Dilatative Kardiomyopathie (DCM): Wenn das Herz schwach wird
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die dilatative Kardiomyopathie ist eine Erkrankung des Herzmuskels. Das Herz ist dabei vergrößert und die Herzwände sind gedehnt und dünner geworden. Dadurch kann der Herzmuskel nicht mehr so kräftig pumpen, wie er sollte. Der Begriff kommt aus dem Griechischen: „dilatativ“ bedeutet erweitert, „Kardiomyopathie“ bedeutet Herzmuskelerkrankung.
Wichtige Fakten
- Das Herz ist wie eine Pumpe, die das Blut durch den Körper schickt – bei DCM pumpt sie schwächer.
- Die Herzwände werden dünner und die Herzkammern werden größer.
- Die Krankheit schreitet oft langsam voran und kann lange unbemerkt bleiben.
- Eine frühe Erkennung und Behandlung kann das Herz entlasten und die Lebensqualität verbessern.
Die DCM ist die häufigste Form der Herzmuskelerkrankung. Sie ist nicht selten, wird aber manchmal erst spät entdeckt. Genauere Zahlen sind schwer zu nennen, weil viele Menschen keine Beschwerden haben.
Die DCM kann in jedem Alter auftreten. Häufiger betroffen sind Erwachsene zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Auch Kinder können erkranken.
Symptome
- Starke, anhaltende Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Atemnot, die auch in Ruhe nicht nachlässt
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- Sehr schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, der mit Schwindel oder Kollaps einhergeht
- Bei diesen Symptomen: Sofort den Notruf 112 wählen!
- ⚠Neue oder sich verschlimmernde Atemnot
- ⚠Herzrasen, das über Minuten anhält
- ⚠Starke Müdigkeit und Leistungsabfall über Tage
- ⚠Schnelle Gewichtszunahme (über 1–2 Kilogramm in 3 Tagen) trotz wenig Essen – das kann auf Wassereinlagerungen hinweisen
- ⚠In diesen Fällen sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
Häufige Symptome
- Atemnot bei Belastung oder auch in Ruhe
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit
- Schwellungen an den Knöcheln, Füßen oder Beinen (Wassereinlagerungen)
- Herzklopfen, Herzrasen
- Schwindel oder Benommenheit
- Husten, der nicht weggeht
Symptome bei Kindern
- Schlechtes Trinken und wenig Appetit
- Schnelle Erschöpfung beim Spielen
- Schnelles Atmen
- Blaue Lippen oder Fingerspitzen
- Gedeihstörungen (das Kind nimmt nicht zu)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit, die mit einer schlechteren Durchblutung des Gehirns zusammenhängen kann
- Allgemeine Schwäche und schnelle Erschöpfung
- Wassereinlagerungen in den Beinen, die nicht mehr zurückgehen
- Brustenge oder ein Druckgefühl im Brustkorb
Ursachen
Hauptursachen
- Eine häufige Ursache ist eine Herzmuskelentzündung, die zum Beispiel durch Viren ausgelöst wird.
- Erbliche (genetische) Veränderungen spielen bei vielen Betroffenen eine Rolle.
- Hoher Blutdruck über viele Jahre kann den Herzmuskel schwächen.
- Alkohol in großen Mengen, insbesondere über einen langen Zeitraum, schädigt den Herzmuskel.
- Seltener: Drogen wie Kokain, bestimmte Chemotherapien oder Schilddrüsenerkrankungen.
Risikofaktoren
- Familienangehörige mit Herzmuskelerkrankungen oder plötzlichem Herztod
- Bestehende Herzerkrankungen, z. B. eine entzündete Herzklappe
- Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes oder hohe Cholesterinwerte
- Alkohol-Tabletten- oder Drogenkonsum
- Schwangerschaft – in seltenen Fällen tritt eine DCM im letzten Schwangerschaftsdrittel oder nach der Geburt auf
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie neue oder schlimmer werdende Symptome bemerken, wie starke Atemnot, Brustschmerzen oder Ohnmacht – gehen Sie sofort in eine Notaufnahme oder rufen Sie den Notruf 112.
- Wenn Sie innerhalb weniger Tage viel Gewicht zunehmen und sich zunehmend schlapp fühlen – suchen Sie noch am selben Tag einen Arzt oder eine Ärztin auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine familiäre Vorbelastung haben und eine Untersuchung ihres Herzens noch nie stattgefunden hat, sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an.
