Sodbrennen und Refluxkrankheit (GERD)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei saurem Reflux fließt Magensäure zurück in die Speiseröhre. Das verursacht das typische Brennen hinter dem Brustbein (Sodbrennen). Wenn das häufig passiert und die Speiseröhre dadurch gereizt wird, spricht man von einer Refluxkrankheit (GERD).
Wichtige Fakten
- Gelegentliches Sodbrennen ist normal, besonders nach üppigen Mahlzeiten.
- Bei einer Refluxkrankheit treten die Beschwerden mindestens zweimal pro Woche auf oder die Speiseröhre entzündet sich.
- Mit einer Änderung der Lebensgewohnheiten und ärztlicher Behandlung lassen sich die Beschwerden meist gut kontrollieren.
Ja, in Deutschland sind etwa 10 bis 20 von 100 Erwachsenen von einer Refluxkrankheit betroffen. Viele Menschen haben gelegentlich Sodbrennen, ohne dass eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt.
Die Refluxkrankheit tritt in jedem Alter auf. Häufiger sind Menschen mit Übergewicht, Schwangere und Personen über 50 Jahren. Auch wer raucht oder viel Alkohol trinkt, hat ein höheres Risiko.
Symptome
- Starke Schmerzen in der Brust, die in den Arm, den Rücken oder den Kiefer ausstrahlen, mit Atemnot oder kaltern Schweiß – das kann ein Herzinfarkt sein. Sofort den Notruf 112 wählen.
- Erbrechen von frischem Blut oder kaffeesatzartigem Erbrochenem
- Schwarzer, teerartiger Stuhl (Zeichen für Blutungen im Magen-Darm-Trakt)
- ⚠Schluckbeschwerden oder Schmerzen beim Schlucken
- ⚠Wiederholtes Erbrechen
- ⚠Ungewollter Gewichtsverlust
Häufige Symptome
- Brennender Schmerz hinter dem Brustbein (Sodbrennen)
- Saures Aufstoßen
- Säuregeschmack im Mund
- Husten, besonders nachts oder morgens
- Heiserkeit und Räuspern
- Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben
Symptome bei Kindern
- Wiederholtes Erbrechen
- Reizhusten ohne Erkältung
- Gedeihstörung, also langsames Wachstum oder Gewichtsverlust
- Bauchschmerzen oder Weinen nach dem Essen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Weniger typisches Sodbrennen, stattdessen eher Husten oder Heiserkeit
- Schluckbeschwerden
- Gewichtsverlust ohne ersichtlichen Grund
- Blutarmut durch schleichende Blutungen in der Speiseröhre
Ursachen
Hauptursachen
- Der Schließmuskel am Übergang von der Speiseröhre zum Magen ist zu schwach oder erschlafft zu oft.
- Ein Zwerchfellbruch: Ein Teil des Magens rutscht durch eine Lücke im Zwerchfell in den Brustraum.
- Eine verzögerte Magenentleerung sorgt dafür, dass der Magen länger gefüllt bleibt und Säure leichter aufsteigen kann.
- Erhöhter Druck im Bauchraum, zum Beispiel bei Übergewicht oder in der Schwangerschaft, drückt den Mageninhalt nach oben.
Risikofaktoren
- Übergewicht
- Schwangerschaft
- Rauchen
- Alkohol
- Fettige, scharfe oder sehr süße Speisen
- Schokolade, Kaffee, Zitrusfrüchte und kohlensäurehaltige Getränke
- Große Mahlzeiten, besonders kurz vor dem Schlafengehen
- Bestimmte Medikamente (zum Beispiel bestimmte Schmerzmittel oder Blutdrucksenker – Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann dazu beraten)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Schluckstörungen oder schmerzhaftem Schlucken
- Bei Anzeichen von Blutungen, zum Beispiel Blut im Stuhl oder Erbrechen von Blut
- Bei ungewolltem Gewichtsverlust
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sodbrennen mehr als zweimal pro Woche auftritt
- Wenn die Beschwerden trotz Hausmitteln länger als zwei Wochen anhalten
- Wenn das Sodbrennen nachts aufwacht und den Schlaf stört
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst genau nach Ihren Beschwerden, Ihren Essgewohnheiten und möglichen Auslösern. Dazu gehört eine körperliche Untersuchung. Wenn die Symptome typisch sind, beginnen viele Behandlungen ohne weitere Untersuchungen. Bei Warnzeichen oder anhaltenden Beschwerden wird eine Magenspiegelung (Gastroskopie) empfohlen.
Mögliche Untersuchungen
- Magenspiegelung (Gastroskopie): Ein dünner Schlauch mit Kamera zeigt den Zustand von Speiseröhre und Magen.
- pH-Messung: Eine Sonde misst, wie oft und wie lange Säure in die Speiseröhre aufsteigt.
