Herzblock (AV-Block): wenn das Herz aus dem Takt gerät
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Herzblock ist eine Störung im Reizleitungssystem des Herzens. Die elektrischen Signale, die dem Herzen den Takt vorgeben, werden an einer Stelle verlangsamt oder ganz aufgehalten. Dadurch schlägt das Herz zu langsam oder unregelmäßig. Es gibt verschiedene Schweregrade – manche sind harmlos, andere müssen behandelt werden.
Wichtige Fakten
- Der Herzblock (auch AV-Block genannt) betrifft die elektrische Leitung zwischen Vorhof und Herzkammer.
- Es gibt drei Schweregrade: Bei Grad 1 ist die Überleitung verlangsamt, bei Grad 2 kommt es zu Aussetzern, bei Grad 3 schlagen Vorhof und Kammer komplett unabhängig voneinander.
- Ein kompletter Herzblock (Grad 3) kann gefährlich werden und ein dringender medizinischer Notfall sein.
Ein Herzblock ist insgesamt selten. Leichtere Formen wie der AV-Block Grad 1 kommen etwas häufiger vor, besonders bei älteren Menschen. Ein vollständiger Block ist deutlich seltener, aber ernstzunehmen.
Er kann Menschen jeden Alters betreffen, kommt aber vor allem bei älteren Erwachsenen vor, insbesondere bei Personen mit Herzerkrankungen oder nach einem Herzinfarkt. Auch Menschen mit angeborenen Herzfehlern können betroffen sein.
Symptome
- Plötzliche Bewusstlosigkeit ohne Vorwarnung
- Krampfanfall, der durch einen Herzstillstand ausgelöst wird
- Starke Herzbeschwerden, Brustschmerzen oder Atemnot in Ruhe
- Wenn das Herz sehr langsam schlägt (unter etwa 40 Schläge pro Minute) und Sie sich ohnmächtig fühlen
- ⚠Wiederholter Schwindel oder das Gefühl, gleich umzukippen
- ⚠Deutlicher langsamer Puls (unter 50 Schläge pro Minute)
- ⚠Neue oder sich verschlechternde Atemnot
- ⚠Anfallsartige Schwächeanfälle
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Schwindel oder Schwarzwerden vor den Augen
- Kurzatmigkeit, besonders bei Belastung
- Ohnmachtsanfälle (Synkopen)
- Gefühl eines langsamen oder unregelmäßigen Pulses
- Leistungsabfall und Schwächegefühl
Symptome bei Kindern
- Schwäche und auffällige Müdigkeit
- Ess- und Trinkprobleme bei Säuglingen
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- Atemnot beim Spielen oder Anstrengung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stürze ohne äußere Ursache
- Verwirrtheit und Konzentrationsprobleme
- Zunehmende Atemnot bei Alltagsaktivitäten
- Schlimmer werdende körperliche Schwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Altersbedingter Verschleiß des Reizleitungssystems
- Koronare Herzkrankheit, also verengte Herzkranzgefäße
- Herzinfarkt, der die Reizleitung geschädigt hat
- Entzündliche Herzerkrankungen, etwa eine Herzmuskelentzündung
- Elektrolytstörungen wie ein zu hoher Kaliumspiegel
- Manche Medikamente, die die Herzleitung beeinflussen
- Angeborene Herzfehler oder seltene erbliche Erkrankungen
Risikofaktoren
- Älteres Alter
- Bestehende Herzerkrankung oder früherer Herzinfarkt
- Bluthochdruck und Diabetes
- Rauchen und starkes Übergewicht
- Einnahme von Herzmedikamenten, die die Überleitung verlangsamen
- Operationen oder Behandlungen im Bereich des Herzens
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie unerklärlich schwindelig werden oder ohnmächtig werden
- Wenn Ihr Puls regelmäßig unter 50 Schläge pro Minute liegt
- Wenn Sie bei leichter Anstrengung ausgeprägte Atemnot bekommen
- Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Herz mache richtige Aussetzer oder schlage sehr langsam
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie anhaltend müde, erschöpft oder leistungsschwächer sind
- Wenn Sie einen Diabetes oder eine Herzerkrankung haben und neu auftretende Symptome feststellen
- Zur Kontrolle, wenn Sie Herzmedikamente einnehmen und über körperliche Schwäche klagen
Diagnose
Der Arzt beginnt mit einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Entscheidend ist das Elektrokardiogramm (EKG), das die elektrische Herzaktion aufzeichnet. Wenn der Block nur manchmal auftritt, kann längeres Messen nötig sein.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG: Aufzeichnung der Herzströme am gerade ruhenden Menschen
- Langzeit-EKG: Über 24 Stunden oder länger getragene Messgeräte, um den Herzrhythmus im Alltag zu überwachen
- Belastungs-EKG: Messung unter körperlicher Belastung
- Echokardiografie (Herzultraschall): Prüfung von Herzgröße und Herzfunktion
- Blutuntersuchungen: zum Beispiel um Elektrolytstörungen oder Schilddrüsenprobleme auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei. Ein Langzeit-EKG erfordert, dass Sie das Gerät einen Tag lang tragen und ein Tagebuch über Ihren Tagesablauf führen. Ihr Arzt bespricht die Ergebnisse danach ausführlich mit Ihnen.