- Wenn Sie sich länger als ein paar Wochen abgeschlagen fühlen oder leicht aus der Puste kommen, sollten Sie in Ruhe einen Termin in der Praxis vereinbaren.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin beginnt mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung. Dabei werden zum Beispiel Herztöne, Lunge und Beine beurteilt. Wenn der Verdacht besteht, folgen weitere Untersuchungen, um den Herzmuskel genau zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung – zeigt an, ob das Herz belastet ist oder ob es entzündliche Zeichen gibt.
- Elektrokardiogramm (EKG) – misst die elektrischen Signale des Herzens und kann Rhythmusstörungen erkennen.
- Echokardiographie (Herzecho) – ein Ultraschall des Herzens, der Größe, Wandstärke und Pumpfunktion darstellt.
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs – zeigt die Herzgröße und mögliche Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge.
- Belastungs-EKG – testet die Leistungsfähigkeit des Herzens unter Belastung.
- Herz-MRT – eine detaillierte Schnittbilduntersuchung, die das Muskelgewebe genauer darstellt.
- Herzkatheteruntersuchung – kann bei bestimmten Fragen notwendig sein, um die Herzkranzgefäße zu prüfen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist manchmal nicht sofort eindeutig. Oft werden mehrere Untersuchungen über den Verlauf von Wochen durchgeführt. Ihr Hausarzt überweist Sie bei Bedarf an eine kardiologische Praxis oder ein Krankenhaus mit Herzzentrum. Nehmen Sie sich Zeit und schreiben Sie sich Fragen auf, die Sie vor der Untersuchung klären möchten.
Behandlung
Die Behandlung einer DCM zielt darauf ab, das Herz zu entlasten, Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Sie ist immer individuell – was für den einen passt, kann für den anderen nicht richtig sein. Die medikamentöse Behandlung wird von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten genau auf Sie abgestimmt. Auch eine Änderung der Lebensgewohnheiten ist ein wichtiger Baustein.
Selbsthilfe zu Hause
- Reduzieren Sie Alkohol – am besten ganz darauf verzichten.
- Salzen Sie Ihr Essen sparsam, weil zu viel Salz Wasser im Körper bindet.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber in Absprache mit Ihrem Arzt – Überanstrengung vermeiden.
- Lassen Sie das Rauchen ab sofort sein – das belastet die Gefäße.
- Wiegen Sie sich mehrmals pro Woche, um eine plötzliche Gewichtszunahme durch Wasseransammlungen schnell zu bemerken.
- Suchen Sie sich Unterstützung im Alltag – ob im Haushalt oder bei emotionalen Belastungen.
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte verwenden verschiedene Medikamentengruppen, um die Herzfunktion zu verbessern und Beschwerden zu lindern. Dazu gehören Wirkstoffe, die den Blutdruck senken, das Herz entlasten, den Herzrhythmus stabilisieren und überschüssiges Wasser ausschwemmen (Entwässerungsmittel). Die medikamentöse Therapie wird schrittweise angepasst und ist auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten und der Patientin zugeschnitten. Einige Menschen brauchen Blutverdünner, um das Risiko für Blutgerinnsel zu senken. Alle Medikamente werden ausschließlich von Ihrem Gesundheitsteam verordnet und kontrolliert.
Wann kommt eine Operation infrage?
In manchen Fällen reicht die Medikamentenbehandlung nicht aus. Dann können Geräte helfen, wie ein implantierbarer Defibrillator (ICD). Er spürt lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und schockt das Herz wieder in einen normalen Takt. Auch eine Herzschrittmacherbehandlung kann bei bestimmten Rhythmusstörungen sinnvoll sein. In sehr schweren Fällen, wenn das Herz dauerhaft zu schwach ist, kann eine Herztransplantation nötig werden. Ihr Herzteam wird alle Möglichkeiten mit Ihnen offen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Die Diagnose DCM ist für viele erst einmal ein Schock. Doch mit einer gut eingestellten Behandlung und einem achtsamen Umgang mit sich selbst können Sie den Alltag meist gut meistern. Achten Sie auf Ihren Körper: Signale wie zunehmende Müdigkeit oder Kurzatmigkeit sollten Sie ernst nehmen. Führen Sie ein kleines Tagebuch über Ihr Gewicht, Ihre Symptome und Ihre Energie – das hilft Ihnen und Ihrem Behandlungsteam.
