Koronarspasmus – wenn sich Herzkranzgefäße verkrampfen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Koronarspasmus ist eine plötzliche Verkrampfung eines Herzkranzgefäßes. Dabei zieht sich die Muskelschicht in der Gefäßwand kurzzeitig zusammen und verengt das Gefäß. Dadurch bekommt der Herzmuskel kurzzeitig zu wenig Blut und Sauerstoff. Das kann Schmerzen in der Brust auslösen – ähnlich wie bei einer Angina Pectoris, aber ohne dass das Gefäß dauerhaft durch Kalk oder Blutgerinnsel verstopft ist.
Wichtige Fakten
- Ein Koronarspasmus betrifft meist ein einzelnes Herzkranzgefäß und bildet sich oft von selbst wieder zurück.
- Die Beschwerden treten häufig in Ruhe auf, oft nachts oder in den frühen Morgenstunden.
- Mit der richtigen Behandlung lässt sich der Spasmus meist gut kontrollieren.
Ein Koronarspasmus ist deutlich seltener als eine klassische koronare Herzkrankheit durch Gefäßablagerungen. Dennoch werden solche Spasmen bei Menschen mit unklaren Brustschmerzen immer wieder gefunden.
Koronarspasmen können Menschen jeden Alters betreffen, kommen aber häufiger bei jüngeren Frauen und Männern mit bestimmten Risikofaktoren vor. Sie treten manchmal auch bei Menschen auf, die keine typischen Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen haben.
Symptome
- Sehr starker Brustschmerz, der länger als ein paar Minuten anhält
- Schmerzen, die in Rücken, Kiefer oder Arm ausstrahlen
- Atemnot, kalter Schweiß oder ein starkes Engegefühl
- Das Gefühl, dass das Herz „stockt“ oder unregelmäßig schlägt
- ⚠Neue oder zunehmende Brustschmerzen, die in Ruhe auftreten
- ⚠Brustschmerzen, die sich wiederholen oder in ihrer Stärke zunehmen
- ⚠Wenn Sie bereits wegen eines Herzproblems in Behandlung sind und neue oder veränderte Beschwerden bemerken
Häufige Symptome
- Plötzlicher, krampfartiger Schmerz oder Druck in der Brust, oft hinter dem Brustbein
- Schmerz kann in den linken Arm, den Hals, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen
- Beschwerden treten häufig in Ruhe auf, besonders nachts oder in den frühen Morgenstunden
- Eventuell Herzklopfen, Schweißausbruch, Übelkeit oder Atemnot
- Die Beschwerden können zwischen einigen Minuten und einer halben Stunde dauern
Symptome bei Kindern
- Koronarspasmen sind bei Kindern sehr selten.
- Falls ein Kind über wiederkehrende Brustschmerzen klagt, sollte die Ursache immer ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen können die Schmerzen weniger typisch sein, zum Beispiel als Druck im Oberbauch oder als Luftnot.
- Ein Koronarspasmus kann auch ohne stärkere Schmerzen einhergehen und sich nur durch Müdigkeit oder Unwohlsein bemerkbar machen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht immer vollständig geklärt.
- Eine plötzliche Fehlregulation der Gefäßmuskulatur führt dazu, dass sich das Gefäß verkrampft.
- Auch eine erhöhte Empfindlichkeit der Gefäßwand gegenüber Reizen kann eine Rolle spielen.
Risikofaktoren
- Rauchen
- Stress oder starke emotionale Belastung
- Kälte
- Kokain oder andere stimulierende Substanzen
- Schlafmangel oder nächtliche Unterzuckerung
- Manche Medikamente, die Gefäße verengen können – sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zum ersten Mal Brustschmerzen haben, die in Ruhe auftreten
- Wenn Ihre Beschwerden häufiger, länger oder stärker werden
- Wenn die Schmerzen trotz Ruhe nicht besser werden
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Brustschmerzen ohne klare Ursache bemerken, sollten Sie zeitnah einen Termin beim Hausarzt oder bei der Hausärztin machen.
- Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Herz oder Ihre Gefäße machen, besprechen Sie Ihre Risikofaktoren bei einer Vorsorgeuntersuchung.
