Hypertrophe Kardiomyopathie: Wenn der Herzmuskel dicker wird
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die hypertrophe Kardiomyopathie (ausgesprochen: hy-per-tro-fe kar-di-o-my-o-pa-thie) ist eine Erkrankung des Herzmuskels. Dabei ist die Muskulatur des Herzens verdickt, meist im Bereich der linken Herzkammer. Das Herz wird dadurch steifer und kann sich nicht mehr so gut mit Blut füllen. In manchen Fällen wird auch der Blutfluss aus dem Herzen behindert. Diese Veränderung ist meist angeboren und vererbt.
Wichtige Fakten
- Die Verdickung des Herzmuskels ist meist angeboren und kann vererbt werden.
- Viele Menschen mit HCM haben lange keine Beschwerden.
- Regelmäßige Kontrollen und eine gesunde Lebensweise können das Risiko für Komplikationen senken.
- HCM ist eine häufige Ursache für Herzprobleme bei jungen Sportlern.
HCM ist die häufigste erbliche Herzmuskelerkrankung. Ungefähr eine von 500 Personen hat diese Veränderung – viele wissen nichts davon.
Sie tritt bei Männern und Frauen gleich häufig auf. Menschen jeden Alters können betroffen sein. Oft zeigen sich erste Anzeichen im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Auch Kinder können betroffen sein.
Symptome
- Starke, anhaltende Brustschmerzen, die nicht nachlassen
- Bewusstlosigkeit (Ohnmacht) ohne erkennbaren Auslöser
- Schwere Atemnot, die auch in Ruhe nicht weggeht
- Massives, unregelmäßiges Herzklopfen mit Schwindel oder Kollaps
- ⚠Wiederholtes Ohnmachtsgefühl oder Herzrasen
- ⚠Neue oder deutlich verschlechterte Kurzatmigkeit
- ⚠Anhaltende Müdigkeit, die den Alltag einschränkt
Häufige Symptome
- Kurzatmigkeit bei Belastung oder im Liegen
- Brustschmerz oder Druckgefühl in der Brust
- Herzrasen, Herzstolpern oder spürbares Herzklopfen
- Schwindel oder Ohnmachtsanfälle
- Müdigkeit und Erschöpfung ohne klare Ursache
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern kann sich HCM durch Müdigkeit beim Spielen, langsames Wachsen, Herzklopfen oder Ohnmacht bemerkbar machen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Symptome weniger deutlich sein und mit normalen Altersbeschwerden wie Kurzatmigkeit oder Müdigkeit verwechselt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Die häufigste Ursache ist eine erbliche Veränderung in bestimmten Genen, die für die Struktur der Herzmuskelzellen wichtig sind.
- Seltener kann die Herzmuskelverdickung auch durch andere Erkrankungen wie langjährigen Bluthochdruck oder Herzklappenfehler entstehen.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung: Wenn Eltern oder Geschwister HCM haben, ist das Risiko erhöht.
- Bestimmte genetische Veränderungen, die im Rahmen einer Untersuchung festgestellt werden können.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie bei alltäglicher Belastung plötzlich nicht mehr genug Luft bekommen oder wiederholt ohnmächtig werden.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie in Ihrer Familie Fälle von HCM kennen, lassen Sie sich medizinisch beraten.
- Wenn Sie ungewohntes Herzrasen, Schwindel oder unerklärliche Müdigkeit bemerken, vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Beschwerden, familiären Herzerkrankungen und dem Gesundheitszustand. Danach hört sie oder er das Herz ab und ordnet meist eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiographie) an. Diese Untersuchung zeigt, ob der Herzmuskel verdickt ist.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall des Herzens (Echokardiographie)
- Elektrokardiogramm (EKG)
- Langzeit-EKG über 24 bis 48 Stunden
- Belastungs-EKG auf dem Fahrrad oder Laufband
- Herz-MRT (Kernspintomographie)
- Blutuntersuchungen
- Genetische Untersuchung, wenn eine erbliche Form vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern in der Regel nicht lange. Sie bekommen danach einen ausführlichen Befund und, wenn nötig, eine Überweisung an eine Herz-Spezialambulanz.