- Manometrie: Eine Druckmessung, die die Funktion des Schließmuskels in der Speiseröhre überprüft.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Magenspiegelung wird meist unter Kurznarkose (Sedierung) durchgeführt, sodass Sie dabei nichts spüren. Sie dürfen vor der Untersuchung nichts essen. Nach dem Eingriff können Sie sich zwar etwas benommen fühlen, aber meist schon am selben Tag normal essen. Die Ergebnisse bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen.
Behandlung
Die Behandlung hat zwei Ziele: die Beschwerden lindern und die Speiseröhre vor dauerhaften Schäden schützen. Bei leichteren Beschwerden helfen oft schon veränderte Ess- und Lebensgewohnheiten. Reicht das nicht aus, werden Medikamente eingesetzt, die die Magensäure binden oder ihre Produktion verringern. Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Essen Sie mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer.
- Die letzte Mahlzeit sollte mindestens drei Stunden vor dem Schlafengehen liegen.
- Gehen Sie nach dem Essen nicht sofort ins Bett und beugen Sie sich nicht stark nach vorn.
- Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper, zum Beispiel durch ein höheres Kopfkissen oder ein keilförmiges Kissen.
- Reduzieren Sie Übergewicht.
- Verzichten Sie auf Rauchen und Alkohol.
- Meiden Sie Speisen und Getränke, die bei Ihnen Sodbrennen auslösen – zum Beispiel Fettiges, Scharfes, Schokolade, Kaffee oder Zitrusfrüchte.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente gegen Reflux. Manche binden überschüssige Magensäure (Antazida), andere blockieren die Säureproduktion in den Magenzellen (sogenannte H2-Blocker und Protonenpumpenhemmer). Sie können Ihre Magensäure binden, wenn Säure aus dem Magen aufsteigt. Welches Medikament für Sie geeignet ist und wie lange Sie es einnehmen sollten, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wichtig ist, diese Medikamente nicht ohne ärztliche Beratung dauerhaft einzunehmen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt selten in Betracht. Wenn Medikamente nicht helfen, wenn ein großer Zwerchfellbruch vorliegt oder wenn schwere Komplikationen drohen, kann ein chirurgischer Eingriff den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen verstärken. Die Entscheidung dazu treffen Sie zusammen mit Ihrer behandelnden Klinik.
Leben mit der Erkrankung
Sodbrennen ist oft gut in den Griff zu kriegen. Wer seine persönlichen Auslöser kennt und ein paar Gewohnheiten anpasst, kann den Alltag meist beschwerdefrei erleben. Planen Sie regelmäßige Mahlzeiten und nehmen Sie sich Zeit zum Essen.
Tipps für den Alltag
- Streben Sie ein normales Körpergewicht an.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber nicht sofort nach dem Essen.
- Tragen Sie lockere Kleidung und vermeiden Sie enge Gürtel.
- Entspannen Sie sich – Stress kann Sodbrennen verstärken.
- Trinken Sie ausreichend Wasser, aber nicht zu viel auf einmal.
- Achten Sie auf einen erholsamen Schlaf mit erhöhtem Oberkörper.
Ernährung und Bewegung
Bevorzugen Sie eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Fleisch oder Fisch. Verzichten Sie auf alles, was Ihnen nachweislich Beschwerden bereitet. Bewegung an der frischen Luft hilft der Verdauung und dem Stressabbau. Meiden Sie unmittelbar nach dem Essen Sportarten mit viel Bücken oder Pressen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronisches Sodbrennen kann sehr belastend sein – vor allem, wenn es den Schlaf stört und dadurch müde und gereizt macht. Auch Stress kann die Beschwerden verschlimmern. Es ist wichtig, diese Zusammenhänge ernst zu nehmen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie sich seelisch stark belastet fühlen.
Vorbeugung
Eine Refluxkrankheit lässt sich nicht immer verhindern, aber Sie können das Risiko senken. Ein gesundes Körpergewicht, Nichtrauchen und ein maßvoller Umgang mit Alkohol und großen Mahlzeiten sind die wichtigsten Schutzfaktoren.
Impfungen
Gegen diese Erkrankung gibt es keine Impfung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Entzündung der Speiseröhre (Refluxösophagitis)
- Geschwüre und Blutungen in der Speiseröhre
- Narben und Verengung der Speiseröhre, die das Schlucken erschweren
- Barrett-Ösophagus: Veränderung der Schleimhaut, die in seltenen Fällen zu Speiseröhrenkrebs führen kann
Langzeitprognose
Die Aussichten sind bei den meisten Menschen mit Refluxkrankheit sehr gut. Mit einer angepassten Lebensweise und den richtigen Medikamenten lassen sich Beschwerden meist dauerhaft lindern. Auch fortgeschrittene Veränderungen der Speiseröhre können bei regelmäßiger ärztlicher Kontrolle früh erkannt und behandelt werden.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.