Diagnose
Die Diagnose erfordert eine ärztliche Untersuchung. Im Gespräch schildern Sie Ihre Beschwerden und in welchen Situationen sie auftreten. Danach wird durch weitere Untersuchungen geklärt, ob ein Koronarspasmus vorliegt oder ob andere Herz- oder Lungenerkrankungen die Beschwerden verursachen.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG), in Ruhe und gegebenenfalls während eines Anfalls
- Langzeit-EKG über 24 Stunden, um Veränderungen im Tagesverlauf zu erkennen
- Blutuntersuchung, um einen Herzinfarkt auszuschließen
- Belastungs-EKG auf dem Fahrrad oder Laufband
- Herzkatheteruntersuchung mit einem speziellen Test zur Provokation eines Spasmus, wenn die Diagnose unklar ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern in der Regel einen oder mehrere Tage. Manche Tests werden stationär durchgeführt, andere ambulant. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht mit Ihnen, welche Untersuchung in Ihrer Situation sinnvoll ist.
Behandlung
Die Behandlung eines Koronarspasmus zielt darauf ab, die Verkrampfung der Gefäße zu lösen und weitere Spasmen zu verhindern. Dazu kommen Medikamente zum Einsatz, die die Gefäße erweitern und ihre Muskulatur entspannen. Wichtig ist außerdem, auslösende Faktoren wie Rauchen oder extremen Stress zu meiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Hören Sie mit dem Rauchen auf, falls Sie rauchen – das wirkt am stärksten.
- Vermeiden Sie Situationen, die bei Ihnen einen Anfall auslösen, zum Beispiel extreme Kälte.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und regelmäßige Erholungsphasen.
- Lernen Sie Entspannungsverfahren, um Stress abzubauen, etwa Atemübungen oder progressive Muskelentspannung.
Medizinische Behandlungen
Es gibt wirksame Medikamente, die die Herzkranzgefäße erweitern und so einem Spasmus entgegenwirken. Dazu gehören bestimmte Kalziumkanalblocker und langwirksame Nitrate. Welches Medikament für Sie geeignet ist und wie die Dosis bemessen wird, entscheidet Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt. Nehmen Sie keine Medikamente ohne ärztliche Anordnung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operationen oder Eingriffe sind bei einem reinen Koronarspasmus nur in sehr seltenen Fällen sinnvoll, etwa wenn ein Gefäß gleichzeitig eine ausgeprägte Verengung durch Ablagerungen aufweist. Ein Stent wird nur gesetzt, wenn es medizinisch notwendig ist. Ihr Behandlungsteam bespricht dies individuell mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen können mit einem Koronarspasmus ein normales Leben führen, wenn die Auslöser bekannt sind und die Therapie eingehalten wird. Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig und dokumentieren Sie aufgetretene Anfälle, um sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen.
Tipps für den Alltag
- Rauchen komplett aufgeben
- Stress reduzieren und ausreichend Pausen einplanen
- Auf ausreichend Schlaf achten
- Kälte meiden, bei kalter Witterung warm anziehen und sich nur langsam belasten
- Auf Substanzen wie Kokain oder andere Stimulanzien verzichten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und ungesättigten Fetten unterstützt die Gefäßgesundheit. Regelmäßige moderate Ausdauertrainings wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen sind in der Regel gut geeignet. Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten, wie intensiv Sie trainieren können.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederkehrende Brustschmerzen können Angst machen. Es ist verständlich, dass Sie sich Sorgen um Ihr Herz machen. Es kann helfen, diese Ängste ernst zu nehmen und mit Angehörigen oder einem psychologischen Beratungsangebot zu sprechen. Manche Menschen profitieren von Entspannungsverfahren oder einer Stressbewältigungstherapie.
Vorbeugung
Man kann einem Koronarspasmus nicht immer sicher vorbeugen, weil die Neigung dazu teilweise anlagebedingt ist. Aber Sie können die Wahrscheinlichkeit verringern, indem Sie Risikofaktoren wie Rauchen, Schlafmangel und unkontrollierten Stress angehen.
Früherkennungsprogramme
Gehen Sie regelmäßig zu ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen, um Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfettwerte frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Spasmen können dazu führen, dass das Herz zeitweise zu wenig Sauerstoff bekommt oder eine gefährliche Herzrhythmusstörung entsteht.
- In seltenen Fällen kann ein anhaltender Koronarspasmus zu einem Herzinfarkt führen.
- Unbehandelte, häufige Beschwerden können zu Angst und erheblicher Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Diagnose und Behandlung ist die Aussicht in den meisten Fällen gut. Die Symptome lassen sich meist sehr gut kontrollieren, und die Gefahr schwerer Komplikationen ist dann gering. Eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Behandlungsteam und ein herzgesunder Lebensstil sind der beste Weg, um langfristig stabil zu bleiben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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