Behandlung
Eine HCM lässt sich nicht heilen, aber gut behandeln. Das Ziel ist, Beschwerden zu lindern, den Herzrhythmus zu stabilisieren und Komplikationen vorzubeugen. Viele Menschen führen mit der richtigen Behandlung ein aktives und erfülltes Leben.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige, leichte körperliche Aktivität nach Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin.
- Viel Flüssigkeit trinken – aber über den Tag verteilt, nicht auf einmal.
- Alkohol, stark koffeinhaltige Getränke und Energydrinks meiden.
- Auf das Rauchen verzichten.
- Für ausreichend Schlaf und regelmäßige Entspannung sorgen.
Medizinische Behandlungen
Medikamente, die den Herzschlag verlangsamen und den Herzmuskel entlasten, können die Beschwerden deutlich verbessern. Es gibt auch Medikamente, die den Blutdruck senken und das Herz beruhigen. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen. Die Wirkung und die benötigte Dosis werden regelmäßig überprüft.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Verdickung den Blutfluss aus dem Herzen stark behindert und Medikamente nicht ausreichen, kann ein Eingriff helfen. Dabei wird ein kleiner Teil des verdickten Herzmuskels entfernt oder verödet. In manchen Fällen wird ein Herzschrittmacher oder ein implantierbarer Defibrillator eingesetzt, um schweren Herzrhythmusstörungen vorzubeugen.
Leben mit der Erkrankung
Nehmen Sie Kontrolltermine wahr und nehmen Sie verordnete Medikamente zuverlässig ein. Planen Sie im Alltag Pausen ein, wenn Sie sich erschöpft fühlen. Hören Sie auf die Signale Ihres Körpers – und fragen Sie nach, wenn Sie unsicher sind.
Tipps für den Alltag
- Sprechen Sie mit Ihrem Kardiologen ab, welche Sportarten und welche Intensität für Sie sicher sind.
- Meiden Sie Wettkampfsport und sehr intensive Belastungen, wenn der Arzt dies empfiehlt.
- Trinken Sie verteilt über den Tag ausreichend, vermeiden Sie aber sehr große Mengen auf einmal.
- Sorgen Sie für regelmäßigen Ausgleich, etwa durch Spaziergänge, Atemübungen oder leichte Gymnastik.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, salzarme Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist empfehlenswert. Bewegung in mittlerem Tempo – zum Beispiel Gehen, Radfahren oder Schwimmen – ist in der Regel gut, solange Sie sich dabei noch normal unterhalten können. Sprechen Sie Ihre Sportart unbedingt vorher mit Ihrem Herzspezialisten oder Ihrer Herzspezialistin ab.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Herzerkrankung kann verunsichern und ängstigen. Das ist normal. Nehmen Sie sich Zeit, die Informationen zu verstehen, und stellen Sie Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin alle Fragen. Wenn anhaltende Niedergeschlagenheit, Angst oder Schlafprobleme auftreten, suchen Sie sich Unterstützung – zum Beispiel bei Ihrem Hausarzt, einer psychologischen Beratung oder einem psychosozialen Dienst.
Vorbeugung
Die erbliche Veranlagung lässt sich nicht verhindern. Aber ein gesunder Lebensstil und regelmäßige ärztliche Kontrollen können helfen, Beschwerden zu lindern und das Risiko für Komplikationen zu senken. Wenn in Ihrer Familie HCM bekannt ist, können sich auch andere Familienmitglieder frühzeitig untersuchen lassen.
Impfungen
Die üblichen Schutzimpfungen – zum Beispiel gegen Grippe und Pneumokokken – werden Menschen mit Herzerkrankungen oft besonders empfohlen. Lassen Sie sich von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Für Familienmitglieder von Betroffenen kann eine genetische Beratung und Untersuchung sinnvoll sein. Besprechen Sie dies mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzrhythmusstörungen, die das Herz aus dem Takt bringen
- Herzschwäche (verminderte Pumpleistung)
- Blutgerinnsel, die zu einem Schlaganfall führen können
- Selten: plötzlicher Herztod, besonders bei jungen Menschen ohne frühzeitige Behandlung
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit HCM haben eine gute Lebenserwartung und können bei richtiger Behandlung ein erfülltes Leben führen. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen, eine angepasste Lebensweise und bei Bedarf eine unterstützende Behandlung. Die medizinische Forschung verbessert die Behandlungsmöglichkeiten ständig.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung ↗ · Deutschland
- Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.