Tipps für den Alltag
- Bewegung ist möglich, aber sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Art und Belastung für Sie geeignet ist. Oft sind Spazierengehen, leichtes Radfahren oder Schwimmen empfehlenswert.
- Gönnen Sie sich ausreichend Erholung und Schlaf – das Herz arbeitet nachts im Ruhemodus günstiger.
- Stress hilft dem Herzen nicht. Entspannungsmethoden wie Atemübungen, Yoga oder Meditation können unterstützend wirken.
- Vermeiden Sie Situationen, die zu extremer Anstrengung führen – dazu gehören auch Saunagänge bei Hitze oder intensives Ausdauertraining ohne ärztliche Freigabe.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung ist bei DCM besonders wichtig. Bevorzugen Sie viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und ungesättigte Fettsäuren (zum Beispiel aus Olivenöl oder Nüssen). Reduzieren Sie Speisesalz stark, aber nicht ganz – Ihr Arzt kann Ihnen sagen, ob Sie eine Salzgrenze einhalten sollen. Trinken Sie nicht zu viel auf einmal, da zu viel Flüssigkeit das Herz beanspruchen kann. Für Bewegung gilt: Regelmäßig und in Maßen. Ihr Arzt kann Ihnen zum Beispiel eine Reha-Sportgruppe empfehlen, in der Sie unter fachlicher Anleitung trainieren können.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose DCM kann ängstlich machen. Gedanken ans Herz, Sorgen um die Zukunft und Ängste vor Herzkomplikationen sind nach so einer Diagnose ganz normal. Psychische Belastung kann das Herz zusätzlich beeinflussen. Wenn Sie sich dauerhaft niedergeschlagen, ängstlich oder überfordert fühlen, suchen Sie sich Hilfe – zum Beispiel bei Ihrem Hausarzt, einem psychologischen Beratungsangebot oder einer psychologischen Psychotherapie. Sie müssen mit diesen Gefühlen nicht allein bleiben.
Vorbeugung
Eine DCM durch eine genetische Veranlagung kann man nicht direkt verhindern. Aber ein gesunder Lebensstil hilft, die Risiken zu verringern: kontrollieren Sie Ihren Blutdruck, essen Sie ausgewogen, bewegen Sie sich regelmäßig, meiden Sie Alkohol und Rauchen. Auch die Früherkennung ist wichtig – wenn bei Ihnen in der Familie eine Herzmuskelerkrankung bekannt ist, lassen Sie eine Herzbildgebung bereits vor dem Auftreten von Symptomen durchführen.
Impfungen
Infektionen können das Herz zusätzlich belasten. Daher empfehlen Impfexperten, sich gegen Grippe und Pneumokokken (eine Bakterienart, die Lungenentzündungen auslösen kann) impfen zu lassen – sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber.
Früherkennungsprogramme
Wer nahe Verwandte (Eltern, Kinder, Geschwister) mit DCM hat, sollte auch ohne Beschwerden eine kardiologische Untersuchung angeboten bekommen. Ihr Hausarzt kann Sie dazu an einen Kardiologen überweisen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzschwäche bis hin zum Herzversagen – das Herz kann den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen.
- Herzrhythmusstörungen, die schwerwiegend sein können und im schlimmsten Fall zu einem plötzlichen Herztod führen.
- Blutgerinnsel, die sich im Herzen bilden und ein Schlaganfall oder eine Embolie auslösen können.
- Schwere Wassereinlagerungen in der Lunge (Lungenödem) – ein akuter Notfall.
Langzeitprognose
Die Aussichten bei DCM sind heute deutlich besser als früher. Mit einer früh begonnenen, konsequenten Behandlung und einem herzgesunden Lebensstil können viele Betroffene ein aktives und lebenswertes Leben führen. Die medizinische Forschung entwickelt neue Therapien, und immer mehr Menschen profitieren von einer guten, auf sie abgestimmten Versorgung. Ihre eigene Beteiligung – das Einhalten von Terminen, Medikamenten und Lebensstiländerungen – spielt eine enorm wichtige Rolle. Es gibt Grund zur Zuversicht.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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