Pulmonale Alveolarproteinose (PAP)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die pulmonale Alveolarproteinose (PAP) ist eine seltene Lungenerkrankung. In den winzigen Lungenbläschen, die den Sauerstoff ins Blut bringen, sammelt sich eine eiweißreiche, schaumige Flüssigkeit. Dieses Material blockiert die Lungenbläschen und erschwert die Atmung. Der Körper kann dieses Material nicht wie gewohnt selbst abbauen.
Wichtige Fakten
- Die Lungenbläschen füllen sich mit einer eiweißreichen, schaumigen Flüssigkeit.
- Die häufigste Form ist die Autoimmun-PAP, bei der das eigene Immunsystem die Reinigungsfunktion der Lunge stört.
- Die Behandlung kann die Beschwerden deutlich bessern – je früher sie beginnt, desto besser.
Nein, die PAP ist eine sehr seltene Erkrankung. Man schätzt, dass etwa 1 von 2 Millionen Menschen pro Jahr neu erkrankt. Die meisten Hausärzte sehen in ihrem Berufsleben nie einen betroffenen Menschen.
Meist erkranken Erwachsene zwischen 40 und 50 Jahren. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Auch Kinder und ältere Menschen können erkranken. Besonders betroffen sind Menschen, die rauchen oder beruflich viel Staub einatmen.
Symptome
- Plötzliche, schwere Atemnot, die nicht nachlässt
- Bläulich verfärbte Lippen, Zunge oder Fingerspitzen (Zeichen für akuten Sauerstoffmangel)
- Verwirrtheit, starke Unruhe oder Benommenheit
- ⚠Zunehmende Atemnot, die den Alltag deutlich einschränkt
- ⚠Fieber mit Schüttelfrost und Husten, das sich nicht bessert
- ⚠Brustschmerzen beim Atmen
Häufige Symptome
- Atemnot bei körperlicher Belastung, zum Beispiel beim Treppensteigen
- Trockener Husten
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Husten mit weißlichem, schaumigem Auswurf
- Leichtes Fieber
- Ungewollter Gewichtsverlust
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmun-PAP (etwa 90 % der Fälle): Das Immunsystem greift fälschlich eine Substanz an, die die Lungenbläschen sauber hält. Dadurch wird der Abtransport des eiweißreichen Materials blockiert.
- Sekundäre PAP: Sie entsteht als Folge anderer Erkrankungen – zum Beispiel bestimmte Blutkrankheiten, schwere Infektionen oder die Einatmung von feinen Stäuben wie Quarz- oder Metallstaub.
- Angeborene PAP: Sie ist sehr selten und wird durch Genveränderungen verursacht, die die Reinigung der Lungenbläschen beeinträchtigen.
Risikofaktoren
- Rauchen – auch Passivrauchen
- Berufliche Staubbelastung (z. B. Metall-, Holz- oder Quarzstaub)
- Erkrankungen des Immunsystems oder bestimmte Blutkrankheiten
- Schwere Atemwegsinfektionen in der Vorgeschichte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie über zwei Wochen Husten haben, der nicht besser wird
- Wenn Sie bei alltäglichen Dingen wie Treppensteigen schnell aus der Puste kommen
- Wenn Sie wiederholt Fieber haben, ohne eine erkennbare Infektion zu haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie unsicher sind, ob sich Ihre Lungenleistung verändert hat
- Wenn Sie eine chronische Erkrankung haben und allgemeine Fragen zur Belastbarkeit besprechen möchten
Diagnose
Die Diagnose wird meist von einem Lungenfacharzt gestellt. Zuerst erhebt der Arzt Ihre Krankengeschichte, hört die Lunge ab und macht einen Lungenfunktionstest. Danach folgen in der Regel bildgebende Untersuchungen und eine spezielle Lungenuntersuchung. Die genaue Diagnostik kann einige Zeit in Anspruch nehmen, gibt aber Sicherheit.
Mögliche Untersuchungen
- Lungenfunktionstest (Spirometrie) – misst, wie viel Luft Sie ein- und ausatmen können
- Bildgebung: Röntgen und Computertomographie (CT) des Brustkorbs zeigen feine Verschattungen der Lunge
- Bluttest auf Autoantikörper – ein Marker für die Autoimmun-PAP
- Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage – dabei wird sterile Flüssigkeit in die Lunge eingebracht und wieder abgesaugt. Die Flüssigkeit sieht oft milchig-schaumig aus – ein typischer Hinweis.
- In unklaren Fällen entnimmt der Arzt eine kleine Gewebeprobe (Lungenbiopsie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind nicht schmerzhaft. Für die Bronchoskopie erhalten Sie eine örtliche Betäubung oder eine leichte Kurznarkose. Sie können danach oft schon nach wenigen Stunden nach Hause. Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt alle Schritte genau besprechen – auch, warum die Diagnostik so genau sein muss.
