Herzerkrankung und Schwangerschaft: Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Herzerkrankung liegt vor, wenn das Herz nicht so arbeitet, wie es sollte. Das kann zum Beispiel eine angeborene Herzfehlbildung, eine Herzklappenerkrankung, eine Herzrhythmusstörung oder eine Herzschwäche sein. Eine Schwangerschaft stellt das Herz vor zusätzliche Aufgaben, weil der Körper mehr Blut pumpen muss. Viele Frauen mit Herzerkrankungen können dennoch gesund schwanger sein und ein Kind bekommen – vorausgesetzt, sie werden eng und regelmäßig medizinisch begleitet.
Wichtige Fakten
- Eine Schwangerschaft belastet das Herz stärker als sonst, weil der Körper mehr Blut transportieren muss. Das ist normal, erfordert aber bei einer Herzerkrankung besondere Aufmerksamkeit.
- Die meisten Frauen mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern können ein gesundes Baby zur Welt bringen, wenn sie ich von einem erfahrenen Ärzteteam betreuen lassen.
- In Deutschland gibt es spezielle medizinische Leitlinien, die die Betreuung von Schwangeren mit Herzerkrankungen empfehlen – daran orientieren sich die Fachleute.
In Deutschland haben etwa 1 bis 2 von 100 Schwangeren eine Herzerkrankung. Das ist selten, kommt aber regelmäßig vor.
Besonders betroffen sind Frauen mit angeborenen Herzfehlern, Herzklappenfehlern, Herzrhythmusstörungen oder einer Herzschwäche. Auch Schwangere mit Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder einem Alter über 35 Jahren haben ein höheres Risiko für Herzbeschwerden.
Symptome
- Plötzliche heftige Brustschmerzen oder ein starkes Druckgefühl in der Brust
- Schwere Atemnot, die auch in Ruhe oder im Sitzen nicht nachlässt
- Ohnmacht oder das Gefühl, gleich bewusstlos zu werden
- Herzrasen mit Schwindel, Übelkeit oder Kreislaufproblemen
- Blutiger Auswurf oder blutiger Schleim aus den Atemwegen
- ⚠Stark zunehmende Wassereinlagerungen in Beinen, Händen oder im Gesicht
- ⚠Sehr schnelle Gewichtszunahme innerhalb weniger Tage
- ⚠Neue oder stärker werdende Kopfschmerzen mit Sehstörungen
- ⚠Spürbar weniger Bewegungen des Babys
- ⚠Anhaltendes Herzrasen oder Herzstolpern über mehrere Minuten
Häufige Symptome
- Kurzatmigkeit bei leichter Anstrengung
- Herzklopfen, Herzrasen oder Herzstolpern
- Enge-, Druck- oder Schmerzgefühl in der Brust
- Schnelle Ermüdbarkeit im Alltag
- Geschwollene Knöchel oder Beine durch Wassereinlagerungen
Symptome bei Kindern
- Verminderte oder verlangsamte Kindsbewegungen im Bauch
- Ein im Ultraschall sichtbares Zurückbleiben des Wachstums
- Bei der Vorsorge festgestellte Auffälligkeiten der kindlichen Herzfrequenz
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Schwangeren über 35 Jahren können zusätzlich Bluthochdruck und Wassereinlagerungen stärker auftreten.
- Auch anhaltende Müdigkeit, ein schneller Puls oder Schwindel sind mögliche Warnzeichen, die früh abgeklärt werden sollten.
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene Herzfehler, zum Beispiel ein Loch in der Herzscheidewand
- Herzklappenfehler, etwa eine verengte oder undichte Herzklappe
- Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Verkalkte oder verengte Herzkranzgefäße, häufig durch zu hohe Blutfette oder Bluthochdruck
- Frühere Entzündungen des Herzmuskels
Risikofaktoren
- Eine bereits bekannte Herzerkrankung vor der Schwangerschaft
- Schwangerschaft im Alter über 35 Jahren
- Bluthochdruck oder Diabetes vor oder während der Schwangerschaft
- Übergewicht
- Rauchen oder Alkoholkonsum in der Schwangerschaft
- Herzerkrankungen bei nahen Verwandten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei neu auftretender oder zunehmender Atemnot
- Bei Brustschmerzen, Herzrasen oder Ohnmachtsgefühl
- Bei plötzlich geschwollenen Beinen oder rascher Gewichtszunahme
- Wenn Sie das Baby spürbar weniger bewegen spüren
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Möglichst schon vor einer Schwangerschaft eine Herzuntersuchung durchführen lassen
- Bei bekannter Herzerkrankung regelmäßige Termine in der Herz-Sprechstunde wahrnehmen
- Bei jeder Vorsorgeuntersuchung offen über Herzsymptome und Sorgen sprechen
Diagnose
Um eine Herzerkrankung in der Schwangerschaft zu erkennen, führt die Ärztin oder der Arzt zuerst ein ausführliches Gespräch und hört Herz und Lunge ab. Danach werden – je nach Beschwerden – gezielte weitere Untersuchungen geplant.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiographie (EKG) – zeichnet die Herzströme auf
- Echokardiographie – der Ultraschall des Herzens zeigt Größe, Funktion und Klappen
- Blutdruckmessung, teilweise auch über 24 Stunden
- Eine Belastungsuntersuchung, bei der das Herz unter Anstrengung beobachtet wird
- Blutuntersuchungen zur Kontrolle von Herz-, Nieren- und Entzündungswerten
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Behandlungsteam wird mit Ihnen zusammen einen persönlichen Plan erstellen und erklären, welche Untersuchungen warum sinnvoll sind. Herz und ungeborenes Kind werden dann regelmäßig überwacht, damit Sie sich sicherer fühlen und im Notfall schnell geholfen werden kann.
