Offener Ductus arteriosus (PDA) – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Der Ductus arteriosus ist ein kleines Blutgefäß, das bei jedem Baby vor der Geburt vorhanden ist. Es verbindet zwei große Schlagadern im Herzen und ist wichtig, solange das Baby im Mutterleib ist. Nach der Geburt schließt sich dieses Gefäß normalerweise von selbst. Wenn es offen bleibt, nennt man das einen offenen Ductus arteriosus (PDA). Das bedeutet, dass nach der Geburt weiterhin etwas Blut zwischen diesen beiden Schlagadern fließt, was das Herz und die Lunge unnötig belasten kann.
Wichtige Fakten
- Ein PDA ist eine häufige angeborene Herzfehlbildung, besonders bei Frühgeborenen.
- Bei vielen Kindern schließt sich der Ductus arteriosus in den ersten Lebensmonaten noch von selbst.
- Wenn Behandlung nötig ist, gibt es heute schonende Verfahren, die meist ohne offene Operation auskommen.
Ein PDA ist eine der häufigsten angeborenen Herzfehlbildungen überhaupt. Bei reifgeborenen Kindern kommt er selten vor, aber bei Frühgeborenen ist er deutlich häufiger. Insgesamt ist er bei etwa jedem zehnten Kind mit angeborenem Herzfehler zu finden.
PDA betrifft vor allem Frühgeborene, besonders solche mit sehr geringem Geburtsgewicht. Er wird bei Mädchen etwa doppelt so häufig festgestellt wie bei Jungen. Bei reifgeborenen Kindern tritt er seltener auf, manchmal zusammen mit anderen Herzfehlern.
Symptome
- Schwere Atemnot oder Atemaussetzer, besonders bei Säuglingen.
- Bläulich verfärbte Lippen oder Haut (Zyanose).
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht.
- Starke Brustschmerzen oder lebensbedrohliches Herzrasen.
- ⚠Sehr schnelles Atmen oder Einziehungen am Brustkorb beim Säugling.
- ⚠Deutlich vermindertes Trinkverhalten mit Gewichtsverlust.
- ⚠Auffallende Blässe, Schwitzen und Trinkschwäche beim Baby.
- ⚠Fieber mit Herzgeräusch, da eine Herzinnenhautentzündung möglich ist.
Häufige Symptome
- Oft gibt es gar keine Beschwerden, das Herzgeräusch wird nur bei der Untersuchung gehört.
- Ein auffälliges Herzgeräusch, das der Arzt mit dem Stethoskop hören kann.
- Schnelles Atmen oder Atemnot bei Belastung.
- Schwaches Trinkverhalten und schnelles Ermüden beim Stillen oder Füttern.
- Verschwitztsein und blasse Haut.
- Geringe Gewichtszunahme trotz gutem Appetit.
Symptome bei Kindern
- Häufige Atemwegsinfektionen wie Lungenentzündung oder Bronchitis.
- Auffallend schnelle Erschöpfung beim Spielen oder Toben.
- Gedeihstörung, das Kind nimmt nicht gut zu und wirkt schwach.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei einem bis ins Erwachsenenalter unentdeckten PDA können Atemnot bei Belastung und Herzrasen auftreten.
- Verstärkte Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit.
- Zeichen einer Herzschwäche wie geschwollene Beine oder nächtliches Wasserlassen.
Ursachen
Hauptursachen
- Der Ductus arteriosus ist ein normales Blutgefäß im Mutterleib. Nach der Geburt muss es sich verschließen – bei einem PDA bleibt dieser Verschluss aus.
- Die genaue Ursache für das Offenbleiben ist meist nicht bekannt. Es gibt keinen direkten Auslöser im Alltag, den man vermeiden konnte.
- Bei Frühgeborenen ist der Verschluss oft noch nicht ausgereift, weil die Geburt zu früh kam.
Risikofaktoren
- Frühgeburt – das größte Risiko für einen PDA.
