Endokarditis: Herzinnenhautentzündung verstehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Endokarditis ist eine Entzündung der innersten Schicht des Herzens, besonders der Herzklappen. Meist wird sie durch Bakterien verursacht, die ins Blut gelangen und sich am Herzen festsetzen. Die Entzündung kann die Herzklappen schädigen. Sie ist ernst zu nehmen, aber gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird.
Wichtige Fakten
- Sie ist nicht ansteckend – man kann sie also nicht auf andere Menschen übertragen.
- Sie entsteht oft durch Bakterien, die über den Blutkreislauf ins Herz gelangen.
- Eine frühzeitige Behandlung im Krankenhaus ist wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden.
Endokarditis ist selten. In Deutschland erkranken etwa 2 bis 3 von 100.000 Menschen pro Jahr daran.
Besonders gefährdet sind Menschen mit künstlichen Herzklappen, angeborenen Herzfehlern, früherer Endokarditis oder bestimmten Herzerkrankungen. Auch Menschen, die intravenöse Drogen konsumieren, und Menschen mit geschwächtem Immunsystem haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzliche starke Atemnot
- Brustschmerzen oder Druckgefühl in der Brust
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- Zeichen eines Schlaganfalls (z. B. Lähmungen, Sprachstörungen)
- Sehr schneller oder unregelmäßiger Herzschlag
- ⚠Anhaltendes Fieber, besonders bei bekanntem Herzproblem
- ⚠Schüttelfrost und starkes Krankheitsgefühl
- ⚠Blut im Urin
- ⚠Neu auftretende rote Punkte oder Einblutungen auf der Haut
- ⚠Unerklärlicher Gewichtsverlust über Wochen
Häufige Symptome
- Fieber und Schüttelfrost
- Starke Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Nachtschweiß
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Neu auftretendes Herzgeräusch (vom Arzt festgestellt)
- Kurzatmigkeit, besonders bei Belastung
- Kleine rote Punkte auf Haut oder Schleimhaut (Petechien)
Symptome bei Kindern
- Fieber und Weinerlichkeit
- Appetitlosigkeit und Trinkschwäche
- Blässe oder Hautausschlag
- Mangelnde Gedeihen (Kinder nehmen schlecht zu)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Desorientierung
- Sturzereignisse ohne klare Ursache
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
- Fieber kann ausbleiben – stattdessen oft Schwäche und Müdigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien (z. B. Streptokokken oder Staphylokokken) gelangen über Blut ins Herz
- Häufige Eintrittspforten: Zahnfleischbluten, Zahnbehandlungen, Hautinfektionen, Katheter oder Spritzen
- Intravenöser Drogenkonsum begünstigt das Eindringen von Keimen
Risikofaktoren
- Künstliche oder geschädigte Herzklappen
- Angeborene Herzfehler
- Frühere Endokarditis
- Schlechte Zahnhygiene oder unbehandelte Zahnfleischentzündungen
- Geschwächtes Immunsystem
- Lang liegende Venenkatheter im Krankenhaus
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 38 °C und einem bekannten Herzklappenfehler oder einer künstlichen Herzklappe
- Bei Schüttelfrost und schwerem Krankheitsgefühl
- Bei plötzlicher Atemnot oder neuem Herzgeräusch
- Bei neurologischen Ausfällen wie Sprach- oder Sehstörungen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltender unerklärlicher Müdigkeit über mehr als zwei Wochen
- Bei wiederholtem Nachtschweiß oder ungewolltem Gewichtsverlust
- Vor geplanten Zahnbehandlungen, wenn Sie zur Hochrisikogruppe gehören
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte und hört das Herz ab. Bei Verdacht wird meist eine Blutuntersuchung und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Blutkulturen (Blut wird auf Bakterien untersucht)
- Echokardiografie (Herzultraschall – manchmal als Schluckultraschall, um die Herzklappen genauer zu sehen)
- Elektrokardiogramm (EKG) zur Kontrolle der Herzrhythmen
- Röntgen des Brustkorbs
- Weitere Blutuntersuchungen zum Nachweis von Entzündungswerten
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn der Verdacht besteht, werden Sie meist ins Krankenhaus eingewiesen. Es werden mehrere Blutproben genommen und die Behandlung wird oft schon vor dem endgültigen Testergebnis begonnen. Die Diagnoseprüfung kann einige Tage dauern.
