May-Thurner-Syndrom – wenn die Beckenvene eingeengt ist
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das May-Thurner-Syndrom ist eine angeborene Besonderheit der Blutgefäße im Becken. Dabei drückt die rechte Beckenschlagader von außen auf die linke Beckenvene. Dadurch kann das Blut aus dem linken Bein nur schwerer zum Herzen fließen. Das erhöht das Risiko für ein Blutgerinnsel im linken Bein.
Wichtige Fakten
- Das May-Thurner-Syndrom ist angeboren – die Enge besteht also von Geburt an.
- Viele Menschen haben die Besonderheit, ohne es zu wissen, und bekommen nie Beschwerden.
- Wenn es zu Symptomen kommt, betreffen diese meist das linke Bein: Schwellung, Schweregefühl und Schmerzen.
Das May-Thurner-Syndrom ist nicht häufig. Die Gefäßanlage selbst kommt schätzungsweise bei etwa 20 von 100 Menschen vor, aber nur ein kleiner Teil entwickelt dadurch Beschwerden oder ein Blutgerinnsel.
Das Syndrom betrifft häufiger Frauen als Männer, meist zwischen 20 und 50 Jahren. Sie kann aber in jedem Alter auftreten.
Symptome
- Plötzlich auftretende Atemnot oder Brustschmerz – das kann auf eine Lungenembolie hinweisen.
- Auswurf mit Blut oder plötzlich beschleunigter Herzschlag.
- Schnelle, massive Schwellung des gesamten linken Beins mit blasser oder bläulich verfärbter Haut.
- Bei diesen Zeichen wählen Sie sofort die Notrufnummer 112.
- ⚠Einseitige Beinschwellung oder Wadenschmerzen, die seit Stunden oder Tagen bestehen.
- ⚠Deutliches Schwere- oder Schmerzgefühl im linken Bein, besonders beim Gehen.
- ⚠Sie sollten noch am selben Tag ärztlichen Rat suchen.
Häufige Symptome
- Schwellung des linken Beins – vor allem am Knöchel oder Unterschenkel
- Schwere- oder Spannungsgefühl im linken Bein
- Ziehende oder dumpfe Schmerzen im linken Bein
- Sichtbar erweiterte Venen, zum Beispiel Krampfadern
- Wärmegefühl oder leichte Rötung der Unterschenkel
Ursachen
Hauptursachen
- Die Ursache ist eine angeborene Lage-Enge in der linken Beckenvene. Sie entsteht durch einen Druck von außen: Die rechte Beckenschlagader liegt über der linken Beckenvene und presst sie zusammen.
Risikofaktoren
- weibliches Geschlecht
- Alter zwischen 20 und 50 Jahren
- Schwangerschaft
- hormonelle Verhütungsmittel
- langes Sitzen oder Liegen – zum Beispiel bei langen Reisen oder nach Operationen
- Übergewicht
- Rauchen
- eine erbliche oder erworbene Neigung zu Blutgerinnseln
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Ihr Bein plötzlich anschwillt oder stark schmerzt, suchen Sie bitte noch am selben Tag ärztlichen Rat auf.
- Bei nur einem betroffenen Bein ist eine Untersuchung besonders wichtig.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie immer wieder Schwellungen, Schweregefühl oder Schmerzen im linken Bein bemerken, besprechen Sie dies bei Ihrer nächsten Arztkonsultation.
- Falls in Ihrer Familie bereits Thrombosen aufgetreten sind, können Sie dies ebenfalls ansprechen.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt klärt Ihre Beschwerden im Gespräch und untersucht Bein und Becken. Danach wird meist eine Ultraschall-Untersuchung der Beinvenen gemacht. In speziellen Fällen können weitere Bildgebung wie MRT oder CT sinnvoll sein. Die Diagnostik folgt dabei den aktuellen medizinischen Leitlinien der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Duplex-Sonografie – ein Ultraschall, der den Blutfluss in den Venen sichtbar macht.
- MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie) des Beckens – liefern genaue Bilder der Gefäße.
- Phlebografie – Röntgendiagnostik mit Kontrastmittel, die heute nur noch bei besonderen Fragen eingesetzt wird.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und ambulant. Sie bekommen anschließend eine klare Einschätzung, ob eine Behandlung nötig ist. Sie müssen nicht mit einer schlimmen Nachricht rechnen – das May-Thurner-Syndrom ist gut behandelbar.