- Erbliche Veranlagung – in manchen Familien treten angeborene Herzfehler häufiger auf.
- Bestimmte genetische Syndrome wie das Down-Syndrom.
- Eine Röteln-Infektion der Mutter während der Schwangerschaft (in Deutschland durch die Masern-Mumps-Röteln-Impfung selten geworden).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Säuglinge mit Trinkschwäche, schneller Atmung oder bläulicher Hautverfärbung sollten noch am selben Tag ärztlich untersucht werden.
- Bei Fieber und bekanntem Herzgeräusch sollte zeitnah eine Untersuchung erfolgen.
- Plötzliche Verschlechterung der Belastbarkeit oder Atemnot bei Kindern und Erwachsenen erfordert eine sofortige Vorstellung.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei einem neu entdeckten Herzgeräusch ist eine kinderärztliche oder hausärztliche Vorstellung zur Abklärung sinnvoll.
- Wenn ein PDA bekannt ist, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, auch wenn keine Beschwerden bestehen.
- Vor größeren Operationen oder Zahnbehandlungen sollte der behandelnde Arzt über den PDA informiert werden.
Diagnose
Der Arzt hört das Herz mit dem Stethoskop ab und findet dabei ein charakteristisches Herzgeräusch. Wenn ein Verdacht besteht, wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) durchgeführt, die den offenen Ductus sichtbar machen kann.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Abhören von Herz und Lunge.
- Echokardiografie (Herzultraschall) – das wichtigste Verfahren, um einen PDA sicher zu erkennen und seine Größe zu beurteilen.
- Elektrokardiogramm (EKG) zur Prüfung der Herzaktion.
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs, wenn Zeichen einer Herzbelastung vorliegen.
- Pulsoxymetrie zur Messung des Sauerstoffgehalts im Blut.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern in der Regel nur wenige Minuten. Der Herzultraschall wird meist ambulant in einer Kinderkardiologie oder einer spezialisierten Praxis durchgeführt. Die Eltern erhalten danach eine ausführliche Besprechung der Befunde. Für ältere Kinder und Erwachsene ist die Diagnostik ähnlich, und es wird gemeinsam überlegt, ob und wann eine Behandlung sinnvoll ist.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, wie groß der PDA ist, ob Beschwerden bestehen und wie alt die Person ist. Bei Frühgeborenen wartet man häufig zunächst ab, weil sich der Ductus in den ersten Wochen noch von selbst verschließen kann. Ist das nicht der Fall, gibt es medikamentöse, kathetergestützte und operative Möglichkeiten. Entscheidend ist die Absprache mit einem spezialisierten Herzteam.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen und den Empfehlungen des Arztes folgen.
- Auf Rauchverzicht in der Umgebung des Kindes achten, um Herz und Lunge zu schonen.
- Bei Fieber oder bakteriellen Infektionen ärztlich abklären lassen, weil eine Herzinnenhautentzündung vermieden werden soll.
- Bei Erwachsenen: auf Warnzeichen wie Atemnot oder Herzrasen achten und diese ernst nehmen.
Medizinische Behandlungen
In einigen Fällen, besonders bei Frühgeborenen, können Medikamente eingesetzt werden, die den Verschluss des Ductus fördern sollen. Diese Behandlung erfolgt ausschließlich in der Klinik unter ärztlicher Aufsicht. Bei Erwachsenen oder älteren Kindern können Medikamente verwendet werden, um das Herz zu entlasten, falls bereits eine Herzschwäche vorliegt. Auch eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika vor bestimmten Eingriffen kann sinnvoll sein, um eine Herzinnenhautentzündung zu verhindern – das bespricht der Arzt individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei größeren PDAs, die das Herz belasten oder Beschwerden verursachen, ist oft ein Verschluss des Gefäßes nötig. Heute wird meist ein kathetergestützter Eingriff über die Leistenschlagader durchgeführt, bei dem ein kleines Schirmchen oder eine Spirale den Ductus verschließt. Nur in besonderen Fällen ist eine offene Operation notwendig, etwa wenn der PDA sehr groß ist oder andere Herzfehler vorliegen.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Kinder und Erwachsenen mit einem kleinen PDA führen ein ganz normales Leben ohne Einschränkungen. Wichtig ist, regelmäßig zur Kontrolle zu gehen und auf den eigenen Körper zu achten. Nach einer erfolgreichen Behandlung ist der PDA in der Regel dauerhaft verschlossen und es sind keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen mehr nötig.
