Herzbeutelentzündung (Perikarditis)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Herz liegt in einer dünnen, schützenden Hülle, dem Herzbeutel. Bei einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis) ist diese Hülle gereizt und geschwollen. Das kann Schmerzen in der Brust und manchmal auch Flüssigkeitsansammlungen um das Herz herum verursachen.
Wichtige Fakten
- Der Herzbeutel schützt das Herz und ermöglicht ihm, sich reibungslos zu bewegen.
- Typisch sind stechende Brustschmerzen, die beim Liegen stärker werden und im Sitzen nachlassen.
- Viele Herzbeutelentzündungen heilen von selbst aus oder mit entzündungshemmender Behandlung.
Eine Herzbeutelentzündung ist nicht sehr häufig, aber auch kein sehr seltenes Krankheitsbild. Jedes Jahr erkranken einige Tausend Menschen in Deutschland daran.
Sie kann in jedem Alter auftreten, besonders aber bei Männern zwischen 20 und 50 Jahren. Auch nach starken Infekten oder nach Herzoperationen kommt sie gelegentlich vor.
Symptome
- Sehr starke, anhaltende Brustschmerzen, die nicht nachlassen.
- Akute Atemnot oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen.
- Herzrasen verbunden mit Schwindel oder Ohnmachtsgefühl.
- Kaltschweißigkeit und blasses Aussehen.
- ⚠Fieber zusammen mit Brustschmerzen.
- ⚠Zunehmende Erschöpfung und Atemnot bei leichter Belastung.
- ⚠Geschwollene Beine oder ein stark aufgeblähtes Gefühl im Bauch.
Häufige Symptome
- Stechende oder drückende Schmerzen hinter dem Brustbein, die in die linke Schulter oder den Hals ausstrahlen können.
- Schmerzen, die beim tiefen Einatmen, Husten oder Liegen stärker werden und beim Aufsetzen oder Vornüberbeugen nachlassen.
- Fieber, Abgeschlagenheit und Erschöpfung.
- Kurzer Husten oder Atemnot bei Belastung.
- Herzklopfen oder das Gefühl, das Herz stolpert.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern äußert sich die Herzbeutelentzündung oft weniger deutlich.
- Sie wirken müde, reizbar oder klagen über Bauchschmerzen.
- Die Brustschmerzen können fehlen oder werden nicht klar beschrieben.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Schmerzen sind manchmal schwächer und werden leicht übersehen.
- Häufiger treten Atemnot, allgemeine Schwäche und Verwirrtheit auf.
- Bestehende Herzerkrankungen können das Bild verschleiern.
Ursachen
Hauptursachen
- Virusinfektionen, etwa im Rahmen eines grippalen Infekts oder einer Magen-Darm-Infektion.
- Bakterielle Infektionen, deutlich seltener.
- Nach einem Herzinfarkt oder einer Herzoperation.
- Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder rheumatoide Arthritis.
- Nierenschwäche oder Urämie (Harnvergiftung).
- Verletzungen oder Stöße auf die Brust.
- In seltenen Fällen durch bestimmte Medikamente – sprechen Sie bei Verdacht mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Risikofaktoren
- Eine kürzlich durchgemachte Virusinfektion.
- Immunkrankheiten oder die Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen.
- Chronische Nierenerkrankungen.
- Herzoperationen oder das Einsetzen eines Herzschrittmachers.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie neu aufgetretene Brustschmerzen haben, sollten Sie noch am selben Tag ärztlich abklären lassen.
- Bei Fieber und gleichzeitigem Druck auf der Brust suchen Sie eine ärztliche Praxis auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich seit Tagen schlapp fühlen und ein dumpfer Brustschmerz nach einem Infekt bleibt.
- Wenn Sie bereits wegen einer Herzerkrankung in Behandlung sind und neue Beschwerden auftreten.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose mithilfe Ihrer Krankengeschichte, der Beschreibung Ihrer Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung. Beim Abhören des Herzens kann man manchmal ein typisches Reibegeräusch hören.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): Misst die elektrischen Signale des Herzens und zeigt typische Veränderungen.
- Blutuntersuchung: Zeigt Entzündungszeichen und hilft, einen Herzinfarkt auszuschließen.
- Herzultraschall (Echokardiografie): Macht den Herzbeutel und eventuelle Flüssigkeitsansammlungen sichtbar.
- Röntgen der Brust: Ergänzende Untersuchung, um Lunge und Herzschatten zu beurteilen.