Behandlung
Wie ein Herzblock behandelt wird, hängt vom Schweregrad ab, von den Symptomen und von der Ursache. Bei einem harmlosen Block ist keine Behandlung nötig, sondern nur regelmäßige Kontrolle. Bei Beschwerden kann ein Herzschrittmacher sehr gut helfen.
Selbsthilfe zu Hause
- Beobachten Sie Ihren Puls und Ihre Symptome, zum Beispiel mit einem Pulsprotokoll
- Vermeiden Sie Situationen, die Schwindel oder Ohnmacht begünstigen, etwa schnelles Aufstehen
- Nehmen Sie Ihre verordneten Arzttermine konsequent wahr
- Informieren Sie Angehörige, damit sie im Notfall Bescheid wissen
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie neue Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen
Medizinische Behandlungen
Falls eine andere Grunderkrankung wie Schilddrüsenstörung oder Elektrolytmangel den Herzblock verursacht, wird diese behandelt. Manche Medikamente, die die Herzleitung verlangsamen, können von Ihrem Arzt umgestellt oder abgesetzt werden. Bei einem signifikanten AV-Block mit Beschwerden ist der dauerhafte Herzschrittmacher der wichtigste Behandlungsansatz. Dazu wird ein kleines Gerät unter die Haut eingesetzt, das das Herz bei Bedarf mit elektrischen Impulsen unterstützt. Über spezifische Medikamente und den richtigen Behandlungsweg entscheidet allein das ärztliche Team.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation in Form einer Schrittmacher-Implantation wird empfohlen, wenn der Herzblock zu Ohnmacht, starker Müdigkeit oder Herzbeschwerden führt – oder wenn das Herz so langsam schlägt, dass eine Gefahr besteht.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit Herzblock haben kaum Einschränkungen im Alltag. Wichtig ist, auf die Signale des Körpers zu hören, den Puls gelegentlich zu überprüfen und sich rechtzeitig auszuruhen. Nach dem Einsetzen eines Schrittmachers braucht es kurze Zeit zur Erholung, danach normalisiert sich das Leben meist wieder.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig in einem für Sie angemessenen Maß – zum Beispiel Spazierengehen oder Radfahren
- Verzichten Sie auf Rauchen und begrenzen Sie Alkohol
- Lernen Sie Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation, um Stress abzubauen
- Tragen Sie im Alltag einen Notfallausweis, auch wenn Sie keinen Schrittmacher haben, aber Symptome bekannt sind
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt das Herz. Salzen Sie wenig und achten Sie auf ausreichend Flüssigkeit. Bewegung ist erlaubt und sinnvoll, solange Sie sich dabei gut fühlen – aber klären Sie die Art und Intensität des Sports vorher mit Ihrem Arzt ab.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Herzblock kann Angst und Verunsicherung auslösen, besonders wenn Ohnmachtsanfälle auftreten. Solche Gefühle sind verständlich. Es kann helfen, über Ängste zu sprechen – mit dem Partner, der Familie oder einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Ein Herzblock lässt sich nicht in jedem Fall verhindern, besonders wenn er angeboren ist oder altersbedingt auftritt. Aber ein herzgesunder Lebensstil senkt das Risiko für Herzerkrankungen, die einen Herzblock begünstigen können.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe und Lungenentzündung beraten, da Infektionen das Herz belasten können – besonders bei bestehender Herzerkrankung.
Früherkennungsprogramme
Eine Vorsorge per EKG ist für Menschen ohne Beschwerden normalerweise nicht nötig. Regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt sind sinnvoll, wenn Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder eine bekannte Herzerkrankung haben.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Ohnmachtsanfälle mit Sturzverletzungen
- Auf Dauer nachlassende Herzleistung und zunehmende Herzschwäche
- Seltene, aber mögliche Gefahr eines Herzstillstands bei vollständigem Block
Langzeitprognose
Mit moderner Behandlung ist die Prognose bei den meisten Herzblöcken gut. Menschen mit Schrittmacher können viele Jahre lang ein normales, aktives Leben führen. Die Behandlungsmöglichkeiten sind sicher und helfen Ihnen, Ihren Tagesrhythmus wieder selbst zu bestimmen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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