Tipps für den Alltag
- Auf eine herzgesunde Lebensweise achten: ausreichend Schlaf, Stress vermeiden, Nichtrauchen.
- Bei Säuglingen und Kindern: normale Entwicklung fördern, aber Überanstrengung vermeiden, bis der Arzt grünes Licht gibt.
- Bei Erwachsenen: regelmäßige Bewegung in Maßen, aber extreme Leistungssport nur nach Rücksprache mit dem Kardiologen.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die einen PDA behandeln könnte. Bei Säuglingen mit Trinkschwäche kann eine energiereiche Ernährung nötig sein, um gut zuzunehmen. Ältere Kinder und Erwachsene sollten sich ausgewogen ernähren und auf Normalgewicht achten. Bewegung ist erlaubt und sinnvoll, solange keine Atemnot oder Erschöpfung auftritt. Bei größeren unbehandelten PDAs sollte der Arzt die Sporttauglichkeit individuell beurteilen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose eines Herzfehlers kann bei Eltern und Betroffenen zunächst Angst auslösen. Es hilft, sich gut informiert zu fühlen und offene Fragen mit dem Arzt zu klären. Die meisten Kinder mit behandeltem PDA entwickeln sich völlig normal. Auch psychologische Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn die Sorge sehr belastend ist.
Vorbeugung
Ein PDA lässt sich in den meisten Fällen nicht direkt verhindern, da die Ursache nicht genau bekannt ist. Eine gute Schwangerschaftsvorsorge und eine gesunde Lebensweise der Mutter können das Risiko für angeborene Herzfehler insgesamt verringern. Wichtig ist auch der Schutz vor Röteln, da eine Röteln-Infektion in der Schwangerschaft das Risiko für Herzfehler erhöht.
Impfungen
Eine Impfung gegen Röteln (Teil der MMR-Impfung) vor oder nach der Schwangerschaft schützt das ungeborene Kind vor einer Röteln-Infektion. Auch alle anderen empfohlenen Schutzimpfungen sollten nach dem Impfkalender erfolgen, um Infektionen zu vermeiden, die Herz und Kreislauf belasten können.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland wird bei der U2-Untersuchung von Neugeborenen auch das Herz abgehört. Bei Frühgeborenen erfolgt zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung, um einen PDA frühzeitig zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz), wenn das Herz über Jahre durch den zusätzlichen Blutfluss belastet wird.
- Pulmonale Hypertonie – ein erhöhter Blutdruck in der Lungenschlagader, der auf Dauer die Lunge schädigen kann.
- Endokarditis – eine Entzündung der Herzinnenhaut, die durch Bakterien ausgelöst werden kann und lebensbedrohlich sein kann.
- Selten: Herzrhythmusstörungen oder ein vergrößertes Herz.
Langzeitprognose
Die Prognose bei einem PDA ist in den meisten Fällen sehr gut. Viele kleine PDAs schließen sich von selbst oder bleiben ohne Beschwerden. Wenn eine Behandlung nötig ist, gelingt der Verschluss heutzutage fast immer erfolgreich und mit geringen Risiken. Nach der Behandlung ist das Leben in der Regel völlig normal und ohne Langzeiteinschränkungen. Auch bei Erwachsenen kann ein offener Ductus noch sicher verschlossen werden, bevor ernsthafte Folgeschäden auftreten.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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