Behandlung
Die Behandlung findet in der Regel im Krankenhaus statt und besteht aus einer langen Antibiotikatherapie über die Vene. Sie dauert meist mehrere Wochen. Je nach Schweregrad kann auch eine Operation nötig werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie strikt die verordneten Ruhephasen ein
- Achten Sie auf gute Mund- und Zahnhygiene
- Trinken Sie ausreichend, aber fragen Sie bei Herzbeteiligung nach erlaubten Mengen
- Nehmen Sie keine blutverdünnenden Mittel auf eigene Faust ein – nur nach Rücksprache mit dem Arzt
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung besteht hauptsächlich aus Antibiotika, die über eine Infusion gegeben werden. Welches Antibiotikum eingesetzt wird, hängt von dem gefundenen Erreger ab. Die Therapie dauert je nach Schweregrad 2 bis 6 Wochen. Begleitend werden Medikamente zur Unterstützung des Herzens eingesetzt, falls nötig.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann notwendig werden, wenn eine Herzklappe schwer geschädigt ist, sich eine Abszesshöhle im Herzen bildet oder trotz Antibiotika weiterhin Bakterien im Blut nachweisbar sind.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sind regelmäßige Kontrollen beim Kardiologen wichtig. Planen Sie Ihren Alltag nach und nach wieder auf. Achten Sie auf neue Warnzeichen wie Fieber oder Müdigkeit und melden Sie sich bei der Ärzteschaft.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie intravenösen Drogenkonsum – er erhöht das Rückfallrisiko stark
- Pflegen Sie Zähne und Zahnfleisch regelmäßig – lassen Sie Zahnbehandlungen von Ihrem Kardiologen vorab abklären
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkohol, um das Herz zu entlasten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt die Erholung. Bewegung in Maßen ist nach Absprache mit dem Arzt gut – beginnen Sie langsam und steigern Sie sich nur nach Rücksprache.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Endokarditis kann Angst machen und emotional belasten. Es ist normal, sich nach einer schweren Erkrankung unsicher zu fühlen. Holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie Niedergeschlagenheit oder große Ängste bei sich bemerken.
Vorbeugung
Sie können das Risiko senken, indem Sie eine gute Zahn- und Mundhygiene pflegen, regelmäßig zur Zahnvorsorge gehen und Hautinfektionen früh behandeln. Für Menschen mit hohem Risiko gibt es Empfehlungen, vor bestimmten Eingriffen Antibiotika vorbeugend zu nehmen – das legt der Arzt individuell fest.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen, falls Ihr Arzt es empfiehlt – das schützt den Körper vor Infektionen, die eine Endokarditis auslösen können.
Früherkennungsprogramme
Für Hochrisikopersonen werden regelmäßige Kontrollen beim Kardiologen und Zahnarzt empfohlen, um Veränderungen früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zerstörung der Herzklappen mit Herzschwäche
- Schlaganfall durch abgelöstes Material im Blutgefäß
- Nierenentzündung oder Nierenversagen
- Sepsis (Blutvergiftung) – eine lebensbedrohliche Entzündungsreaktion
- Abszesse im Herzmuskel
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Mit frühzeitiger und konsequenter Behandlung heilen die meisten Menschen. Viele können wieder ein normales Leben führen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten. Auch nach einer Operation sind die Chancen gut, insbesondere wenn keine weiteren schweren Vorerkrankungen bestehen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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