Behandlung
Bei milden Beschwerden helfen oft schon Bewegung, Kompressionsstrümpfe und eine gute Flüssigkeitszufuhr. Wenn ein Blutgerinnsel vorliegt oder das Risiko hoch ist, verordnet die Ärztin oder der Arzt eine gerinnungshemmende Therapie. In manchen Fällen wird die verengte Vene mit einem Ballon aufgedehnt und mit einer Gefäßstütze offen gehalten. Die Behandlungsentscheidung wird immer auf Ihre persönliche Situation abgestimmt.
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen Sie Ihre ärztlich verordneten Kompressionsstrümpfe – am besten täglich.
- Stellen Sie im Sitzen die Füße auf und lassen Sie das Bein nicht durchhängen.
- Machen Sie regelmäßig kleine Bewegungspausen: aufstehen, gehen, Waden anspannen.
- Trinken Sie genug Flüssigkeit – sofern der Arzt nichts anderes empfiehlt.
- Legen Sie die Beine beim Ausruhen möglichst hoch.
Medizinische Behandlungen
Zur medikamentösen Behandlung stehen verschiedene gerinnungshemmende Wirkstoffe zur Verfügung. Sie hemmen das Blutgerinnsel, machen das Blut aber nicht dünn – Sie können sie sich als 'Blutschutz-Medikamente' vorstellen. Die Auswahl, Dosis und Therapiedauer legt die Ärztin oder der Arzt fest. Daneben gibt es minimalinvasive Verfahren: Über einen Katheter wird eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt, um die Vene offen zu halten. Die Behandlung folgt den aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften und der AWMF-Leitlinien.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine offene Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, wenn mit Katheter und Stent keine gute Lösung möglich ist. Die Gefäßchirurgin oder der Gefäßchirurg entscheidet dies individuell nach den Untersuchungsergebnissen.
Leben mit der Erkrankung
Mit dem May-Thurner-Syndrom können Sie ein normales Leben führen. Wichtig ist, den Blutrückfluss aus den Beinen zu unterstützen – durch Bewegung, Kompression und regelmäßige Kontrollen bei der Ärztin oder beim Arzt.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen ohne Bewegung.
- Bauen Sie tägliche Spaziergänge in Ihren Alltag ein.
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht.
- Tragen Sie lockere Kleidung, die nicht in der Leistengegend einschnürt.
- Verzichten Sie auf das Rauchen – es schädigt die Gefäße zusätzlich.
Ernährung und Bewegung
Bewegung ist das beste 'Medikament' für Ihre Venen. Ideal sind Ausdauersportarten wie Gehen, Radfahren und Schwimmen. Auch Wadenmassagen und Fußwippen können im Alltag helfen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit unterstützt die ganze Gefäßgesundheit.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine festgestellte Gefäßveränderung kann Angst vor Blutgerinnseln oder Komplikationen auslösen. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Sorgen offen zu benennen. Wenn Sie sich anhaltend niedergeschlagen oder ängstlich fühlen, ist eine psychologische Beratung sinnvoll – sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin über die nächsten Schritte. In akuten seelischen Krisen hilft die ärztliche Bereitschaft oder eine psychiatrische Notaufnahme. Auch die kostenlose Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar.
Vorbeugung
Die Venenverengung selbst lässt sich nicht verhindern, weil sie angeboren ist. Sie können aber viel dafür tun, dass sich kein Blutgerinnsel bildet: Bewegen Sie sich regelmäßig, trinken Sie ausreichend, meiden Sie Übergewicht und Rauchen und halten Sie sich an die Empfehlungen Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine allgemeine Screening-Untersuchung für das May-Thurner-Syndrom. Wenn bei Ihnen wiederholt eine Schwellung des linken Beins auftritt oder in der Familie Blutgerinnsel bekannt sind, können Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine Ultraschall-Untersuchung sprechen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Tiefe Beinvenenthrombose: Ein Blutgerinnsel verschließt die Vene, das Bein schwillt an und schmerzt – es besteht die Gefahr, dass der Pfropf in die Lunge wandert.
- Lungenembolie: Ein losgelöstes Blutgerinnsel verstopft ein Blutgefäß in der Lunge – das kann lebensbedrohlich sein.
- Postthrombotisches Syndrom: Nach einer Thrombose bleiben geschädigte Venen zurück; dauerhaft geschwollene Beine, Verfärbungen und Geschwüre sind mögliche Folgen.
Langzeitprognose
Mit frühzeitiger Erkennung und richtiger Behandlung ist die Prognose gut. Die meisten Menschen bleiben beschwerdefrei und haben keine schweren Komplikationen. Auch nach einem ersten Blutgerinnsel ist mit moderner Therapie ein aktives Leben möglich. Regelmäßige Kontrollen schaffen Sicherheit und Vertrauen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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