- In unklaren Fällen kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens durchgeführt werden.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist lässt sich die Diagnose schon in der Hausarztpraxis stellen. Bei unklaren Befunden oder stärkeren Beschwerden überweist die Hausärztin oder der Hausarzt an eine kardiologische Fachpraxis oder ein Krankenhaus.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. In vielen Fällen genügt es, den Körper zu schonen und die Entzündung mit ärztlich verordneten, entzündungshemmenden Medikamenten zu lindern. Die Beschwerden klingen dann meist innerhalb von einigen Tagen bis Wochen ab.
Selbsthilfe zu Hause
- Körperliche Schonung und ausreichend Schlaf, bis die Beschwerden nachlassen.
- Auf Sport und intensive Belastungen verzichten, bis die Ärztin oder der Arzt das grüne Licht gibt.
- Lagerung erleichtert oft: Aufrecht sitzen und leicht nach vorne beugen.
- Stress vermeiden und bewusst Pausen im Alltag einplanen.
- Auf das Rauchen verzichten – das entlastet das Herz.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache werden entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Diese wirken schmerzlindernd und verringern die Schwellung des Herzbeutels. Bei einer bakteriellen Infektion sind Antibiotika notwendig. Wenn sich sehr viel Flüssigkeit um das Herz ansammelt, kann diese über eine feine Nadel entlastet werden. Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen, werden bei autoimmunen Ursachen eingesetzt. Die konkrete Behandlung bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur in seltenen Fällen, etwa bei einer sehr starken Verdickung und Vernarbung des Herzbeutels, kann eine Operation nötig sein, bei der der Herzbeutel eröffnet oder teilweise entfernt wird.
Leben mit der Erkrankung
Geben Sie Ihrem Körper Zeit, sich zu erholen. Bauen Sie Alltagsaktivitäten langsam wieder auf und steigern Sie Belastungen nur nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf und regelmäßige Pausen.
- Auf Alkohol und Rauchen verzichten oder bestenfalls stark einschränken.
- Nach Abklingen der akuten Phase leichte Bewegung an der frischen Luft, zum Beispiel Spazierengehen.
- Stressabbau durch Atemübungen, Entspannungstechniken oder angenehme Hobbys.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene, herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten ist empfehlenswert. Auf intensive körperliche Anstrengung sollte in den ersten Wochen verzichtet werden – fragen Sie Ihren Arzt, wann Sie mit moderatem Ausdauertraining starten dürfen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Brustschmerzen können verunsichern und Angst auslösen. Es ist verständlich, dass Sie sich Sorgen machen. Sprechen Sie über Ihre Ängste – mit Angehörigen oder in einer Herzsport- oder Selbsthilfegruppe. Psychologische Unterstützung kann auch helfen, mit der Krankheitsphase besser umzugehen.
Vorbeugung
Nicht jede Herzbeutelentzündung lässt sich verhindern. Sie können aber das Risiko senken, indem Sie Infekte ernst nehmen und auskurieren, das Immunsystem durch gesunden Schlaf und Ernährung stärken und chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Nierenleiden gut behandeln lassen.
Impfungen
Schutzimpfungen gegen Grippe, Corona und andere Erreger können helfen, schwere Infekte zu vermeiden, die eine Herzbeutelentzündung auslösen können. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berät Sie zu den für Sie empfohlenen Impfungen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Früherkennungsuntersuchung für eine Herzbeutelentzündung. Wichtig ist, auf wiederkehrende Brustschmerzen oder unklare Erschöpfung zu achten und dies ärztlich abklären zu lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ansammlung von Flüssigkeit um das Herz, die die Herzarbeit behindern kann.
- Herzbeuteltamponade – ein medizinischer Notfall, bei dem das Herz durch Flüssigkeitsdruck nicht mehr richtig pumpen kann.
- Übergang in eine chronische Form mit dauerhaften Beschwerden.
- Vernarbung des Herzbeutels (konstriktive Perikarditis), die das Herz einengt.
Langzeitprognose
Die Aussichten bei einer Herzbeutelentzündung sind insgesamt sehr gut. Ein Großteil der Betroffenen wird wieder vollständig gesund. Auch bei einer behandlungsbedürftigen Entzündung klingt die Erkrankung meist ohne bleibende Schäden ab. Entscheidend ist, sich rechtzeitig medizinisch betreuen zu lassen und die Ruhezeit konsequent einzuhalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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