Behandlung
Die PAP wird heute gezielt behandelt. Das Ziel ist, das angesammelte Material aus den Lungenbläschen zu entfernen und die Reinigungsfunktion der Lunge wiederherzustellen. Die wichtigste Methode ist das therapeutische Ausspülen der Lunge. Je nach Ursache können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden, die das Immunsystem beeinflussen. Manche Patienten benötigen vorübergehend zusätzlichen Sauerstoff. Die Behandlungsentscheidungen orientieren sich an der aktuellen Leitlinie der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Rauchen aufhören – das ist der wichtigste Schritt, um die Lunge zu entlasten
- Regelmäßige leichte Bewegung, zum Beispiel Spazierengehen, sobald Sie sich belastbar fühlen
- Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über sinnvolle Schutzimpfungen gegen Grippe und Lungenentzündung
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Entspannung
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Ansätze: Die therapeutische bronchoalveoläre Lavage spült mit einer sterilen Salzlösung die Lungenbläschen aus. Dieser Eingriff wird in Kurznarkose vorgenommen und kann bei Bedarf wiederholt werden. Bei der autoimmunen Form kann eine Behandlung mit bestimmten Wirkstoffen helfen, die Abräumfunktion der Lungenzellen zu unterstützen. Diese werden entweder inhaliert oder gespritzt. Weitere Immuntherapien, die das fehlgesteuerte Immunsystem beeinflussen, kommen in Frage. Welche Therapie für Sie die richtige ist, entscheidet Ihr Pneumologe individuell. Bitte fragen Sie nach den Wirknamen – wir dürfen hier keine konkreten Arzneimittel nennen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei PAP in der Regel nicht erforderlich. Nur wenn die Erkrankung trotz aller Behandlungen so weit fortschreitet, dass die Lungenschädigung nicht mehr rückgängig zu machen ist, kann als letzte Möglichkeit eine Lungentransplantation erwogen werden. Dies kommt sehr selten vor.
Leben mit der Erkrankung
Mit der richtigen Behandlung können viele Menschen mit PAP ein erfülltes Leben führen. Sie lernen mit der Zeit, Ihre Kräfte einzuteilen. Treppensteigen oder Einkaufen kann anstrengend sein – planen Sie Pausen ein. Ein Atemtherapeut zeigt Ihnen Techniken, die das Atmen erleichtern. Ein verordnetes Sauerstoffgerät können Sie nutzen, um mobiler zu bleiben.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie Rauch und Staub in der Atemluft
- Halten Sie Abstand zu Menschen mit ansteckenden Atemwegsinfekten
- Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Arztteam, auch wenn es Ihnen gut geht
- Nehmen Sie regelmäßige Nachsorgetermine wahr, oft alle 3 bis 6 Monate
Ernährung und Bewegung
Essen Sie viel Obst, Gemüse und vollwertige Kost, damit Sie genügend Vitamine bekommen. Falls Sie abgenommen haben, können kleinere, energiereiche Mahlzeiten helfen. Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking erhält die Lungenfunktion und die Muskelkraft. Eine physiotherapeutische Atemgymnastik ist besonders hilfreich – sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Lungenerkrankung wie PAP kann Ängste, Unsicherheit und depressive Verstimmungen auslösen. Es ist völlig normal, dass Sie sich manchmal sorgen. Sie müssen nicht alles mit sich allein ausmachen. Sprechen Sie mit Ihrer Familie oder schließen Sie sich einer Selbsthilfegruppe an. Viele Krankenhäuser bieten psychologische Beratung an – auch speziell für Lungenpatienten. Wenn Sie Gedanken haben, nicht mehr weiterleben zu wollen, oder das Gefühl haben, überlastet zu sein, wenden Sie sich bitte sofort an eine vertraute Person, an Ihre Arztpraxis, an die kostenlose Telefonseelsorge (0800 111 0 111) oder rufen Sie in einer akuten Notlage die 112 an. Es ist keine Schande, Hilfe zu suchen.
Vorbeugung
Eine Autoimmun-PAP lässt sich nicht sicher verhindern, da die Ursache im Immunsystem liegt. Die sekundäre Form kann teilweise vermieden werden, indem Sie Risiken wie Rauchen und starke Staubbelastung meiden. Menschen mit beruflicher Staubexposition sollten die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz ernst nehmen.
Impfungen
Für Menschen mit Lungenerkrankungen sind Impfungen besonders wichtig – vor allem gegen Grippe und Pneumokokken. Auch die COVID-19-Impfung wird empfohlen. Besprechen Sie Ihren Impfstatus mit Ihrem Hausarzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening für PAP. Menschen mit erhöhtem Risiko – etwa durch bestimmte Blutkrankheiten oder anhaltende Staubbelastung – sollten jedoch regelmäßig ihre Lunge kontrollieren lassen. Ihr Arzt entscheidet, ob solch eine Vorsorge für Sie sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Lungenbläschen werden zunehmend blockiert, der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt
- Wiederholte Lungenentzündungen und Pilzinfektionen der Lunge
- Lungenfibrose – Vernarbung des Lungengewebes (selten)
- In schweren Fällen Belastung des Herzens durch erhöhten Druck im Lungenkreislauf
Langzeitprognose
Mit den heutigen Behandlungen – insbesondere der therapeutischen Lavage – können sich viele Betroffene deutlich erholen. Rund zwei Drittel der Menschen mit Autoimmun-PAP sprechen gut auf die Therapie an. Die Erkrankung kann wiederkehren, aber sie lässt sich in den meisten Fällen gut kontrollieren. Die Forschung arbeitet stetig an neuen, besser verträglichen Therapien. Das gibt Grund zur Hoffnung.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Lungeninformationsdienst ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.