Mitralklappenprolaps – verstehen und gut leben
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Der Mitralklappenprolaps ist eine häufige, meist harmlose Veränderung an einer Herzklappe. Die Mitralklappe sitzt zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Bei jeder Kontraktion der Herzkammer wölbt sich die Klappe ein wenig in den Vorhof zurück. Wenn dabei Blut zurückfließt, spricht man von einer Undichtigkeit (Mitralinsuffizienz). Bei den meisten Menschen verursacht der Mitralklappenprolaps keine Beschwerden und braucht keine Behandlung.
Wichtige Fakten
- Etwa 2 bis 3 von 100 Menschen haben einen Mitralklappenprolaps.
- Die meisten Betroffenen haben keine Symptome und ein normales Leben.
- Nur bei einer stärkeren Undichtigkeit können Komplikationen entstehen.
- Die Diagnose wird meist per Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) gestellt.
Ja, der Mitralklappenprolaps ist eine der häufigsten Herzklappenveränderungen. Er kommt bei etwa 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung vor.
Er kann in jedem Alter auftreten, wird aber am häufigsten bei jungen bis mittelalten Frauen festgestellt. Manchmal tritt er in Familien gehäuft auf.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen in der Brust, die länger als ein paar Minuten anhalten oder ausstrahlen
- Schwere Atemnot oder das Gefühl zu ersticken
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht ohne erkennbaren Grund
- ⚠Neues oder zunehmendes Herzstolpern, das länger anhält oder mit Schwindel einhergeht
- ⚠Fieber und unerklärliches Krankheitsgefühl nach einem Eingriff im Mund- oder Rachenraum
Häufige Symptome
- Keine Beschwerden (häufig ein Zufallsbefund)
- Herzstolpern oder Herzrasen (Palpitationen)
- Stechende Schmerzen in der Brust, die nicht vom Herzen kommen müssen
- Kurzatmigkeit, besonders bei Anstrengung
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Schwindelgefühl oder Ohnmachtsanfälle (selten)
Ursachen
Hauptursachen
- Meist angeborene Bindegewebsschwäche, sodass die Klappensegel sich stärker wölben
- Eine Veränderung der Klappenstruktur, die mit dem Alter auftreten kann
- In manchen Fällen ohne erkennbare Ursache und ohne Krankheitswert
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht (häufiger bei Frauen festgestellt)
- Familiäre Häufung
- Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom oder das Ehlers-Danlos-Syndrom (nur ein kleiner Teil)
- Vorerkrankungen der Herzklappen in der Familie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Akute starke Beschwerden wie Brustschmerz, Ohnmacht oder schwere Atemnot: Rufen Sie die 112.
- Plötzlich auftretendes Herzrasen mit Schwindel – sofort ärztlich abklären lassen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie neue Symptome wie Herzstolpern, Brustschmerzen oder zunehmende Müdigkeit verspüren
- Wenn bei Ihnen in der Familie ein schwerer Herzklappenschaden bekannt ist
- Für eine regelmäßige Kontrolle des Herzens, auch wenn Sie beschwerdefrei sind, sobald der Mitralklappenprolaps bekannt ist
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin hört das Herz ab. Typisch ist ein Klick-Geräusch, gefolgt von einem Strömungsgeräusch, wenn Blut zurückfließt. Zur Bestätigung wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) durchgeführt. Dabei wird die Klappe sichtbar und die Undichtigkeit lässt sich genau messen.
Mögliche Untersuchungen
- Abhören der Herztöne mit dem Stethoskop
- Herzultraschall (Echokardiografie) – die wichtigste Untersuchung
- Elektrokardiogramm (EKG) zur Beurteilung des Herzrhythmus
- In seltenen Fällen ein Belastungs-EKG oder ein Langzeit-EKG
- Bei unklaren Beschwerden: Magnetresonanztomografie (MRT) des Herzens
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie bekommen einen Termin beim Hausarzt oder bei der Hausärztin beziehungsweise bei Kardiologinnen. Nach der Diagnose erhalten Sie eine genaue Beschreibung des Befunds und ein Nachsorgeprogramm – meist sind nur regelmäßige Kontrollen nötig.