Behandlung
Die Behandlung einer Herzerkrankung in der Schwangerschaft ist immer individuell. Das Ziel ist, Mutter und Kind bestmöglich zu schützen. Die Ärztinnen und Ärzte empfehlen ein Betreuungskonzept, das zu Ihrer Situation passt – vor, während und nach der Geburt.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie sich ausreichend Ruhe und Pausen im Alltag
- Vermeiden Sie schwere körperliche Arbeit oder anstrengenden Sport, solange das Team dazu rät
- Verzichten Sie auf Rauchen und Alkohol
- Reduzieren Sie Stress – etwa durch Atemtechniken, sanftes Yoga oder Spaziergänge
- Melden Sie sich bei neuen Beschwerden zeitnah bei Ihrer Schwangerschaftsbetreuung
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die auch in der Schwangerschaft sicher eingesetzt werden können, wenn sie notwendig sind. Welche das sind, entscheidet allein das behandelnde Ärzteteam – sorgfältig abgewogen für Sie und Ihr Kind. Manchmal wird eine Behandlung erst nach der Geburt begonnen oder umgestellt. Nehmen Sie nichts auf eigene Initiative ein, sondern besprechen Sie jede Änderung mit den Fachleuten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Herzzoperation während der Schwangerschaft wird nur in seltenen, schweren Fällen durchgeführt – etwa bei einer stark verengten Herzklappe. Das Ärzteteam bespricht mit Ihnen im Detail die Möglichkeiten, die Risiken und den besten Zeitpunkt für einen Eingriff.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit einer Herzerkrankung und einer Schwangerschaft ist machbar – mit etwas Planung und der nötigen Rücksicht auf sich selbst. Hören Sie auf Ihren Körper und nehmen Sie sich die Freiheit, eine Pause einzulegen, wenn es nötig ist. Die enge Zusammenarbeit mit Ihrem Ärzteteam gibt Ihnen dafür den nötigen Rückhalt.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, aber nicht überfordernde Bewegung nach Absprache mit Ihrem Team
- Feste Ruhezeiten einplanen, wenn Ihr Herz das braucht
- Freundschaften und Familie einbinden, damit Sie nicht alles allein tragen
- Längere Reisen und weite Fahrten vorher mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die Gesundheit. Bei Wassereinlagerungen kann es sinnvoll sein, stark salzige Speisen zu meiden – das besprechen Sie am besten mit Ihrem Team. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder ruhiges Schwimmen ist meist günstig, wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzerkrankung und eine Schwangerschaft gleichzeitig sind eine große Herausforderung. Sorgen und Ängste sind ganz normal. Es ist wichtig, dass Sie sich damit nicht verstecken: Teilen Sie Ihre Gefühle mit vertrauten Menschen und Ihrem Behandlungsteam. Falls Sie sich über Wochen traurig, wertlos oder ohne Hoffnung fühlen, kann das ein Hinweis auf eine Depression sein – holen Sie sich schnell Unterstützung. In einer akuten seelischen Krise können Sie rund um die Uhr die Rettungsleitstelle unter 112 anrufen.
Vorbeugung
Eine bestehende Herzerkrankung selbst lässt sich nicht immer verhindern. Sie können aber einiges dafür tun, dass Ihr Herz in der Schwangerschaft gut betreut wird: Planen Sie die Schwangerschaft frühzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, halten Sie einen gesunden Lebensstil ein und nehmen Sie alle Kontrolltermine wahr.
Impfungen
Manche Impfungen, zum Beispiel gegen Grippe, werden für Schwangere empfohlen. Welche Impfung für Sie persönlich sinnvoll ist, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, die auch auf Ihre Herzerkrankung Rücksicht nimmt.
Früherkennungsprogramme
Wer bereits vor der Schwangerschaft von einer Herzerkrankung weiß, sollte vor einer Familienplanung eine gezielte Herzuntersuchung machen lassen. So können Medikamente, Kontrollen und die Geburt im Voraus geplant werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne eine engmaschige Betreuung steigt das Risiko für Herzrhythmusstörungen oder eine Herzschwäche während der Schwangerschaft
- Das ungeborene Kind könnte leichter zu früh geboren werden oder weniger gut wachsen
- In seltenen Fällen kann eine Infektion der Herzinnenhaut (Endokarditis) auftreten
- In schweren Fällen besteht ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten oder Komplikationen bei der Geburt
Langzeitprognose
Die meisten Frauen mit einer Herzerkrankung können ein gesundes Baby zur Welt bringen – gerade dann, wenn sie frühzeitig und regelmäßig von einem erfahrenen Team betreut werden. Eine Herzerkrankung ist eine Herausforderung, aber sie bedeutet nicht, dass die Schwangerschaft unmöglich ist. Mit guter Planung, passender Behandlung und Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld ist die Zukunft viel hoffnungsvoller, als es die Sorgen zunächst vermuten lassen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung ↗ · Deutschland
- Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. ↗ · Deutschland
- Deutsche Gesellschaft für Kardiologie ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.