlasten
- Achten Sie auf eine ausreichende, aber nicht übertriebene Flüssigkeitszufuhr – fragen Sie Ihren Arzt, wie viel passend ist
- Planen Sie ausreichend Ruhepausen ein, aber bleiben Sie so aktiv, wie es Ihnen guttut
- Verzichten Sie auf Rauchen und schränken Sie Alkohol ein
- Dokumentieren Sie neue Symptome und besprechen Sie sie beim nächsten Termin
Medizinische Behandlungen
Ihr behandlungsteam kann Medikamente verschreiben, die das Herz entlasten, den Blutdruck senken oder überschüssige Flüssigkeit aus dem Körper ausschwemmen. In manchen Fällen wird die Chemotherapie angepasst, etwa durch eine niedrigere Dosis oder einen anderen Behandlungsrhythmus. Auch eine enge Zusammenarbeit mit einer Kardiologin oder einem Kardiologen ist oft sinnvoll. Welche Behandlung zu Ihnen passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihren Ärzten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer durch Chemotherapie verursachten Herzschädigung nur in sehr seltenen, schweren Fällen nötig – zum Beispiel bei bestimmten Komplikationen. In der Regel kommt man ohne Operation aus.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit Herzbelastung nach Chemotherapie bedeutet vor allem: regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen, auf den eigenen Körper hören und Symptome ernst nehmen. Tragen Sie bei Arztbesuchen eine Liste Ihrer Medikamente und Beschwerden bei sich. Es hilft auch, eine Vertrauensperson zu haben, die Sie zu wichtigen Gesprächen begleitet.
Tipps für den Alltag
- Bewegung im Alltag, sofern Ihr Arzt es erlaubt – zum Beispiel Spaziergänge
- Gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Vollkornprodukten
- Stress abbauen durch Entspannungsübungen oder leichte Aktivitäten
- Ausreichend schlafen
- Rauchen aufgeben und Alkohol meiden
Ernährung und Bewegung
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie mit sportlicher Aktivität beginnen. Moderate Bewegung in Maßen, wie Gehen oder leichtes Radfahren, kann das Herz-Kreislauf-System stärken. Achten Sie auf eine herzgesunde Ernährung mit wenig Salz und wenig gesättigten Fetten. Lassen Sie sich bei der Umstellung von einer Ernährungsfachkraft beraten, falls möglich.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Krebserkrankung allein ist schon belastend. Kommen Sorgen um das Herz dazu, fühlen sich viele Menschen ängstlich oder überfordert. Diese Gefühle sind normal und verständlich. Es kann helfen, mit einem Psychoonkologen oder einer Beratungsstelle zu sprechen. Auch der Austausch in Selbsthilfegruppen gibt Kraft und Mut.
Vorbeugung
Nicht immer lässt sich eine Herzschädigung vollständig verhindern. Aber das Risiko lässt sich deutlich senken: durch eine gute Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker vor der Chemotherapie, durch herzschützende Medikamente, wenn Ihr Arzt sie verordnet, und durch eine regelmäßige Kontrolle des Herzens während der Behandlung. Ein gesunder Lebensstil unterstützt das Herz zusätzlich.
Früherkennungsprogramme
Wenn bei Ihnen eine Chemotherapie geplant ist, wird Ihr Arzt vorher die Herzfunktion untersuchen. Auch während der Behandlung und danach gibt es engmaschige Kontrollen, um Veränderungen früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Es kann eine Herzschwäche entstehen, bei der das Herz nicht mehr genug Blut durch den Körper pumpt
- Der Herzrhythmus kann unregelmäßig werden, im schlimmsten Fall mit gefährlichen Herzrhythmusstörungen
- Die körperliche Belastbarkeit kann dauerhaft abnehmen
- Die Lebensqualität kann sich stark einschränken
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Kardiotoxizität wird heute ernst genommen und früh gesucht. Wenn Herzprobleme rechtzeitig erkannt werden, lassen sie sich in den meisten Fällen gut behandeln oder sogar rückgängig machen. Viele Menschen durchlaufen ihre Krebsbehandlung erfolgreich, auch wenn das Herz vorübergehend Unterstützung braucht. Wichtig ist, dass Sie alle Kontrolltermine wahrnehmen und bei Beschwerden sofort mit Ihrem Behandlungsteam sprechen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.