Behandlung
Meist ist keine Behandlung nötig. Ziel ist es, Symptome zu lindern und Folgeschäden zu vermeiden. Die Behandlung hängt davon ab, ob die Klappe nur vorfällt oder zusätzlich undicht ist. Alle Maßnahmen werden individuell mit dem ärztlichen Team besprochen.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf ein gesundes Herz-Kreislauf-System: nicht rauchen, ausreichend bewegen, Stress vermeiden.
- Nehmen Sie verschriebene Medikamente zuverlässig ein und vereinbaren Sie Kontrolltermine.
- Bei ärztlichen oder zahnärztlichen Eingriffen informieren Sie das Behandlungsteam über Ihre Herzklappenveränderung – ob ein Antibiotikaschutz nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Medizinische Behandlungen
Falls Symptome wie Herzrasen oder Brustschmerz im Vordergrund stehen, können Medikamente verschrieben werden, die den Herzschlag beruhigen und gegen das Stolpern helfen. Welches Medikament geeignet ist, wird individuell von der Ärztin oder dem Arzt festgelegt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur infrage, wenn die Undichtigkeit stark ist, die Herzgröße zunimmt oder Symptome wie Atemnot trotz Medikamenten bestehen. Ihr Herzteam wird alle Risiken und Nutzen genau mit Ihnen besprechen.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit Mitralklappenprolaps können ein völlig normales Leben führen. Sie müssen sich nicht schonen oder besondere Regeln beachten. Wichtig sind regelmäßige ärztliche Kontrollen und ein gesundes Herz-Kreislauf-Verhalten.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Ausdauerbewegung in moderatem Umfang (Gehen, Radfahren, Schwimmen) – nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin
- Stressabbau durch Entspannungsverfahren wie Atemübungen oder Meditation
- Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum
- Ausreichend Schlaf und ein ausgeglichener Alltag
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Mittelmeerkost mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt das Herz. Vermeiden Sie starke Höchstleistungen, wenn Sie unsicher sind – besprechen Sie Sportpläne mit dem medizinischen Team. In der Regel ist Freizeitsport bis auf Leistungssport uneingeschränkt möglich.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose „Mitralklappenprolaps“ kann Ängste auslösen – auch wenn der Befund harmlos ist. Das Gefühl, etwas am Herzen zu haben, kann zu erhöhter Anspannung führen und Beschwerden wie Herzrasen verstärken. Es hilft, offen über Sorgen zu sprechen und sich bei Bedarf psychologische Unterstützung zu holen.
Vorbeugung
Ein Mitralklappenprolaps lässt sich nicht verhindern, da er meist angeboren oder durch die Bindegewebsstruktur bedingt ist. Sekundär lässt sich das Fortschreiten einer Undichtigkeit durch eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Kontrollen positiv beeinflussen.
Impfungen
Für Menschen mit Herzklappenveränderungen werden allgemein die empfohlenen Impfungen wie Grippe- und Pneumokokken-Impfung ausdrücklich empfohlen, da Infektionen das Herz belasten können. Sprechen Sie dazu mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein generelles Herz-Screening für alle ist nicht empfohlen. Falls in Ihrer Familie ein Mitralklappenprolaps oder Herzklappenfehler bekannt ist, kann die Ärztin oder der Arzt eine Ultraschalluntersuchung anbieten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Undichtigkeit der Klappe (Mitralinsuffizienz), die zur Herzschwäche führen kann
- Herzrhythmusstörungen, die das Herz aus dem Takt bringen
- In seltenen Fällen eine Entzündung der Herzklappe (Endokarditis) – besonders bei zahnärztlichen Eingriffen, wenn kein Schutz erfolgt
- Sehr selten: Schlaganfall durch Blutgerinnsel, die sich an der Klappe bilden
Langzeitprognose
Die Prognose ist bei den meisten Menschen sehr gut. Ein Mitralklappenprolaps ohne relevante Undichtigkeit ändert die Lebenserwartung nicht. Selbst mit einer Undichtigkeit lassen sich Folgen durch Kontrollen und, falls nötig, rechtzeitige Behandlung meist gut beherrschen. Viele Menschen leben ohne Einschränkungen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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